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Full text of "Das aegyptische Todtenbuch der XVIII. bis XX. Dynastie;"

- DAS 

AEGYPTISCHE TODTEMUCH 

DER XVIII. BIS XX. DYNASTIE 

AUS VERSCHIEDENEN URKUNDEN 

ZUSAMMENGESTELLT UND HERAUSGEGEBEN 



vox 



EDOUARD NAVILLE 



MIT UNTEKSTÜTZUNG DES KÖNIGLICH PREUSSISCHEN MINISTERIUMS DER 
GEISTLICHEN, UNTERRICHTS- UND MEDICINAL-AN6ELEGENHEITEN 



0/o\,3.3 



EINLEITUNG 



BERLIN 

VERLAG VON A. ASHER «.^ Co. 

1886 



3 1, lü a I 



VORWORT. 



K 



ach Vollendung dieser Arbeit, die mich länger als zehn Jahre 
beschäftigt hat, drängt es mich, allen denjenigen, welche mich 
bei der Ausführung derselben in irgend einer Weise unterstützt 
haben, meinen Dank auszusprechen. 

Zunächst gedenke ich meines verehrten Lehrers, des Herrn 
Professor Lepsius, der auf dem Orientahstencongresse zu London 
den Vorschlag machte, diese Aufgabe, deren Ausführung er zu- 
erst ins Auge gefafst hatte, mir zu übertragen und der mit seinem 
Rathe und seinem grofsen Wissen mir beständig ermutigend und 
helfend zur Seite gestanden hat. Noch wenige Tage vor seinem 
Tode richtete er vom Krankenlager aus mit zitternder Hand einige 
Zeilen an mich, in denen er mich zur Erreichung meines Zieles 
beglückwünschte. Seiner Fürsprache verdanke ich die wirksame 
Unterstützung, welche mir die Berliner Akademie für die Vorar- 
beiten gewährt hat. Zugleich richtete er an das Königlich Preufsi- 
sche Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medieinal-An- 
gelegenheiten das Gesuch, die Veröffentlichung des Werkes zu er- 



IV 

leichtem. Diese Hohe Behörde hat dem Gesuche geneigtest ge- 
willfahrt und in liberaler Weise dem Todtenbuche die Theilnahme 
bewiesen, welche sie anf den verschiedensten Gebieten allem, 
was zur Förderung der Wissenschaft beitragen kann, entgegen- 
bringt. Dank dieser Gunst haben die vorliegenden Bände er- 
scheinen können. 

Lepsius, welcher das Unternehmen eingeleitet hatte, war 
nicht mehr; aber Herr Professor Dillmann ist gütigst an seine 
Stelle geti'eten und hat, unterstützt durch das Ansehen, dessen sich 
sein Xame in der wissenschaftlichen Welt erfreut, in der erfolgreich- 
sten Weise die für die Publikation nothwendigen Schritte gethan. 

Mit Bedauern muls ich auch der beiden Mitgheder des 1875 
gegründeten Comites gedenken, der Herren Chabas und Birch. 
Keiner von beiden hat die Arbeit gesehen, deren Gniudlagen sie 
gebilligt und deren Wichtigkeit sie den Freunden der ägyptischen 
Studien dargelegt hatten. Die Erleichterungen, deren ich mich 
bei der Bearbeitung der Urkunden zu erfreuen hatte, verdanke 
ich zum Theil ihrer liebenswürdigen Empfehlung. In allen euro- 
päischeu uud ägyptischen Museen, überall, wohin mich meine 
Nachforschungen geführt haben, bin ich immer mit dem gröfsten 
Wohlwollen aufgenommen, und mit vollkommener Liberalität sind 
mir die Papyri sogleich zur Verfügung gestellt worden. Ich danke 
datür herzlichst allen Conservatoren bei den Museen, mit denen 
in Beziehung zu treten ich das Vergnügen gehabt habe, und die 
ich nicht alle einzeln namhaft machen kann. In gleicher Weise 
fühle ich mich auch deu Privatleuten veiilichtet, welche mir die 
in ihren Sammlungen befindlichen Pappi zu benutzen gestattet, 
und denjenigen unter meinen gelehrten Fachgenossen, welche mir 
Abschriften und Peprodnktionen von Texten, die ich mir nicht 
würde haben verschaffen können, freundlichst übermittelt haben. 



Besonders lievvoigehobeii zu worden verdient das, was mein 
gelehrter College, Herr Professor Sterx tur das vorliegende Werk 
gethau hat. Er hat nicht nur die Veröffentlichung desselben sorg- 
fältigst überwacht, sondern auch die nicht sehr dankbare Aufgabe 
gütigst übernommen, die folgende Einleitung, welche ich franzö- 
sisch niedergeschrieben hatte, ins Deutsche zu übersetzen. Für 
diese Arbeit, für welche er in jeder Hinsicht berufen w'ar, sage 
ich ihm meinen anfrichtigen Dank. 

Endlich darf ich nicht das Haus A. Asher cV: Co. in Berlin 
vergessen, welches das schwierige und wenig lukrative Unterneh- 
men der Pul)likation ausgeführt und dem Werke eine Ausstattung 
gegeben hat, die seinen Druckereien Ehre macht. 

Und nun übergebe ich meinen gelehrten Fachgenossen die- 
sen Text des Todteubuchs, der, wie ich lioffe, in ihren Händen 
dazu beitragen wird, die Kenntnifs der ägyptischen Sprache und 
Religion zu fördern und manche bis jetzt unüberwindliche Schwie- 
rigkeiten zu besiegen. 

^[alagny bei Genf, im März 1886. 



Edouard Xaville. 



Inhalt. 

, Seite 

I. Kapitel. Die thebaische Ausgabe des Todtenbuchs 1 

II. Kapitel. Das Todtenbiich, seine Bedeutimg, seine Geschichte und die 

Art es zu schreiben 18 

III. Kapitel. Beschreibung der Texte 47 

IV. Kapitel. Bemerkungen zu den einzelneu Kapiteln des Todtenbuchs . 113 
Hieroglyphisches Verzeichnils der Kapitel 193 



ERSTES KAPITEL. 
Die tlieb.aisclie Ausgabe des Todteiibuclies. 



A, 



.Is Lepsius 1842 den grofsen Turlner Piq^yrus veröffentlichte, welchen 
er „das Todtenbuch" benannte, führte er die Ägyptologen auf ein wis- 
senschaftliches Feld, welches bis dahin noch unerforscht geblieben war. 
Er übergab ihnen, wie er sich ausdrückt, „das gröfste zusammenhängende 
Literaturwerk, das uns von den Ägyptern erhalten ist". 

Schon vor ihm hatte Champollion den allgemeinen Inhalt des Bu- 
ches erkannt und bemerkt, dafs sich eine beträchtliche Anzahl von Wie- 
derholungen desselben Textes in den europäischen Sammlungen befände; 
er hat auch in seinen Werken, namentlich in seiner Grammatik, einige 
Sätze daraus angeführt, aber zum Gegenstand besonderer Studien hat er 
es nicht gemacht. Lepsius begriff von vornherein die Wichtigkeit eines 
Buches, welches das Vade mecum oder der Pafs war, den die Verstorbe- 
nen bei sich führten. Da die Ägypter darauf hielten ein Exemplar des- 
selben zu besitzen und da es alle Eigenschaften eines religiösen Buches 
hatte, so versprach es uns über den Glauben dieser frühen Zeiten, über 
die Götter, über die Mythologie u. s. w. aufzuklären. Da sich ferner 
dieses Buch in einer sehr grofsen Zahl von Exemplaren aus verschiedeneu 
Zeiten erhalten hat und jedes derselben viele Varianten darbietet, so war 
CS das Geeignetste Gebiet für iihilolooische Studien zur Erkenntnifs der 

O O 1 CT 

1 



altägyptischen Spi'ache; hier mufsten viele Schwierigkeiten iln-e Lösung 
finden. 

Dieser letzte Gesichtspunct, die philologische Wichtigkeit des Todten- 
buches, scheint Lepsius besonders für dasselbe eingenommen zu haben. 
Indem er die Unzulänglichkeit der bis dahin gemachten Textpublicationen^) 
erkannte, ersah er sich den umfangi'eichsteu Papyrus, welchen er fand, den 
Turiiier; er machte 1836 selbst eine Durchzeichnung desselben und col- 
latlonierte sie auf einer folgenden Reise 1841. Diese Durchzeichnung, 
welche der geschickte Künstler M. Weidenbach lithographierte, bildet mit 
einer Einleitung das AVerk: ,.das Todtenbuch der Ägypter". 

Abgesehen davon, dafs der von Lepsius gewählte Papyrus viel 
vollständiger ist als der Papyrus Cadet, dessen Veröffentlichung voraus- 
gegangen war, hatte seine Ausgabe den grofsen Vorzug einer neuen Ein- 
theilung. Diese Eintheilung, welche, wie wir unten sehen werden, die 
einzig mögliche und die einzige auf einem practischen Grundsatze beru- 
liende ist, machte den Gebrauch des Buches betpiem und erleichterte 
sehr die Verweisungen auf dasselbe und die Citate. Auch haben sich 
die Agyptologen so sehr an dieselbe gewöhnt, dafs ihre Abänderung 
unzuträglich sein würde. 

Kaum hatten die ÄgyjDtologen das Studium des Todtenbuches be- 
gonnen, so bemerkten sie, dafs dieser Text von Schwierigkeiten strotzt. 
Dieselben sind verschiedener Art und Iteziehen sich zunächst auf das 
Buch selbst und auf flen Stil, iu dem es geschrieben ist. Der Mysticis- 
mus, der darin waltet, die Fülle der Gestalten, die Seltsamkeit der Bil- 
der, die Unmöglichkeit zu erkennen, wie die Ägypter die abstracten 
Ideen selbst der einfachsten Art wiedergaben, — alles dies bildet erheb- 
liche Hindernisse, an denen sich der Übersetzer fortwährend stofsen 
mufs. Daher behält ein philologisch leicht verständlicher Satz, dessen 



') Copie figiiree d'im rouleau de papyrus trouve h Thebes dans un Tombeau 
des Rois, publice par M. Cadet, Paris 1805, und in der Description de TEgypte, 
Antiquites, vol. IL Andere weniger wichtige Publicatiouen haben Senkowski, 
Young, Belmoee, Rosellixi und Fontana gemacht. 



WörtLT und Grammatik uns gar niclit in Verlegenheit setzen, nur zu oft 
ein fremdartiges und selbst burleskes Aussehen; wir haben die Form ver- 
standen, aber sind nicht bis zu der Idee, welche sich dahinter verbirgt, 
durch üedrunsen. 

Diese Scliwierigkciten erscheinen in dem von Lkpsius edierten 
Texte sogar noch vergröfsert. Diese Urkunde ist trotz ihrer graphi- 
schen Schönheit weit entfernt eine der correctesten zu sein. Sie wim- 
melt Von FehU'ru jeder Art, wie geübte Ägyptologen alsbald erkannt 
haben. Aufserdem ist sie oilenbar keineswegs sehr alt, sondern stammt 
frühestens aus der Zeit der Psammetiche, wie Lki'SIUS meinte, wahr- 
scheinlicher aber aus dem Zeitalter iler Ptolemäer. Es ist also ein 
Text, der nicht nur keine Correctheit verbürgt, sondern auch nur eine 
späte Redaction des Todteiibuches gewährt. Auch eitleren ihn die mei- 
sten Ägyptologen heute nur mit Vorsicht und ohne das Verdienst der 
Übersetzung von Birch, der ältesten, und der neuem von Pierket ir- 
gend wie schmälern zu wollen, glaube ich doch behaupten zu können, 
dafs heute kein Agyptologe mehr auf Grund des Turiner Textes allein 
eine Übertragung des Todtenbuches versuchen möchte. 

Es handelte sich also darum diesem Übelstande abzuhelfen und es 
gab zwei Mittel zur BeschafFung eines bessern Textes: man veröffent- 
lichte correcter geschriebene Papyri oder stellte auch die guten Lesar- 
ten mit Hülfe mehrerer Urkunden wieder her. Der erstere Weg ist von 
E. DE Rouge eingeschlagen worden. In seinen schönen Studien über das 
Rituel funeraire geht der gelehrte Academiker davon aus, dafs die fune- 
räreu Papyri ursprünglich hieratisch geschriel>en sind un<l dafs die liiero- 
glyphischen Texte mu' die Umschrift" der hieratischen sin<l. Demnach 
müfste das Studium mit dun letzteren beginnen und viele Fehler der hie- 
roglyphischen Papyri würden sich daraus von selbst erklären. Zu die- 
sem Behufe hat E. de Rouge die Publication eines der umfangreichsten 
hieratischen Papyri in der Sammlung des Lonvre begonnen. Diese noch 
unvollendete Edition entspricht jedoch dem Zwecke nur unvollkonunen, 
weil sie einen Papyrus giebt, der jünger als die XXVI. Dynastie und 

1* 



folglich jünger ist als die grofse Revision und Codification, welche mit 
dem Todtenbnch in jener Zeit vorgenommen sein müssen. i) Übrigens 
schien der gelehrte Academiker eben das Todtenbnch der spätem Epoche 
ins Auge gefafst zu haben; die Noth wendigkeit höher hinaufzusteigen 
war seinem Scharfsinne jedoch nicht entgangen, da er schreibt: „Es ist 
unmöslich, die Übersetzuno; irgend eines Theiles des Rituals mit ernst- 
liehen Aussichten auf Erfolg zu unternehmen, ohne dafs man eine ge- 
wisse Zahl von Manuscripten verglichen und über das Alter der Varian- 
ten und ihre Auctorität eine Art historischen Studiums gemacht hat. 
Aber man wird leicht berechnen können, wie viel Zeit so minutiöse 
Vorarbeiten erfordern; man wird oftmals mehrere Museen ausbeuten müs- 
sen, ehe man die zum Verstäudnifs eines einzigen Kapitels nöthigen Ma- 
terialien beisammen hat."-) 

Die Wiederherstellunrr einer correcten Recension des Todtenbuches 
mittels der Vergleichung verschiedener Urkunden, die Textkritik, das war 
eine unerläfsliche Arbeit, aber sie liefs sich nicht versuchen, so lange 
sich die Keuutnifs der ägyptischen Sprache nicht genügend entwickelt 
hatte. Man nuifs aus den Phasen der mühsamen Entzifferung heraus 
sein, ehe man die Kritik der Texte in Angriff nehmen kann. Nichts 
zeigt besser die auf diesem Wege gemachten Foi'tschritte , nichts beweist 
entschiedener den wohl erworbenen Besitz einer Sprache, als die That- 
sache, dafs ein Gelehrter die Kritik eines gegebenen Textes unternimmt. 
Auch hier verdankt man Lepsiu.s den ersten Versuch, der freilich noch 
unvollkommen war, aber nicht nur den inne zu haltenden Weg vorzeich- 
nete, sondern auch die Wichtigkeit einer solchen Arbeit hervoi'hob. In 
der gelelu-ten Einleitung zu den „Ältesten Texten des Todtenbuches" hat 
Lepsius für einige Zeilen des 17. Kapitels die nothwendige Vergleichung 



^) Dasselbe muls ich von dem von Dr. Leemaxs publicierten hieratischen 
Papyrus T. 16 sagen; die Publication des hieroglyphischen Papyrus T. 11 ist da- 
gegen viel wichtiger und nützlicher gewesen. 

2) Etudes sur le Rituel in der Revue archeologique 1860. I. p. 72. 



angestellt, um zu L-inem besseren VerstäiHlnifs des von ihm übersetzten 
Fragments zu gelungen; und deshalb hat er den Texten des Mittlern 
Reiches auf den von ihm veröffentlichten Särgen einen Text der XVIII. 
Dynastie, das Grab des Amenemha (Tci) und den Turinoi* Text an die Seite 
gestellt. Die erheblichen Abweichungen, wrlche er zwischen der saTti- 
schen odrr jitoleniäischen Version und denen der altern Epochen fand, 
haben ihn veranlafst sich zu fragen, ob sich nicht erforschen lasse, was 
das Todtenbuch in den verschiedenen Zeitaltern gewesen ist, ob es keine 
wichtigen Veränderungen erlitten, mit einem Worte, ob es keine Geschichte 
gehabt habe. Die Reconstruction des Buches und das Studium der ver- 
schiedenen Phasen, welche es durchlaufen hat, — dies waren die Lieb- 
lingsideen des ersten Herausgebers, welcher die Wichtigkeit einer solchen 
Arbeit für die Erforschung der Mythologie und der Sprache besser be- 
m'theilen konnte als ircend ein anderer. Besser aiicli als ir^x-nd ein an- 
derer konnte er die Schwierigkeiten würdigen, welche sich einer Aus- 
führung in etwas bedeutenderem Mafsstabe entgegenstellten ; aber es 
war ein Wunsch, dessen Verwirklichung ihm sehr am Herzen lag, "wie 
er dem Verfasser dieser Seiten oftmals mündlich und brieflich ausgespro- 
chen hat. 

So hielt denn Lepsius, als im September 1874 der Orientalisten- 
Congrefs mehrere bedeutende Ägyptologen in London vereinigte, die Ge- 
legenheit für günstig, um die berufensten Vertreter der Wissenschaft für 
die Ausführung einer ähidichen Arbeit zu gewiiuien. Li einer besondern 
Sitzung der ägyptologischen Section wurde ein Beschlufs angenommen, 
von dessen Wortlaut ich einige Sätze hersetze: .,1t seemed of special mo- 
ment for the furtherance of the Egyptian studies, that an edition of the 
Bible of the Old Egyptians, the Ritual, as Ciiampollion called it, or the 
Book of the Dead, as Lkpsius styles it, as critical and complete as pos- 
sible should be steadily kept in view. Such edition should present a 
thi'eefold recension of that most venerable monument of Egyptian speech, 
archaeology and religion, i. e. it should give us the Book of the Dead 
as its text consisted — 1. Under the Old Empire; 2. Under the The- 



ban Dynasties of the New Empire; 3. Under the Psammetici. (Dyn- 
XXVI)." 1) 

In derselben Sitzung wurde die Wahl des Ägyptologen getrof- 
fen, der zunächst die Museen bereisen sollte um zu sehen, was sie an 
Materialien enthielten. Der sofort übermittelte Beschlufs wurde von dem 
Gewählten angenommen. Nach seiner Rückkehr nach Berlin beeilte sich 
Lepsius einer im Congrefs übernommenen Verpflichtung gemäfs den Plan 
der Berliner Academie zu unterbi-eiten, welche grofsmüthig eine Summe 
von 3000 M. fiir die Vorarbeiten aussetzte, während die preufsische Re- 
gierung in voraus eine Summe von 4800 Thalern für die Publication be- 
willigte, welche nun stattgefunden hat. 

Mit einer Reise nach Berlin habe ich 1875 den Beschlufs des Con- 
gresses in Ausführung zu bringen begonnen. Vorher war, um den inter- 
nationalen Ursprung des Unternehmens zum Ausdruck zu bringen, ein 
Comite von vier Mitgliedern ernannt worden, bestehend aus den Herren 
Birch, Chabas, Lepsius und Naville. Dasselbe veröffentlichte gegen 
Ende des Jahres 1875 ein Rundschreiben, welches sich an die wohlwol- 
lende Unterstützung der Museumsdirectoren und der Eigenthümer von 
Sammlungen wandte, die Papyri im Besitz haben könnten. Seitdem habe 
ich zweimal, in dem Orientalisten- Congrefs zu Florenz 1878 und in dem 
zu Berlin 1881, meine Fachgenossen von dem Fortschritte, den die Ar- 
beit gemacht hatte, unterrichtet. 

Das Rundschreiben von 1875 hielt sich noch an die Fassung des 
Londoner Congresses und sprach von einer dreifachen Ausgabe: erstens, 
die Redaction des Alten Reiches, alle Fragmente innfassend, welche älter 
als die XVII. Dynastie sind und welche sich auf Särgen oder Papyren 
finden; sodann, die thebaische Redaction aus der Epoche der grofsen 
thebaischen Dynastieen, welche mit Hülfe der in den verschiedenen Mu- 
seen zerstreuten Papyri wiederhergestellt werden sollte, da jeder nur we- 



*) Transactions of the second session of the Second International Con- 
gress of Orientalists, p. 442. 



iiigci Kapitel des Biiclies eiitliält; eiidlicli die saitische Keductioii, welclie 
eine Vorgleiclunig des Turiner Todtenbnclies mit gloichzeitigen odor spä- 
tem Texten liel'eni sollte. Schon auf meiner ersten Reise nach London 
187fi lialie ich <lie l'lu'rzeugung gewonnen, dafs der IJeschluls des Con- 
gresses in dieser Fassung unausf'ührhar sei: dals hier vielmehr drei ver- 
schiedene Aufgaben bezeichnet sind, die sich von eini'm und demselben 
neben einander nicht bewältigen lassen, und dafs die eine derselben in 
ihrem UmfauKe und in ihrer Wichtio'keit nicht ricliti"; geschätzt worden 
■war — ich meine die Wiederherstellung des thebaischen Textes. Ich 
kündigte daher im floi-entiner Congresse an, dafs das Comite den ur- 
sprünglichen Plan zu ändern sich entschlossen habe und sich auf die 
hieroglyphische Ausgabe des thebaischen Todtenbnclies, welche von der 
XVII. bis zur XX. Dynastie reicht, beschränken wolle. 

Verschiedene Beweggründe, von denen einige erst nacli den letz- 
ten Entdeckungen zur vollen Geltung gekommen sind, sprachen fiir diese 
Änderung. Bis 1879 waren niu- sehr weni";e Texte des Alten und des 
Mittlern Reiches bekannt; man hatte nur die Texte auf einem Sarge 
einer Königin der XI. Dynastie, der jetzt zerstört ist, bis auf ein kleines 
Bruchstück, welches mit der Collection Harris ins Britische Museum ge- 
langt ist, und von dem wir eine von Siß Gardner Wilkinson angefertiste 
Copie besitzen. Es war ferner der Sai'g des Amam der XI. Dynastie im 
Britischen Museum, der eben jetzt publiciert wird; endlich die von Lei'- 
Sius verötfentlichten Berliner Särge. Daraus liefs sich keine Auso;abe nia- 
chen, und wäre sie gemacht worden, so hätte man sie. kaum zu Ende 
gebracht, von neuem anfangen müssen. Denn man hat darnach eine er- 
hebliche Menge von Texten entdeckt, welche sicherlich ein Todtenbuch 
des Alten und Mittlern Reiches bildeten, nämhch die Pyramidentexte, 
von denen sich Wiederholungen selbst in ziemlich späten Gräbern vor- 
finden. Andererseits sind neue Copieen von Texten des eigentlichen 
Todtenbuchs aufgefunden worden, z. B. im Grabe des Horhofep, jetzt 
im Museum von Bulaq. Alles das beweist, dafs wir, was das Alte und 
Mittlere Reich angeht, erst am Anfange stehen; dafs es ein oder mehrere 



fiiuerilre! Bücher giebt, von denen ein Theil verloren gegangen oder 
dnreli das Todtenbucli ersetzt worden ist, deren Ganzes man aber frü- 
her oder später wird wiederherstellen müssen. Wenn nun diese Arbeit 
heute noch nicht möglich ist, wie viel weniger war sie es, als Maspkro 
uns noch nicht mit seinen schönen Entdeckungen bereichert hatte. 

Andererseits giebt es in den Museen, ohne von den Privatsamm- 
lungen zu reden, eine sehr beträchtliche Anzahl hieroglyphischer oder 
hieratischer Papyri aus der Epoche der Saiten oder der Ptolemäer. 
Die Zahl derselben ist so grofs, dafs eine vollständige Collation über die 
Grenzen und die Kräfte euies Menschenlebens hinausgehen würde; und 
aufserdem würde der Nutzen einer solchen Arbeit sehr zweifelhaft sein. 
Es ist gewifs, dafs zu einer Zeit, vermnthlich doi- der Psammetiche, das 
Todtenbucli vollständig revidiert und codificiert worden ist. Damals ist 
der Text festgestellt worden; es wurde eine Redaction angenommen, von 
der man sich seitdem nur noch wenig entfernt hat, beschwert mit Glos- 
sen zu Stellen, welche den Schreibern jener Zeit vielleicht unverständ- 
lich waren, die man aber hieroglyphisch niid hieratisch immer wieder ge- 
treulich copiert hat. Nicht dafs man eine gleiche Treue beobachtet hätte 
wie die Abschreiber der hebräischen Texte; man mufs die ganz eigen- 
thümliche Art der ägyptischen Sprache und besonders der Schrift, die 
keine bestimmte Rechtschreibung hat, in Anschlag bringen, um die Man- 
nigfaltigkeit der Lesarten zu verstehen, die sich gleichwohl von dem re- 
cipierten Texte nur in beschränkten Grenzen entfernen. In den saitl- 
schen Codex hat man alle Kapitel aufgeiiommen, welclie zum Todten- 
buche gehören sollten, und hat ihnen eine definitive Ordnung gegeben. 
Jedes einzelne hat seine bestinunte Stelle bekommen oder seine Stellen, 
wenn es zweimal eingefügt wurde; man hat ferner eine Anzahl, welche 
sich in der frühem Epoche findet, ausgeschieden, dal'ür aber die vier 
letzten aufgenommen, welche in den altern Papyren nicht existieren. 
Vorher bestand keine feste Reihenfolge, abgesehen von einigen allgemei- 
nen Eigenheiten, welche mehr auf einer Gewohnheit, als auf einer Regel 
zu beruhen scheinen. Seit der saitischen Zeit kann man über die Rei- 



henfolge der Kapitel sicher sein, und selten tiiideii sich grofse Abwei- 
chungen. Aus alle dem folgt, dafs eine Vergleichung der Papyri aus 
dieser späten Epoche nur wenig ergiebt, mit Ausnahme vielleicht man- 
cher Eigenthümlichkeiten der Schreibweise; der Versuch, den ich in Tm'in 
mit etwa 20 Papyren dieser Zeit gemacht habe, hat mir nur unbedeu- 
tende Varianten geliefei't. 

Zwischen diesen beiden Editionen, der des Alten und Mittlern 
Reiches und der der nachsaltischen Zeiten, stand die Ausgabe der gro- 
fsen thebaischen Dynastieen, welche viel umfangreicher ist als die 
erstere und viel wertlivoller als die andere. Abgesehen von den Erwä- 
gungen, welche die andern beiden Redactionen bei Seite zu lassen nöthig- 
ten, hat diese di-itte eine ganz besondere und unerwartete Bedeutung 
durch die beträchtliche Zahl der Urkunden dieser Epoche gewonnen, deren 
Vorhandensein in den Museen uns offenbar geworden ist, früher aber 
mehr oder weniger, selbst Lepsius, unbekannt war. Man betrachte das 
Verzeichnifs, welches er in der Einleitmig zu den Ältesten Texten aufge- 
stellt hat^), und vergleiche es mit dem, welches dieser Ausgabe voraus- 
geschickt ist, und naan wird die Zahl und den Werth der Documente, 
■welche ich vor Augen gehabt habe, würdigen können. Aus ihnen liefs 
sich das ganze Todtenbuch wieder herstellen, zwar mit Ausnahme eini- 
ger Kapitel, aber um andere vermehrt, welche vor der saitischen Epoche 
verloren eesano-en suid: aufserdem ergab sich eine Unzahl von Varianten 
jeder Art, deren Sammlung wichtig erschien. Angesichts dieses unverhoff- 
ten Reichthums wurde denn auch beschlossen, sich vor der Hand an die 
thebaische Ausgabe zu halten und die ganze Arbeit auf diese allein zu 
beschränken. 

Wenn man auch anfänglich über einige Puncte. z. B. wie die \ a- 
rianten wiederzugeben seien, geschwankt hat, so waren doch die allge- 
meinen Grundsätze von vornherein festgestellt. Man hatte den Gedan- 
ken ausgesprochen, den Turiner Papyrus zu Grunde zu legen und die 



1) Älteste Texte des Todteubucbs, pag. 12. 



10 . 

thebaische Edition als eine Collation desselben zu geben. Aber dieser 
Weg ist verlassen worden; denn die Varianten sind so zahlreich, die 
Redactionen einiger Kapitel weichen so erheblich ab, die Vignetten sind 
oft so sehr verschieden, dafs das Ganze ein Ensemble gebildet haben 
würde, das schwer zu reproduciei*en und vielleicht noch schwerer zu be- 
nutzen gewesen wäre. Die beiden in Vergleich gestellten Gegenstände 
waren zu unähnlich. Aufserdem würde ein solches Verfahren die zeit- 
liche Folge umkehren. Wenn man später zwischen dem alten und dem 
neuen Texte Vergleiche anstellen will, ist es dann nicht logischer bei 
dem Vorhergegangenen und Altern anzufangen und die Modificationen, 
die es erfahren hat, zu verfolgen als von dem Spätem aus auf den Ur- 
sprung zurückzugehen? Da es einen thebaischen Text gab, von dem 
der saitische erst abgeleitet ist, warum nicht zuerst ihn reconstruieren? 
Warum dieses Buch nicht in allen Theilen wiederherstellen, da die Mittel 
dazu, hier und dort zerstreut, vorhanden waren? Lieferte man doch da- 
durch der Wissenschaft etwas ganz Neues, denn bis dahin war von alten 
Papyren nur der eine des Nebqed von den Herren Deveria und Pierret 
veröffentlicht worden, der nur einen kleinen Theil des Buches enthält. 

Da fand man sich jedoch einer Schwierigkeit gegenüber, welche 
sich für die spätere Epoche nicht bemerklich macht. Die thebaischen 
Papyri, selbst die gröfsten, umfassen nur eine beschränkte Zahl der Ka- 
pitel des Todtenbuches. Mehr als 90 von den 165 Kaj^iteln des Todten- 
buchs enthält keiner, sodafs zur Herstellung einer kritischen, verglei- 
chenden Ausgabe der thebaischen Texte der Grundtext, v^on dem man 
ausgehen mufs, fehlt; also mufste man ihn erst schaffen. Da aufserdem 
kein thebaischer Papyrus vollständig ist, so mufste die Basis oder der 
Grundtext mehreren Originalen entnommen werden. 

Der erste bedeutende Schritt auf diesem Wege war die photogra- 
phische Herstellung eines Papyrus, welche die Trustees des Britischen 
Museums 1876 veranlafsten, nämlich des Papyrus 9900, des gröfsten und 
wichtigsten dieser Sammlung. Diese Urkunde lieferte mir schon viele 
Kapitel, und indem ich ihren Text wo immer möglich als Basis nahm, 



•verzeichnete Ich die Varianten fast aller übrigen Papyri des Britischen 
Museums. Wenn ich ein neues Kapitel traf, welches sich in 9900 nicht 
vorfand, so nalnu ich eine Durchzeichnung und vervollständigte so die 
Sammlung. Im folgenden Jahre war mir während eines längern Aufent- 
halts in Paris vergönnt, den Papyrus des Mesemneter (Ca) und den im 
Louvre III. 93 (Pb) eingehend zu studieren. In lieiden fand ich eine sehr 
grofse Zahl von Kapiteln. Auf diese Weise habe ich immer verfahren, 
indem ich überall, wo ich eine Basis hatte, die Varianten collationierte 
und den Text, dem ich zum ersten Male begegnete, durchzeichnete, mn 
mir eine Basis zu verschaffen, die ich jedoch manchmal, wenn ich ein 
correcteres oder vollständigeres Exemplar vorfand, später durch eine an- 
dere ersetzte. Hauptsächlich mit Hülfe dieser drei Papyri habe ich den 
gröfsten Theil des thebaischen Todtenbuches wiederhergestellt, wie man 
aus der geringen Anzahl von Basen ersehen kann, welche andern Do- 
cumenten entlehnt sind. 

Ich habe mir auf diese Weise nicht nur einen Grundtext ver- 
schafft, sondern ich habe einen gegebenen Text auch immer so reprodu- 
ciert, wie man ihn wiederfinden kann. Ich habe nicht nach der Weise 
der Herausgeber der griechischen und lateinischen Classiker den Text, 
wo er mir fehlerhaft erschien, nach den Varianten zu corrigieren ver- 
sucht. Mir lag daran, die Ai"beit so wenig persönlich wie möglich zu 
halten ; ich wollte meinen Fachgenossen die Mittel der Textkritik an 
die Hand geben, nicht aber sie selbst üben. Änderungen, Ergänzun- 
gen, Verbesserungen, Conjecturen, jener ganze Apparat, den man in 
den Ausgaben der griechischen Tragiker z. B. findet, fehlt demgemäfs in 
dieser Ausgabe des Todtenbuches durchaus. Nicht, dafs sich nicht oft- 
mals die Gelegenheit zur Kritik dargeboten hätte; aber es sind noch zu 
viele Einzelheiten, über welche die Meinungen der Agyptologen auseinan- 
dergehen. Man hätte solche Verbesserungen erklären oder selbst com- 
inentieren müssen, und aufserdem würden sie meines Erachtens dieser 
Ausgabe einen Theil iln-es Werthes genonnnen haben. Jetzt ist jeder 
Satz darin und jede Variante die Wiedergabe einer angezeigten Quelle: es 

2* 



12 

ist keine künstliche Anordnung oder Combination, an der sich der kriti- 
sche Sinn des Herausgebers zu zeigen gehabt hätte. Behalten wir das 
künftigen Arbeiten vor. Heute da wir das Material in den Händen ha- 
ben, und nicht nur die Texte der spätem Epochen, können wir die 
wahre Textkritik in Anwendung bringen, indem wir die für die Schrift- 
sprachen gültige Methode befolgen. 

Von vorn herein habe ich darauf verzichtet an der von Lepsiüs 
eingeführten Eintheilung etwas zu ändern. Champollion hatte eine an- 
dere versucht, die er zwar niemals im einzelnen dargelegt hat, deren 
Princip wir aber kennen und die von Hincks aufgenommen worden ist.^) 
Er hatte das Buch in drei Theile zerlegt, von denen der erste mit Ka- 
pitel 15, der zweite mit Kap. 125 endete; sodann war jeder dieser Theile 
in Paragraphen oder Gruppen zerlegt. Diese wenig bequeme Eintheilung 
ist nur für die spätem Papyri möglich, wo die Reihenfolge der Kapitel 
eine beständige ist. In den alten Texten, wo diese Reihenfolge sich 
überhaupt nicht findet, ist sie unzulässig, und Champollion selbst würde 
sie gewifs aufgegeben haben, wenn er die Texte der thebaischen Epoche 
studiert hätte. Der hauptsächlichste Einwand aber, den man gegen diese 
Eintheilung ei'heben kann, ist der, dafs sie dem Geiste und der Natur des 
Todtenbuches selbst entgegen ist. Sie setzt voraus, dafs das Todtenbuch 
einen Anfang und ein Ende habe und dafs es systematisch angeordnet 
sei. Das ist aber nicht der Fall. Das Todtenbuch ist aus einzelnen 
Stücken zusammengesetzt, die im allgemeinen unter sich keine Verbin- 
dung haben. Das Vorhandensein eines Kapitels bedingt nicht das des 
vorangehenden oder des folgenden. In einer bestimmten Zeit, unter den 
Saiften, sind die A'on einander unabhängigen Stücke vereinigt und in die 
definitive Reihenfolge gebracht; aber man würde sehr irren, wollte man 
glauben, dafs diese Anordnung einem j^hilosophischen oder religiösen Sy- 
steme entspräche. Es ist eine blos künstliche Aneinanderreihung, deren 



1) Catalogue of tlic Egyptian manuscripts of the Library of Trinity Col- 
lege, Dublin, p. 22. 



13 

Princip wir nicht erkennen, die aber weder doctrinär noch auch chrono- 
logisch ist, wenn es auch feststeht, dafs die vier letzten Kapitel neuern Ur- 
sprungs sind. Obwohl wir ein vollständiges Verständnils des Buches 
noch nicht erreicht hal>t'n, so kann man doch verschiedene Gruppen 
darin unterscheiden; einige derselben sind scharf cliaracterisiert und ihre 
Kapitel würden zusammengestellt ein genügendes und vollständiges Todten- 
buch bilden, ohne dafs es nöthig wäre noch andere Stücke hinzuzufügen; 
und gleichwohl findet sich alles in dem saitischen Codex vereinigt, ohne 
der darin so häufigen Wiederholungen zu gedenken. 

Dies alles macht eine Classification nach dem Sinne und nach 
dem Inhalte sehr schwierig und auf alle Fälle zur Zelt unthunlich. Was 
glebt es auch Practischeres als die von Leesiüs adoptierte einfache Zäh- 
lung? Diese Eintheilung sieht von dem Inhalte der Kapitel ab, sie syste- 
matisiert nichts; aber sie gewährt eine grofse Leichtigkeit für die Be- 
nutzung des Buches und beruht auf dem richtigen Principe. Alles, was 
in dem Turiner Papyrus einen Titel hat, jedes oder ^ genannte 

Stück, ist ein numeriertes Kapitel, ganz gleich wie lang es ist. Diese 
Eintheilung ist in einigen Fällen zu weit gegangen; so sollte das 16. Ka- 
pitel, welches nur aus Darstellungen zu Kapitel 15 besteht, kein beson- 
deres Kapitel bilden; ebenso wenig sollte auch 150 von 149 getrennt 
sein, wenn man die vier Thelle von 125 nicht unterscheiden will und 
die Elysischen Gefilde in Kap. lU» dieselbe Nummer tragen sollen, wie 
der als Einleitung dazu dienende Text. Es w^ar auch unnöthig den Wie- 
derholungen desselben Textes besondere Nummern zu geben. Doch wie 
sichs damit auch verhalte, diese Eintheilung existiert und ist so üblich 
geworden, dafs jeder Versuch sie zu ändern nur Verwirrung hervorrufen 
könnte. Jeder Ägyptologe weifs, dafs Kap. 42 die Benennung der Kör- 
pertheile enthält, wie Kap. 110 die Elysischen Gefilde und Kap. 125 die 
Confession und die Psychostasie. Ich wiederhole, dafs diese Anordnung 
nicht die der alten Papyri ist, die Zählung ist nur für die nachsaitischen 
zutreffend; aber wir müssen uns schon mit ihr begnügen, da wir aufser 
derselben nichts Festes haben. 



14 

"Wie man l:)emerken wird, sind die im Turiner Todtenbuch nicht 
enthaltenen Kapitel meist mit Zahlen, die auf 165 folgen, hinten an- 
gehängt. Indessen ist eine Anzahl von Kapiteln eingeschoben worden, 
wenn sie mit diesem oder jenem Kapitel so eng verknüpft schienen, dafs 
man sie unmöglich davon trennen konnte. Als Beispiel hierfür will ich 
Kap. 136 ge1)en, welches viel kürzer als im Turiner Papyrus ist. Das 
Kapitel findet sich oft mit einem andern vereinigt, welches in den alten 
Papyren sehr häufig ist und selbst noch unter der XXI. Dynastie vorkommt, 
aber später verschwunden ist; wenn die beiden Kapitel nicht verlnxn- 
den sind und das zweite einen besonderen Titel hat, so folgt es immer 
auf 136. Es war also natürlich, ihm diese Stelle zu erhalten vind es 
136B zu nennen, während das alte 136A ward. Ebenso wenn ein Ka- 
pitel zwei sehr verschiedene Redactionen hat, wie Kap. 38, so heifst die 
ältere 38 A und die jüngere 38 B. Abgesehen von einigen Ausnahmen 
dieser Art, sind alle inediten Kapitel am Ende angehängt und beginnen 
mit 16G. Ich weifs wohl, dafs ich hierin mit meinem gelehrten CoUegen 
Dr. Pleyte, dessen vortreffliche „Chapitres supplementaires du Livre des 
Morts" bis 174 reichen, in Concurrenz stehe; aber es hat mir geschienen, 
dafs die ältesten Kapitel den von Pleyte gesammelten vorausgehen sollten, 
da diese fast alle aus späterer Epoche sind. Man wird mir auch entgegen- 
halten, dais ich die Nummern 162 bis 165 leer gelassen habe, da diese 
Kapitel sich niemals in alten Papyren finden. Allerdings, aber da diese 
einen Theil des Turiner Codex bilden und man die Numerier un£f des- 
selben als Basis angenommen hat, so mufste man sie im Ganzen nehmen 
und konnte nicht vier Nummern auslassen. 

Eine der wesentlichsten Bedingungen für das Gelingen dieser Aus- 
gäbe war die Genauigkeit in der Wiedergabe der Texte. In dieser Be- 
ziehung freue ich mich meinen gelehrten Collegen mittheilen zu können, 
dafs fast sämmtliche Texte des ersten Bandes durchgezeichnet sind, sei 
es, dafs diese Durchzeichnungen nach der Photographie genommen wur- 
den (wie von dem Pap. 9900), sei es, dafs ich sie nach den Originalen 
gemacht habe und sie mit dem Pantograph reduciert wurden. Ich be- 



15 

luerke noch, dafs Frau Naville eigenhändig die 18G Kapitel des ersten 
Bandes, Text und Vignetten, in verkleinertem und möglichst gleichartigem 
Mafsstabe gezeichnet und trenau im Stile der Orimnale wiedergecjeben 
hat. Die Ägyptologen mögen beurtheilen, in wie weit die Reproduction 
dem so ausgesprochenen Schriftcharacter und der Eigenartigkeit der äg)-p- 
tischen Zeichnung entspricht. Dank der Benutzung der Durchzeichnun- 
gen glaube ich für den ersten Band eine möglichst grofse Treue erreicht 
zu haben. Für den zweiten liefs sich dies Verfahren nicht anwenden; 
obwohl ich ganz besondere Aufmerksamkeit darauf verwandt habe, so 
wacfe ich doch nicht zu hoffen, dafs er ohne Fehler und Auslassungen 
eeblielien ist; aber ich bitte meine Collegen die uneeheuere Menge von 
Varianten zu berücksichtigen, welche er enthält. 

In dem Congresse zu Florenz 1878 war ich über die Art und 
Weise, in der die Varianten reproduciert werden sollten, noch nicht 
im Klaren. Nach verschiedenen Versuchen bin ich auf das einfachste 
und übersichtlichste Mittel zurückgekommen, die synoptischen Tafeln. 
Diese Methode nöthigte allerdings jedes schon im ersten Bande veröf- 
fentlichte Kapitel zu wiederholen, es verlangt viel Raum, und viel Platz 
geht dabei verloren: aber die sich daraus ergebenden Vortheile entschä- 
digen für diese Übelstände reichhch. Man öffne den zweiten Band auf 
einer beliebigen Seite und man kann auf den ersten Blick leicht Ober- 
sehen, in wie vielen Papyren sich das fragliche Kapitel findet und wel- 
ches die Varianten einer beliebigen Stelle sind. In der Columne zur 
Linken steht der Text, welcher als Basis gedient hat, der Text des 
ersten Bandes, und die Ziffern geben an, zu welcher Zeile er gehört. 
Nach einer gewissen Anzahl von Zeichen ist in der Regel ein kleiner 
Raum leer gelassen; dieser leere Raum entspricht keinem Satzende und 
hat mit dem Sinne nichts zu thun; er ist lediglich dazu bestimmt die 
Eintragung der Varianton zu erleichtern: ursprünglich durchschnitt ein 
feiner Bleifederstrich an diesen Stellen den ganzen Streifen, er ist aber 
mit der Photographie verschwunden. Dem Texte parallel sind verticale 
Columnen gezogen, von denen jede für einen durch zwei Buchstaben 



10 

darüber angege])enen Papyrus bestimmt ist. Wo der Text derselbe ist, 
wie der des typischen Papyrus, ist die Columne leer geblielien i), wo er 
dagegen Varianten bietet, sind dieselben an der entsprechenden Stelle 
eingeschrieben, wo sich das Wort des Grundtextes befindet, mit welchem 
er verglichen wird. Wenn eine oder mehrere Gruppen, die sich in der 
Basis finden, ausgeschlossen sind, so bezeichnet eine durchbrochene Linie 
die Lücke in ihrer ganzen Ausdehnung und verbindet die Zeichen, wel- 
che im Texte wirklich an einander stofsen. Das bis und fer neben den 
Papyrusbuchstaben bedeutet, dafs dieses Document zwei oder drei Wieder- 
holungen desselben Textes enthält. Das Verfahren ist, wie man sieht, 
ein sehr einfaches. Da ich nicht mehr mit Durchzeichnungen arbeiten 
konnte, so habe ich auf das Facsimile, welches im ersten Bande zur 
Geltung kommt, verzichtet und fiir alle Vai'ianten einen uniformen 
Schriftstil gewählt. 

Das thebaische Todtenbuch enthält aufser den Texten auch Vi- 
gnetten, welche von denen des Turiner Papyrus bedeutend abweichen. 
Um nicht die Regelmäfsigkeit des zweiten Bandes zu stören und zugleich 
um den verfügbaren Platz im ersten auszunutzen, habe ich alle Vignetten 
in diesem vereinigt, so dafs selbst ganze Tafeln der Reproduction der 
Varianten gewidmet sind, wie z. B. nach Kap. 17. Im allgemeinen haben 
die alten Papyri weniger Vignetten als die Jüngern; oft auch fehlen sie 
uns, weil gerade die Vignetten der am häufigsten zerstörte Theil des 
Papyrus sind. Ich habe mich also darauf beschränkt, zu jedem Kapitel 
die Vignetten zu stellen, welche von der der Basis abweichen, ohne die 
Papyri besonders anzuführen, welche vielleicht dieselben, oder die, wel- 
che keine haben. 

Nach diesen Grundsätzen habe ich alle Urkunden der thebaischen 
Epoche zusammengestellt, sowohl die in den grofsen Sammlungen zu 



1) Mau darf jedoch ans dem Fehlen von Varianten nicht auf die voll- 
ständige Gleichheit mit der Basis schliel'sen. Der Papyrus kann an solchen Stellen 
zerstört sein. 



17 

London, Paris, Berlin, Leyden, Turin, Biilaq, als die in den weniger Ije- 
deutenden Museen zu Dublin, Liverpool, Avignon, Marseille, Bologna, 
Parma, Mailand, Florenz, Rom, Neapel, Hannover und in einigen Privat- 
sammlungen. In dem Orientalistencon2:resse zu Berlin 1881 habe ich 
Gelegenheit gehabt der africaoischen Section die zu zwei Dritttheilen 
vollendete Arbeit vorzulegen und der Begutachtung der Äg}'ptologen den 
Plan der Arbeit, an welchem seitdem nichts geändert worden ist, zu 
unterbreiten. Man gestatte mir hier das Urtheil dessen, der die erste 
Idee der erofsen Ausgabe des Todtenbuchs gefafst hat, zu wiederholen. 
In der Sitzung vom 26. October legte Lepsius die beiden noch anvollen- 
deten Bände dieser thebaischen Ausgabe der Berliner Academie vor, wel- 
che zu den Kosten der Vorarbeiten grofsmiithig beigetragen hatte, und 
hob besonders die Wichtigkeit des Unternehmens hervor. Indem er an 
die Unterstützung, welche die gelehrte Gesellschaft demselben von An- 
fang an gütigst gewährt hatte, erinnerte, fügte er hinzu: -Das Material, 
zu dessen Herbeischaffung die Academie ihren Beitrag speciell bestimmt 
hatte, ist damit erschöpft und die gestellte Aufgabe gelöst- i). 



1) Monatsberichte vom 27. October 1881. 



IS 



ZWEITES KAPITEL. 

Das Todteiibiicli, 
seine Bedeutung, seine Gescliiclite und die Art es zu 

sclireiben. 



Was 1st das Todtenbuch? welches sind seine unterscheidenden 
Merkmale? was ist sein Ursprung? solche Fragen würden eine jede für sich 
ausführliche Erörterungen erheischen, ich kann sie hier aber nur durch- 
aus summarisch beantworten. Zuerst ist es deutlich, wie schon Lepsius 
erkannt hatte, dafs es kein Buch im eigentlichen Sinne des Wortes ist; 
es ist weder eine Einheit noch ein Ganzes, es ist eine Sammlung, die 
wahrscheinlich allmählich in verschiedenen Epochen entstanden ist. Si- 
cherlich geht ein Theil ins Alte Reich zurück, selbst wenn wir jene 
Nachschriften, welche ein Kapitel dem Usaphais und ein anderes dem 
Mycerinus zuschreiben, nicht buchstäblich nehmen. Denn da schon die 
Texte des Mittlern Reiches mehrere Redactionen erkennen lassen und 
da wir in Kap. 178 die Sarginschrift des Myceriiuis wiederfinden, so sind 
wir gezwungen, wenigstens die ersten Grundlagen des Buches den An- 
fängen der ägyptischen Civilisation beizumessen. Dieser ursprüngliche 
Text wird bald geändert worden sein, ähnliche Stücke werden ihn in 
der Folge vermehrt halien; vielleicht wird man Revisionen vorgenommen 
haben, ohne jedoch aus dem Werke ein Ganzes zu bilden. Denn die 
verschiedenen Tlieile sind immer vollkommen unabhängig geblieben; die 
Aufnahme eines Kapitels schliefst keineswegs auch die des vorhergehen- 
den oder des folgenden ein ; der Verstorbene scheint eine gewisse An- 
zahl vereinzelter Stücke zu seiner Verfügung gehabt zu haben, unter 
denen er oder unter denen man fiir ihn ein wenig ad libitum auswählte. 



Mit gleicher Bestimmtheit kann man behaupten, dafs das Todten- 
buch kein Ritual ist. Lepsius hat in zwei Arbeiten nach einander be- 
wiesen, dafs dieser Name von dem Buche eilten falschen Begriff gäbe 
und aufgegeben werden müfste, ungeachtet E. de Rouge ihn gern bei- 
behalten wollte. Und ohne Zweifel haben wir im Todtenbuch nicht das, 
was ein Ritual bildet. Es ist kein Buch, welches die bei der Ausübung 
eines Cultus 7.u beobachtenden Ceremonien vorschreibt. Die seltenen 
Angaben dieser Art, welche sich finden, genügen nicht um den von 
Champollion gewählten Titel zu rechtfertigen. Allerdings heifst es z. B. 
im 1. Kapitel, diese Worte sollen am Tage der Bestattung gesprochen 
werden ; auch stellen die Vignetten dazu den Leichenzug dar. Alier man 
lese den Text und man wird darin vergebens eine Anspielung auf 
irdische Vorgänge suchen. Es findet sich darin keine Vorschrift über die 
Ordnung der Ceremonie und über das, was dabei gethan oder gesagt 
werden soll. 

Es kann vorkommen, dafs man in einem Papyrus des Todten- 
buchs ein Kapitel eingeschaltet hat, welches zu dem eigentlichen Ritual 
gehört. So findet sich in dem Londoner Papyrus 9901 neben den Vi- 
gnetten des 1. Kapitels die -Öffnung des Mundes'' benannte Ceremonie; 
aber wie verschiedenartig ist dieser Text vom Todtenbuch: zunächst 
wird bemerkt, dafs der Priester spricht; dann folgt, was er zu thun hat; 
endlich wird ausdrücklich gesagt, dafs diese Ceremonie an der Statue 
oder an der Mumie des Verstorbenen vorgenommen wird. Im Todten- 
buche ist es immer der Verstorbene, welcher selbst redet; alle Gebete 
und Hymnen werden ihm in den Mund gelegt; oder wenn der Text die 
Form eines Zwiegesprächs annimmt und wenn ein Gott oder ein Genius 
Fragen an den Verstorlienen riLditi.-t, so ist er doch immer der Antwor- 
tende. Wir finden keine für einen Priester oder ein Familienmitglied 
gegebenen Anweisungen darüber, was ihm zu Ehren zu geschehen hat, 
aufser vielleicht, wo es sich um Amulette handelt, die auf seine Mumie 
gelegt werden sollen. 

3* 



20 

Man wird einwenden, dafs Kapitel wie 22, 23, 105, 151 sich wie 
zu einem Eitnal gehörig aiisnehmen; aber man wird sich leicht über- 
zeugen, dafs es sich auch da nicht um Ceremonieen handelt, die auf der 
Erde vorkämen. Denn abgesehen davon, dafs überall der Verstorbene 
spi-icht, ist noch eine andre Betrachtung von grofser Wichtigkeit anzu- 
stellen. Der Ausgangspunct des Todtenbuches, die Gegend wo alles, 
wovon es spricht, anfängt, ist die Amenthes; es ist nicht die wirkliche 
Welt, sondern die andere Welt, so wie die Einbildungskraft oder der 
religiöse Sinn der Ägypter sie sich vorstellten. Die Wesen, welche da- 
selbst neben dem Verstorbenen auftreten, sind keine menschlichen Wesen 
von Fleisch und Knochen, sondern es sind alle jene Götter und bizarren 
Schöpfungen, mit welchen die Ägypter das Land ihres ewigen Aufent- 
halts bevölkerten. Der Verstorbene selbst macht in der Amenthes Ver- 
wandlungen jeder Art durch; er nimmt alle Formen an, die er will; 
andere Male ist er ein unvollkommenes Wesen, welches man wiederher- 
stellt, indem man ihm einen Mund und ein Herz verleiht. Augenschein- 
lich ist die Scene nicht unsere Erde, das Leben nicht jenes Dasein, 
welches der Verstorbene eine Anzahl von Jahren gehabt hat: wir sind 
vielmehr in dem Lande der religiösen Einbildung. Auch da werden ge- 
wisse Ceremonieen dem Verstorbenen zu Ehren vollzogen, nachbildlich 
vielleicht jenen auf der Erde gefeierten; aber es geschieht durch die Ver- 
mittelung der Götter oder Dämonen. Während bei seiner Bestattung ein mit 
einem Schakalskopfe maskierter Priester seinen Sarg getragen hatte, wird 
es nun Anubis sein, der seine Mumie mit seinen Armen umfängt und 
jene Worte spricht, welche mehreren Theilen seines Kopfes einen gött- 
lichen Ui'sprung beilegen. Statt der einfachen Klageweiber werden jetzt 
Isis und Nephthys ihres Amtes walten; ebenso wird Ptah sein Sem- 
Priester sein und ihm den Mund öffnen _mit dem eisernen Griffel, mit 
welchem er den Mund der Götter öffnet". 

An diesen beiden innern Eigenthümlichkeiten unterscheidet man 
am besten, was zum Todtenbuche gehört und was nicht dazu gehört: 
der Verstorbene ist es, der redet und angeredet wird ; sodann geht alles, 



21 

Avorum es sich handelt, in der Amenthes vor oder bezieht sich wenijr- 
stens darauf und mufs nothwendigerweise darauf zurückkommen. Wenn 
der Verstorl)ene zeitweihg daraus hervorgeht, so doch nm- inu bald wie- 
der in sie einzugehen. Dazu iniifs man noch die besondere Fonu neh- 
men, in welche diese Texte sich einkleiden. Sie haben einen Titel, der 
entweder ein allgemeiner sein kann, wie er sich in dem Buche mehr- 
fach findet, oder ein besonderer, insofern er die Gelegenheit oder die 
Umstände, unter denen diese Worte von dem Verstorbenen gesprochen 
werden, und den Zweck, welchen sie erreichen sollen, angiebt. Auf die- 
sen Titel folgen die Worte, welche dem Verstorbenen oder einer Gott- 
heit in den Mund gelegt werden; es schliefst sich ihnen manchmal eine 
Nachschrift an, welche entweder den Ort bezeichnet, wo diese Texte ein- 
geschrieben werden sollen, oder das Gute, welches dem sie Kennenden 
daraus zu Theil werden soll. Dies sind nach Inhalt und Form die be- 
merkenswerthesten Züge, an denen man die Texte des Todtenbuchs 
erkennt. 

Wenn das Todtenbuch statt ein Ganzes mit Anfang und Ende zu 
werden eine Sammlung ohne Ordnung und Methode geblieben ist, so ent- 
spricht es darin der philosophischen und religiösen Lehre derer, welche 
es geschrieben haben. Wenn man die Religion des alten Ägyptens stu- 
diert, so mills man immer einen beträchtlichen Theil berücksichtigen, 
der darin vage und unbestimmt geblieben ist. Was giebt es z. B. Schwie- 
rigeres, als die unterscheidenden Merkmale jeder einzelnen Gottheit zu 
erkennen? Ich spreche selbstverständlich nicht von ihrer äufsern Er- 
scheinung; aber welche Eigenschaften einer jeden fänden sich nicht in 
einem mehr oder weniger entwickelten Grade auch bei den übrigen? 
Ihre moralische Physiognomie hat keine vollkommen deutlichen und ent- 
schiedenen Umrisse. Ähnlich verhält es sich mit dem Inhalte des Todten- 
buchs. Es giebt weder ein System, noch giebt es bestimmte Ideen über 
das Schicksal der Verstoi-benen jenseits des Grabes. In andern Religionen 
haben die Seelen einen genau vorgeschriebenen Weg, so zu sagen; sie 
haben gewisse Verwandlungen oder gewisse Phasen durchzumachen, die 



sich auf einander folgen und sie schliefslich zu einem bestimmten Ziele 
führen. Im Todtenlniche ist das Ziel ebenso unsicher wie der Weg, der 
zu verfolgen ist. Kein Zwang, keine Nothwendigkeit in dem, was den 
Seelen widerfährt. Die verschiedenen Zustände, welche beschrieben wer- 
den, sind nicht auf einander folgende Phasen, durch welche jeder hin- 
durch miifste; nicht das ist es, was jeder Seele noth wendig begegnen 
mufs, sondern was ihr begegnen kann, alle Lagen, in welchen sie sich 
befinden kann^ alle Ziele, denen sie zustreben kann. So ist eines der 
wichtigsten Vorrechte, welches dem Verstorbenen gewährt werden kann, 
die Fähigkeit alle Gestalten anzunehmen, die er will; er kann ein Beiinu, 
ein Lotus, ein Krokodil, ein Sperber werden. Aber nicht alle Verstor- 
benen machen von diesem Vorrechte Gebrauch und nichts verpflichtet 
sie dazu; auch zieht nicht eine Verwandlung eine andere nach sich; in 
dem Kapitel vom Lotus z. B. oder in dem vom Sperber wird keinerlei 
Andeutung gegeben, dafs der Verstorbene die Gestalt eines Kranichs oder 
eines Krokodils angenommen habe oder sie annehmen müsse. 

Eine andere sehr wichtige Episode in dem jenseitigen Leben ist 
die Scene von Osiris und das Gericht. Ein oder zweimal wird auf die- 
selbe angespielt, so im Schlufssatze des 1. Kapitels nach der altern Re- 
daction und im 132. Kapitel; aber wir wissen nicht, wann dieses Gericht 
stattfindet, noch ob alle Verstorbenen es über sich ergehen lassen müs- 
sen; wir können selbst nicht einmal erkennen, welches bestimmte Er- 
gebnifs dasselbe für den Verstorbenen haben kann. Nirgends wird dies 
Gericht als eine nothwendige Bedingung zur Erlangung dieser oder jener 
Gnade erwähnt, und abgesehen von einigen Stellen, wo von der Wage 
gesprochen wird, ist es sonst überall unbekannt. Es erhellt, dafs, wo 
die Lehre so wenig fixiert ist, auch das Buch, welches sie wiederspie- 
gelt, es nicht mehr sein kann. Da es alles umfafst, was den Verstorbe- 
nen begegnen kann, und nichts die Auswahl bestimmt; da es keine erkenn- 
bare Zeitfolge und namentlich kein Endziel darin giebt, so können auch 
die Kapitel, welche uns einen oder mehrere dieser Zustände beschrei- 
ben, keine bestimmte Ordnung haben. Wenn sie sich an einer Stelle 



23 

eher als au einer amlern finden und wenn die Kapitel eine nothdiirftige 
Keihenfolge haben, so ist das mehr Sache des Gebrauchs als der Lehre. 

Der Xame, mit welchem die Ägypter dieses Buch oder wenig- 
stens den gröfsten Theil desselben ohne Zweifel bezeichneten, ist das 
Buch vom g^^^? oder ^ |^ ^ ^ ? • Man hat über 
den Sinn dieser drei AVörter viel gestritten; fast jeder Agyptologe hat 
seine eigene Erklärung vorgetragen, ohne dafs eine sich des Beifalls al- 
ler Stimmen zu erfreuen gehabt hätte. Die Meinungen gehen über die 
Bedeutung jedes dieser Wörter auseinander, aber hauptsächlich über den 



Sinn des Verbs <==• und der Präposition ^s^^. Wahrscheinlich hat die- 
ser Ausdruck für die Ägypter eine conventionale Bedeutung gehabt, wie 
es bei vielen zusammengesetzten Ausdrücken, selbst in den neuern Spi-a- 
chen, der Fall ist, eine Bedeutung, welche uns vielleicht entgeht, weil 
wir den Ausdruck immer zerlegen und jedes seiner Elemente buchstäb- 
lich übersetzen, was uns auf den falschen Weg führt. Man vergleiche 
nur andere zusammengesetzte Ausdrücke, wie z. B. ^^ ''^— ^ | .^sS' ^^^~ 
sen eigentliche Bedeutung „funeräre Opfei'gaben- man nur aus dem De- 
terminativ fi=n schliefsen kann; ebenso steht es mit "^^ j j , welches 
.Bücher'' bezeichnet, und noch viele ähnliche liefsen sich anführen. In 
dem Berliner Congresse habe ich eine Übersetzung vorgeschlagen, welche 
der Deverias am nächsten kommt: Ausgang aus dem Tage (sortir du 
jour); diese scheint mir der gewöhnlichen Bedeutung des Verbs und 
der Präposition am meisten gemäfs zu sein. Übrigens beweisen ver- 
schiedene Stellen, dafs der Tag jemandes seine irdische Lebensdauer 
ist. Aus dem Tage oder aus seinem Tage herausgehen, das heifst nicht 
eicentlich das Leben verlassen und die Existenz für immer verlieren; 
Leben "T ~T^ giebt es auch noch jenseits des Grabes; es heil'^^t nur von 
dieser beschränkten Dauer des irdischen Lebens befreit sein, weder An- 
fang noch Ende mehr haben, ein Dasein ohne zeitlich und räumlich ge- 
steckte Grenzen führen; daher wird der Ausdruck -ausgehen aus dem 
Tage- so häufig durch die Worte ergänzt: .unter allen Formen, welche 
der Verstorbene will-. Kurz, ein von den Grenzen der Zeit und des 



Raumes befreites Wesen werden, das verstehe icli unter .ausgehen aus 
dem Tage-. Lieblein hat gegen diese Erklärung eingewandt, dafs sie 
in wenige Wörter, deren Sinn ihm- vollkommen klar und sehr emfach 
erscheint, zu viele Ideen lege. Ich mufs gestehen, dafs mich das 
Studium des Todtenbuches zu einem entgegengesetzten Sclilusse geführt 
hat. Ungenügend finde ich meine Übersetzung darin, dafs sie zu wenig 
besagt, sie hält sich zu sehr ans Buchstäbliche, sie ist zu genau, und 
da sie euie Erklärung ex-fordert, so hat sie für mich einen durchaus 
conventionalen Character. Die von mu* gegebene Erklärung, weit ent- 
fernt über den Inhalt des ägj^ptischen Ausdi-ucks hinauszugehen, fafst 
nicht einmal alles zusammen, was die Handlung oder den Zustand des 

ra -On© 



v\>v »^ . ausmacht. Statt den Ausdruck zu zerlegen und in 

seine BestandtheUe aufzulösen, nehme man ihn als ein Ganzes mit einer 
besondern, aller Wahi-sclieinhchkeit nach bildlichen Bedeutung, die wir 
nicht verstehen, weil wii- die Wörter immer in ihi-em eigentlichen S'mne 
auffassen; man prüfe alle Stellen, wo sich dieser Ausdruck findet, man 
studiere alle Ideen, welche er in sich schliefst, alle Bedingungen, welche 
er unterlegt, alle Eigenschaften, welche er dem Verstorbenen, auf den 
er Anwendung findet, beilegt, und man wird sich überzeugen, dafe noch 
keine Übersetzung die drei ägyptischen Wörter auf befriedigende Weise 
wiederzugeben vermocht hat. Wir haben in unserer Sprache das Wort 
noch nicht gefunden, welches, wenn es dem ägyptischen Ausdrucke 
nicht genau entspiücht, doch die meisten m dem per ein hru enthaltenen 
Ideen wiedergiebt. Es ist weder Wiedergeburt, noch Wiedererschei- 
nung, noch Auferstehung: und gleichwohl liegt in jedem dieser Wör- 
ter etwas Richtiges und mehr als in den buchstäblichen Übersetzungen, 
welche die einen und die andern vorgeschlagen haben. 

Ein anderer, ziemlich häufiger, allgemeiner Titel des Todtenbuchs 

ist I 1(1 J ^^ '^ -das Kapitel der Ver vollkommen uug des Ver- 

storbenen-. Dieser Titel ist von dem vorigen seiner Art nach verschie- 
den: er giebt ein zu erreichendes Ziel an, nämlich die VervoUkommenuno;. 
Auch hier entspricht das Wort dem ägyptischen BegTiffe schlecht. Ein 



^^ M 1 <=> iJ ^** ^"^ Verstorbener, dem die verschiedenen Götter, vor 
welchen er erscheint, gewisse fundamentale Eigenschaften und damit 
ein Anrecht auf verschiedene Vorzüge verleihen, besonders auf den, 
an den Opfei'gaben Theil zu haben, welche man den Göttern dar- 
bringt. So ist er ^"^ ^^^■^ ^ ^ ,.ini Herzen des Ra", d. h. ein Gegenstand 
seiner Liebe; "[ M ""^^^ ^tor ^ -mächtig vor Tum-, ^^ : "* J^ 
„ grofs vor Osiris ^ u. s. f. Das will nicht besagen, dafs die so betitelten 
Kapiti.'! nicht auch einen Theil des '^^ ^^ <~> ^ i hildeten: die Va- 
rianten des Kap. 15, B. III zeigen uns beide Titel neben einander; übei'- 
dies waren das nicht die einzigen Kapitel, welche dem ^^ '^1 (] : 
nöthig waren, auch andere, wie 78 und 125 1), waren ihm heilsam. 

Die Geschichte des Todtenbuchs bleibt noch zu schreiben. Auf 
den Ursprung des Buches zurückzugehen ulid seine anfängliche Form 
wiederzufinden sowie zu bestimmen, wann jeder Theil auf den ersten 
Stamm gepfropft worden ist, das sind Aufgaben, welche sich nicht eher 
lösen lassen, als bis reichlichere Piiblicationen besonders in Bezug auf 
das Alte und Mittlere Reich o-emacht worden sind. Geo-enwäi-tisi haben 
wir niu- eine Schicht des Gebäudes errichtet, indem wir das Todtenbuch 
jener grofsen Epoche wiederherstellten, in der die Macht und das Glück 
Ägyptens ihren Gipfel erreicht hatten. Jetzt ist es leicht die Verände- 
rungen zu studieren, welche das Buch in den spätem Zeiten bis zu den 
Griechen und Römern herab erfahren hat. Was uns noch grofsentheils 
fehlt, das sind die Entwickelungsphasen des Buches bis zu der Zeit, wo 
wir es aufgenommen haben. Indefs können wir auch für jene Epoche 
einige allgemeine Thatsachen erkennen. 

Das Todtenbuch mufs zu den Büchern gehört haben, welche Cle- 
mens Alexandrinus die hermetischen nennt, und deren Abfassung die 
Sage dem Gotte Thoth selbst beilegte. Abgesehen von dem Character 
dieses Buches selbst als eines heiligen, ergiebt sich seine Eigenschaft als 
hermetisches Buch daraus, dafs in den Kapiteln mit historischer Nach- 



1) Vergl. die Beschreibung vou I/c. 



26 

Schrift (oOB, 64, 137B, 148) als der Ort, wo das Buch entdeckt wor- 
den ist, beständie :: = _, oder ^^ü\s® d. i. beides Hermopolis, be- 
zeichnet wii'd; und der Text fügt hinzu, dafs das Buch von der Hand 
des Gottes selbst, unter dessen Füfsen es gefunden wurde, geschrieben 
war. Dadurch soll augenscheinlich dem Thoth die Abfassung des Buches 
beigelegt werden. Die besondere Categoric von hermetischen Büchern, 
zu der es gehörte, wird die des Propheten gewesen sein, wie Lepsius 
sagt; sie umfafst jene, ..welche die hieratischen oder Priesterbücher 
hiefsen, von den Gesetzen und von den Göttern handelten, d. h. von der 
höchsten theologischen Bildung^)". 

Mufs man, weil dieses oder jenes Kapitel in Hermopolis gefunden 
sein soll, auch dort den Ursprung des Todtenbuchs suchen? Ohne Zwei- 
fel nicht. Diese Angabe ist zum Texte hinzugefügt, um den heiligen 
Character des Buches hervorzuheben, ebenso wie die Erwähnung der 
Könige des Alten Reiches dem Werke ein hohes Alterthum zuerkennen 
soll. Der Ort, dem das Todtenbuch oder wenigstens die Grundkapitel 
desselben entstammen, ist die Stadt, welche als die älteste ägyptische be- 
trachtet wurde und welche eigentlich die religiöse Hauptstadt war, He- 
liopolis, und die Lehre, welche es enthält, ist die der Priester von On. 

Davon wird man sich leicht überzeugen, wenn man die hervor- 
ragende Stelle betrachtet, w^ eiche Heliopolis im ganzen Todtenbuche 
einnimmt. Fast kein Kapitel von irgend w^elcher Bedeutung unterläfst 
es diese Stadt zu erwähnen. Schon im 1. Kapitel wird von dem Tage 
gesprochen, wo man die Worte in der grofsen Halle des Tempels von 
On prüft. Im 17. Kapitel ist es der Gott Tum selbst, der Gott von Helio- 
polis, welcher das Wort ergreift; On wird mehrfach genannt und Z. 18 
findet man auf der Leinewand Thotmes III diese merkwürdige Variante: 

ij^ Wl G ^fll®^.!^^ "^^^^ S^^'^ alltäglich nach On, memer 

Stadt". Eben dahin führt uns auch der Schlufs des Kapitels. Im 



1) Lepsius, Chronologie I, p. 45. 

2) Vergl. auch Z. 57. 



27 

18. Kapitel wird zuerst On aufgeführt, und dort feiert man das Fest der 
Vernichtung der Feinde des Neberter. Es würde zu weit füln-en, wollten 
wir alle Beispiele, in denen Heliopolis vorkommt, lierzälilen. Von dort 
erscheint der Hennn und dort wird das Gericht abgehalten. Wenn der 
Verstorbene aus iler Halle der beiden Gerechtiftkeiten hervorgeht, so be- 
findet er sich, w'ie uns die Varianten der Königsgräber lehren, in «y , 
welches der Tempel von Heliopolis ist. Man darf jedoch den geographi- 
schen Namen nicht buchstäblich nehmen. Wenn der Verstorbene von On 
spricht, so hut er nicht die irdische Stadt im Auge, in der er bei Leb- 
zeiten vielleicht niemals gewesen ist, sondern ein erdichtetes On, welches 
er sich in der andern Welt vorstellt. Es verhält sich mit On ähnlich 
wie mit Jerusalem in den Schriften der Hebräer. Für diese giebt es ein 
himmlisches Jerusalem, nach dem Vorbilde der irdischen Stadt, al)er mit 
allem Glänze der idealen Welt ausgestattet, in welcher es sich befindet. 
Der Ägypter pflegte On als das Sanctuariura 2)ar excellence zu betrachten; 
er kannte es als die Wohnung des mächtigsten der kosmischen Götter, 
Tum Ra; er "ab dort ein zahlreiches und wiclitiaes Priestercollesium, 
das Sanctuarium rührte aus hohem Altertlunu her: Ra selbst sollte an- 
geblich dort geherrscht haben und wenn man sieh die Wohnung des 
Tum in der zukünftigen Welt vorstellte, so gab man ihr ganz natüi'licher- 
weise den Namen On. Auch ist diese Örtlichkeit der Mittelpunct des 
gesammten mythologischen Lebens und der ganzen Thätigkeit der kos- 
mischen Götter; und es begreift sich, dafs eine solche Tradition nur von 
Heliopolis ausgehen konnte, von der Stadt selbst, welche sich in der jen- 
seitigen Welt eine so bevorzugte Stelle sicherte. 

On ist im Todtenbuche das eigentliche Sanctuariura, die wahre 
Residenz des Gottes Tum Ra, des Richters Osiris, der neun kosmischen 
Götter. Dorthin strebt der Verstorbene zu gelangen (Kap. 53); es ist 
mit einem Worte die Hauptstadt des mythologischen Landes oder der 
mythologischen Welt. Denn es giebt eine Geographie des Todtenbuchs. 
Man findet Namen darin, welche sich \mv auf die himmlischen Gegenden 
beziehen und keinen Ortlichkeiten in dem wirklichen Ägypten entsprechen; 



28 

aber es giebt auch einige wenige Namen , welche uns wohlbekannte 
lind bestimmte Ürtlichkeiten des Landes bezeichnen, deren Sinn aber ein 
durchaus verschiedener ist, wenn es sich um die andere Welt handelt. 
Einige dieser Ürtlichkeiten sind zu Orientierungspuncten geworden, da 
man sie an eine bestimmte Stelle des Himmels setzte. Wir berühren da 
eine noch nicht behandelte Frage, einen jener noch zu erforschenden 
Puncte, deren es im Todtenbuche viele giebt. Was bedeuten die geogra- 

phischen Namen wie f J '^, Ll^!^®' ©^' ü^®- ^'^' ^^'''' 
diese Untersuchmig hier selbstverständlich nicht unternehmen, da sie 
mehr Eaum in Anspruch nimmt, als ich ihr zugestehen kann; ich glaube 
jedoch behaupten zu können, dafs diese AVorte in sehr vielen Fällen ne- 
ben der eigentlich geograjjhischen Bedeutung eine mythologische haben. 
Diese beiden Bedeutungen hatten ohne Zweifel einen Berührungspunct; in 
der ägyptischen Stadt gab es vermuthlich eine Ceremonie oder einen 
heiligen Gegenstand, der ihn mit der mythologischen Örtlichkeit ver- 
knüpfte; dabei brauchte die Lage der irdischen Stadt mit der, welche 
ihr in den himmlischen Regionen angewiesen wurde, nicht nothwendiger- 
weise übereinzustimmen. Als Beispiel führe ich U R ^ © an, die Haupt- 
stadt des 9. unterägyptischen Nomos, welche in der Regel für die Stadt 
Busiris gehalten wird. In den meisten Stellen des Todtenbuches, wo 
dieser Name vorkommt, stellt er eine Örtlichkeit oder eine Gegend dar, 
welche augenscheinlich im östlichen Himmel gelegen ist, so dafs man sie 
selbst als das Sinnbild dieser Himmelsrichtung betrachten kann. Ln 
Kap. 16 A ist u das Symbol der aufgehenden Sonne, im Kap. 100, 1 
steht MH y© im Parallelismus mit f" J r^j "^^o^'t soll der Verstorbene 
empfangen und geboren werden (Kap. 1), dort den Hauch des Lebens 
bekommen (Kap. 57), denn wie es der Titel zu Kap. 182 uns lehrt, sind 
K n H '] "^ und v=— D xIj. w zwei zusammengehörige Acte; dort soll das 
Umgraben vorgenommen werden (Kap. 18), die erste der landwirthschaft- 
lichen Arbeiten, welche als im Osten stattfindend gedacht wird. Und 
noch andere Beweise liefsen sich dafür beibringen. Daraus ersieht man, 
was die mythologische Bedeutung eines Ortsnamens besagen will, sie 



kann sich sehr weit von der ursprüngHchen Bedeutung entfernen, da die 
Orientierung in beiden Fällen nicht immer die nämliche ist. Von Ilelio- 
polis ist Busiris nicht östlich, sondern vielmehr nördlich gelegen, i) 

Das Todtenbuch ist aus Heliopolis hervorgegangen und spiegelt 
besonders die Lehre der Priester dieser Stadt wieder; es läfst sich jedoch 
nicht behaupten, dal's nicht einige Kapitel auch einen andern Ursprung 
haben. Es würde z. B. mich nicht iibei-raschen, wenn das 172. Kapitel, 
welches nur in einem memphitischen Papyrus vorkommt (London 9900), 
in Memphis verfafst wäre. Ich möchte es deshalb glauben, weil Ptah 
in den ersten Zeilen dieses Kapitels eine Hauptrolle spielt. Indefs ist 
das nur eine Muthmafsung, denn selbst in diesem Kapitel kommen die 
Götter von On wiederholt vor. Dagegen können wir dem 171. Kapitel 
/wlw\ ^^ "^^ j f J _^ I' ^^^^ "^^* Bestimmtheit einen thebaischen Ur- 
sprung zuschreiben, es kommt nur in zwei Papyren vor (Bulaq 21, Cc 
und Brocklehurst II, Ax). Der Verstorbene wendet sich nach einander 
an eine grofse Zahl von Gottheiten und fängt mit denen von Heliopolis 
an, dann nennt er Tk 3 ^^^ f \\ -"^^^ ^ _Menthu von The- 

ben und Ammon". Es ist das einzige Mal im Todtenbuche, dafs diese 
Gottheiten genannt werden und dafs der Name Thebens T vorkommt, 
und zwar in beiden Exemplaren. Eins derselben {Cc) erwähnt noch eine 
andere Localgottheit, ^'^ ^^ \\ ü fl© --^Sebek von Sehet-, die indefs in Ax 
ausgelassen ist. Man könnte daher in diesem Kapitel mit grofser Wahr- 
scheinlichkeit eine von Theben ausgegangene Interpolation annehmen, die 
im Vergleich zu dem übrigen Buche ziemlich späten Ursprungs sein mufs. 
Was nämlich bei der Bestimmung des Zeitalters des Todtenbuchs haupt- 
sächlich ins Gewicht fällt, das ist der Umstand, dafs der Xame Ammons 
so wie alles auf seinen Cult Bezügliche und alle Ortlichkeiten, worin er 
verehrt wurde, darin vollständig fehlen. Während wir 1 p einmal 

antreffen, finden wir die Hauptgottheit Thebens nirgends. Jedesfalls war 



tJ 



1) Die Örtlichkcit, welche den Westen bezeichnet, scheint mir Abydos 

ZU sein. 
® 



30 

die Rolle Amnions in dem ägyptischen Pantheon eine bedeutende, und 
Theben, seine Residenz, ohne Zweifel eine viel wichtigere Stadt, als 
die meisten andern der im Todtenbuche genannten. Wenn die Götter 
und Tempel dieser Stadt mit Stillschweigen übergangen werden, so ist 
das sicherlich deshalb geschehen, weil die Abfassung des Buches in eine 
frühere Zeit zurückgeht als der Cult des Amnion, und dafs man später 
in dem Wunsche, dem Werke seine archaische Farbe zu erhalten, An- 
stand genommen hat, in dasselbe Dinge zuzulassen, welche diesen Cha- 
racter geändert hätten. Denn wenn man die Texte vei'gleicht, welche 
die thebaischen Priester in den Gräbern der Könige einmeifseln liefsen, 
so kann man nicht eben zugeben, dafs die Lehre der beiden Städte 
Theben und Memphis nicht in Einklang gewesen wäre. Wir haben also 
in Kap. 171 eine sehr seltene Ausnahme festgestellt. Augenscheinlich 
herrschte der Cult des Amnion zu der Zeit, wo dieses Kapitel geschrie- 
ben wurde, und da es aufserdem Sebek von Sehet erwähnt, eine der 
Lieblingsgottheiten der Anienemha und Sebekhotep, so kann man sicher 
sein, dafs es jünger ist als die XIIL Dynastie. 

Ein anderer Beweis für das hohe Alter des Todtenbuches ist die 
Erwähnung melu-erer Könige: von zwei Kapiteln soll das eine (Kap. 130) 
nach dem Turiner Papyrus unter der Regierung des Usaphais der 
I. Dynastie, das andere (Kap. 64) unter der des Mycerinus der IV. Dy- 
nastie aufgefunden worden sein. Aber in dieser Beziehung stimmt die 
alte Tradition mit der der Saiten nicht iiberein. Auch mufs man sich 
natürlich fragen, ob die Nachrichten, welche die Nachschriften dieser 
Kapitel liefern, für authentisch zu halten sind. AVas unsern Glauben 
daran erschüttern kann, ist gerade die LTneinigkeit zwischen den beiden 
Epochen, und dafs man bei der Revision des Werkes unter den Saiten 
die ältere Tradition willkürlich geändert hat. Dafür können wir aber 
bei einem Kapitel eine Tradition feststellen, welche sich von der XL Dy- 
nastie bis in die XXI. erhalten hat. 

Der Turiner Papyrus schreibt dem Usaphais das 130. Kapitel zu 
und dem Mycei-inus das 64. mit dem darauf folgenden vom Herzen, wel- 



31 

dies wir 30 B genannt haben. In der thebaischen Epoche enthält das 
130. Kapitel keine Nachschrift mit einem Königsschilde, die Urheberschaft 
des Usaphal's scheint also eine spätere Erfindung zu sein, doch finden 
sich die beiden Königsnamen anderswo wieder. Auch die Verschmelzuncr 
von G4 und 30B scheint neuern Datums zu sein, denn in den alten 
Texten sind sie nicht vereinigt; am häufigsten wird 30 B mit der Psy- 
chostasie zusammengestellt, zu der es gehört. Auf 30 B findet die Nach- 
schrift mit dem Namen des Mycerinus Anwendung, wie wir aus dem 
Papyrus in Parma ersehen. Seltsamerweise findet sich dieselbe Nach- 
schrift in den beiden thebaischen Papyren Fe und Ax über der Psy- 
chostasie, aber ohne Kap. 30B, welches sie scheinbar ersetzt; in diesen 
beiden Texten ist sie zu Kap. 148 hinzugefügt und an dieser Stelle habe 
ich sie in dieser Ausgabe wiedergegeben (I. 167). Im Papyrus Aa hat 
das 64. Kapitel zwei Recensionen von ungleicher Länge; die kürzere ist 
der in Ca sehr ähnlich, welche aus der Regierung des Usaphai's datiert 
ist. Wenn wir auf den Sarg der Königin Mentimhotep der XI. Dynastie i) 
zurückgehen, wo sich Kap. 64 gleichfalls zweimal findet, so sehen wir, 
dafs es schon dort einmal dem Usaphais zugeschrieben wird; und wenn 
wir bis in die XXI. Dynastie herabsteigen, im Papyrus der Ne(emt oder 
einem gleichzeitigen Texte in Leyden, immer wird Usaphais genannt. 
Angesichts einer so beständigen und so alten Tradition können wir wohl 
behaupten, dafs wenigstens gewisse Theile des Todtenbuchs auf die er- 
sten Zeiten der ägyptischen Monarchie zurückgehen, und wenn wir dazu 
die oben erwähnte Thatsache halten, dafs alles auf den Cult des Ammon 
Bezügliche in demselben fehlt, so können wir dreist scliliefsen, dafs das 
Buch älter als die XI. Dynastie ist. Es verdient Beachtung, dafs die 
Könige Usaphais und Mycerinus, die doch Memphiten gewesen sein müs- 
sen, nur in den thebaischen Papyren erwähnt werden. Die gröfste 
meraphitische Urkunde, welche wir besitzen, der Papyrus Ja, nennt kei- 
nen der beiden Könige. Und dennoch datiert er ein Kapitel, welches er 



1) Goodwin, Zeitschrift 1866 p. 55. 



32 



allein in diesem Umfange überliefert, 13 7 A. L>ie Xachsclirift desselben, 
ganz ähnlich der zu 148 oder 30B, besagt, dafs der königliche Sohn Hor- 
tete/ das Buch, von der Hand des Gottes geschrieben, in einem gehei- 
men Kasten aufgefunden habe, als er die Tempel von Unter- und Ober- 
Äg}'pten inspicierte. Xun wissen wir aus andern Texten, dafs Hortetef 
der Sohn des Mvcerinus war: demnach würde also die Entdeckuns; des 
Buches unter die Regierung dieser Fürsten verlegt werden. 

Wie wir oben bemerkt haben, können wir. das Todtenbuch des 
Alten und Mittlern Reiches noch nicht wiederherstellen ; aber wir dürfen 
behaupten, dafs, mit alleiniger Ausnahme der erwähnten Sarginschrift 
der Königin Menthuhotej) , alle uns bekannten Urkunden dieser frühen 
Epochen in Hieroglyphen und nicht hieratisch geschrieben sind. Die 
Sarkophage des Alten Reiches, die uns erhalten sind^), die der XI. Dy- 
nastie, wie des Amam im Britischen Museum oder des Ante/ im Berliner 
Museum^), das Grab der Königin J 1 1, welches ich in Der-el-bahri co- 
piert habe, alle stellen den nämlichen Schriftstil dar wie das Grab des 
Amenemha der XVIII. Dynastie oder die von uns benutzten Papyri, d. h. 
eine Mittelschrift zwischen den beiden StUen, eine abgekürzte Hierogly- 
phenschrift, in welcher gewisse Zeichen fast die hieratische Form haben, 
während andere erkennbare Bilder geblieben sind. Xicht als ob die hie- 
ratische Schrift nicht existiert hätte, die wir doch in den alten Berliner 
Papyren und im Papyrus Prisse finden, sondern man hat sie für fune- 
räre Texte nicht angenommen und sich an die mehr oder weniger gut 
gezeichneten Hieroglyphen gehalten. Diese zweifellose Thatsache wider- 
strebt der oben angeführten Meinuns; E. de Rouge's. Xicht im Hierati- 
sehen haben wir den ältesten Text des Todtenbuches, sondern im Ge- 
gentheUe ist der hieroglyphische Text der ältere, den man beibehalten 
hat, obgleich für andere Bücher die hieratische Schrift angewandt wurde. 

Dieser ausscliliefsliclie Gebrauch des Hieroglyphischen in den fune- 



1) Lepsics, Denkmäler ü. 99. 
-) Lepsics, Denkmäler U. 145. 



33 

raren Texten scheint mir einen doppelten Grund gehabt zu haben. Zu- 
vörderst ist diese Schrift die ältere, die sorgfältigere und deshalb die für 
heilige Texte, welche mehr respectiert wurden als die übrigen, geeigne- 
tere. Da die hieroglyphische Schrift stattlicher ist, so konnte man durch 
dieselbe gewissermafsen die Werthschätzung des Buches ausdrücken, 
ähnlich etwa wie wir gewisse Namen und Wörter durch grofge An- 
fangsbuchstaben auszeichnen. Sodann glaube ich, dafs die Texte des 
Todtenbuchs ursprünglich entweder auf die Wände des Grabes, wie die 
Pyramidentexte, oder häufiger noch auf die Sarkophage gemeifselt oder 
gemalt wurden. Mir ist es wahrscheinlich, dafs man zum Papyrus seine 
Zuflucht genommen hat, um die Sargmalereien zu ersetzen, vielleicht 
auch um sie zu vervollständigen, wenn man dem Verstorbenen eine rei- 
chere Auswahl von Texten mitgeben wollte, als sich auf dem beschränk- 
ten Räume der Seiten seines Sarkophags anbringen liefs. Eine solche 
Überlieferung mufste rasch verloren gehen, aber sie würde erklären, 
warum man für die Leichenpapyri die monumentale Schrift beibehalten 
hat. Diese Schrift ist weit entfernt vollkommen zu sein, man bemerkt 
das Bestreben sie zu vereinfachen und so die Reproduction der Texte 
rascher und mit weniger Kosten zu beschaffen; aber sie mufste dabei 
monumentale Schrift bleiben, d. h. ihren Character als Zeichnung und 
bis zu einem gewissen Grade ihren ornamentalen Zweck bewahren. 
Wenn man dieser dem Todtenbuch eigenen Mittelschrift einen Namen 
geben wollte und wenn man mit einer seit Champollion bestehenden 
Tradition brechen könnte, so mufste man sie wohl die hieratische 
nennen, da sie nur für heilige Texte Anwendung gefunden hat, mehr 
als die andere, welche schliefslich doch nur eine Cursivschrift ist. 

Dieser Schriftstil, den ich fortfahren werde hieroglyphisch zu nen- 
nen, hat bis ans Ende der XX. Dynastie und las in den Anfang der 
XXI. Dynastie gedauert. Die Veränderungen, welche er erlitten hat, ha- 
ben seltsamerweise einen entsegengesetzten Gang gehabt als man erwar- 
ten sollte, d. h. statt mit der XIX. und XX. Dynastie mehr und mehr 
cursiv zu werden, nähert sich die Schrift im Gegentheile mehr und mehr 



34 

der reinen Hieroglyphe. Der Unterschied ist zwischen mehreren der von 
uns zu dieser Ausgabe benutzten Papyri sehr merklicli. Man nehme 
z. B. das 1. Kapitel des Papyrus Ag , der mitten aus der XIX. Dynastie 
ist, und vergleiche es mit einem beliebigen Stücke aus Aa, Pb oder Cc, 
die aus der XVIII. Dynastie sind, und man wird sich überzeugen, wie 
viel vollendeter die Zeichen in Ag sind. So unterscheidet dieser Text 
sorgfältig den Horussperber ^^ von der Schwalbe '^=f, während in den 
andern drei Texten derselbe unvollkommene Vogel alle beide bezeichnet. 
Dieser Unterschied findet sich auch in Ba aus dem Ende der XIX. Dy- 
nastie wieder; der Sperber ist immer mit Sorgfalt gezeichnet, aber in 
der Regel folgt ihm ein rein hieratisches Zeichen | (Kap. IB, Z. 14). 
In dieser Epoche bemerkt man wohl, dafs es neben der heiligen Schrift 
eine cursive gab, denn wenn der Schreiber ein Zeichen ausgelassen hat 
oder es sehr klein machen will, so wendet er manchmal die hieratische 
Form an (Kap. 1 B, Z. 15, Kap. 44, Z. 14). Man könnte viele Beispiele 
anführen und an einzelnen Characteren, wie dem Widder, der Gans und 
mehreren stehenden Männern zeigen, wie grofs der Unterschied zwischen 
den Papyren aus dem Ende der thebaischen Epoche und denen aus ihrem 
Anfange ist; am auffallendsten ist er in /?</ (Kap. 168 B). Hilt hat selbst 
das ^^^ seine richtige Form, das Schilfblatt l| ist vollständig, es sind 
Hieroglyphen in ihrer ganzen Vollkommenheit. 

Wir haben bereits oben die Gründe dargelegt, welche uns ge- 
nöthiet haben auf eine Sammlung der Texte des Alten und Mittlern 
Reiches zu verzichten und uns auf die der thebaischen Epoche zu be- 
schränken. Da wir uns in diesen Grenzen hielten, so durfte unsere Aus- 
irabe nur hieroglvi)hische Texte umfassen; denn wii- kennen keine fune- 
raren Leichenpapyri, welche aus der Zeit der XVIII. Dynastie stammten. 
In dieser Epoche ist das Hieratische für das Todtenbuch nicht im Ge- 
brauch gewesen; sonst würden uns höchst wahrscheinlich etliche Übei- 
bleibsel erhalten geblieben sein. Um das Hieratische zu finden, mufs 
man in die XX. und XXI. Dynastie herabgehen. Dadurch war unsere 
untere Grenze vorgezeichnet. Unsere Ausgabe liegt vor der allgemeinen 



Annahme der hieratischen Schrift. Das Hieroglyphische trifft man nach 
jener Zeit nur noch ausnahmsweise an und erst unter den Sai'ten sollte 
es wiedererscheinen. 

"Wenn man die Papyri der spätthebaisehen Epoche, wie ich sie 
nennen will, prüft, so erkennt man mit Sicherheit, dafs das Verständnifs 
der Hieroglyphen verloren gegangen war. Schon früher konnte man, wie 
sich unten zeigen wird, bei den Schreibern Nachlässigkeit in der Weise, 
wie sie sich ihrer Aufgabe entledigten, bemerken: es mochte hier und 
dort ein Unwissender unter den Copisten sein, der grofsere Theil der 
Texte ist jedoch von Mäimei-n geschrieben, die den Siini verstanden. 
Unter der XX. und XXI. Dynastie vei-lor sich dies Verständnifs. Der 
Verfall bemächtigte sich des ganzen Reiches und niufste bald zur Anar- 
chie führen. In dieser Zelt, als man die Gräber plünderte und als es 
sogar organisierte Banden gab, die sich auf diese Weise bereicherten, war 
die Ehrfurcht vor dem Heiligen stark erschüttert. Viele alte Gewohn- 
heiten mufsten verloren gehen und in Sonderheit die, funeräre Texte in 
einer Schrift zu schrell)eu, welche man nicht mehr verstand und welche 
zu lernen man für unnütz liielt. In dieser Zeit sind diese äufserlich so 
schönen Papyri geschrieben, die in Hinsicht des Textes nichts taugen. 
Die Schreiber wiifsten nicht mehr, an welcher Seite sie anfangen sollten 
oder nach welcher Richtung sie schreiben mufsten, und daraus sind jene 
grofsentheils verkehrt geschriebenen Urkunden entstanden, wie der Pa- 
pyrus der Königin Netemt und der der Königin Honttaid (Bulaq No. 22), 
oder solche, die es ganz und gar sind, wie der der Sängerin des Amnion 
^ _^ 1 1 I I I ^-^. "^ j] (Eeyden III). Ein Schreiber, der auch nur un- 
vollkommen verstand was er vor Augen hatte, würde einen Text nicht 
auf diese Weise copiert haben. Diesen Irrthum könnte man in fi-üherer 
Zeit, wenn er sich ausnahmsweise und in beschränktem Umfange zeigt, 
durch Nachlässigkeit erklären, er mufs aber der Unwissenheit beigemessen 
werden, wenn er sich auf ganze Urkunden erstreckt. 

Dann erscheinen die hieratischen Papyri, welche die hieroglyphi- 
schen bald ganz verdrängen. Die vorsaitiselien Papyri in hieratischer Schrift 

5* 



36 

bilden eine sehr beaclitenswerthe Gattung, und ihr noch nicht begonnenes 
Studium würde sich sachgemäfs an diese thebaische Ausgabe anschliefsen 
müssen. Der Text der ersten hieratischen Papyri, d. h. der auf die XX. 
Dynastie folgende, steht dem thebaischen Texte viel näher als dem sai- 
tischen; er mufs mit dem erstem verglichen werden und nicht mit dem 
andern. Man sieht, dafs die saitische Eevision noch nicht stattgefunden 
hat, folglich auch die Reihenfolge der Kapitel noch nicht festgestellt ist, 
und, so viel ich weifs, Avaren auch die vier letzten Kapitel des Turiner 
Todtenbuchs in den Codex noch nicht aufgenommen. Die Zahl dieser 
Papyri ist sehr grofs und fast jedes Museum von irgend welcher Bedeu- 
tung hat deren einen oder mehrere, welche öfters mit einer Adoration 
des Ra Tum oder Harmachis beginnen und für irgend eine Sängerin des 
Ammon geschrieben sind. Es giebt solche in Turin, in Bologna, in Ber- 
lin, in der Sammlung Belmore und mehrere im Louvre; eine aufmerksame 
Nachfoi'Schung würde vermuthlich noch viele andere entdecken. Manche 
dieser Urkunden lassen sich genau datiren. So findet sich in Theben das 
Grab eines Mannes namens yO aXi °^5 '^^^' ™iter Ramses IX. lebte i). 
Seine Mutter hiefs \^(^^.^^? ^^^^' Papyrus derselben befindet sich 
zu einem Theile im Louvre und zum andern in einer Privatsammlnns. 
Sein Sohn liiefs ^^^^ ^^^^^^ ^ j^ j . j^ y ^ , der Papyrus desselben ist im 
Turiner Museum. Der grofse Fund von Dcr-el-bahri hat uns nicht nur neue 
Urkunden geliefert, wie die Papyri in Bulaq, den Papyrus Brocklehurst I 
und den des Pinet'em, der dem Oberst Campbell gehört; er gestattet 
uns auch, Papyren, die lange bekannt sind und irgend einem Gliede der 
zahlreichen Familie der Priesterkönige gehören, ihren richtigen Platz und 
ihre Zeit anzuweisen. Li dieser Hinsicht würde die hieratische Ausgabe 
des Todtenbuchs der unsrigen überlegen sein; die Datierungen würden 
genauer sein. Ich will beiläufig bemerken, dafs man in diesen Texten 
eine fast regelmäfsige Variante für den Namen des Gottes Tum v — -„. 3 
findet, nämlich '] S wj oder ü M ^^ ^ • Dieses merkwürdige Wort ist 

1) Champollion, Notices I, 560. 

^) ScHiAPARELLi, Sentimento religioso degli antichi Egiziaui, p. G5. 



37 

weit entfernt, den späten Texten eigenthümlich zu sein, vielmehr gehört 
es den ersten hieratischen an. Die bedeutendste Urkunde dieser Epoche, 
welche icli kenne, ist die als Papyrus de Luynes bekannte, welche zwischen 
dem Louvre und der Bibliotheque nationale zu Paris getheilt ist. Ich 
glaube nicht, dals liir diese Zeit eine wichtigere vorhanden ist, und es 
ist bedauerlich, dafs nicht diese eher als manche neuere hieratische Texte 
veröffentlicht worden ist. Auch dieser Papyrus hat die eben erwähnte 
Variante i] g ^ 5^. 

Später hat die Codification des Todtenbuches stattgefunden, wahr- 
scheinlich unter den Saiten; damals hat man die vier letzten Kapitel 
hinzugefügt, welche mehrere seltsame und fremdartige Wörter enthalten. 
Damals wurde die Reihenfolge und der Text festgestellt; die Papyri 
sind in der Länge immer noch sehr verschieden, aber die Aufeinander- 
folge der Kapitel ist mit wenigen Ausnahmen dieselbe wie im Turiner 
Papyrus. Die Varianten sind viel weniger wichtig und bestehen haupt- 
sächlich in Berichtigungen von Irrthümern und in orthographischen Ver- 
schiedenheiten. Die ptolemäischen Texte unterscheiden sich wenig von 
den sai'tischen; es ist oft schwer, die Papyri der späten Epoche, an denen 
die Sammlungen so reich sind, zu datieren. Sie sind hieroglyphisch oder 
hieratisch; vermuthlich waren die, welche den ersten Schriftstil wählten, 
Liebhaber des Archaistischen, indem sie ihrem Papyrus einen alterthüm- 
lichen Character verleihen wollten. 

Somit unterscheiden wir im Texte des Todtenbuchs vier Phasen, 
welche vier Perioden seiner Geschichte entsprechen: 

1. Der Text des Alten und Mittlern Reiches, der erst unvoll- 
kommen bekannt ist und dessen Sammlung nocli zu machen bleibt: 
er ist in der Regel hieroglyphisch geschrieben. 

2. Der thebaische Text der XVIII. bis XX. Dynastie, in Hiero- 
glyphen geschrieben. 

3. Der hieratische Text nach der XX. Dynastie, dessen Re- 
daction dem thebaischen Texte nahesteht und noch keine feste Reihen- 
folge der Kapitel hat. 



38 

4. Der sai'tlsclie und ptolemäische Text, welcher eine Codi- 
fication mit fester Keihenfolge der Kapitel erfahren hat und hierogly- 
phisch oder hieratisch geschrieben sein kann. 

Ehe wir zur Beschreibung der einzelnen Papyri übergehen, wel- 
che für diese Ausgabe benutzt worden sind, bleiben uns einige Worte 
über die Art und Weise zu sagen, in welcher die Papyri geschrieben 
wurden. 

Nach der uns erhaltenen Anzahl zu urtlieilen, waren die funerä- 
ren Papyri ein sehr gesuchter Gegenstand: einer bedeutenden Nachfrage 
mufste ein eben solches Angebot entsprechen, um so mehr als sie gut 
bezahlt werden mufsten. Es war eine Industrie, welche ihre Arbeiter 
hatte und in der die Theilung der Arbeit üblich gewesen zu sein scheint. 
Die Prüfung der verschiedenen Papyri zeigt, dafs der mit der Zeichnung 
und Ausmalung der Vignette beauftragte Maler nicht immer derselbe war 
wie der Schreiber, welcher den Text abschrieb. In dieser Beziehung 
können wir über die von uns untersuchten Papyri die folgenden Beob- 
achtungen machen. 

Der eigentliche Leichenpapyrus, welcher der gesuchteste und wahr- 
scheinlich auch der theuerste war, ist der ganz und gar für eine be- 
stimmte Persönlichkeit angefertigte, von welchem nichts in voraus ge- 
macht wurde. Ein gutes Beispiel dieser Art ist .4« (London 9900). 
Der Schreiber hat die Zahl der Kapitel, welche er aufnehmen sollte, be- 
rechnet, aber er macht alles nach Mafsgabe; Text und Vignetten gehen 
zusammen. Manchmal, wenn es ihm pafst das angefangene Kapitel mit 
einer Columne abzuschliefsen, dehnt er die Titel und Eigenschaften des 
Verstorbenen mehr als gewöhnlich, alier die Verhältnisse werden immer 
wohl gewahrt; eine Vignette greift nicht über das nächste Kapitel über, 
noch veranlafst sie dessen Umstellung. Man erkennt auch an der Füh- 
rung der Feder, an dem coup de crayon, dafs eine und dieselbe Hand 
Text und Darstellungen gemacht hat. Dieses Vei'fahren hat zur Folge, 
dafs die Vignetten weniger zahlreich sind, wie es in Ca der Fall ist, und 
dafs sie in einem so grofsen Papyrus wie Aa nicht farbig sind. 



39 

Eine andere Gattung von Papyren zeigt uns Vignetten, die in 
voraus gezeichnet worden sind, während der Text nachträdich hinzugefii"-t 
wurde. Das sind die mit den schönen Abbildungen, welche in der Regel 
ausgemalt sind, oft mit grofser Sorgfalt, sodafs sie ein Kunstwerk bilden. 
Uns sind viele Urkunden bekannt, in denen der Text erst nach den Vignet- 
ten hinzugefiigt ist. Man erkennt sie leicht daran, dafs die Vignetten nicht 
den dem Kapitel, zu dessen Illustration sie dienen sollen, entsprechenden 
Platz einnehmen; manchmal haben sie mit dem begleitenden Texte gar 
nichts zu thuu und sind durchaus nicht für denselben bestimmt. In sol- 
chen Papyren sind die beiden Bestandtheile des Buches oftmals von sehr 
verschiedener Güte. Während die Vignetten sehr sorofältio; sind und 
durch ihre schönen Farben und die Sauberkeit der Ausfi'dirun«; das Ause 
fesseln, ist der Text mitunter äufserst nachlässig von L-inem Schreiber 
angefertigt, der weit entfernt war in seiner Specialität so tüchtig zu sein 
wie der Maler. Man findet Fehler darin, welche sich nur daraus erklä- 
ren, dafs zwei verschiedene Personen an dem Papyrus gearbeitet haben. 
In dem grofsen Dubliner Papyrus (Da) hat man augenscheinlich niit der 
Zeichnung der Vignetten zu Kap. 1 angefangen, tlencn die zu Kap. 17 fol- 
gen. Diese Vignetten sind sehr schön und vollständig und füllen fast 
die ganze Länge des Papyrus aus. Nach Beendigung derselben hat man 
den Text darunter hinzuzufügen begonnen, indem man die entsprechen- 
den Stellen fiir den Namen leer liefs, vermuthlich weil der Papyrus noch 
keinen Käufer hatte. Aber am Ende des 1. Kapitels, welches mit dem 
der darauf bezüglichen Vignetten zusammentrifft, hat der Schreiber unter 
denen zum 17. Kapitel wieder mit Kap. 1 begonnen, hat es zu Ende ge- 
führt und ist dium zu Kap. «17 übergegangen, welches aus diesem Grunde 
sehr verkürzt ist und mitten in einem Worte abbricht. Es ist kaum zu 
glauben, dafs derselbe Schreiber, welcher die Vignetten so genau gezeich- 
net hatte, einen so groben Fehler begangen habe. So bemerkt man 
auch in dem nach Äff wiedergegebenen Kap. 1, dafs die Vignetten einen 
gröfsern Platz einnahmen als der Text; und auf dem leer gebliebenen 
Räume hat man ein kleines Kapitel eingeschoben. Dagegen ist der 



40 

Kaum, den die Vignetten zu Kap. 17 ausfüllen, für den Text, für den 
er bestimmt war, viel zu kurz. In dem Papyrus Ba ist der ganze letzte 
Theil schlecht und besteht nur aus rückwärts copierten AYiederholungeu 
von Kapiteln, die schon vorhanden sind. Wir sehen da Vignetten, wie 
z. B. die zu 153, welche zwar für einen Text vorbereitet, aber sicherlich 
nicht für den dann darunter gesetzten Galimatias gezeichnet sind. Im 
allgemeinen kann man behaupten, dafs die auf diese Weise hergestellten 
Papyri die weniger correcten sind und zugleich die meisten verkürzten 
Kapitel haben. Nothwendigerweise ist der Schreiber mehr oder weniger 
von dem Maler, dessen Arbeit vorangegangen ist, abhängig; und da er 
die ihm gesteckten Grenzen nicht überschreiten kann, so hält er entwe- 
der plötzlich in seinem Texte inne, was die beste Lösung ist, oder aber 
er macht sich mit Hülfe von unzusammenhängenden Satzfragmenten ohne 
Ordnung den nöthigen Text; dies ist in Ag am Ende des 17. Kapitels 
der Fall. 

Ba und Ag sind Beispiele von Papyren, deren Vignetten man in 
voraus gemacht hatte, deren Text aber gleichzeitig mit dem Namen des 
Verstorbenen, dem sie zugeeignet wurden, nachgetragen worden ist; denn 
in beiden fügt sich derselbe wohl in die Columnen, ist von derselben 
Hand und mit demselben Texte gesclii-ieben und nicht in eine zu diesem 
Zwecke leer gelassene Stelle. In vielen Fällen bereitete man nicht nur 
die Vignetten, sondern auch den Text vor, indem man für den Namen 
einen genügenden Raum liefs, in den er später eingeschoben wurde. 
Wir kennen mehi-ere der Art, wie Ad und l'c, um nur die schönsten zu 
nennen. Der Name kann sich, wie in Ax, auch nur zwei oder dreimal 
linden, oder auch kann er vollständig fehlen, wie in Pa, Ac, Ah, mö- 
gen das nun Exemplare sein, die keinen Käufer gefunden hatten, oder 
möge man die Einschreibung des Namens vielmehr für überflüssig gehal- 
ten und schon die Mitgabe des Papyrus für genügend erachtet haben, 
oder möge man endlich beabsichtigt haben, dafs derselbe Text mehreren 
Todten zugleich dienen sollte. In dieser Beziehung steht der Papyrus Ai, 
der zwischen London und Liverpool getheilt ist, einzig da. Diese Ur- 



41 

kuiiile liat den Namen eines Verstorbenen gehabt, der an allen Stellen, 
wo er vorkommt, sorgfältig ausgemerzt ist, weil man den Papyrus ent- 
weder verkaufen oder ihn einem andern zu Gute kommen lassen wollte. 
So haben wir Beispiele von jeder Art, wie die Leichenpapyri geschrieben 
wurden. 

In wie weit die Abschreiber von dem, was sie copierten, Ver- 
ständnifs hatten, das ist eine heikle Frage, auf welche man eine gleich- 
förmige Antwort für alle Epochen, selbst ohne aus den Grenzen dieser 
Ausgabe hinauszugehen, nicht geben kann. Mh' unterliegt es keinem 
Zweifel, dafs die Personen, welche die dieser Ausgabe zu Grunde ge- 
legten Papyri, wie Aa, Ab, Ad, Ca, Pa, Fb, Fe und selbst die meisten 
der im folgenden Kapitel aufgeführten, geschrieben haben, verstanden 
was sie copierten. Unter den Fehlern, deren sie sich nicht wenige zu 
Schulden kommen lassen, mufs die Mehrzahl eher der Nachlässigkeit und 
Unachtsamkeit zugeschrieben wenlen als vielleicht ihrer mangelhaften 
Bildung. Man wird in diesen beiden Bänden eine Menge Fehler fin- 
den, die ich, nach meinem Grundsatze nichts zu corrigieren, getreu re- 
pi-oduciert habe. Am Ende der XX. Dynastie wird es anders; damals 
war die Unwissenheit der Schreiber, wie wir festgestellt haben, oflfen- 
kundig und nur die der Käufer kam ihr gleich. 

Einer der häufigsten Fehler ist die rückläufige Copierung der Texte. 
Wir können uns aus derartigen Exemplaren über die Vorlagen, nach denen 
sie angefertigt wurden, ein Urtheil bilden. Der Schreiber hat es darin ver- 
sehen, dafs er die Richtung, in der der Text gieng, nicht erkannt und am 
Ende angefangen hat. Als Beispiel nehme ich, was im Papyrus Ba vor- 
gegangen ist. Diese Urkunde enthält zu Anfang Kap. 17 und darauf die 
Kapitel von den ^^j, nämlich 83, 84, 77, 78, 81, 86, 87, darauf 
Bruchstücke von 147 und von 146 und 125, mit der Ehdeitung anfan- 
gend. Nun findet man gegen Ende des Papyrus nach Kap. 108 plötzlich 
die Einleitung zu 125 wieder in der normalen Keihenfolge, aber darauf 
folgen in verkehrter Richtung die meisten Kapitel, welche wir schon ge- 
habt hal)eu, nämlich 147, 87, 86, 78, 77, 84, 17. Dieser Umstand 

6 



42 



scheint mir zu beweisen, dafs, da die Reihenfolge der fehlerhaften 
Kapitel der der correcten entgegengesetzt ist, das Original, nach dem 
sie copiert worden sind, von links nach rechts geschrieben war; denn 
da der Schreiber sich in der Richtung getäuscht hat, so ist er auf 



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A. Fehlerhafter Text. 



Vignette zu 153. 



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43 



seinem Wege genau wieder zurückgekommen. Um mehrerer Klarheit willen 
i-eproduciere ich Kap. 77, wie es irrthümlich geschrieben ist und wie es 
correct sein sollte; wuv nüthigen mich die Schrifttypen alle Zeichen nach 
links zu kehren, was in den Paj^yren dieser Ausgabe niemals vorkommt. 



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etc. 



1). Wiederheroestelltor Text. 



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44 

Hier stehen sich der fehlerhafte Text, so wie er sich am Ende des 
Papyrv;s findet (A auf S. 42), und derselbe wiederhergestellt und mit jeder 
Zeile an ihrer richtigen Stelle, so wie ihn die Vorlage haben mufste (B auf 
S. 43), gegenüber. Die Eichtung der Zeichen, die nach links gekehrt sind, 
während sie in den thebaischen Papyren immer nach rechts sehen, mufs 
man unberücksichtigt lassen. Es liest hier ein Versehen in der Anordnuno; 
der Columnen vor, das in Folgendem besteht. Der Schreiber hat aus Nach- 
lässigkeit oder aus einem andern, weiter unten zu besprechenden Grunde 
seine Vorlage einmal am verkehrten Ende vorgenommen und macht nun 
die Schlufscolumne 7 iler Vorlage (B) zu seiner Columne 1. Die Rich- 
tung seiner Copie von links nach rechts ändert er nicht; aber da Z. 7 (B) 
nicht ausgereicht hat um seine Zeile 1 zu füllen, so vollendet er die 
letztere mit den ersten Zeichen aus Zeile 6 (B), aus deren Rest er seine 
Zeile 2 und einen Theil seiner Zeile 3 macht, und so fort das ganze Ka- 
pitel hindurch. Daraus ergiebt sich, warum die Zeichen vgs (Z. 6 B), 
welche auf _^ H H '^ "T^i ^'^ Zeile 5 folgen, in A sich unter die letzten 
Zeichen der Zeile 1 eingeschoben finden. Statt an das, was ihm vorher- 
gehen sollte, angeknüpft zn sein, ist nun jede Zeile am Ende der ihr 
folgenden angehängt. Daher die Verwirrung, die dadurch fast unent- 
wirrbar wird, (lafs die Columnen der Vorlage und die der Abschrift nicht 
gleiche Länge haben. Angenommen, dafs der Copist ein Muster vor sich 
gehabt hätte, dessen Columnen von gleicher Länge waren und das keine 
Vignetten hatte, und dafs sein eigener Papyrus die gleichen Dimensionen 
gehabt hätte und seine Columnen für die gleiche Anzahl von Zeichen be- 
rechnet gewesen wären wie die Vorlage, so hätte der Irrthum lediglich 
in der Umdrehung des Kapitels bestanden, so dafs der Text von rechts 
nach links liefe, wie in ziemlich vielen Papyren, die wir kennen. Das 
ist hier aber nicht der Fall, die Columnen haben in beiden Urkunden 
nicht die gleiche Länge, auch der für die Vignette bestimmte Raum ist 
nicht an demselben Platze: daher dieses Durcheinander des Abschreibers, 
wobei der Kapiteltitel mitten in die letzte Columne geräth. Ganze Pa- 
pyri sind auf diese Weise geschrieben, und wenn man sich die Mühe 



45 

geben wollte ihren Text herzustellen, so würde man die Anordnung der 
Vorlage, nach der sie geschrieben sind, wiederfinden. 

Dieses gi'obe Versehen lehrt uns jedoch, dafs die Vorlagen, deren 
sich die Copisten bedienten, in verticalen Columnen, also in Hieroglyphen, 
geschrieben waren. Freilich besitzen wir in den alten Berliner Papyren 
hiei'atische Texte in verticalen, sehr kurzen Columnen, aber sie bilden 
eine Ausnahme; die grofse Menge der hieratischen Texte, selbst der 
alten, ist in horizontalen Zeilen geschrieben, die einen derartigen Irr- 
thum der Abschrift unmöglich machen. Das ist noch ein weiterer um- 
stand, welcher beweist, dafs man die ersten Texte des Todtenbuches 
nicht im Hieratischen suchen darf. Es mufs unter den Vorlacen von 
rechts nach links laufende Texte gegeben haben, da mehrere der von 
uns benutzten Papyri so geschrieben sind, und zwar sehr schöne, wie 
La, Diese Richtung ist der der Zeichen conform; die andere, häu- 
figere, hängt, wie Lepsius gezeigt bat, mit einer religiösen Vorstellung 
zusammen. Das Leben wird als ein Weg oen Westen betrachtet, d. h. 
nach der Rechten. Zugegeben selbst, dafs es in beiden Richtungen ge- 
schriebene Vorlagen gegeben hätte, so fragt man sich doch, wie ein 
Schreiber so leicht ein Versehen wie das eben daroeleirte machen 
konnte. Wenn er nach einem Papyrus immer in derselben Folge copierte, 
was konnte ihn veranlassen mit einem Male die Richtuno; zu ändern? 
warum hat ein Papyrus, dessen Ganzes correct ist, plötzlich ein fehler- 
haftes Kapitel, wie es im Papyrus des Sutimes (P</) mit Kap. 110 und 
einem Stücke von lid der Fall ist? Der Grund scheint der zu sein, 
dafs die Schreiber nach Mustern copierten, welche um sie herum auf- 
gehängt und wie die Wände eines Zimmers angeordnet waren. Mög- 
licherweise entsprach dies der Idee, wie sie sich diese Texte in der 
Amenthes geschrieben vorstellten, obwohl mit Ausnahme des Kap. 151 
die Orientierung der Kapitel des Todtenbuchs nicht erwähnt wird wie 
im Buche von der untern Heanisphäre, dessen Xachschriften jedesmal 
angeben, dafs der Text die genaue Abschrift dessen ist, was man auf 
einer der vier Wände in dem mysteriösen Gemache der Amenthes sieht. 



46 

In Hinsicht auf die orientalischen Gewohnheiten können wir nicht an- 
nehmen, dafs die Schreiber wie wir an einem Tische copierten, indem 
sie ihre Vorlage vor sich hatten und nach Belieben umlegen konnten. 
Glaublicher ist es, dafs die Muster fest waren und dafs die Schreiber ihren 
Platz änderten, wie wir es thun, wenn wir die Inschriften der Tempel und 
Gräber copieren. Wenn man z. B. im Grabe Seti I. den Text am Ein- 
gange abschreiben will, so wird man bemerken, dafs er links von der 
Thür anfängt, an der linken Wand bis zum Ende des Saales fortläuft, 
dann auf die andere Seite überspringt und auf dieser rechten Wand bis 
an den Eingang zurückkehrt, so dafs die letzte Columne der ersten ge- 
rade gegenübersteht. Stellen wir uns jetzt vor, ein Schreiber habe auf 
diese Weise angeordnete Muster um sich. AVenn er von rechts statt 
von links anfängt, so wird sein Text von Anfang an rückwärts laufen, 
oder wenn er am Ende des Zimmers angelangt auf seinen Platz am Ein- 
gange zurückgeht und nun die rechte Seite von dort aus copiert, so 
wird er den von uns im Papyrus Ba erkannten Fehler begehen, wenn 
auch der Anfang seiner Copie vielleicht correct ist. Dies erscheint mir 
die einzige annehmbare Erklärung dieser irrthümlichen Schreibweisen zu 
sein. Es ist indessen ein Punct von unerliel)licher Wichtigkeit; es ist 
wesentlicher den Fehler zu erkennen als ihn zu erklären. Wenn ich bei 
dem Verfahren und den Irrthümern der Schreiber etwas länger verwellt 
habe, so geschah es, um vor einem blinden Vertrauen zu warnen und 
zugleich zu zeigen, wie dringend erforderlich es ist mehrere parallele 
Texte zu haben. So kommen wir auf den Grundsatz zurück, der dieses 
Werk hat entstehen lassen. Um zum Verständnifs des Todtenbuchs zu 
gelangen, ist das einzige erfolgreiche Mittel und die einzige anwendbare 
Methode die Vergleichunir. 



DRITTES KAPITEL. 
Beschreibung der Texte. 



AVir wollen nun einzeln alle Papyri untersuchen, welche zur Her- 
stellung dieser Ausgabe gedient haben, und angeben, welche Kapitel sie 
enthalten. Wir werden sie nach der alphabetischen Ordnung der Signa- 
turen verzeichnen, welche für die einzelnen gewählt woi'den sind. Diese 
Ordnung fafst unter demselben Buchstaben die Papyri desselben Landes 
oder derselben Stadt zusammen. 

A. bezeichnet die Papyri in England, nämlicli die im Britischen Mu- 
seum, in Liverpool und in Privatsammlungen befindlichen. Es 
sind 25 Stück. 

B. die Berliner Papyri, 5 Stück. 

C. die Papyri in Cairo, 4 Stück. * 

D. ein Papyrus in Dublin. 

F. die Papyri in Frankreich mit Aiisschlufs von Paris, 2 Stück. 

H. ein Fragment in Hannover. 

I. die Papyri in den vei'schiedenen italienischen Städten, 11 Stück. 

L. die Papyri in Leyden, 5 Stück. 

P. die Papyri in Paris, nämlich die im Louvre, in der Bibliotheque 
nationale, in dem Cal>inet des medailles und in mehreren Privat- 
sammlungen befindlichen, 17 Stück. 

T. die Gräber in Theben, deren 6 sind. 



48 



A. Papyri in England. 
Aa. 

Der erstt' wichtige Papyrus, welcher gleichsam die Grundlage bil- 
det, auf dem das ganze Gebäude errichtet wurde, ist der Papyrus No. 9900 
des Britischen Museums, welcher als Papyrus Burton bezeichnet wird und 
für das Museum im Jahre 1836 angekauft worden ist. Es ist sicherlich 
der bedeutendste unter den funerären Papyri der thebaischen Epoche. 
Er mifst etwa 65 Fufs in der Länge und ist in 33 Stücken auf Carton 
aufgezogen und unter Glas verwahrt. Der Papyrus ist wohl erhalten, 
mit Ausnahme des Anfangs inid des Endes; sein Gewebe ist von heller 
Farbe. Er ist in jenem Schriftstile gehalten, Avelchen die datierten Texte, 
z. B. die Leinwand Thames III, als der XVIIL Dynastie eigenthümlich 
erweisen. 

Die Vignetten sind sorgfältig, jedoch nicht farbig, sondern schwarz 
cezeichnet und von derselben Hand ausgeführt wie der Text. \n der 
Darstellung, wie der Verstorbene die Opfer seines Sohnes empfängt (er 
ist hier in grülsern Mafsen als in den übrigen Vignetten gezeichnet), hat 
derselbe einen dichten Haarwuchs, welcher vorn bis auf die Augenbrauen 
und hinten bis auf die Schultern herabreicht; er hält in der Hand die 
Schleife, welche Brugsch als das Zeichen der Liitiation betrachtet; er 
träirt keine Sandalen und unter seinem Stuhle befindet sich das Büchei'- 
behältnifs, das jnlal- Seine Frau hat gleichfalls dichtes Haupthaar, 

welches bis zur Mitte des Vorderarms herabreicht; weiter trägt sie nichts 
auf dem Kopfe; au dem Bande, welches ihr Haar zusammenhält, hängt 
eine Lotusknospe, die ihr auf die Stirn herabfällt. In der Hand hält sie 
eine Lotusblume, deren Geruch sie einathmet; und unter ihrem Stuhle 
bemerkt man einen Spiegel und ein Riechfläschchen. 

Nichts beweist, dafs der Papyrus von verschiedenen Händen ge- 
schrieben wäre; er scheint für den Verstorbenen selbst angefertigt wor- 
den zu sein und nicht etwa in voraus. 



40 

Die Nachrichten des Britischen Museums besagen, clafs dieser Pa- 
pyrus aus Memphis kommt, mit andern Worten, dafs er in der Xecropole 
von Gizeh oder Saqqärah gefunden worden ist. Wir haben in ihm also 
ein schönes Beispiel der memphitischen Papyri, welche mit denen aus 
Theben zu vergleichen anziehend ist. Das Studium der Urkunden in 
den verschiedenen Museen hat uns noch einige andere Texte kennen se- 
lehrt, die ohne Zweifel memphitischer Herkunft sind, darunter zwei in 
Leyden und einen in Florenz {Ib). Der letztere, gleichfalls auf hellfar- 
bigem Papyrus geschrieben, zeigt solche Ähnlichkeit mit dem unsrigen, 
dafs er sehr wohl nach demselben Original copiert sein kann. 

Schon die Titel des Verstorbenen hätten genüiii't, um uns die 
memphitische Herkunft des Papyrus zu beweisen. Sie sind recht ver- 
schiedene, aber sie stehen alle mit dem Cultus des Ptah in Verbindung. 
Abgesehen von der gewöhnlichen Bezeichnung f||o|, welche man durch 
„Schreiber" iibersetzt, die aber sehr häufig mit „Beamter^ gleichbedeu- 
tend ist, war der Verstorbene — •*— ü ü 'Wl oder Ijiswellen ^:^y^ "al Xeb- 
seni, rfe ß ~waa ^ c^B ^^ \\\[ „Schreiber" oder „Zeichner 



(1 



beim Tempel des Ptah". Das Wort rrh . welches voi'läufig srer gele- 
sen werden mufs, scheint mir eine abgekürzte Schreibart der Gruppe 
l-^ „schreiben" oder „einmeifseln-' zu sein^). Ein von Pierret-) 
angeführter Papyrus enthält den Titel: P^-^^-^PJ^^O^^^ 
I I I I I 1' ^^*^'^ ^'^'^ nicht verstehe als „der, welcher die Grenzen der Tem- 
pel feststellt", sondern „der, welcher auf die Mauern die zu ihrer Ver- 
zierung dienenden Inschriften einschreibt oder einmeifselt". Dieser Titel 
kommt ziemlich auf dasselbe heraus wie der sich fortwährend wiederho- 
lende tiw I .Pill' welcher seinem Vater eignete. Die gleiche Be- 
deutung dieser beiden Bezeichnungen ergiebt sich aus dem Umstände, 
dafs sie durchweg nicht zusananen vorkommen; Xebseni führt bald die 
jcinc und bald die andere. 



1) Brugsch, Wörterbuch p. 12GG. 
-) Vocabulaire p. 518. 



50 

Kicht beliebige Inscliriften hatte Xebseni auf die Tempelmauern 
einzumeifseln, sondern in Sonderheit die auf Ptah bezüglichen. Er war 

<^ll — "r'%.Tr,fr.^'\™-^l\tl' -Zeichner der 
Wohnung des Ptah in den Tempeln von Ober- und Unter-Agypten". Es 
gab damals ohne Zweifel zahlreiche Beispiele des noch in Abydos ei'sicht- 
lichen Verhältnisses: Tempel, welche in ilirer Umfassungsmauer Sanctua- 
rien verschiedener Gottheiten einschlössen; und überall, wo Sanctuarien 
des Ptah bestanden, hatte Xebseni seine Kunst auszuüben. Es war kei- 
neswegs nur eine handwerksmäfsige Kunst; sie setzte bei dem sie toben- 
den die Kenntnifs wenigstens eines Theiles der heiligen Literatur und 
die Einweihung in die Mysterien voi-aus. Daher finden sich mitunter 

diese Titel : (# ° | -^^^^^^ "t" "^ Ti ^ ^ n I ^ PT^ ,T, -'^^r Zeichner 
des Ptah, der in die Mysterien der Tempel eindi-ingt,- oder auch wohl 

"%C A n r ' ''^™''"' J . , "^^^^ 1 -der in die Mysterien des Gold- 

hauses eindringt". Bekanntlich bildete _das Goldhaus" einen Theil des 
Tempels des memphitischen Ptah, vielleicht die Werkstätte der Einmeifse- 
1er. Diese beiden Titel bedeuten also: eingeweiht in die geheime Wis- 
senschaft des Ptah.^) 

Ein anderer häufig voi-kommender Titel ist ^ ~^'>^ ~J _das 
Kind des verborgenen Ortes''. Dieser lediglich conventionale Name mufs 
bezeichnen, entweder dafs der ihn Führende eine bestimmte Stufe der 
Initiation erreicht hatte oder dafs er zu einem Schatze oder zu einer 
Niederlage von Werthsachen, welche man an dem verborgenen Orte ver- 
wahrte, Zutritt hatte. 

Die Länge der Titel und Bezeichnungen hängt oftmals von dem 
Räume ab, den der Schreiber zu seiner Verfügung hatte; auch verfehlt 
derselbe nicht, wenn der Platz reichlich ist (was seltener zutrifit), etwas 



1) Es findet sieh iu dem Papyrus ein Beispiel des Titels P=H=^ ^\^ K^J 
„der Zeichner des Ha-jeb''. Oflenbar wird durch Ha-jeb eine memphitische 

und keineswegs das Serapeum des sai'ti- 
schen !Nomos bezeichnet. 



51 



Lobendes für den Verstorbenen liinzuzufiigen. So heifst es einmal nach 
den Worten ^— ^ yi , auf welche w'iv unten zurückkommen werden: 
äO r^ '^--- xl^'^liO'^'^ ,:dafs er folgt seinem Gotte, dem 
grofsen Ptah Anehef-res~. Sonst findet sich eine ganze Aufzählung sei- 
ner Eigenschaften; es heil'st, er sei ,^^^^- ß^"^^^^-^— ° 

i T I S ^ T^^ J ^ '^ ^ ä i "i"^ ß*^«it2 '^^'^ Wahrheit, frei von 
Widerspruch, 1) freundlich gegen alle". 

Wir kennen auch seine Fainilie theil weise; zuerst seine Frau, wel- 



J Senseneb genannt wird. 



che dreimal hinter ihm dargestellt ist und 1 I 
Sie wird immer als ..Schwester" bezeichnet, 1 ^, ..seine Schwester 
die Frau"; da aber dieselbe Vignette auch den Sohn mit der Bezeich- 
nung Xi^ I , , -ihr Sohn" zeigt, so erhellt, dafs Senseneb nicht blos 
die Schwester Nebsenis ist. Sie war jedesfalls seine Frau. Man darf 
das Wort 1 '=^ nicht für genau unserm Worte Schwester entsprechend 
halten, möglicherweise umfafste es noch entferntere Verwandtschaftsgrade. 
Möglich auclu dafs man nach der alten Überlieferunn," der Endogamie 
oder Heirat im Schoolse der Familie der Gattin den Namen Schwester 
bewahrt oder vielmehr gegeben hat. Die Titel der ptolemäischen Köni- 
ginnen machen mir die letztere Annahme wahrscheinlicher. 2) 

Von der Nachkommenschaft Nebsenis kennen wir zwei Söhne, 
^^?n] Chemmes und «_(] ' l^tahmcs, deren Namen von den beiden Haupt- 
gottheiten von Memphis abgeleitet sind, da Chem in der | Hl--J o^~ 
nannten örtlichkeit dieser Stadt ein Sanctuarium hatte.'') Aufserdem 
■wird eine Tochter | I /\ ® ^ „die Memphitin" genannt, die vor 

ihrem Vater gestor])eu zu sein scheint. 

Der Vater Nebsenis hiefs -p^ ^ Tonna, auch ^^^^^ '^ geschrie- 
ben, er war |4| | '^^^ i r i ;=^ „Zeichner des Königs"; Nebseni hatte also 



1) -'^ l — n eig. was beuiiiiiiit. d. li. was entgegengesetzt ist (der Wahr- 
em ^^ 

heit), was ihr widerspricht odor entgegen ist. 

-) Letronne, Inscriptions grecques I, p. 2 ff. 10. 
^) Brl'GSCH, Dictionnaire geograpliiqne, p. 72-1. 



seine Kunst von seinem Vater geerbt. Von Tenna keifst es einmal, dafs 

er — *— j E 1 X i 1 1 2I) »Besitzer eines Grabes nach dem Willen 

(des Königs)" war; wahrscheinlich war er auf königliche Kosten bestat- 
tet zur Belohnung seiner langen und treft'lichen Dienste. Die Mutter 
Nebsenis hiefs ^ \N T] -^s;^ | ^ Q Mut-resta und führt keinen besonde- 
ren Titel. 

In der Epoche, in welcher der Papyrus geschrieben worden ist, 
wurde der Verstorbene nur selten als „Osiris" bezeichnet. Indessen fin- 
den sich einige Beispiele in demselben, K. 20, 2. 134, 9. 92, 1. Meist wird 
er mit seinem Titel ohne diese Bezeichnung genannt und einige Male 
findet sich vor seinem Namen das Adjectiv ^ (J (j Kap. 50, 1. 

Auf den Namen folgt beständig ^^ | _v oder ^^=^ y^, manchmal 
beides zusammen, je nach dem Räume, den der Schreiber auszufüllen 
hatte. Auf diese Weise konnte er den Namen nach Belieben verlängern 
oder verkürzen; so haben wir ^=^ f^^ J ^^^ , ^=^ f^ ^ ° f Q u ® ' ^ 

"^l^^^fJT^^iVQt^- Sein Vater dagegen ist immer 
^^ I ^ und seine Mutter ;^J'|_V5 sein Sohn Chemmes ^ und seine 
Tochter wieder | '\^, während sein zweiter Sohn diesen Zusatz nicht 

hat. Seine Frau ist einmal V»; sonst hat sie keinerlei Bezeichnung. 

Der Papyrus 9900 oder Burton ist auf Anordnung der Trustees des 
Britischen Museums und unter der Leitung des Dr. Birch photographiert 
worden, als die gegenwärtige Ausgabe unternommen wurde. Vorher waren 
Bruchstücke veröffentlicht worden von Bikch i), nach Deverias Copieen 
von Pierret-) und von mir selbst 3). Neuerdings ist eine vollständige 
Übersetzung des Textes von Massy erschienen *■'). 

Dieser Papyrus ist sicherlich einer der correctesten , die wir be- 



1) Zeitschrift 18G8 p. 52. 

-) PiEiiEET, Etudes egyptologiques, p. 84 u. 89. 

3) Zeitschrift 1873 p. 25, 1875 p. 85. 

■*) Le papyrus de Nebseni. Gaud 1885. 



53 

sitzen, und da er zugleich einer der vollständigsten ist, so galt er von 
vorn herein als ein höchst wichtiges Mittel zur Wiederherstellung des 
Todtenbuches der thebaischen Epoche, auch konnte er durchweg benutzt 
werden, mit Ausnahme des Kapitels 1 80, welches in verkehrter Richtung 
copiert worden ist. 

Ich habe schon sonst ' ) mehrere graphische Eigenthümlichkeiten 
hervorgehoben, welche dieser Papyrus mit andern derselben Zeit ge- 
meinsam hat. 

1. Das Determinativ jj steht nicht nur nach den Eigennamen 
der Götter, sondern auch nach den auf die Gottheit bezüglichen Adjec- 
tiven und im allgemeinen nach allen heiligen Gegenständen. 

2. Das Zeichen der Negation — i— kommt nicht vor, es wird 
durch das einfache aw>« ersetzt für wird und für ^^^ wird 



AWViA AAttA^\ 



geschrieben. 

3. Das Determinativ des bewaffneten Armes i^ — n kommt aleicli- 
falls nicht vor und wird bald durch ä ü und bald durch ^ — d vertreten. 

Ich lasse nun die Übersicht der in dem Papyrus enthaltenen Ka- 
pitel folgen, in der Eeihenfolge, in welcher sie der Text selbst bietet 2). 

Anbetung des Osiris IF., 83F., 8i F, 85F.. 77F., 86F., 81 F, 72 F, 
99F., 62 F., 105F. über 83 bis 105, 14i und 146 vereinigt, 30BF., 26F., 
221^ 23F., 46, 100, 50 über 30B bis 56, 148F, 134 F, 92F., 89F, 137BF, 
119, 114F, 112F., 113F, 108F, 109F., 47, 103 F., 76, 48, 104F., 96 und 
97 F., 173, 100, 155F, 156F., 160F., 6F., 87F, 56, 88F., 5, 50, 96 und 
97F., 117 und 118F, 17, si — 94, 20, 13, 17, 100—106, 44, 50, 38A, 
153AF, 17 kleine F., 18, 71 F, 106, 110 Einl., Elys. Gef., 177, 178, 
106, 180, 100, niabis F, 166, IblaterV., 180, 167 F, 65, 133 F, 64, 
106, 137 A, 64, 41, 179, 136 AF, 136 BF, 149F., 150F., 125, Einl. F., 
Confession F. und Schlufsrede F. Opfer des Sohnes vor seinen Eltern 172. 



1) Zeitschrift 1873 p. 26. 

-) In diesem Kapitelverzeichuil's xind in allen folgenden habe ich immer 
die Reibenfolge der betrcflcnden Urkunde beibehalten. Ein V. hinter der Zahl 
bedeutet, dal's zu dem Test eine Vignette gehört. 



51 

Diese Liste zeigt uns, dafs sich einige Kapitel oder Theile von 
solchen in dem Texte zu wiederholten Malen befinden: von 17 werden 
zwei Fragmente wiederholt, 50 kommt zweimal vor, 50 zweimal, 64 gleich- 
falls zweimal, doch sind die beiden Versionen von sehr ungleicher Länge ; 
100 dreimal, lOG dreimal (einmal mit einem Zusätze), endlich 180 zwei- 
mal. Die beiden Versionen dieses letzten Kapitels sind gleichfalls von 
sehr ungleicher Länge, doch haben sie das gemeinsam, dafs sie beide 
gleich fehlei'haft und für die Textkritik nicht zu verwerthen sind. 

Es ist zu bemerken, dafs die Vignetten in dem zweiten Theile des 
Papyrus viel weniger zahlreich sind als in dem ersten. Die längsten Ka- 
pitel sind damit nicht versehen, so Kapitel 17, welches als einzige Vignette 
einen sitzenden Anubis hat. Es scheint, dafs der Schreiber nur die ganz 
unerläfslichen aufgenommen hat, wie die zu Kapitel 149, da sich selbst 
die Psychostasie nicht findet. 

Der Papyrus schliefst mit Kapitel 172, welches vielleicht memphi- 
tischen Ursprungs ist und sich aufserdem nirgends gefunden hat. 

Ab. 

Britisches Museum No. 9913. Dieser Papyrus trägt No. 118 der 
Collection Salt und ist nach dem gedruckten Cataloge derselben von 
thebaischer Herkunft. Unter Glas und Rahmen hängt er jetzt an der 
Wand der Museumstreppe. Besonders zu Anfang luid am Ende ist er 
sehr verstümmelt. Das Gewebe des Papyrus ist von schöner Beschaffen- 
heit. Die Schrift ist im Stile der XVIIL Dynastie, aber viel kleiner als 
gewöhnlich in den Papyren dieser Epoche. Das Studium der Varianten 
hat denn auch gcnöthigt ihn zu den ältesten Texten zu rechnen, die wir 
besitzen. Der Name des Verstorbenen kommt darin nicht vor, ein Be- 
weis, dafs der Text in voraus geschrieben war. Nach dem Titel des 
Kap. 124, mit dem der Papyrus beginnt, scheint es, dafs wir den An- 

fang des Ganzen haben. ^ ^ Tu ^ k!™ ^ <^ II ^'^^l"- 
scheinhchifiJllj^. 



Als graphische Eigonthiinilichkeiten sind zu bemerken, ilafs der 
bewaffnete Ann >^ — o un<l die Negation ..-ru, sich finden. Man trifft häufig 
das Zeichen '\ = ^ ^ welches gewöhnlich mit 0^ gleichbedeutend 
ist, aber auch als Femininum gebraucht wird, z. B. als Mascnlinum: 
m a.-^ » 85,3: ,_^^f(i(^^ 99,2: als Fcmimn,,,,,: 

136A, 4; (ji,, ,f1]q ^ U ^-l^-'- 

Dieser Papyrus enthält die folgenden Kapitel, zum Tlieil jedoch 
nur in kleinen Bruchstücken, mit meist zerstörten Vignetten. 124F., 
148, 83, 84, 85, 82, 77, 8(5, 98, OOF., 102, 7, 136A, LSCBF., UOF., 1.50, 
125Einleit., 12GF., 125 Confession, Schlufsrede, Nachschrift, lOOT., 156, 
144F., 146F., darunter 141—3. 

le. Bologna, Museum des Archiginnasio. Soviel ich ohne beide 
Texte vor Augen zu haben beurtheilen kann, glaube ich Fi-agmente dieses 
Papyrus in Bologna im Museum des Archiginnasio gefunden zu haben. 
Dieselbe kleine, lesbare Schrift mit sehr feinen Vignetten, dasselbe Zeichen 
/^ fiir die Silbe □ '^. Diese Fragmente sind unter einem Glase ver- 
einigt und ohne Rücksicht auf den Text aufs Geradevvohl aufgeklebt. 
Aus diesem fast unentwirrbaren Durcheinander habe ich Fetzen der Ka- 
pitel 80, 132, 63, 64, 67, 179 gewinnen können. Meine Notizen ergeben, 
dafs sich auch einige Überreste der Kapitel 2, 87, 109, 108, 155 finden. 
Im Gegensatz jedoch zu dem Londoner Papyrus ist der Name des Ver- 
storbenen nicht immer unausgefüllt geblieben. Man findet in dem leeren 
Platze manchmal die Gruppe "^^vOm o^ler ^_yrl| in grober, nach- 
lässiger Schrift und mit viel hellerer Tinte geschrieben. Das würde nun 
freilich nicht beweisen, dafs wir es" mit einem von dem Londoner ver- 
schiedenen Papyrus zu tluui haben. Nicht selten findet man Texte, deren 
leere Stellen auf eine sehr unvollkommene Weise ausgefüllt worden sind, 
so dafs man dem Namen des Verstorbenen wie zufällig nur ein oder 
zweimal begegnet. Es wäre sehr wünschenswerth, dafs die Fragmente in 
Bologna denen im Britischen Museum an die Seite gelehrt werden könnten. 



56 



Ac. 

Britisches Museum No. 9905. Wieder ein namenloser Papyrus. 
Er ist von guter Schrift und mit farbigen Vignetten verziert, in 12 Frag- 
mente getheilt, unter Glas. Der Text ist zu Anfang verstümmelt, aber 
wahrscheinlich enthielt er keine Kapitel vor 71, nach dem Reste des 
Titels $$'€\ I ^-^ <r::> M ^ *'"^- ^"-^ urtheilen, der das Ende eines all- 
gemeinen Titels bildet. 

Obwohl der Name des Verstorbenen nicht genannt ist, so wird er 
doch hier und dort durch Attribute ersetzt, Angaben nicht von Titeln oder 
Würden, sondern von moralischen Eigenschaften. Dergleichen merkwür- 

dige Bezeichnungen finden sich in Kap. 83 \ (] f ^^^^^^ \ „ , , , I .^^ 

^. ^i ^ wörtlich ..der Besitzer guter Worte vor den Menschen", in 
Kap. 85 I ll '=^=^ I '^^ j=^ „der sehr sanfte" oder „der sehr angenehme", 

in Kap. 125Einleit. fH^^^i)^^^— ^^[^ wörtlich „der wel- 
eher die Gerechtigkeit erlangt von seinen beiden Gerechtigkeiten" — 
eine Anspielung auf die beiden Göttinnen iV«, die des Orients und die 
des Occidents, die in dem Bilde der Confession dargestellt werden; in 
Kap. 125 Schlufsrede: f^^^'^^^ün^j'^^ ,.der wahren Her- 
zens und ohne Are; ist". Zweimal findet sich diese unbestimmte Angabe 
J ll =^ 1 '^^ ,, Ci:0:ü „Gesagt von jemand in dem Cherneter". Das Zei- 
chen ^^ — /| findet sich, doch wird es gewöhnlich durch .= — d oder /^ o er- 
setzt. Die Negation wird durch das Zeichen ^ju. gegeben, das manch- 
mal selbst für awaa eintritt. Die Form j^ -^^ für ^^ kommt Kapitel 
149,17 vor, ebenso ^^ 149,30, wo das zweite —lu-, wenn es nicht feh- 
lerhaft ist, als Determinativ angesehen werden mufs. 

Ac enthält die folgenden Kapitel: 71, 106 T., 83, 84r., 85 F., 821'., 



^) Wenn der Ägypter ausdrücken will, dafs jemand eine moralische 
Eigenschaft in einem hohen Grade besitzt, so bedient er sich des Wortes -^z:^ 
mit dem nachfolgenden Hauptworte, welches diese Eigenschaft bezeichnet (vergl. 
Naville, Litanie du soleil, p. 15). 



57 

30Br..77r., 86 F., 99r., 102 J'., 38Ar., 125 Einleitung, Confession T, 
Schlulsrede, Nachsclirift F., 1491'., 150. 

In den Vignetten zu Kap. 149 ist die Farbe jeder Wohnung an- 
gegeben. Zehn davon sind grün | _^ , , ,' ahdefghlmn, und vier 
hellgelb tJ , ? . ciko. 

Ad. 

Britisches Museum No. 10009, Salt 828. Der Verkaufscataloo; 
giebt an, dafs die Urkunde in Theben aufgefunden ist. Es ist ein schö- 
ner Papyrus, zu Anfang zerbrochen, gut geschrieben und mit farbigen 
Vignetten versehen. Er ist eingerahmt und an der Treppe im Britischen 
Museum ausgehänst. Der Text war im voraus geschrieben, denn der 
Name des Verstorbenen genügte nicht, um die leer gelassenen Stellen 
ganz auszufüllen. Der Verstorbene hat keinen andern Titel als jjR, sein 

Name ist j ""i M '^'"^^^' I L_=ZI "i 'M °^^"® Angabe der Eltern. 

Der Papyrus enthält die folgenden Kapitel: 141 — 3; ehi unediertes 
Kapitel, welches theilweise den Titel zu 15B III enthält: 125 Confession 
r. , Einleitung, Schlufsrede, Nachschrift T. , 100 F., 110 Einleitung, Elys. 
Gef., 95T'., 136A und B zusammen T'., 149a — k mit der Angabe der 
Farben: 150. die aufgehende Sonne. 

Die Zeichen %.=!] und ^r, finden sich und werden beide ange- 
wandt wie gewöhnlich. Gleichwohl unterliegt es keinem Zweifel, dafs 
dieser Papyrus der XVI II. Dynastie angehört. Der Verstorbene wird 
niemals Osiris senannt. 



o^ 



Je. 

Britisches Museum No. 9964. Dieser Text würde uns für die 
Wiederherstellung des Buches von gröfstem Nutzen gewesen sein, wenn 
er sich nicht in so schlechter Erhaltung befände. Er besteht aus einer 
gi'ofsen Zahl von Fragmenten, deren Reihenfolge sich nicht mehr fest- 
stellen läfst. Die Vignetten sind ziemlich roh, die Fleischtheile grell roth 



gemalt. Der Verstorbene hat eine Haartracht, welche nicht bis auf die 

Schultern herabfällt, und den künstlichen Bart. Die Schrift ist sehr dick. 

Der Verstorbene war ein hochgestellter Mann und hatte die fol- 



genden Titel: 



^B+^S^IT 






'■■ 






etc. 

n - ■ 



^1 , , o 



Amenneh war also ein „Schatzmeister des Königs-, der zu gleicher Zeit 
bei dem Tempel des -Amnion der Stadt des Südens" angestellt war. 

Sein Vater war "^ pi| ^^ ""-"^ | ^^^^ J^ ^^ „der Richter, Schrei- 
ber und Haushofmeister Äntef". Seine Mutter hiefs ^ i c^ S "'"^ 
Frau 2eta-' und war selbst eine Tochter der Frau J\ ^^ J| oder J\ ^^ 
Ante/ oder Ante/ tahemt. Das geht aus mehreren Stellen her- 



vor, aber seltsamerweise scheint der Schreiber einmal die Mutter auszu- 
lassen und sogleich zur Grolsmutter überzugehen. Es heilst von Amen- 

„eb, er sei ^ ^ B^^l ^ 1 1,lZ^fl P l^TIZ ä P 
'^^"^ "^ ^^ i ^ ^ \\ vi "S*^^"! "^^^s Aufsehers Antef und der Frau 
Antef der Tochter der Frau Taanaki^. Da wir nun eben gesehen haben, 
dafs seine Mutter Teta hiefs, so hat der Schreiber deren Namen augen- 
scheinlich ausgelassen. Es ist also ein Stammbaum mütterlicherseits, der 
bis zur Urahne des Verstorbenen aufsteigt. 

Die Frau Amennebs scheint ^= ,c==tj ^^ (ji | _V ^ Sitkamesu „die 
Tochter des Kames" zu heifsen. Dieser Name erinnert an einen der 
Könige der XVH. Dynastie; und es ist möglich, dafs diese Frau eine 
Königstochter gewesen ist, was die hohen Würden, zu denen ihr Gemahl 
gelangte, erklären würde. Jedesfalls führt uns dieser nicht häufige Name 
Kamesu an den Anfang der XVHI. Dynastie. 

Der Papyrus, welcher wahrscheinlich thebaischen Ursprungs ist, 
bietet eine der Eifrenthümlichkeiten von Au: er wendet das Zeichen der 

D 



59 

Negation iiiclit an. Tin Verlaufe des Textes müssen mehrere Kapitel 
wiederholt gewesen sein; ich habe die folgenden wiedergefunden, ganz 
oder theilweise, die meisten aber in Fragmenten. Anbetung des Osiris, 
1, 2, 3, er., 8, 23, 27, 28, dOBV., 42, 44, 50T'., 577., 62, CSF., 64, 71, 
72, 76, 80 F., 81, 82 7, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 93, MV., 99, 100, 102, 
104F,, 105, 108 (zweimal), 109 (zweimal), 112, 113, 114, 119 F., 124 F., 
125 Einleitung F., Confession, Schlufsrede, Nachschrift, 132 F., 136A ii. B 
zusammen, 153 F. 

Britisches Museum No. 10010, Murray 1861, unter Glas, an der 
Treppenwand aufgehängt. Ein Papyrus einzig in seiner Art, von sehr 
sorgfältigem Stile mit farbigen Vignetten. Obwohl nur von geringer 

OD OD DO 

Länge, so enthält er doch mehrere Kapitel, die sich inn Turiner Todten- 
buche nicht finden, darunter eines, welches er allein hat. 

Der Papyrus ist für eine Frau ^ ^ -=4r^ '^'^ ■] ^ ^\ <^ Jj 

"^ ^ „die Frau, die Sängerin des Amnion Muthotept'-^ geschrieben. Der 
nur einmal vorkommende Titel scheint für den thebaischen Ursprung zu 
sprechen. Niemals findet sich vor dem Eigennamen der Verstorbenen 
die Bezeichnung Osiris. 

Der Papyrus enthält die folgenden Kapitel: 151 F., 182 mit einer fu- 
nerären Darstellung, 174 F., 1G8AF., 15 Bill F., 16 B untergehende Sonne. 



Jg. 

Britisches Museiuu No. 9901, Clot -Bey. Ein Papyrus aus späte- 
rer Zeit als die vorhergehenden: denn er ist aus dem Ende der Regie- 
rung Seti I. oder aus dem Anfange der Ravtses' IL Es ist ein datiei'ter 
Text. Dieser Papyrus ist besonders durch die Feinheit der Vignetten 
und durch die Sorgfalt, mit der dieselben ausgemalt sind, bemerkens- 
Mcrtli. In dieser Beziehung ist er ein Kunstwerk; dagegen läfst der 
Text in mehreren Theilen viel zu wünschen übrig. 



60 



Er ist geschrieben für ,^ — ^ 'S ^ (^ ^ =1 ^M . . ^ 
'^J^o<=>S.l I I F 1 ® "^^^'^ Haushofmeister des Königs Seti /. , den 
Aufseher des Viehs des Königs, den königUchen Beamten Hunefer (be- 
stattet) im Westen von Theben". Also ist die Herkunft des Papyrus so- 
wohl als seine Zeit genau bestimmt. In der That würden viele Um- 
stände auch ohne das Datum uns bewegen diese Urkunde für später zu 
halten als die vorhergenannten; die viel dünnern Schriftzeichen nähern 
sich weniger dem Hieratischen und sind der reinen Hieroglyphe ähn- 
licher, besonders zu Anfang des Papyrus. Hunefer wird immer „Osiris" 
genannt. Er trägt langes Haupthaar, welches bis zur Schultei'höhe nicht 
geschnitten ist, dessen vordere Partie aber noch tiefer als bis zu den 
Schlüsselbeinen herabfällt. Die Kleider sind weiter als die Nebsenis. 

Ebenso bei seiner Frau ^ , -^^ i\ \ M % •'; , ^ .(^e 

Frau Sängerin des Amnion Nascha". Auch sie trägt längeres Haar als 
die Frauen der XVHI. Dynastie; es fällt noch tiefer als bis auf die Ellen- 
bogen herab. Auf dem Kopfe trägt sie einen Kegel und 'eine Lotus- 
blume. Diese Zierrathe finden sich an der Mumie wieder, die weifs 
und mit rothen Streifen kreuzweis bemalt ist. 

Augenscheinlich hat der Schreiber diesen Papyrus besonders in 
den Vignetten sorgfältig behandelt; auch der Text ist nicht schlecht bis 
gegen das Ende; da hat der Copist, der sich vielleicht wenig überwacht 
fühlte und die Beendung beschleunigen wollte, seine Columnen nur mit 
Bruchstücken von Sätzen ausgefüllt, ohne sich um den Sinn zu kümmern. 
So habe ich darauf verzichten müssen, mich des Kap. 17 von Zeile 48 
an zu bedienen, obwohl der Text fast bis zum Ende noch 34 Columnen 
fortgeht. Die Kapitel, welche dieser Papyrus darbietet, sind: IbAUlV., 
16 A, 183, 125 Psychostasie, 1 F. und 22 auch noch unter den Vignetten 
zu 1, an welche sich die Ceremonie des Jwro anschliefst 3/ i ^ v'^ti 
„die Öffnung des Mundes der Mumie"; dann 17 F. Weiter reicht der 
Papyrus nicht. 



6f 



Ah. 

Britisches Museum No. 9968, ein sehr gutes Fragment ohne Vi- 
gnette, welches Kap. 17, Z. .38 — 69 umfafst. Es ist geschrieben für 
1 T /wvv^^ Q n I I ^ n'^^^ Vorsteher der königUchen Frauen Aahmes'', 
Die hier genannten Frauen J| j sind ohne Zweifel die sonst mit dem 
Namen '■'^ ^W j bezeichneten, die Frauen des Harems. 

Papyrus der XVIII. Dynastie. 



Unter diesem Buchstaben werden zwei Stücke zusammengefafst, 
die zu derselben Urkunde gehören, von denen das eine der Papyrus 
Mayer CDEFGK in Liverpool ist^), das andere aber im Britischen 
Museum befindliche als Papyrus Libri No. 9933 bezeichnet wird. Die 
beiden Hälften ergänzen sich vollkommen; ich werde daher nur wie von 
einer Urkunde reden. Es scheint zunächst, als sei dies ein namenloser 
Papyrus. Als ich aber den Text sehr genau betrachtete, bemerkte ich, 
dafs der Name allerdings geschrieben war, aber absichtlich im ganzen Um- 
fange des Papyrus ausgemerzt worden ist, so dafs alle jetzt vorhandenen 
leeren Stellen von dieser leicht erkennbai'en Zerstörung herrühren. Indes- 
sen habe ich den Namen des Verstorbenen noch wieder auffinden können: 
er war | fi a^ oder jji H _V ^ Aahmes, Aahmesu ; der Name seiner Mut- 
ter ist unleserlich. 

Der Papyrus ist sehr gut geschrieben und ganz im Character der 
XVIII. Dynastie. Die Vignetten sind farbig, die Fleischtheile dunkelroth, 
das Haar sehr kurz. Der in Liverpool befindliche Theil des Papyrus 
besteht aus mehreren Fraa'menten und ist weniger "wt erhalten als der 
in London. Das Zeichen w=/l kommt nicht vor, ebensowenig »ju., wel- 
ches sowohl als Silbenzeichen wie als Determinativ durch ~ww ersetzt 



^) Goodwin, Zeitschrift 1873 p. 12; Gatty, catalogue of the Mayer col- 
lection p. 38. 



62 

wird; aber ^ "^ | wird _^-^ | geschrieben und '"'^ ^^ entweder 
^^ Oder \l. 

Eine andere graphische EigenthümUchkeit dieses Papyrus ist der 
viel häufigere Gebrauch des s=5. Man findet es in sehr vielen Fällen 
statt ^: so findet man die Pronomina '"^ für ^~>~«, für und 

, , für geschrieben. Aber das Zeichen wird so allgemein ange- 

wandt, clafs man ihm auch sonst, selbst als weiblichei* Endung, fortwäh- 
rend begegnet, z.B. in ^ , ; , , ^^.^rl^ll, 5^ ^ o ' ^J 

oder s=5 jo in den Participien, ^ ., ^=*_y U u. s. w. 

Die Kapitel, von denen dieser Papyrus Bruchstücke enthält, sind 
die folgenden: in Liverpool 86 P", 88 F., 56 F., 5, 96 und 97, 117 und 
USF., 17, 82—94, 18, 1—18, 119, 102, 7, 136 A., 136BF, 124, 149« i — 
in London 149 6 Ende, c d e f g hi k l m n. 

Äj. 

Britisches Museum No. 9914, Young. Sehr unvollständige Frag- 
mente eines Papyrus der XVIII. Dynastie, deren Vignetten zerstört sind. 
Er war geschrieben für den ^^^ff|j]ü ^^""^ "^^^^ Amchent Ame- 

nemha^. Es sind noch vorhanden Kap. lo6B, 149, 1 — 8, 99, 28 — 35 
und 136A. 



■Britisches Museum No. 9918, Salt 341. Ein kleiner Papyrus aus 

späterer Zeit, vielleicht der XX. Dynastie, geschrieben für ^ fW) 

AMAAA (| ~wvvA (j ^^^^^^ ^j |1 __jpj-, QsiHs, ({qw Aufsclicr der Mam-er des Ammon- 
tempels Amenmcs~. Die thebaische Herkunft ist aufser Zweifel. Dieser 
Papyrus ist von rechts nach links geschrieben. Er enthält: Kap. 125 
Einleitung, dann eine Anbetung Ra's, die einige Ähnlichkeit mit Kap. 15 
hat. Dieser Papyrus ist wenig brauchbar. 



63 



AI. 

Britisches Museum No. 9926. Fünf sehr kleine Fragmente, die 
zu drei verschiedenen Papyren gehören. Zwei darunter, in der dicken 
Schrift der XVIII. Dynastie, gehören zu einem und demselben, und ent- 
halten Bruchstücke des 17. und 110. Kapitels; der Name hat sich nicht 
gefunden. Diese beiden Fragmente sind die einzigen, welche benutzt 
worden sind. 



A 



m. 



Britisches Museum No. 9929, 9934 und 99o."), Fragmente Libri, 
welche meist zu einem Papyrus aus dem Anfange der XIX. Dynastie ge- 

hören. Derselbe wurde geschrieben für J j^ ^^^^ T _y '^-^ ^^^ d -^ oder 

-ri ^ ^^^ I y '^~^ \ 'W "pl •''-^*^" Obersten der Arbeiter Aa oA&v Naa'- . In 
No. 9929 linden sich Bruchstücke von Kap. 84 und HO, in 9934 von 
Kap. 1 und 17 bis Z. 51. Auf demselben Carton ist ein Bruchstück des 
Kap. 17 von Z. 81 an liinzugefügt; er ist jedoch in kleinerer Schrift und 
gehört zu einem andern Texte mit verschiedenen Namen. No. 9935 ent- 
hält wiederum Fragmente vom Papyrus des Naa, nämlich 77, 134, 84, 
83, 99, 42. In der Benennung der Glieder, welche in dem letztgenannten 
Kapitel vorkommt, wird der Verstorbene statt mit seinem Namen durch 
den Ausdruck |o| '^ i ^ -^^^"^ Beamter NN." bezeichnet. 

An. 

Britisches Museum No. 9940. Sehr schöner Papyrus, der erste 
aus einer characteristischen Gruppe, zu der Br. Mus. 9940 u. 9955 und 
Leyden II (La) gehören. An unterscheidet sich von den andern beiden 
nur dadurch, dafs er von links nach rechts geschrieben ist, während 
diese die umgekehrte Richtung befolgen. Ich habe keine schönere Hie- 
roglyphen gefunden. Sie sind mit der gröfsteu Sorgfalt gemalt, beson- 
ders in der Anbetung des Osiris, mit der der Papyrus beginnt. Die 
gelbe Farbe wird durch Vergoldung ersetzt. Ohne Zweifel sollte dadurch 



64 

ill Erinnerung gebracht werden, dafs der Verstorbene ein feineres Hand- 
werk ausgeübt hatte, was aus seinen Namen und Bezeichnungen hervor- 

geht. _^2^ Jg> '7^<=> f^i '^ M ^^'■^*^^' i 1 I EI •■^'-'^" ^I'-'ister Goldschmied 
Kartana oder Neferrenp.^ Ich habe den Titel durch „Meister Gold- 
schmied" übersetzt, obschon über die Bedeutung des Ausdrucks -^ 
nuh-pek ein Zweifel bestehen kann. -^ pek, phonetisch ^o geschrie- 
ben, bezeichnet eigentlich ..ein Theilchen" oder „ein Stückchen Gold". 
Eine äthiopische Stele giebt das „ O als einen Theil des an CLepsius, 

Metalle p. 41). ■^ -^ würde demnach den bezeichnen, der das Gold 
in kleine Thelle zerlegt, eine Art Münzarbeiter. Geben wir andererseits 
dem Worte -^ das Determinativ ö? so würde der Titel einen Fabrikan- 
ten von Goldgeweben bezeichnen. Das Wort „Goldschmied" ist daher 
hier in einem sehr allgemeinen Sinne zu verstehen. 

Der Verstorbene hatte zwei Namen, von denen der erste ein 
durchaus semitisches Aussehen hat; man kann ihn einerseits mit dem 
Worte r-ii? „Stadt" und andererseits mit der Wurzel r-a „kleinschnei- 
den" oder mit Trs zusammenstellen. Möglicherweise war er ein Phö- 
nicier oder ein Syrer, der sich in Ägypten niedergelassen und den 
Namen Neferrcnp angenommen hatte. Er wird mit seiner Frau oder 
Schwester dargestellt, die eine Sängerin des Amnion war, 1 -^^ ^ -=4^ 
^^'^ \\ p^ <=> 3 Henur. Vor dem Namen des Verstorbenen findet 
sich die Bezeichnung „Osiris". 

Der Papyrus enthält die Anbetung des Osiris, Kap. 1 mit Nach- 
schrift und Kap. 17, 1 — 9. Der Rest der Urkunde ist zerstört. 



Jo. 

Britisches Museum No. 9943, Sah 127. Dicke Schrift der XVIII. 
Dynastie, gemalte Vignetten; der Papyrus ist zu Anfang und Ende zer- 
rissen. Der Catalog Salt's bemerkt, dafs er in Theben gefunden worden 
ist. Die Hieroglyphen sind sorgfältig. Das Zeichen .ju fhidet sich nur 
em einziges Mal und wird sonst überall durch «w^^, ^^ ersetzt; 



OS 

auch L=J kommt nicht vor. Ein Name wird nicht genannt; nur einmal 
gegen Ende, am Anfang der Darstelhing der Psychostasie, die fast gänz- 
Hch zerstört ist, findet sich diese Bezeichnung [j'^^^r^'-ft i^ rf^<?i" Osi- 
ris NN". Der Papyrus enthäh: eine zerstörte Vignette, Kap. 7, 136 A, 
13GB, 149a — k, 150, 125 Einleit., 136B, 16 — 20, Psychostasie. 

Jp. 

Britisches Museum No. 9949. Farbige Vignetten. Wieder ein Papy- 
rus, der für einen Verstorbenen vermuthUch fremden Ursprungs geschrie- 
ben war. Der Name desselben lautet T |^ 1 ^ CJiar oder T ^^ 
l| i| ^ Chart „der Syrer"; es geht ihm eine Bezeichnung vorher, deren 
Sinn dunkel ist. Er wird genannt JJ^^M-^i^il^"^^' 
oder öfter j]^ _^ y ^ ^ J , , ,• I" den zu den Vignetten von Ka- 
pitel 17 gehörigen Vignetten heifst er einmal einfach _v V ij ^ [1 S' 
Vielleicht mufs man das -^s:^ hinter jj J] als „Sohn von" auffassen. Dann 
würde er ein Sohn Usais sein und selbst Usai heifsen, während man 
ihn in Ägypten nach seiner Herkunft -den Syrer- genannt hätte. 

Seine Frau, welche in dem Texte oftmals da erscheint, wo man 
ihren Gatten erwarten sollte, trug gleichfalls einen semitischen Namen; 

sie hiefs ^ ^"7"°^?^^ "d^e F^a« ^«««'- 

Ich halte diese Urkunde für keine sehr alte. Allerhöchstens 
kann sie bis in die Mitte der XIX. Dynastie 7.urückgehen. Die Haar- 
tracht und die Kleidung des Verstorbenen ei'innern sehr an die Vignetten 
Hunefers {Ag). Das Haar fällt vorn bis auf die Schlüsselbeine, während 
es hinten nur bis auf die Schulter reicht. Der Text ist wenig correct 
und man erkennt, dafs der Künstler seine Aufmerksamkeit besonders auf 
die Vignetten gerichtet hatte. Er gehört offenbar zu jenen Papyren, 
deren Vignetten in voraus gemacht worden sind. Es läfst sich nicht 
leugnen, dafs dieser Papyrus in enger Beziehung mit dem in Dublin 
steht (über welchen weiter unten) und mit No. IV. in Leyden, der sich 
gleichfalls durch seine Vignetten auszeichnet, aber gleichwohl einer spä- 

9 



66 

tern Zeit anzugehören scheint. Diese ÄhnUchkeit hat ihren Grund viel- 
leicht in einer localen Überlieferung. Xo. IV in Loyden kommt aus 
Memphis; über die Herkunft des Papyrus Ap haben wir leider gar 
keine Nachrichten, da er von einem Antiquar gekauft worden ist. 

Die in Aji enthaltenen Kapitel sind die folgenden: Anbetung des 
Osiris v., IF., 17 F., 57 F., 92 F., 38 BF, 148 F., kleine Fragmente von 
18, 125 Einleitung, Confession, 110 Elys. Gefilde, 186. Der Papyrus ist 
unvollständig und hat mehrere Lücken; Kap. 1 sollte zweimal darin vor- 
gekommen sein, wenn man nach den am Ende hinzugefügten Fragmenten 
urtheilen darf. 

Jr/. 

Britisches Museum No. 9950 ohne Namen. Vier Fragmente aus 
sehr guter Zeit : das Gesicht des Verstorbenen ist roth gemalt, die Haare 
reichen bis auf die Schultern: die Mumie war schwarz mit gelben Quer- 
streifen. Diese Bruchstücke sind in vollständiger Unordnung. Ich habe 
nur Theile des 17. und 42. Kapitels benutzen können; es finden sich 
deren aufserdem von Kap. 133, 18, 142, 151 und 119. 

Jr. 

Britisches Museum No. 9953. XX. Dynastie, kleinere Schrift, die 
sich der der XXVI. Dynastie nähert. Die Vignetten sind roh; die Haar- 
tracht ist lang und fällt bis auf die Schlüsselbeine herab. Der Text ist 
geschrieben für j]^ :=i "^ ^^ '< — = p| , , , .^-^ = ^^^^ ^^^ -rden Osiris, 
den Oberbibliothecar des Königs Chai'-'. Dieser Papyrus beginnt mit 
einer Anrufung verschiedener Gottheiten und fährt mit Kap. 86, 87 und 
88 fort. 

As. 

Britisches Museum No. 9954. Ein Papyrus aus der Zeit der 
XVIII. Dynastie, geschrieben für =|: ,,^,^,^ p»! -^^'^_§^ || ^ „den königlichen 
Schreiber Hututu^. Er besteht nur aus zwei Fragmenten, welche Kapi- 
tel 79, 81 \md 87 enthalten. 



fi7 

At. 

Britisches Museum No. 9955, aus der Auction Hay hei-rührend. 
Unzusammerihängende Fragmente eines sehr schönen Papyrus mit beson- 
ders sorgfältigen Vignetten, der zu derselben Familie gehört wie An und 
La und gleich dem letztern von rechts nach links geschrieben ist. Der 
Verstorbene, welcher nicht immer ein Osiris genannt wird, namentlich 

nicht wenn seine Titel aufgezählt werden , war -^^^ ""'^ 1 i i i t-X, \\ 

^ ..der Chef der Arbeiter in der Necropole von 



Theben Paschetu^. In dem nur in Bruchstücken erhaltenen Texte findet 
sich: die Anbetung des Osiris, Kap. IT., 15A, 16B, 18, 136, 134, ISlF. 
Dieser Papyrus gehört vermuthlich an das Ende der XVIII. Dynastie. 



J 



U. 



Britisches Museum No. 995G. Dieser Papyrus mit einer farbigen 
Vignette enthält nur den abgekürzten Text von Kap. 78. Er ist ge- 
schrieben für den verstorbenen ^^ Jj ^^ j] o 0\ Horsiesis, der weder 
Titel noch Würde hat. 



J 



V. 



Britisches Museum No. 10021, Salt 1251. Dieser Text auf Leder 
ist mit vieler Sorgfalt geschrieben, aber sehr verstümmelt. Das einzige 
Kapitel, welches ich benutzt habe, ist 79; aber die Urkunde enthält noch 
Sätze aus andern Kapiteln, wie 6, 26, 44, 68 u. a. Der Verstorbene 

führte verschiedene Titel ^ , ^ ''^ I V \^ I ^ 4 .==^ u "a 

[i 1 "^ I ^ jf" w W "^^^' Oberste der Priester des Thrones Pe/??'ff, 
der Sohn der Frau Autai^. Ein anderer Titel ist f==" ] ^ jf^ ^ | -^^^i' 
Oberst der fremden Söldner". 

Aw. 

Britisches Museum No. 9903. Dieser Papyrus ist aus späterer 
Zeit als die übrigen, welche zu dieser Ausgabe benutzt worden sind. 

9' 



68 

Er rührt ans der XXI. Dynastie her und gehört zu der Gruppe der in 
Der-el-bahri gefundenen; vielleicht kommt er aus einem Verstecke der- 
selben Art, das wenigstens vor fünfzig Jahren entdeckt sein mufs. Der 
Titel und der Name der Verstorbenen lassen über das Alter des Papyrus 

keinen Zweifel. Sie hiefs ^ ^ , -Xfl -WA^^ (1 '^^^^ |,=J? n 

Q'^^~r^S "^^^ Osirianerin, die Frau und Sängerin des Ammon, die 

grofse Pallas Isis - ein - cheh" . Diese Urkunde ist von rechts nach 

links geschrieben und zeigt den Übergang der Hieroglyphe ins Hieratische 
sehr anschaulich; denn im Britischen Museum befindet sich ein zweiter 
Papyrus mit dem gleichen Namen, der ohne Zweifel einen Theil des- 
selben Textes bildet, und dieser ist hieratisch geschrieben. Obwohl dieser 
Papyrus nicht in die Categoric der von mir benutzten Handschriften ge- 
hört, so habe ich doch in einigen seltenen Fällen davon Gebrauch ge- 
macht (siehe Vign. 123). Der hieroglyphische Theil, von dem ich eine 
Durchzeichnung habe, enthält die Anbetung des Osiris, Kap. 1, 8 F., 44, 
71 F., GOF., 33, 35F, 123 F, 26F., 27. 

Ax. 

Papyrus Brocklehurst H i). Diese schöne Urkunde ist im Winter 
1883 in Ägypten gekauft worden. Sie ist jetzt das Eigenthum der 
Mrs. Dent auf Sudeley Castle, welche die Güte gehabt hat mir die Er- 
laubnifs zur Piiotographierung des Textes zu ertheilen. Dieser Papyrus 
ist ein schönes Beispiel der hieroglyphischen Texte der XVHI. Dynastie 
und zeichnet sich durch Correctheit und sorgfältige Vignetten aus. Man 
erkennt, dafs er von einem Schreiber copiert worden ist, der seine Ar- 
beit wieder durchgelesen hat, denn hier und dort sind vergessene Wörter 
nachträglich hinzugefügt worden. 



1) Der Papyrus Brocklehurst I. ist ein hieratischer Text, den die Araber 
dem Schachte iu Der-el-bahri entnommen haben, ehe derselbe Herrn Maspero 
bekannt war. Er lautet auf den Namen des Prinzen °^ f 1 ^ V '^"^^ T "^"^^ . 
S. Lefebure, Le puits de Deir el Bahari, p. 9. 



69 



Beim ersten Anblick scheint es, als sei dei* Name ausgelassen; in 
einigen wenigen Stellen jedoch finden wir in etwas verschiedener Schrift 
eine Angabe über den Verstorbenen. So ist in Kap. 13.3 die Lücke für 
den Namen durch die Worte j] ''^^^ wj f I *"''^ ^ =^ rjfl^^i" Osiris, der 

Priester des Amenophis" ausgefüllt. An einer andern Stelle, Kap. 148, 
finden wir denselben Titel wieder, mit einem Xainen, den ich auf dem 
phütograpliischon Abzüge nicht mit Sicherheit entziffern kann, der mir 
jedoch i^r '^1 Beksa zu sein scheint. Augenscheinlich war dies ein 
in voraus geschriebener Papyrus, in welchen den Namen einzusetzen 
man nicht mehr die Zeit hatte, so dafs man sich begnügte die Lücken 
zwei oder dreimal auszufüllen. Diese seltenen Angaben zeigen indessen 
hinreichend, dafs er für einen Priester geschrieben war, der beim Culte 
eines der Amenophis angestellt war. Die ganze Schrift und der Stil der 
Vignetten weisen gleichfalls auf die beste Zeit der XVllL Dynastie hin. 
Der Papyrus mufs ursprünglich umfangreicher gewesen sein, als er heute 
ist; zu Anfang und Ende fehlt ein TheU. 

Die Kapitel, welche er enthält, sind die folgenden: 8(5, 171, 133F., 
81F., 105F., 72 F., 123 F., 25 F, 2GF, 28 F, 30AF, 3.^F, 124 F, 
82 F, 63BF, 62 F, ,^GF, 132 F, 102 F, 5, 42, 99 F, 144 F., 148 F 
Nachschrift, 125 Psychostasie und Einleitung. 

Die Zeichen \=J1 und ^-u. finden sich beide in dem Texte. Da 
dieser Papyrus erst kürzlich entdeckt und von mir erst benutzt worden 
ist, als ich bereits fast am Ende meiner Arbeit angelangt war, so sind die 
Varianten, welche er gewährt, in der Regel als die letzten aufgeführt. 

Ay. 

Auf Carton aufgeklebte Fragmente im Besitze des Mr. Syer Cu- 
ming, der sie mir gütigst mitgetheilt hat. Sie rühren von zwei verschie- 
denen Papyren her, von denen der eine älter ist als der andere. Der 
erstere ist für einen Verstorbenen namens ij ^^^^ .^^X. J f fl "^^-^ ^ .Inie- 
nemheb geschrieben und ich habe darin Fragmente der Kap. 84 und 85 



70 

gefunden. Dieser Text ist aus der guten Zeit der XVIII. Dynastie; das 
Zeichen _ju. hat er nicht. 

Der andere Papyrus ist jünger; es sind einige Zellen der Con- 
fession davon übrig; er ist geschrieben für ji ]ü (] ^ '-t^en Osiris 

Amenmes". 



B, Berliner Papyri. 
Ba. 

Berliner Museum, Pap. 2 i). Papyrus der XIX. Dynastie in grofsen, 
sehr säubern Hieroglyphen, die vollendeter sind als die der XVIII. Dy- 
nastie. Die Vignetten sind gemalt, der Verstorbene ist vollständig be- 
kleidet, sein Haar reicht bis auf die Schlüsselbeine. 

Dieser Text ist geschrieben für r]^ J ripl y^ g »: — ^ Ij sf ..-den 

Osiris, den königlichen Beamten Nechtuamon'^. Seine Frau oder Schwe- 
ster hiefs ^ I \\H !^ rl "^^^^ Frau Patau". Abweichend von Lepsius 
glaube ich nicht, dafs dieser Papyrus besonders für diesen Verstorbenen 
geschrieben sei, wenigstens nicht in seinem ganzen Umfange. Augen- 
scheinlich sind die Vignetten in voraus gemacht. Am Ende des Papyrus 
hatte man einige zu solchen Kapiteln vorbereitet, welche nicht copiert 
worden sind. Dagegen ist der Text wohl für den Todten geschrieben 
worden, denn der Name desselben ist nicht nachträolich hinzusefüst 
worden. Der Name des Verstorbenen scheint zu ergeben, dafs diese 
Urkunde thebaischen Ursprungs ist. 

Sie enthält die folgenden Kapitel: IF., IBF., löAIVF., 16B, 
15B1F, 17 F., 83 F., 84 F, 77F, 78F, 8lF, 86F., 87F., Fragm. 147 und 
14GF., 125 Einleit. F., Confession, Schlufsrede, Psychostasie , 15BIII, 9, 
148F., 72F., 39 F., 40, 32, lOOF, 99F., 110 Einleit., — Lücke, — 93 Ende 



1) Lepsius, Älteste Texte p. 12. 



71 

56V., 95F., 92F., 103F., G8, 117, 141—31'., 119F., IITF, 59F., 
137AF., 137BF, 63 F, 149a-kF, 130 F, 30BF, 26 F, 27 F, 29BF, 
108 F Von hier ab wird der Papyrus sehr schlecht und nimmt einen 
Theil. der Einleitung zu 125 wieder auf. Darnach ist der Text verkehrt 
geschrieben nach einem Originale, dessen Columnen man am falschen 
Ende vorgenommen hat. So finden sich einige Zeilen von 147, dann 
die Kapitel 87, 86, 78, 77, 84 und einige Zeilen des 17. Kapitels. In- 
dem ich die Columnen an ihre richtige Stelle setzte, habe ich mehrere 
Kapitel wiederherstellen können, deren Text in der normalen Redaction 
sehr verderbt ist. Dafs der Papyrus nicht so enden sollte, das ergiebt 
sich aus den letzten Vignetten, die mit dem, was darvmter steht, nichts 
zu thun haben, namentlich aus denen zu Kap. 153. Weiter findet sich 
ein Hymnus an lia und einige Überbleibsel des Bildes zu 186. 

Dieser Papyrus bildet ein Seitenstück zu Ag, er liefert einen zu 
Anfang sehr sorgfältigen und correcteu Text, der aber gegen Ende so nach- 
lässig wird, dafs man ihn unmöglich gebrauchen kann. Er hat die bemer- 
kenswerthe orthographische Eigenthümlichkeit, dafs der Titel „ein ande- 
res Kapitel" "=;=:=« i] J ^ geschrieben wird, und ebenso ^^^ ^ 4 ^1 "^1 
in Kap. 17. 

Bb. 

Berliner Museum No. 1471, Papyrus aus dem Ende der XIX. Dy- 
nastie, ohne Zweifel von thebaischer Herkunft. Er ist für eine Frau ge- 
schrieben jj ^ |-f , ^^t^i ^■""^ ^ o^ '^ _^ .^v _V H ^^ Ji ^^^^^ Osirianerin 
die Frau Sängerin des Ammon Miitemita". Dieser Name ist häufig un- 
ter der XVIII. Dynastie; indessen bestimmen mich die Kleidung der Ver- 
storbenen, ihre Haartracht und der Umstand, dafs sie immer a ge- 
nannt wird, diesen Text der XIX. Dynastie zu überweisen, und zwar 
einer noch spätem Zelt als Da. 

Dieser Papyrus hat eine merkwürdige Eigenthümlichkeit. Die 
Vignetten, welche in voraus gemacht sind, zeigen, dafs der Papyrus von 
rechts nach links und nicht von links nach rechts geschrieben werden 



72 



sollte. Wirklich finden wir die Anbetung des Osiris am Ende, wo der 
Gott zur Linken des Bildes stellt. Unmittelbar hinter Osiris beginnen 
die Vignetten zu Kap. 17, nach links gewandt; unter der letzten, der 
der Katze, welche die Schlange tödtet, beginnt die Copie des Textes, 
welcher in der den Vignetten entgegengesetzten Richtung läuft und ab- 
bricht, wo der Schreiber bei dem Osiris der Anbetungsscene angelangt ist. 
Es scheint, dafs man nach Beendigung der Vignetten den Papyrus von 
der andern Seite in Angriff genommen hat, als habe er überhaupt von 
links nach rechts geschrieben werden sollen. Er beginnt mit der Dar- 
stellung der Elysischen Gefilde; dann kommen die 4 ersten AVohnungen 
des Kap. 149 mit den Vignetten. Man hat den Text der letzten Zeile 
zusammenrücken müssen, um ihn ganz schreiben zu können. So ist 
man unter der Schlange des 17. Kapitels angelangt und hat den Text 
dieses Kapitels begonnen, der mit Z. 28 abbricht: darauf folgt die Anbe- 
tung des Osiris. 

Man wird in den Varianten eine aufserordentliche Ähnlichkeit die- 
ses Papyrus mit Da bemerken, nämlich im 17. Kapitel, dem einzigen, 
welches sie gemeinsam haben. Zwischen beiden Texten bestellt eine 
eben solche Ähnlichkeit wie zwischen gewissen Texten der saitischen Epo- 
che, welche, wenn nicht von derselben Hand geschrieben, doch nach 
demselben Original copiert sind. Die Beziehungen sind besonders auf- 
fallend, wo es sich um gemeinsame Fehler handelt. So lesen Z. 10 beide 
"^ J J ""^ ^'^ statt "^ ^^— ; Z. 11 sind die Worte nach ^^^ (j i) ^ 
fast gleichlautend und beide unterdrücken das Verb m ^^ J\-, Z. 13 
lassen beide hinter ^ das Nämliche aus. Die 14. Zeile ist viel ausführ- 
licher als in den andern Urkunden. Die merkwürdigste Ähnlichkeit ist 
aber die in Z. 15. An der Stelle über die beiden Federn des ''^ lassen 
beide Texte die darauf bezüglichen Worte aus und nehmen die 17. Zeile 
voraus, die sie fast wörtlich wiederholen. 

Indefs bestehen zwischen diesen beiden Papyren daneben ziemlich 



^) Siehe die Beriehtiguugeji. 



73 



erliebliche Verschiedenheiten, so dafs man nicht annehmen darf, der eine 
sei vom andern abgeschrieben; aber das Original kann sehr wohl das 
gleiche gewesen sein. 



Bc. 

Berliner Museum. Pap. 11. Fragmente eines Papynis im guten 
Stile des Ausgangs der XVIII. Dynastie, für einen Beamten namens 
k^ ^ Thothnefer geschrieben. Diese Fragmente umfassen Theile des 
18. und 19. Kapitels. 

Der Verstorbene, welcher einmal als ^^ v ^^^ "^^^^ und ein ande- 
res Mal als f^ "^ j |_^^ ^ X bezeichnet wird , könnte wohl dieselbe 
Persönlichkeit sein, wie die auf einer Stele in Turm Xo. 68^) vorkom- 
mende, welche [m .., %rn i ■^wan (1 . >^ T j t^ o-e- 

nannt wird. 



Bd. 

Bex'liner Museum, Pap. 6. Papyrus der XX. Dynastie in grofsen 
Hieroglyphen und mit sehr sorgfältigen Vignetten. Der Text läuft von 
rechts nach links, die Hieroglyphen sind ausführlicher gezeichnet als in 
den alten Papyren: es sind die wirklichen Hieroglyphen und nicht die 
zwischen ihnen und dem Hieratischen in der Mitte stehenden. 



Der Verstorbene war ,^ ^ Wi | "^^ """^^ ^ PT'^J Tn 
„der Osiris, der Priester und Schreiber bei den heiligen Ländereien-) des 
Ammonstempels Xesi)aheran " . 

Dieser Papyrus besteht aus zwei Theilen, aus einer Anbetung des 
Osiris, neben dem sich Isis und Xephthys befinden, und aus dem Kapi- 
tel 168 B, welches in meiner Edition sianz wiedergegeben worden ist. 



AAAAAA 
I 



1) LiEBLEix, Dictionnaire, No. 715. 

2) Revilloct, Revue Egypt., III. annce p. 105. 



10 



74 



Be. 

Berliner Museum, Pap. 2. Auf den ersten Tafeln des Papyrus des 
Nechtuamen sind irrthümlicherweise Fragmente eines andern Textes auf- 
gezogen. Es sind kleine Stücke eines Papyrus derselben Epoche wie Bd, 
auch genau desselben Stiles, nur dafs der Text von links nach rechts 
läuft. Er enthält gleichfalls Kap. 168B, von dem jedoch nur die untere 
Abtheilung und einige Fetzen der Vignetten übrig geblieben sind. In 
der Besprechung der Kapitel habe ich die darin befindlichen Varianten 
angegeben. 

Es finden sich drei Namen von Verstorbenen, von denen zwei 
männliche vielleicht dieselbe Person bezeichnen: HJ)|öF] ®4^ HtM' 
„der Osiris der Schreiber bei .... Apiai'^ und ^T%. 'ft ' ' ' ^^wü ^W^ 
„der Osiris der Schreiber bei .... Paiasi^; endlich ein Frauenname 
HJJr^, , , ^ AAAAA^^lJ der Osiris die Fraii Anemsche". 



C. Papyri des Museums in Bulaq. 

Ca. 

Dieser Papyi-us ist mir neben dem Londoner ^4« und dem Pariser 
Fh bei der Herstellung dieser Ausgabe vom gröfsten Xutzen gewesen. 
An Länge und Correctheit kann er sich mit jenen beiden messen, denn 
Vignetten sind fast keine. In diesem so umfangreichen Texte kommen 
nämlich nur eine kleine Vignette zu Kap. 6-1, die zu 136B und die zu 
149 vor. Sonst geht der Text überall ununterbrochen und gedrängt 
fort; das ist zugleich ein Zeichen seiner Voi'trefflichkelt. Denn oftmals, 
wie schon erwähnt, 1st gerade da der Text nachlässig, wo die Vignetten 
besonders sorgfältig sind, und die Käufer haben sich oft durch den 



75 

Augenschein täuschen lassen und sich nicht genügend über die QuaUtät 
ihrer Erwerbung vergewissert. Anders ist es in diesem Falle : der Papyrus 
ist ohne Zweifel von jemand erworben, der den Inhalt lesen und seinen 
Werth beui-theilen konnte. 

Diese wichtige Urkunde gehört dem Museum in Bulaq; aber sie 
ist von Mariette in den Louvre gebracht und wird in demselben seit 
vielen Jahren verwahrt. Dort habe ich ihn benutzt. Der Papyrus ist 
opisthographisch und vollständig: nur am Anlaugi- mögen einige Zeilen 
fehlen. 

Ohne Zweifel kommt er aus Theben. Er ist geschrieben für 

Anj i<=5.J _(len ersten Hülfspriester') des Ammon, den Beamten Me- 
semneter, den Sohn des Richters Aahmes, das Kind der königlichen Fa- 
voritin 3Iesschert^ . Der Name der letztern wird manchmal JTi l^<=>J| 
oder nj I <=> %* 3 geschrieben. Das Amt des Verstorbenen mufste ein 
ziemlich hohes sein: er verdankte es vermuthlich dem Umstände, dafs 
seine Mutter zu dem Harem des Königs gehört hatte. 

Der Text ist einer der correctesten, die mir vorgekommen sind; 
die Schrift zeigt einen schönen Stil und ist sehr sorgfältig; hier und dort 
beweisen einige Änderungen, dafs die Copie wieder durchgelesen ist. 
Der Name wird ohne weitere Zusätze eingeführt, nicht einmal mit dem Ad- 
jective M^ (1 [1 , welches wir einige Male in Aa angetroffen haben. Noch 
weniger wird der Vei'storbene irgend wo Osiris genannt. 

Die Zeichen L=/l und ,ju. sind beide in häufigem Gebrauch; so- 
gar findet sich das negative >ju. oftmals fehlerhaft statt mvwa angewandt; 
so Kapitel 30 A, 5 "^ °^ ^, ^ ^ -^ ^ | J U , ,' ,1^: Kapitel 70, 1 

nil I i~^^K^5äil ""^ S ■ ^'^''^P- ^^' ^ ^^^^ *^'"^*' Version ^', 

während die andere ..-n^ '^^ bietet. Ich könnte die Zahl solcher Belege 

vermehren: weitere Beispiele dieses Irrthumes wird nian sowohl in dem 

Grundtexte als in den Varianten finden. 



1) BrüGSCH, Dictiomiiiirc, Snppl. p. 087. 

10^ 



76 

Der Papyrus enthält die folgenden Kapitel: (Recto) 106 zu An- 
fang unvollständig, 22, 23, 24, 25, 26, 28, 27, 43, 30 A, 31, 33, 34, 
35, 74, 45, 93, 91, 41, 42, 14, 68, 69, 70, 92, 63, 105, 95, 72, 176, 
125 Einleitung, Confession, Schlufsrede, Nachschrift, 124, 83, 84, 85, 
64 F., 91. (Verso) 82, 77, 86, 99, 119, 94, 7, 102, 38A, 27, 14, 39, 
65, 95, 104, 114, 91, 136A, 136B, 149F., 150, 103, 117. 

Der Papyrus schliefst mit einem hieratischen Texte, der gröfsten- 
theils erloschen ist. Wie man sieht, sind die Kapitel 14, 27, 91, 95 
jedes zweimal geschrieben. 

Cb. 

Leinewand Thothmes' III. Eins jener Leichentücher, welche die 
in Der-el-bahri gefundene Mumie des Königs bedeckten. Ich führe dazu 
an, was Maspero in seinem Berichte über den Fund (p. 13) sagt: 

„Die Mumie war schon von den Arabern durchsucht. Sie trug 
am Körper befestigt zwei kleine Ruder und einen SchUfstraufs. Sie be- 
fand sich in so üblem Zustande, dafs man sie öflfnen mufste: man fand 
darin eine in drei Stücke zerbrochene Mumie, welche 1,60™ in der Länge 
mafs. Die Leinewandbinden, welche sie umhüllten, trugen lange hiero- 
glyphische Texte in Tinte, das 17. Kapitel des Todtenbuchs und Frag- 
mente der Litaneien an die Sonne, auf den Namen des Königs Thuth- 
mos III. des Sohnes der Königin Isi, deren Name hier zum ersten Male 
erscheint". 

Diese werthvolle Urkunde besteht aus verschiedenen Abtheilungen, 

welche durch horizontale Striche getrennt sind. Leider fehlt der untere 

Theil. Der Text beginnt mit diesen Worten: | I =^^^ -^s>- (of^^^^jl 
O 



^=1] ^Tz—O ^ ^^ (MM] 



a £:^ c^ 

I 

'^-Z' ^'^%,A^^n^^M- "Der g«te Gott, der 
Herr der Welt, der fromme Fürst Aa-chepcru-ra, der Sohn des Sonnen- 



77 

gottes aus seinem Leibe, von ihm geliebt, Amenophis hat dieses Monument 
gemacht seinem Vater, dem guten Gotte, dem Herrn der Welt, dem from- 
men Fürsten, dem Könige von Ober- und Unterägypten Men-cheper-ra, 
dem^ohne Aqs Ra-Ammon aus seinem Leibe, von ihm gehebt, Thotlimes- 
nefer-cheperu. Er hat ihm auch gewilhrt die Bücher über die Vervoll- 
kommenaiig des Verstorbenen, damit er in die Barke des Ra einsteige, 
damit ihm sein Gehen tnid Kommen erleichtert (eig. erweitert) werde, 
damit er einherschreite beim Ausgang aus dem Tage ....". 

Also hat der Sohn Tholhmes', Amenophis IL, dafür gesorgt, dafs sein 
Vater ein Monument bekäme, sowie dafs seine Mumie die zu seinem Glücke 
in der andern Welt nnentbehrliehen funerären Texte trü^e. Es ist be- 
merkenswerth, dafs diese Sammlung i , , H 1^ ^^ 'M "*^^'"^ 

Bücher der Vervollkommenung des Verstorbenen" genannt wird. 

Dieser Text ist mit grofser Correctheit geschrieben, er bietet 
wichtige Varianten dar und bildet für die Paläographie und Orthographie 
der XVin. Dynastie einen Vergleichmigstypus von unbestreitbarem Werth. 
Man wird im Verlaufe des Textes bemerken, dafs die Zahl der Deter- 
minative in demselben weniger beträchtlich ist als gewöhnlich, und anfser- 
dem sind die gebrauchten die einfachsten und am w-enigsten characte- 
ristischen. 

Das Zeichen ^^ — /l kommt nicht vor, auch nicht die Negation _ju., 
welche auf folgende Weise ersetzt wird: die Negationen ^ju. und ^'^ 
werden durch 'W'^ und "^^ ausgedrückt; statt der Pronomina 



^^ ^^ finden wir im Singular ^k v, ohne Determinativ (Kap. 17, ö9, 
CO u. s. w.) und im Plural ^^j (Kap. 18, 2:3) und ^^j (Kapi- 
tel 17, 91). Li keiner der von mir gesammelten Varianten habe ich das 
Determinativ ''^ä. gefunden. Sogar bei dem Adjectiv !^i3 ^ „schlecht- 
findet es sich nirgends. 

Die Kapitel, welche ich von den Lischriften dieser Leinewand 
gesammelt habe, sind die folgenden. Li der horizontalen Linie über der 
obern Abtheilung Kap. 154; darunter 17, 18, Litanei der Sonne, 1, ein 
unediertes Kapitel, welches eine Anbetung des Osiris enthält und aus dem 



78 

Ritual zu sein scheint, von dem aber zu wenig übrig geblieben ist als 
dafs es sich lohnte es wiederzugeben; dann ein Fragment von 68. Wie 
man sieht, findet sieh in dieser Urkunde ein Text, der niclit eigentlich 
zum Todtenbuche gehört, jener, der sich am Eingange der Königsgräber 
befindet und den ich 1875 unter dem Namen ..Litanie du soleil" ver- 
öffentlicht halie. Die Leinewand des Thothmies enthält die 75 Ausrufun- 
gen oder hikenmi und ein grofses Stück des langen Schlufstextes, von 
dem sich ein Theil in den Papyren wiederfindet und Kap. 180 bildet. 



Cc. 

Bulaq No. 21 ist von Mariette in Theben angekauft und in dem 
III. Bande der Papyrus de Boulaq, pl. 1 — 11, veröffentlicht worden. 
Dieser Pajjyrus ist aus der XVIII. Dynastie. Abgesehen von den übrigen 
Eigenthümlichkeiten dieser Epoche ergiebt sich das Zeitalter aus der 
Darstellung des Sarcophags, des ^=^ y, welcher schwarz und mit gelben 
Streifen und Zeichnungen versehen ist. 

W(~i I f\ iiimini p, 11 mill II A ji-t 

Der Papyrus ist geschrieben für fi^o"^ j > ^ _J _^ q^ 

„den Rechnungsbeamten liei dem Vieh des Amnion Amenophis". Seine 

Frau hiefs ^'^^^ und wird Tafel 8 bezeichnet als ^_ ^ji i?'^-^- 

..seine liebe Frau, die vielgeliebte (wörtlich: der Sitz seines 
Herzens), die Frau Uli", während sie Tafel 10 1 ^ „seine 

Schwester die Fi-au" genannt wird. Dies Beispiel scheint mir die unter 
Aa ausgesprochene Meinung zu unterstützen, dafs man das Wort „Schwe- 
ster" nicht als Bezeichnung einer wirklichen Verwandtschaft auffassen darf. 
Wir kennen auch drei Kinder des Amenophis, zwei Söhne ^^^^ _i 
Neh-tiau und ^ Rain, und eine Tochter '=''^-- — " Jr Tachat. 

Offenbar hat man sich bei der Zusammensetzung des Papvrus 
nach seiner Aufwickelung versehen. Die Reihenfolge der Tafeln ist 
sicher fehlerhaft, denn Tafel 9 mufs unmittelbar auf Tafel 3 folgen. So 
wie der Papyrus vorliegt, enthält er die folgenden Kapitel: Fragment 
von 150, 17, 18, 92 F., 89 F., 37 F., 42 F, Fragment von 14G, — 



79 

Lücke — 100 F., 144 K, 171, 141, 151, 63, Anbetung des Osiris und 
funeräre Ceremonien. 

Cc hat neben Ax allein das Kap. 171, welches neuern thebaischen 
Ursprungs sein mufs, dt'nn unter den Göttern, an welche es sich wendet, 
findet sich der Xame "^z^ . ' ' - 

Die VarlantL-u und Kapiteltexte sind nach Mariette's Ausgabe 
copiert worden. 

Cd. 

Dieser von Marietxe wiederum in Theben erworbene Papyrus ist 
nicht numeriert. Er ist gleichfalls für einen Amenophis geschrieben, 
der jedoch nicht denselben Titel trägt, wie der vorhergehende. Dieser 
heifst: ;^^ I s „ ^ A 1 n !g\ der Vorsteher der Seen oder 

Teiche des Königs Amenophis". Es handelt sich wahrscheinlich um die 
Seen oder Sümpfe, die dem Könige zur Jagd und zum Fischfang vor- 
behalten blieben. Zu gleicher Zeit hatte Amenophis ein priesterliches 
Amt iime. Es heifst zu Anfang des 1. Kapitels in einer Zeile, deren 
xmterer Iheil zerstört ist, dafs er '^ ^jT) r-, . . , ''^^^ U ^"•"^ VN 

„Träger der Opfer des Ammon Ra und der Mut" war. Seine Schwester 
oder Frau hiefs (j ^^~ 'TI -^3- j) Atefesres. 

Dieser ebenfalls der XVIII. Dynastie angehörige Papyrus ist in 
schlechtem Zustande gekauft worden. Fast die ganze Mitte ist verloren 
gegangen und scheint verbrannt zu sein. Nur die beiden Enden sind 
noch übrig, und die noch lesbaren Kapitel sind die folgenden : Anbetung 
des Osiris, IT., 68F., 22, 23, 2G F. (zerstört), — Lücke — 125 Einl., 
Confession, Schlufsrede, Nachschrift, 136B, 149 F. mit der Angabe der 
Farben. Die letzte -Wohnung" ist fast erloschen. 

Das Zeichen ^^ — /) findet sich in dem Texte nicht, da es durch a — ß 
ersetzt wird, wohl aber die Negation — "U. . 



80 



D. Papyrus in Dublin. 
Da. 

Papyrus der Sammlung des Trinity College, der im Cataloge von 
HixCKS Ko. 4 trägt. Derselbe giebt die Länge des Papyrus axd 201 eng- 
lische Zoll an, sagt aber nichts über seine Herkunft. Ich habe diesen 
Papyrus in Dublin selbst studiert und aufserdem noch besonders nach 
einer sehr guten Photographie, welche die Direction des College auf die 
Bitte des Herrn Prof. Mahaffy mir sütigst gewährte. 

Dieser Papyrus enthält trotz seiner Länge nicht viel Text. Er 
zeichnet sich weniger durch die Correctheit des letztern als durch die 
Schönheit seiner Vignetten aus, die mit der gröfsten Sorgfalt gezeichnet 
und gemalt sind. Die Reinheit der Linien in den Profilen ist wirklich 
bewunderungswürdig. Der vor dem Grabmonumente dargestellte Sarcophag 
ist welfs gemalt und mit rothen Längs- und Querstreifen verziert, er 
sieht daher dem von Ag ähnlich. Wenn wir andere Characteristica be- 
trachten, die Kleidung der Personen, die Haartracht des Verstorbenen, 
die Schrift, welche länger, weniger dick iind besonders mehr hieroslv- 
phisch als in den Texten der XVIII. Dynastie ist, und endlich den Um- 
stand, dals der Verstorbene überall Osuns genannt wird, so müssen wir 
diese Urkunde in die XIX. Dynastie verlegen. Es ist eine schöne Probe 
von den Texten dieser Epoche. 

Dieser Papyrus ist im voraus angefertigt worden, die für den Na- 
men gelassenen Lücken sind nirgends ausgefüllt. Er ist zu Anfang un- 
vollständig; er begann mit einer Anbetung des Osiris, von der nur noch 
die Gestalten der Isis und der Xephthys erhalten sind. Darauf fol<rt 
Kap. 1 in dem gewöhnlichen Umfange der alten Texte, das heifst, in der 
16. Zeile des Turiner Exemplars mit einem Zusätze abbrechend. Das 
Ende der Vignetten fällt mit dem des Textes zusammen. Es foljren die 
Vignetten des 17. Kapitels, aber seltsamerweise hat der Sclu-eiber, sei es 
aus Zerstreuung, sei es ans einem andern, schwer fafsbaren Grunde, die 



SI 

Copie von Kap. 1 unter den Vignetten zu Kap. 17 von neuem angefan- 
gen, sodafs wir auf diese Weise zwei Texte des 1. Kapitels in unmittel- 
barer Folge und mit unbedeutenden Abweichungen von einander haben, 
wie -man aus der Vergleiehung der Vaiüanten des 1. Kapitels unter Da 
und Da his ersehen kann. Da der Text des 17. Kapitels nur erst ziem- 
lich spät, unter dem Adoranten hinter den beiden ^5 anfängt, so konnte 
nur ein geringer Theil desselben copiert werden; er hricht plötzlich 
mitten in einem Worte der 32. Zeile ab und dazu sind die letzten Zeilen 
noch sehr nachlässig und incorrect geschrieben. Das beweist deutlich, 
dafs die Vignetten eher als der Text hergestellt worden sind. Ohne Zwei- 
fel hat die Schönheit der Illusti-ationen über die Uiivollkommenheiten des 
Buches, für welches jene im voraus bestimmt waren, hinwegsehen lassen. 
Nach Kap. 17 kommen 15 B II und 16B. Hier verrathen die Hiero- 
glyphen eine andere Hand; sie sind vollendeter als in der Currentschrift. 
Die Orthographie von Worten wie '^-=— \[ ^ i , , i j V i ^®*' "^'^^^^ ^^^ 
der XVIII. Dynastie. Der Papyrus endet mit Kap. 186. 

Merkwüi'digerwelse lehnen sich der Text des 1. Kapitels und der 
des 17. Kapitels an verschiedene Gruppen. Im 1. Kapitel steht Da dem 
Londoner Papyrus Ap näher, der, wie wir gesehen haben, nicht älter 
als die XIX. Dynastie und vielleicht memphitischen Ursprungs ist. Gleich 
diesem Texte enthält Da auch das nicht sehr häufige Kap. 186. Im 
17. Kapitel hat Da keine Ähnlichkeit mehr mit Ap, sondern vielmehr 
mit Bh, wie wir oben bemerkt haben. 



F. Papyri in Frankreich aufs er Paris. 

Fa. 

Musee Borely in Marseille. Auf Tafeln geklebte und unter Glas 
eingerahmte Papyrusfragmente. Die grofse und dünne Schrift, die Klei- 
dung des Verstorbenen, sein langes, auf die Brust herabfallendes Haupt- 

11 



S2 

haar, alles läfst darauf schliefsen, dafs dieser Papyrus der XIX. Dynastie 
angehört. Der Verstorbene heifst ^^ | [4| ^ , ^| Q J "'^^^ ^ .^der 
Osiris der königliche Schreiber Praonheb^ . 

Der Papyrus beginnt mit einer Darstellung des Verstorbenen und 
seiner Frau in anbetender Stellung; dann folgen Kap. 90 F., 155F., 1.Ö6F., 
112, von welchem letztern nur der Titel übrig geblieben ist. Nur hier 
habe ich Kap. 90 gefunden. 

Fb. 

Museum in Avignon. Leinewandfragmente, die auf zwei Tafeln 
zusammengestellt imd ein wenig in Unordnung sind. Der Stil der Schrift 
ist der auf der Leinewand Amenemhebs im Louvre (Pf); es sind sehr 
kräftige nnd sehr schöne Hieroglyphen, offenbar aus der Zeit der XVIIL 
Dynastie. Das Zeichen der Negation kommt darin nicht vor. Die Vignet- 
ten sind mit gi'öfster Sorgfalt gemacht. Dieser Text ist geschrieben für 

den "^^^^ |5[''~^^^^ ^ i ^ "'^^'^'^ Stallmeister, den Viehauf- 
seher." Der letztere Titel hat das Determinativ ^, als wäre er ein 
Eigenname. Vielleicht \\iirde ihm dieser Name gerade wegen seines Am- 
tes beigelegt. Der Name wird immer ohne die Bezeichnung „Osiris" 
eingeführt. Es ist zu bedauern, dafs von dieser merkwürdigen Urkunde 
nur einige Bruchstücke erhalten geblieben sind; sie ist eine der schön- 
sten, welche ich gesehen habe. 

Die vorhandenen Kapitel sind die folgenden: 77 F., 99 F. zerstört, 
83 F. zerstört, 84 F. zerstört, 85. Li diesem letzten Kapitel bildet die 
Vignette ein grofser Vogel mit Menschenkopf; die Gesichtsfarbe ist roth 
und das Haar sehr kurz. 



83 



H. Papyrus in Hannover. 
Ha. 

Fragment Kestner in Hannover, i) Ich kenne dieses Bruchstück 
nur aus einer DurchzeichnunK von Lepsfüs, die mir derselbe sütiest mit- 
getheilt hat. Es gehörte zu einem Papyrus, der die gröfste Ähnlichkeit 
mit /Iff hatte. Gerade so wie der Anfang des letzteren ist der Text hier 
in zwei Abtheilungen zerlegt, von denen die obere Kaji. 146b und c ent- 
hält, während sich in der untern Kap. 77 F. und 86 F. befinden. Das 
Zeichen .^ju. kam aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vor, es läfst sich 
jedoch nicht mit Sicherheit behaupten, da das Fragment keinen negativen 

Satz enthält. Das \-J\ wird immer durch A D ersetzt. Der memphiti- 

sche Ursprung des Papyrus ist nicht zweifelhaft; er wurde geschrieben 
für MVl ^^^ ' "'"^ \ V A«w>A ^^1 I ^ „den Avifseher der Transport- 

schiife beim Tempel des Yi^hüenemneter'^ . Wie wir weiter unten sehen 
werden, ist dieses Fragment von einem Papyrus abgerissen, dessen gröfster 
Theil sich in Florenz befindet und dort die No. 26 trägt (/6); der Name 
und der Titel des Verstorbenen sind dieselben, ebenso die Höhe beider 
Documente. 



I. Papyri in Italien. 
la. 

Papyrus im Museum des Vaticans in Rom. Auf meine Bitte hatte 
der verstorbene Canonicus Fabiani die Güte mir eine Photographie des- 
selben zu verschaffen, nach der ich ihn studiert habe. Er zerfallt in 
vier auf Leinewand geklebte Theile, von denen uns nur drei interessieren. 



1) Lepsius, Älteste Texte, p. 13. 

ir 



84 

Der vierte umfafst nur ein Gemisch von kleinen Stücken, die zu vier 
verschiedenen Papyren gehören und mit Ausnahme eines einzigen alle 
aus später Zeit sind. Der grofse Papyrus bricht am Ende des dritten 
Theiles ab. Er enthiUt einen guten Text der XVIII. Dynastie und ist 
ohne Zweifel, wenn man nach dem Namen des Verstorbenen urtheilen 
darf, thebaischen Ursprungs; er ist dadurch bemerkenswerth, dafs er, 
wenigstens in den erhaltenen Stücken, nicht eine einzige Vignette hat. 

}JFi ] c. ^ (] ÖA J ü ü ^ „den Vorsteher der Zeichner Amenemapt den Sohn 
des Vorstehers der Zeichner Ahai-'. Wir sehen die Eigenthümlichkeiten 
der alten Texte der XVIII. Dynastie wiederkehren: die Einführung des 
Namens ohne weitern Znsatz, das Fehlen von L=^ und _(u.. Das letz- 
tere Zeichen wird wie auf der Leinewand Thotmes' III ersetzt: _a^ und 
durch Awvw und , während das Pronomen k^, ,, im Singular und 

^^ ^ I oder ^ ^^ j im Plural ist, wobei das zweite ^^ von dem 
erstem leicht unterschieden wird ;^2^, ohne Zweifel nm zn bezeich- 
nen, dafs es nur als Determinativ dasteht. 

Der Papyrus ist zu Anfang unvollständig: vom 1. Kapitel sind nur 
die letzten Zeilen übrig; dann kommen 17, 18, 15BIII, — Lücke — 
Zeilenfragmente, welche zu einem unbekannten Kapitel gehören; dann 
181, welches viel länger ist als der Grundtext und den I. Taf. 206 
wnedergegebenen Anhang hat; 79, l — 7, ein Theil des Schlufskapitels der 
Sonnenlitanei, 182, Sätze aus dem Ende der Litanei, 124, 83, 84, 119, 
114, 112, 108, 109, GS, 69, 70, 65, IB, 8. Hiermit endete der Papyrus, 
denn es folgt ein leergelassener Raum. 

Wie bemerkt, enthält der vierte Theil ein Gemisch von mehreren 
Texten ans verschiedenen Zeiten. Ich habe nur einen einzigen davon 
benutzt; derselbe enthält einige Zeilen von Kap. 114 und 112. Den Na- 
men habe ich nicht gefunden; aber die Urkunde scheint mir in dieselbe 
Categorie zu gehören wie Aa und Ib. 



85 



Ib. 

Musemu in Florenz No. 2G i). Blafsfarbiger Papyrus, der sowohl 
im Texte, dessen Varianten übrigens von geringer Wichtigkeit sind, als 
in den Vignetten und in der Anordnung der Kapitel eine aufserordent- 
liche Ähnlichkeit mit .1« hat. Er ist ohne Zweifel memphitischen Ur- 
Sprungs, denn er ist geschrieben für i^=i \\ a A_fl 'wv^ X i 1 1^ 
I I ^ -den ersten Schiffer bei dem Tempel des Ptah Senemneter'- . Das 
ist der gewöhnlichere Titel; doch findet sich in dor Vignette zu Kap. 134 
auch der ähnliche: |V[^^ ' „der Aufseher der Transportschiffe-, so- 
dafs Name und Titel dieses Papyrus durchaus mit denen des Fragmentes 
Kestxer in Hannover übereinstimmen. Da nun die beiden Papyri aufser- 
dem von gleicher Höhe imd von gleichem Stile sind, so können wir be- 
haupten, dafs es zwei Stücke dei-selben Urkunde sind. 

Dieser Theil enthält Kap. 134F., lUK, 112 7., 113 T., 108 F. 

Herr Dr. Schiaparelli hat die Güte gehabt mir eine Durchzeich- 
nung dieses Papyrus zu liefern. 

Ic. 

Museum in Florenz-). Papyrus aus guter Zeit, von dem jedoch 
nur die Kapitel 149 und 150 übrig shid. Da der Anfang von 149 zer- 
stört ist, so habe ich den Namen daraus nicht ersehen können. 

Id. 

Museum in Florenz No. 27 '^). Dieser Text mufs aus der XX. Dy- 
nastie oder aus dem Ende der XIX. sein. Er ist geschi-ieben für jj^^: 
^^ v\ (D ^^ X. -^^^" Osiris den Prinzen Ramses Si-Ptah^. Es ist 



1) Guida del Museo Archeologico, p. 30. 

2) Lepsius, Älteste Texte, p. \2. 
^) Guida etc., p. 30. 



86 

zu bemerken, dafs dieser Name mit dem eines Königs Ramses identisch 
ist, welchen Lepsius als den XI. und de Rouge als den X. zählt, eines 
übrigens ganz unbedeutenden Fürsten wie die meisten der letzten Ra- 
messiden. 

Der in dicken Hieroglyphen geschriebene Text enthält nur ein 
Fragment der Einleitung und der Confession aus Kap. 125. 



le. 

Museum in Bologna — siehe die Beschreibung von Ah. 



If- 

Mailand, Bibliothek im Brera. Ungeordnete Frao-mente eines Pa- 

pyrus der XIX. Dynastie, geschrieben für .^-g [o| ^^ r^ ^^ „den 

Osiris, den Schreiber Pascheiu". Der Verstorbene wird mit seiner Frau 
dargestellt, deren Name zerstört ist. Erhalten sind Fragmente der Ka- 
pitel 17, 18, 148, 125 Einleitung. 

rg- 

Museum in Parma ^). Dieses Fragment, welches ich der XVIII. 
Dynastie zuertheilen möchte, zeigt gewisse graphische Eigenthümlichkeiten. 
Das Zeichen der Negation hat eine Form, welche in den Texten dieser 
Epoche sonst nicht vorkommt (vergl. Kap. 29 A, Z. 4); aufserdem geht 
der Text von rechts nach links. Der Verstorbene wird fast überall 
I' <::;:> _^ = ^ I oder [l ^_^ ^ |^ genannt. Dieses mit hellerer 'Tinte 
geschriebene Wort ist später hinzugefügt; es scheint weniger ein Name 
als eine unbestimmte Bezeichnung in der Bedeutung „irgend einer" zu 
sein, ähnlich dem in der französischen Unterhaltungssprache gebrauch- 
ten chose. Indessen folgt auf dieses Wort einmal der N^ame der Mutter, 



1) Lepsius, ÄUeste Texte, p. 11. Eosellini, Breve notizia intomo uu 
frammento di papiro funebre esistente uel ducale Museo di Parma, Parma 1838. 



^7 

welcher y ^ Ahhotcpt zu sein scheint. In der Schlufsvignette findet 
man einen wirklichen Namen mit einem theihveise zerstörten Titel: 

iif^^'J ^ oll "C^^^* Oberst) der Soldaten, der Aufseher der 

Schiffe A7nenophis^ . 

Obgleich dieses Fragment nur 39 Zeilen umfafst, so enthält es doch 
zwei im Turiner Todtenbuche nicht vorkommende Kapitel, deren eines 
unter 29 A wiedergegeben ist. Die Reihenfolge der Kapitel ist die fol- 
gende: 136A, 136B, 149a b, 29A, 30B, über dem sich die Vignette 
von der Wägung des Herzens befindet. Auf dies Kapitel folgt die Nach- 
schrift mit dem Namen Menkaura; sie ist hinter den Varianten zu Ka- 
pitel 30 B reproduciert. Es heifst dort, dafs der Text auf einem Scara- 
bäus aus Jaspisstein geschrieben werden soll; nur hat der Schreiber den 
Scarabäus nicht vollständig gezeichnet, indem er die Füfse hinzuzufügen 
vergessen hat. Er ist aber gleichwohl deutlich zu erkennen, namentlich 
am Kopfe: deshalb hat Dr. Birch das Zeichen mit Unrecht für einen 
Cylinder gehalten ' ). 

Ih. 

Museum in Neapel. Papyrusfragment der XIX. Dynastie. Der 
Stil der Schrift erinnert an Ag. Der Papyi-us ist im voraus geschrieben 
und der Name des Verstorbenen später mit verschiedener Tinte und in 

nachlässiger Schrift hinzugefügt. Er hiefs ^ a [) ^ , \ ^=^ =1 ^ M* 

„der Osiris der Kaufmann Chonsu". Der obere Theil ist da, wo sich 
Vignetten befanden, bis auf zwei Stellen zei'stört. Der correct geschrie- 
bene Text enthält die Kapitel 24, 25, 2(5, 30 B, 27, 28, aufserdem den 
Titel eines Kapitels vom Herzen und ein kleifies Stück mit einigen Wor- 
ten von 17. 

Zu diesem Texte hat man zwei Stücke eines andern Papyrus mit 
älterer Schrift gelegt, die aber nur durch den seltsamen Namen des Ver- 
storbenen merkwürdig sind: U <2=- _3' ^^ 5r7^ ^'^^ '^l ^ 1 ^ -"'^^'' ^^^~ 
ris Maaenheku^. 



1) Zeitschrift 1867 p. 04. 



88 



//. 



Tiuinei" Museum. Ein Papyrus, welcher etwa aus der XX. Dy- 
nastie ist. Er beginnt mit dem Bilde der Elysisclien Gefilde: dann 
kommen einige Zeilen von Kap. 136 B mit der darauf bezüglichen Vi- 
gnette und 149abcde. Der Papyrus schliefst mit der Darstellung des 
Verstorbenen in Anbetung vor Osiris und Isis. Er hiefs riJ)/ J'''^^[o|°l 
£= jj p J^ .= cO]|o|^37|°j^ Nehhept. Seine Titel werden mit- 
unter so angeführt: ft ^ j^fo^ ^ j] [j. Das j^ | O f war 
ein Theil des Jj [j, der Necropole von Theben, bei der die T^l Beamte 
waren. Nach SchiaparelliI) war es das Grab des Königs Amenophis I. 

Turiner Museum. Zwei lange und vorzüglich erhaltene Stücke, 
welche man beim Abwickeln einer Mumie gefunden hat. Die Schrift ist 
grofs und sehr deutlich. Der Papyrus kann der XIX. Dynastie ange- 
hören und ist geschrieben für H J] /j "^^^^ l] "^^^ ^ \^ -^ — n T "ks^ ^-^-^ 

n l^~ww^ \m "'^^^^ 0^""^^' ^'^'^ Oberpriester, den Waagenwächter 2) 

beim Ammontempel Chonsumes^ . 

Diese beiden von einander unabhängigen Fragmente, die beide 
ohne Vignetten sind, enthalten, das eine Kap. 78 und das andere die 
Schlufsrede von 125. Über jedem steht ein besonderer Titel in hiera- 
tischer Schrift, deren Charactere klein und wohl abgerundet sind. Über 
Kap. 78 liest ■"»■'- \ Jl °^ 2 IK*^ n^ ITx ? h — 

ö P [) ..das grofse Buch von dem was in der Tuat ist, welches man jedem 
vollkommenen Seligen giebt, damit die Feinde der Amenthes nichts über 
ihn vermögen, in Wahrheit". Dabei hat aber Kap. 78 seinen gewöhu- 



1) 11 lil)ro del fimerali I, 15f. 

-) Wächter der Waage waren auch bei dem Todtenculte angestellt. Einer 
derselben ist im Kap. 22 dargestellt. 



«»9 

lichen Titel ^ § ^^^ ^ j ^ J i] ^==^ ^1 " f Das Kapitel bricht 
in der 30. Zeile al). Im Texte findet sich die Negation _n_, aber nicht 
das \>=Ji, welches durch ..^ — n ersetzt wird. 

■ Über der Schlufsrede zu Kap. 125 liest man: "^^ ^v^ 

^^Tr;-^^-™^iiikö'Pii'io^°*- Buch v„„. 

Ausgange des Tages, welches man dem vollkommenen Verstorbenen giebt 
... in Wahrheit, imendlich". Dieses Stück hat keinen Titel, es reicht 
nur bis zur 42. Zeile. Seltsamerweise wird die Negation _a_. welche in 
dem andern Fragmente mehrfacli vorkommt, in diesem regelmäfsig durch 
w^^-v, ersetzt. Daraus würde folgen, dafs man in der Zeit der XIX. Dy- 
nastie (denn älter ist dieser Papyrus sicher nicht) die Negation in fime- 
rären Texten noch nicht anzuwenden brauchte. Vielleicht ist das dem 
Wunsche das Alte nachzuahmen entsprungen, einer Vorliebe für das 
Archaische, die in religiösen Texten begreiflich ist. 

n. 

Papyrus Busca. Lepsius^) sagt über denselben: ^Ich besitze die 
Durchzeichnung eines dem Maechese Busca zugehörigen Papyrus, welcher 
von links beginnt". Diese selbe Durchzeichnung habe ich vor Augen ge- 
habt und den Papyrus danach studiert. Leider ist das Original verloren 
eeeaneen und die Nachforschungen, welche ich zu seiner Wiederauffin- 
duno- angestellt habe, sind fruchtlos geblieben. Im Palazzo Busca Ser- 
belloni in Mailand, wo icli ihn zu entdecken hoffte, war er in dem 
Archive, welches mir Herr Archivar Spixelli gütigst gezeigt hat, nicht 
vorhanden. Lepsius hat ilm in Rom gesehen und durchgezeichnet. Es 
ist möglich, dafs er nach dem Tode des Marchese Busca, dem er 
damals gehörte, verkauft worden ist. 

Auf seine Durchzeichnung hat Lepsius die folgende Bemerkung 
geschrieben: .Die Farbe ist wieder aufgefrischt, daher an manchen 



') Älteste Texte p. 1-2. 

12 



00 

Stellen unsicher". Lepsius hat die Diirchzeichnung in Rom noch zu 
Anfang seiner hieroglyphischen Studien gemacht, und daher gewahrt man 
leicht, dafs in dieser Arbeit eine grofse Anzahl von Zeichen nicht richtig 
erkannt worden ist. Aufserdem ist der Papyrus sicherlich nachlässig ge- 
schrieben; die Vignetten sind sehr roh, und obgleich der Text aus guter 
Zeit ist, so ist er doch einer der schlechtesten., die ich benutzt habe. 
Und nur mit Vorsicht darf man den Papyrus Busca gebrauchen. Eine 
arofse Zahl von Varianten desselben lassen sich kritisch gar nicht wür- 
digen und ich habe leider darauf verzichten müssen, mehrere Kapitel, 
die sich nur hier vorfinden , wiederzugeben , da sie entschieden zu in- 
correct sind. 

Der Papyrus war geschrieben für J^WÜ^^Öl-illlP^ 
.,den Osiris den Oberzeichner Ptahmes^. Sein Vater scheint ^ i] ü Osi- 
rei geheifsen zu haben. In der Regel begleitet ihn seine Mutter, „die 
Sängerin des Amnion" ,^ Q\ vT ^<^*^f'<3!. Meines Erachtens gehört der 
Papyrus in die XIX. Dynastie. 

Die in ihm enthaltenen Kapitel sind die folgenden: 152 F., 138 F. 
mit Zusatz, 18 fu. h mit F. der Feldarbeit, 99, 125 Einleitung, Psycho- 
stasie, Confession, 42 F., 127BF., 110 Einleitung, Elysische Gefilde, 144, 
146, 149m u.n, 29B, 30B, 155, T' fl - — ® 1^?!, vgl. 151e, 156, 

"^ AAA/NAA LA *1 ^^ III 

X\i\% = Jl'k^i' 158 *■'"■ »l™-eiche,Kl. Auf der Rück- 

Seite des Papyrus stehen die ersten Zeilen von Kap. 78. 



L. Leydener Papyri. 

Wir kommen jetzt zu den Papyren in dem Niederländischen Mu- 
seum der Alterthümer zu Ley den, über welche wir uns kürzer fassen 
können, da dieselben von Dr. Leemans vollständig catalogisiert und be- 
schi'ieben worden sind. 



91 



La. 

T. 2. Dieser umfangreiche und schöne Papyrus ist in dem grofsen 
AVerke über das Museum von Dr. Leemans in Facsimile publiciert worden. 
Der gelehrte Herausgeber hat die Güte gehabt mir nach und nach die Aus- 
hängebogen desselben mitzutheilen. Nach diesen habe it-li die wichtige 
Urkunde, welche während meines Aufenthalts in Lcydeii 1875 gerade ver- 
öffentlicht wurde, studiert. Die vollständige Px'schrcibuug des Papyrus 
findet sieh in der Einleitung jener schönen Pulilication, so dafs ich mich 
auf einige n()thwendio;e Bemerkungen besciu-änkeii kann. 

Dieser Papyrus, weleher in Theben von Atlianasi auf Rechnung 
Salts gefunden und in der Auction der Collection Salt von Reuvens 
für das Leydener Museum erworben wurde, ist geschrieben für den 

Verstorbenen .^_^[3_^,; aZ^ \. gl ~^^^^ Osiris den Kaufmann Kama' 

oder, wie sich oft findet, einfach Kenna. Sein Vater war gleichfalls Kauf- 
mann und liiefs | '^'^ t] ^ ^ ^'<'" i'i'<^ s^"i'i<-' Mutter ^ \ -/\^ Toin. 

Dieser Papyrus ist das schönste Beispii'l einer scharf gekennzeich- 
neten Gruppe, zu der aufser diesem die Papyri An und .1/ in London 
gehören. Sie sind alle drei mit Aufwand geschrieben, die Vignetten sind 
grofs und mit lebhaften Farben gemalt. In gewissen Theilen, wie in der 
Anbetung des Osiris in An und in den Kapiteln lä in La sind die Hie- 
roolyphen nicht nur gezeichnet, sondern auch mit verschiedenen Farben 
ausgemalt. Zwei von diesen Papyren sind von rechts nach links ge- 
schrieben. Die Art der Schrift und die Eigennamen bestimmen mich 
diese Gruppe ans Ende der XVIII. Dynastie zu setzen. Der Verstorbene 
trägt noch kurzes Haar: er hat nicht die grofse, wi-ite Kleidung, die mau 
unter der XIX. Dynastie sieht. Der Papyrus ist, wie gesagt, von rechts 
nach links geschrieben; indessen bilden die bi'iden Hymnen des 15. Ka- 
pitels eine Ausnahnu', indem sie von links nach rechts laufen. "Weiterhin 
verändern die Columnen ihre Richtung bis ans Ende; die Schrift selbst 
war inmier nach rechts gewandt. 

12* 



92 

Wie Dr. Leemaks bemerkt, hat man, zum Xachtheil der Correct- 
lieit, in diesem Papyrus mit den Vignetten begonnen und den Text später 
hinzugefügt. La ist keiner der bessern Texte dieser Epoche, wiewohl 
manche Irrthümer leicht zu erkennen sind und er viele merkwürdiee Va- 
rianten enthält, deren Vergleichung wichtig ist. Aufserdem bietet er meh- 
rere im Tm-iner Todtenbuch nicht vorhandene Kapitel. Auf der Rückseite 



steht der allgemeinere Titel des Buches J\ '^Hl^ ,. 

Die Kapitel sind die folgenden: IGA, 15 AI, 16B, 15 A II, IF., 
125 Psychostasie, 17F., IST., 180F., 181F., löBIIIF., 151 F, 83 F, 
84 F, 85 F., 82 F, 77F., 86F., 99F., 119, 125 Ehileitung, Psychostasie, 
Confession, 88 F, 87 F, 81F., 102, 136AF., 13GB, 144 F, 146 F., 32F., 
39F., 79F., 63 A F, 110 Elysische Gefilde, 148 F, 185 und 186. 



Lh. 

T. 51). Papyrus, der nach dem Cataloge in Memphis gefunden 
worden ist; der untere Theil dieser Urkunde ist ziemlich beschädigt; 
viele Columnen sind nicht in ihrer ganzen Länge erhalten geblieben; 
auch ist er zu Anfang unvollständig. Die Vignetten sind wie in Aa mit 
Strichen gezeichnet. Der Stil und die Tracht des Verstorbenen scheinen 
den Anfang der XIX. Dynastie anzudeuten. Dieser Papyrus ist geschrie- 
ben für ^_g[4|'^^ ^^m.W¥^!n ''^^*-'" Osiris, den Beamten, 

den Schenk des Königs von Ober- und Unterägypten Rcr. Ein einziges 
Mal finden wir ihn in Gesellschaft seiner Frau, die in der einen Hand 
ein Sistrum und in der andern einen Lotusstraufs hält; sie heilst 
^^ A^/vw> (| ^^^^ i, 7^ 'Y^ (| (| ^^^^ ^^^^. prau Sängerin des Ammon Bari''. 

Dieser Papyrus enthält aufser mehreren unedierten Kapiteln wich- 
tige Varianten. Zu den letztern gehört die Gruppe ^ h®^M ^"^' ^^^ 
auch vorkommende, gewöhnliche '^^®%Ai| (vgl. 149,18.25.31.43 und 
passim). 



1) Description raisounee p. 238. 



03 

Lb enthält die folgenden Kapitel: Fragment von 81 und 45, 125 
Einleitung, Confession, 24, 27, 25, 30AF., 43, 38AF., 53 F., 119, 118u. 
117 mit beiden gemeinsamer Vignette, 55 F., 38B, 40, 39, 99, 175, 
149 a— 1 F., 186. 



Lc. 

T. G^). Papyrus aus Theben mit gemalten Vignetten, von rechts 
nach links geschrieben und Jüngern Datums als der vorhergehende. Ich 
möchte ihn ans Ende der XIX. oder an den Anfang der XX. Dynastie 
setzen, besonders in Rücksicht auf die Tracht des Verstorbenen, sein 
langes Haar und den Kegel, welchen er auf dem Kopfe trägt. Er hat 
jedoch keine Sandalen. Seine Titel sind sehr lang. Gewöhnlich heifst 
^^' rii^ ^^ ^<^^^^S '^^^^' ^^"'i^ Horemcheb~; aber zwei oder dreimal 
eiebt er uns das Verzeichnifs aller seiner Würden : Ä](l^'~wsAn 

I iä T AA~v^ I I I I r J "Z^ ' ' ^ i crzi '' ^ I i I I id 1 I I ^"'^ I 1 A,v^AA^ ^ 

liehe Vater des Ammonrasonter, der Priester -Vorsteher des Altarsaales, 
der Vorsteher der Bücher der Sanctuarien des Ammontempels, der Vor- 
steher der Bücher der Sanctuarien aller Götter von Ober- und Unter- 
ägypten Horemcheb^ . 

Der Inhalt besteht namentlich aus den letzten Kapiteln des Todten- 
buches: Anbetung des Harmachis, Tum und Osiris, 130 F., 100 F., 91, 
147 F., 146 F., 109, 110 Elysische Gefilde, 149a— k F., 125 Einleitung, 
Confession (vom gewöhnlichen Texte sehr abweichend). 

Die Reproductionen dieses Papyrus sind nach einer Photographie 
gemacht, deren Aufnahme Herr Dr. Leemans gütigst gestattet hat. 



^) Description raisounce p. 238. 



94 



Ld. 

T. 7 1). Papyrus aus Theben mit gemalten Vignetten, wie ich 
vermuthe, aus der XX. Dynastie. Derselbe enthält Darstellungen und 
Texte, welche nicht zum Todtenbuche gehören. Es finden sich darin 
vereinzelte Vignetten und iVuszüge aus verschiedenartigen funerären Tex- 
ten. Er ist geschrieben für ^_^ ^ | (] "'^ t| g~^ j i i 1 1 ^^^^^ H ^ j] j] i] ®^J^ 
7 « ^^^ T ""^^^ In --*^*-^^^ göttlichen Vater des Ammonrasonter im Apet von 
Theben Baiser^. Seine Frau hiefs '=' ^^ ^ ^ "V' Tare f. 

Er enthält die folgenden Kapitel: Darstellung der Göttin Nut 
über dem auf die Erde gestreckten Seb, von Schu gestützt. Die Sonnen- 
barke zieht auf den Beinen und Armen der Göttin einher. Darüber die 
Elysischen Gefilde, verschiedene Vignetten, Anbetung des Osiris, Vignette 
des feurigen Ofens und der vier Kynokephalen; Kap. 148 mit Zusatz und 
Bild; 141—3 mit Bild. 

Le. 

T. 42). Dieser durch die Schönheit seiner Vignetten ausgezeich- 
nete Papyrus ist einer der ersten, welche ich in Leyden studiert habe 
und den ich für diese Ausgabe zu verwerthen gedachte. Später belehrte 
mich ein eingehenderes Studium, einmal dafs er dermafsen incorrect ist, 
dafs es gefährlich ist ihn zu benutzen, sodann dafs er ohne Zweifel einer 
Jüngern Epoche angehört als die von mir in diesem Werke berücksich- 
tigte. Es ist möglich, dafs er noch später als die XXII. Dynastie ist. 
Jedesfalls ist er zu einer Zeit geschrieben, wo das Land unruhig und 
vielleicht der Anarchie anheimgefallen war und wo es keine anerkannte 
königliche Autorität gab. Obwohl er aufserhalb meines Planes liegt, so 
habe ich ihn doch nicht ganz bei Seite gelassen, sondern von ihm einen 
allerdings sehr beschränkten Gebrauch gemacht. Ich meine, dafs man seine 



1) Description raisouuee p. 240. 

2) Description raisounee p. 235. 



95 

Variauten wie die des Papyrus Busca nicht ohne weiteres annehmen darf; 
ich habe deshalb nur die des 17. Kapitels angeführt, auch nur bis dahin, 
wo der Papyrus zu schlecht wird. Über den Grad von Correctheit dieses 
Textes kann man nach dem unedierten Kap. 81 B urtheilen, welches ich 
ganz reproduciert habe, und über die Art seiner Vignetten nach denen 
zu Kap. 40. 

Der Verstorbene trug einen memphitischen Priestertitel. Er hiefs 

B^JC?r~-°l^^'^^!i ,der Osiris Pakrer^. Was 

die J \\ anbetriftt , über die er gesetzt war nnd die dem Ptah 

gehörten, so ist es ein neues Wort, für welches ich keine Übersetzung 
vorschlagen kann. Offenbar ist es von lü^'"'^^^ -die Harfe" verschie- 
den, und bezeichnet ein Metall oder etwas daraus Verfertigtes, wie Vasen 
oder dergl. Die Frau oder Schwester Pakrers hiefs ü "y ü Ü -die 

Frau Auai". 

Der Name Pakrer erinnert an den des Prinzen der Stadt [\y\® 
Sopt- Phaciisa , der in der Inschrift des äthiopischen Königs Nut und in 
der Esarhaddons erscheint. Es wäre seltsam, woini dieser Papyrus nicht 
älter als die XXV. Dynastie sein sollte. Indessen mufs ich die merk- 
würdige Thatsache erwähnen, dafs Pakrer sich zweimal königliche Titel 

was ihn aber nicht hindert, wie man sieht, seinen Priestertitel beizu- 
behalten. Ein anderes Mal wird er genannt: J ^l "^—^ ^ ® X, T -w«^ = J ai 
A^ "^^ """^"^ ^, worauf der Name seiner Frau folgt, ■^cr^ ß o ö ist 
wahrscheinlich hinzugefügt, um seine Gleichheit mit Osiris, dem eigent- 
lichen '^^ I, "^ A' Piitschiedener zu bezeichnen. Nichtsdestoweniger haben 
wir hier ein seltenes Beispiel der Anmafsung des königlichen Titels, die 
nur zu einer Zeit denkbar ist, wo das Königthum stark erschüttert war. 
In einigen Kapiteln erscheint Pakrer nicht, sondern nur der Name seiner 
Frau, z. ß. in 8 IB. 

Der Inhalt des Papyrus ist der folgende: Anbetung des Osiris; 



IV., Psychostasie, 17 F., 109 F., 108 F, 100 F, GO F, 33 F '^^ 



96 

Uü^l^^l unediert; 40 T., 36 F., 31 F., 85P'., 124F., 87F., 95 Titel, 
78 F, 38B, 86F., 57, 78F, 81BF., 85F., Fragment von 99F., 125 Ein- 
leitung lind Confession, 148F., 110 Einleitung, Elys. Gefilde, 186 zerstöi't. 



P. Pariser Papyri. 

Die Pariser Papyri, zu deren Beschreibung wir jetzt übergehen, 
sind meist im Louvre befindlich, mit dessen Sammlung sieh nur die des 
Britischen Museums messen kann; andere sind in der Bibliotheque natio- 
nale, im Cabinet des medailles und in einigen Privatsammlungen. Über 
die erstgenannten können wir sehr kurz sein, da sie bereits von Cham- 
POLLiON, E. DE RouGK und besonders in dem vortrefflichen Cataloge des 
verstorbenen Deveria beschrieben sind. 

Pa. 

Louvre IIL 1, Liventar 3073. Dieser schöne Papyrus ist in dem 
funerären Saale des Louvre in einem grofsen, fast die ganze Wand ein- 
nehmenden Rahmen von mehreren Abtheihnm'en mit andern ausa'ehänst. 
Es ist unendlich zu bedauern, dafs die frühere Verwaltung des Louvre 
diesen wichtigen Text den Arbeiten der Agyptologen auf diese Weise 
entzogen hat. Da er luiter einem nicht abhebbaren Glase hängt, so läfst 
er sich nicht photographieren , ist schwer zu benutzen oder doch nur 
mittels einer vollständigen, aus der Ferne zu nehmenden Copie, die nicht 
nur viel Zeit, sondern auch öftere Berichtigungen erfordert. Wie sehr ich 
auch den Herren Pierret und Revillout für die mir nach ihren Befue- 
-nissen gewährte Erleichterung beim Studium dieser Urkunde dankbar bin, 
so kann ich mich doch nur den von andern Agyptologen ^) ausgesproche- 



1) Lefebvre, Le papyrus de Soutimes, p. 1. 



!>7 

ueu "Wünschen anschliefsen, die gegenwärtigen Conservatoren möchten die 
AbsteUung eines Übelstandes herbeiführen, für welchen sie selbst nicht 
verantwortlich sind. 

Ich hatte zum Studium dieses Papyi'us eine vollständige Copie 
zur Verfügung, welclu- Mr. Bovriant ad hoc gemacht und Mr. M.\spero 
gütigst revidiert hatte; sodann für eine kleine Anzahl von Kapiteln Co- 
pieen von Mr. Lefkburk, Mr. Mallet und mir selbst. 

Dieser Papyrus ist im Stile der XVIII. Dynastie geschrieben ; er 
hat das Zeichen der Negation, aber nicht den bewaffneten Arm: er war 
im voraus angefertigt, denn der Name des Verstorbenen ist ofiengelassen, 
ebenso der seiner Frau. Der Verstorbene wird mit kurzem, kaum bis 
an die Schultern reichendem Haupthaar dargestellt; gewöhnlich, mit Aus- 
nahme der Eingangsdarstellung, trägt er nur den Schurz. Die Vignetten 
sind wenig zahlreich, sie sind mit dem Texte zu gleicher Zeit gemacht. 

Die Kapitel, welche dieser Papyrus enthält, sind: Anbetung des 
Osiris, 180, 54, 55, 38A, 56, 124. 13, 138, 123, 12, 15B III Titel, 
102r., 123, 152, 80r., 82r., 851'., 72, 831'., 771'., 86r., 781'., 1461'., 
125 Einleitung, Confession, Psychostasie mit 30 B, Schufsrede T'., Nach- 
schrift, 136A, 136 BT'., 1497', 150, 79 mit einem Zusätze. Das 123. Ka- 
pitel ist, wie man sieht, wiederholt. 



Ph. 

Louvre III. 93, Inventar No. 3092. Dieser Papyrus ist neben Aa 
und Ca derjenige, welcher mir bei der Wiederherstellung der thebaisclien 
Ausgabe am meisten genützt hat, wie- man schon aus der daraus gewonne- 
nen beträchtlichen Zahl von alten oder unedierten Kapiteln ersehen kann. 

Dieser schöne Papyrus, welcher dadurch von der allgemeinen 
Regel abweicht, dafs Text und Vignetten mit gleicher Sorgfalt ausge- 
führt sind, ist geschrieben für einen Priester -[r fllh namens '^ _^ Q ^ 
^ ä^ i ;_ -fl J^ xS ^ Tnra genannt Nefernhenef. Er wird immer 
durch den letztern Namen bezeichnet, ohne dafs demselben je die Quali- 

13 



98 



fication „Osiris" vorangienge. Seine Frau liiefs r-f , _V ^^ vl "^^^'^ Frau 
Usai''^ und seine Mutter, deren Name auf einem sehr fragmentierten 
Stücke des Anfangs erscheint, n^ | <:3> ^ ^ "^ m »die Frau Merit'-^. 

Dieser Papyrus ist gleichfalls, wie der Stil der Schrift deutlich 
zeigt, aus der XVIII. Dynastie; die Kleidung ist den Gelegenheiten an- 
gemessen verschieden. Manchmal trägt der Verstoi'bene nur den Schurz, 
andere Male einen bis auf die Kniee hcrabgehenden Rock, manchmal end- 
lich ein bis auf die Füfse gehendes Gewand, das jedoch ohne die grofsen, 
weiten Ärmel ist, welche man unter der XIX. Dynastie sieht. In einigen 
seltenen Fällen ist er vollständig unbekleidet. Das Haar ist im allgemei- 
nen sehr kurz, nur mitunter fällt es bis auf die Schultern. Einige Male 
trägt der Verstorbene Sandalen. 

Die Schrift hat die beiden Zeichen _n-, luid w/J- Eine Eigen- 
thianlichkeit , die ich ziemlich häufig bemerkt habe, ist die Abkürzung 
des Pronomens ■'^— ^ _y ^ ^.u ^3::^ W> oder '=;=:^ (vgl. Kap. 9,2, 78,17.35, 
79, 7. 8 und passim). 

Der Papyrus enthält die Anbetung des Osiris, dann, nach De\^ria, 
einige kleine Bruchstücke von 145, 141, 133. Darauf folgen die Ka- 
pitel: 136 viel länger als gewöhnlich in den alten Pajjyren, 130, 148 F., 
68F., 69, 70, 92r., 67, 8, 9^., 8, 72F., 71 F., 152 F., 93F., 75, 
94F., 95, 78 F., 77F, 83F., 84F., 85F., 82F, 86F, 87F., 88 F, 65F, 
39F., 153AF, 64F, 30BF., 79, 20, 28F., 27, 30A, 4lF, 42 F, 14, 
61F., 60, 62, 56, 57, 138, 153BF., 151F., 156 F, 155 F, 161F., 174, 
llOEinleit., Elysische Gefilde, 169, 170, 99 Einleitung F., 99F., lOOF, 
125 EinleitLuig, Confession, Psychostasie, Schlufsrede, Nachschrift, 136B, 
149 F, 150. 

Kap. 8 ist wiederholt, aber nicht ganz. 

Pc. 

Louvre III. 89, Inventar No. 3074. Dieser Papyrus ist als der 
mit weifser Tinte geschriebene bekannt und als solcher von de Rouge 
beschrieben; aber eine aufmerksame Betrachtung und Prüfung mit der 



»ft 

Lupe zeigt deutlich, dafs niclit die weifse Tinte schwarz gewoi'den, son- 
dern dafs im Gegentheil die schwarze Tinte weifs geworden ist. In den 
geraden Zeilen und auf gewissen Tafeln kann man den Übergang vom 
Schwarzen zum Weifsen leicht bemerken. Dieselbe Beobachtung kann 
man. auch in anderen Papyren machen : das Schwarz der Vignetten ist 
weifs gewoi'den, vne im Papyrus der Königin Mutter Net'emt. Der Pa- 
pyriis Pc ist im voraus angefertigt und der Name des Vei'storbenen mit 
einer Tinte hinzugefügt worden, welche sich besser erhalten hat und 
immer schwarz erscheint. 

Dieser Papyrus gehört gleichfalls in die XVIII. Dynastie. Er ist 

creschrieben für . , '■' •^' | ^R ^~^^ '^ -^ -den Obersten der Bauern 

der göttlichen Frau, den Schreiber Tenna'^y-. Meist wird er einfach 
„der Schreiber Tenna- genannt. Er war ein Sohn der ^ ^2]} Oil vi 
„der Frau Atai-. Im allgemeinen wird er nicht Osii-is genannt, doch 
kommt es einige Male, besonders gegen Ende des Papyrus, vor. Der 
Name ^-^^ \^ ist häufig. So hiefs, -wie wir oben gesehen haben, der 
Vater Nebsenis {Ad). Man kennt einen Tenna aus der Regierung Thoth- 
mes IV2). Endlich giebt es noch einen andern Mann desselben Namens, 
den ich für älter halten möchte, einen Aufseher der Speicher, von dem 
man einen Rechnungspapyrus besitzt (Louvre IX, 1). 

Die Vignetten sind mit vieler Sorgfalt gemalt, die merkwürdigsten 
darmiter sind die zu Kap. 146, welche in dieser Ausgabe in kleinerm 
^lafsstabe wiedergegeben sind: sie finden sich in keinem andern Papy- 
rus wieder. 

Die Urkunde beginnt mit einer Opferliste und einer Scene, in 
■welcher der mit dem Pantherfelle bekleidete ,S«?i - Priester über einen 
schwarzen Sarcophag mit vergoldeten Streifen libiert; dann folgen: 17, 
18, Anbetung des Osiris, einige Zeilen von 124, IT'., 221'., 23, 25, 261% 
281'., 271'., SOAT'., 311'., 33 mid 34 T', 74r., 911'., 14, GSF., 83 T., 



1) Vergl. Ta. 

2) CuAMPOLLiON, Noticcs I, p. 480 imd 829. 



13* 



100 

84F., 85 F., 63 F., 105 F, 95 F, 119, 86 F, 87 F., 81 F., 42, 79 F, Nach- 
schrift zu 72, 132F, 9F., 99F., 144F, 7lF, 1511'., 15B III, lOOF, 
147, Fragment F., 146 F., 125 Einleitung F., Confession, Schliifsrede, 
Nachschrift, 148F., Nachschrift, Psychostasie, 136BF., 149F., 150. 

Pd. 

Bibliotheque nationale, Papyrus des Sutimes. Diese Urkunde ist 
von Lefkbure und Guieysse schön publiciert und übersetzt worden. Meine 
gelehrten CoUegen haben die Güte gehabt mir die Probedrucke der Tafeln 
vor deren Ausgabe mitzutheilen. Ich stimme in der Zeitbestim mune; die- 
ses schönen Papyrus mit ihnen vollständig überein: er ist sicherlich nicht 
älter als die XIX. Dynastie. Ich halte ihn für durchaus gleichzeitig mit 
Lc, dessen Verstorbener denen des Sutimes ganz ähnliche Titel hat. 
Auch die Tracht des letztern führt uns auf diese Epoche. Er ist 
beständig mit sehr weitärmeligen Gewändern angethan, sein Haar reicht 
bis auf die Schultern herab; auch seine Frau trägt langes Haar und auf 
dem Kopfe einen kegelförmigen Zierrath und einen Lotus. 

Die Titel des Verstorbenen sind: / J f=^ Y ^^ ;=^ ti^ i j N ^^ 



Wl 

„der Priester, der Oberste des Altarsaales, der Vorsteher der Bücher des 
Sanctuariums von Apet, der Oberwächter der Bücher des Tempelschatzes 
des Ammonrasonter Sutimes''. Seine Fran war „ , ^^,~«~«H 

^ — ■ Ci I <=> T I 1 

A 1 1 1 Sü ~*^^'^ Frau Sängerin des Amnion Hentneteru" . Diese 
Titel werden fast immer abgekürzt. Im allgemeinen wird der Verstor- 
bene nicht Osiris .genannt; doch wird ihm diese Bezeichnung in den 
grofsen Darstellmigen und im Kap. 149 beigelegt. 

Obwohl dieser Papyrus im ganzen correct ist, so enthält er doch 
einige arge Nachlässigkeiten. So ist die ganze Einleitung zu Kap. 110 
verkelu't abgeschrieben: inul dafs der Copist sein Original an der un- 
richtigen Seite vorgenommen hat, wird deutlich dadurch bewiesen, dafs 
die Einleitung zu den Elysischen Gefilden auf diese Darstellung folgt, 



101 

während sie ihr vorangehen sollte. Derselbe Fehler zeigt sich im Kapi- 
tel 1491, aber nicht in den andern .Wohnungen". 

Der Papyrus des Sutimes enthält die folgenden Kapitel : Anbetung 
des Osiris. Dieses Stock, welches den gewöhnlichen Anfang der altern 
Papyri bildet, ist in den verschiedenen Exemplaren verschieden; aber da 
eines gegeben werden niiifste, so habe ich das des Sutimes gewählt und 
als Kap. 185 aufgenommen. Darauf folgen: 17, Z. 1 — 8, 18, Z. 33 — 37, 
1, 68, 89 r., 92 F., CSV., 105 I'., 42 V., 26 F., 30BF, 22 F., 5 F., 67, 
6lF. , 79 F., 120 Einleitung F., Confession, Elysische Gefilde, 110 Ein- 
leitung, 149 F. mit der Angabe der Farben, 16 B Darstellung des Westens. 



Pe. 

Lou\Te III. 36, Inventar No. 3132, ist in einer schönen Publication 
wiedergegeben, welche Deveria begonnen und P[p:kret beendigt hat i). 
Dieser Papyrus gehört der XIX. Dynastie an. Er war geschrieben für 
den Verstorbenen ^—^ '^ n W*' '^'-^^^^^i Namen Pieruex Nehqed liest, den 
ich aber Nebketen aussprechen möchte. Diese Persönlichkeit hat sehr 
lange Titel, welche nach den einzelnen Stellen verschieden lauten, aber 
alle ein Kichteramt zu bezeichnen scheinen. |j| ^^ ^ „der Schreiber 
der Gerechtigkeit", tö| 3-o y ^ ^< , ^p ^der Sclu-eiber der Gerechtig- 
keit im Hause der Gerechtigkeit^ fi^T'^'J^^l^^T^ 
^ cm] a II 1^ I ^"y^ P ^ .,der Schreiber der Bücher 



III 

/www 



für den Ort, wo der König ist, der die Geschäfte des Herrn des Palastes 
besorgt, der welcher die Gesetze im Hause der Gerechtigkeit aufrecht 
erhält". Aufserdem hatte er einen priesterlicheu Titel; er war >^ ^, 
v^AA^^ [J „Pastophor des Amnion". 

Über die Verwandtschaft Nebketens werden wir wohl unterrichtet. 
Seine Mutter heifst eiiunal ü _^-, Ameneinheh, was aber nur ein an- 
genommener Name zu sein scheint, denn ihr wirklicher Name war 



*) Le papyrus de Kcbqcd, Paris 1872. 



102 

fj . Es scheint mir annehmbar, dafs die Verstorbenen oder de- 
ren FamiUenangehörige sich in gewissen Fällen mit einem Namen zu 
schmücken liebten, welcher den einer Gottheit, namentlich Amnions, ent- 
hielt. Ein Beispiel für den Verstorbenen selbst werden wir in dem Pa- 
pyrus Pf finden. Hier hat die mit ihrer Schwiegertochter, deren Name 
den der Göttin Mut enthält, vor Osiris dargestellte Mutter ihren Namen 
ändern und Amnion dafür setzen zu sollen geglaubt. 

In dieser selben Anbetungsscene erscheint hinter der Mutter ^ H 

5 n 'T^ T ^ ^ S -^ ^ ü "^ '^'^i*^ Frau, die Favoritin der 
Nubemant (verniuthlich Hathor) Mutemheh'~ . Dieselbe wird einmal seine 
Schwester und einmal seine Frau genannt. Ich habe schon mehrfach 
hervorgehoben, dafs das Wort ..Schwester" wahrscheinlich eine andere 
Bezeichnung für die Gattin war, und es wird durch den vorliegenden 
Fall aufs neue bestätigt; denn die Mutter Mutemhehs hiefs *=^ I ^ Ha- 
nefcrt, es war also nicht dieselbe wie die Nebketens. Der Vater des letz- 
tern war Pastophor und hiefs (j ^^^^ ^^ ü ^ Amenemapi, und als sein 
Sohn wird fJ Qi) '^ ^ A^) genainit. 

Dieser Papyrus, dessen Vignetten besonders schön sind, bietet 
einen Text, der nicht in entsprechender Weise correct ist. Die Farbe 
des in den Vignetten zu Kap. 1 dargestellten Sarcophags könnte bewegen 
ihn in die XVIII. Dvnastie zu setzen. Aber die Kleiduna; des Versterbe- 
nen und der Frauen, der Umstand, dafs jener immer Osiris genannt wird, 
dann auch die Länge und Weitläufigkeit seiner Titel, sprechen dafür, ihn 
mit den gelehrten Herausgebern der XIX. Dynastie zuzuschreiben. 

Der Papyrus enthält: Anbetung des Osiris, 124, Vignetten zu Ka- 
pitel 1, unter welchen das Ende von 124, 72, 14 und 24 stehen: Titel 
und Vignette zu G4, 117 mit Zusatz, 116 F., 109F., 83^., 841^., 85F., 
82 F., 77F, 86 F, 87F, 88 F, 81 F, SOBFi), 7F, 27F, 38AF, 125 
Schlufsrede, 151; darunter 27F, 91 mit Titel zu 59, 42, 1. Dieser Theil 



^) Auf Tafel V, 31 uud 32 hat mau irrtliüinlicli Zeileufragmeute , welche 
zu Taf. VI, 2G und 27 gehörcu, aufgeklebt. 



103 

des Papyrus 1st sehr veriiaclilässigt. Der Schreiber hat eine Umstellung 
vorgenommen: die Schlufsrede zu 12 j und dann 151 sollten erst auf die 
übrigen Theile von 125 folgen; aufserdem sind mehrere der kleinen Texte 
von 151 in verkehrter Kichtung cojiiert. Es folgen 125 Einleitung V., 
Confession T., Xachschrift und Psychostasie, iiber welcher 30 B, 100 F., 
991'., 102 7. Nachschrift zu 18, Fragment von 42 und Elysische Gefilde. 
Wie man schon aus diesen Angaben ersieht, ist dieser Papyrus keiner 
der sorgfältigsten aus dieser Epoche. 

Pf- 

Louvre III. 9, Inventar Xo. 3097. Diese Urkunde ist nicht auf Pa- 
pyrus geschrieben; es ist eine Leinewand, die vermuthlich zur Einwicke- 
lung einer Mumie gedient hat und deren Text in drei übereinander stehende 
Abtheilungeu zerlegt ist. Der Stil dieses Schriftstücks erinnert durchaus 
an den der Leinewand von Avignon. Es mufs der XVIII. Dynastie zu- 
erkannt wei'den. Der Verstorbene führt in der Anbetungsscene zu An- 

fang die folgenden Namen und Titel: ^| fl^.fi||fl^^O 

<S^ Yl „der Vorsteher des Viehs des Ammon, der erste Schreiber Amen- 
emheb'. Es ist das einzige Mal, dafs er diesen Namen trägt: denn sonst 



heifst er überall pH Ha ^^ ^^ Sf r'^l^i" erste Schreiber- oder einfach 
„der Sciu'eiber Mali-, Nachdem er die Würde emes Vorstehers des Viehs 
des Ammon erlangt hatte, die ihn mit dem Dienste dieses Gottes in Ver- 
bindung brachte, hat er sich wahrscheinlich zur Veränderunc; seines Na- 
mens und zur Annahme eines neuen vei'anlafst gesehen, der zugleich be- 
kundete, dafs er zu den Beamten des Ammontempels und seines Cultus 
gehörte, n Seine Frau hiefs l] ¥is. Amenemapt. Niemals findet sich 

beim Namen des Verstorbenen die Bezeichnung Osiris. 



1) Herr Prof. Stern niarht initli darauf aufmcrksani, dal's auch der Feld- 
herr Tothmes' III. Amenemheb ^^ ^^ genannt zu werden scheint (Zeitschrift 
1873, p. 9), und dal's das letztere vermuthlich eine Abkürzung des JJamens ^4»iert- 
emheb ist. 



104 

Die drei x\btlieilungen folgen genau auf einander und die oberste 
ist die erste. Anbetung des Osiris, II'. zerstört, 99 F., 125 Confession, 
Psychostasie, Einleitung, Nachschrift; Fragment eines unbekannten Ka- 
pitels; 141—3, 92 1'., Ser., 81, 74r., GO F., 106 F., 116F., 108 F, 109 F., 
2F., 66 F, 75 F, 94F., 136A, 136BF., 83 F, 30BF., 85 F., 77 F, 149 F. 
mit der Angabe der Farben, 150. 

Pg. 

Papyrus Geslin. Mr. Geslin, der geschickte Zeichner vieler Pu- 
blicationen de Rouge's und Mariette's, hat mir gütigst einen Papyrus 
zum Studium mitgetheilt, den er auf einer Auction erworben hat. Dieser 
Papyrus ist für eine hochgestellte Persönlichkeit des Heeres geschrieben, 
die einen priesterlichen Titel nicht gehabt zu haben scheint. Sie heifst 

Tin^m±\)±^%4.'M\M ^<'«- 0.-, de,. 

Schreiber der Soldaten des Königs, der Soldatenoberst Pauer^ . Seine 
Schwester oder Frau hiefs ^ ^ ~ \\^ ^^ ^ „die Frau Raa^. Obgleich 
dieser Papyrus als Text nicht schlecht ist, so ist doch zu bemerken, 
dafs die meisten Kapitel kürzer als gewöhnlich sind und vor dem Ende 
abbrechen. Er enthält zwei Fragmente einer neuen Version von Kapi- 
tel 145 unter der Form eines Zwiegesprächs, von dem leider nur ein 
kleiner Tlieil übrig geblieben ist (145 B). 

Diese Urkunde ist zu Anfang und Ende unvollständig. Die sehr 
sorgfältigen Vignetten sind fast überall zerstört. Den Inhalt bilden die 
Kapitel 88F, 8lF., 78F., 60 F, 106F., 92F, 63 A, 105, — Lücke — 
83, Fragment F., 82, 145 B. 

Ph. 

Papyrus Mallet. Diese Urkunde befindet sich in der schönen 
Sammlung des Herrn Baron Mallet, der mir das Studium derselben 
gütigst gestattet hat. Der Papyrus ist zu Anfang vollständig, aber es 
fehlt ein Theil des Endes. Er ist für einen Verstorbenen geschrieben. 



105 

welclior einen seit der XIX. nml liis in die XXVI. Dynastie häufigen 

Namen trägt: ^ ,1 fl — t] Z!^ :S c^ ^ ^ 2.1 ^ ^ -^^'' 
Osiris, der göttliche Vater des Amnion, der Vorsteher der Niederlage 
Bekenchonsu^ . Die Titel des Verstorbenen und der Stil der Urkunde 
bestinnnen mich, ihn unter die XX. Dynastie zu setzen. 

Dieser Papyrus beginnt mit der Darstellung der Elysischen Ge- 
filde, dann folgt als Commentar dazu Kap. 149b, darauf 77, 81, Gl, 35, 
149a, 44, (53, 53 und 125 Confession. 

Pi. 

BibliotlK'(|ue nationale, 20 — 23. Papyrus din- XX. Dynastie, von 
rechts nach links geschrieben. Er ist angefertigt für ^—^{,„^^q^]\ 

, , , I rii i-=^ ü ?T~; 4 I i?i^/ J^ y __ -den Osiris, 

den Priester des Aimnonrasonter, den Giefser beim Ammontempel Chon- 
siimes, den Sohn des Ammonpriesters Penamen- . An Vignetten hat die- 
ser Papyrus nm- das Bild zu Anfang, welches den mit dem Pantherfelle 
bekleideten und das Scepter j in der Hand haltenden Verstorbenen vor 
dem Gotte Harmachis-Tum zeigt. Die andern Kapitel sind: 92, 89, 138, 
118, 94, 26, 75, 137A. 



Pj 

Cabinet des medailles. Grofser Papyrus unter Glas und Rahmen, 
aus der XIX. Dynastie, aber nachlässig geschrieben: viele Kapitel sind 
verkürzt und brechen mitten in einer Zeile oder in einem Worte ab. 

Die Vignetten sind sorgfältig. Der Verstorbene war u; \^-~^ ^ d,^^ ""*^*' 

Aufseher der Arbeiten des Königs Chcr. Seine Frau, die oft erscheint, 
heifst '^fj^^^ Merit. Der Verstorbene wird im ganzen Papyrus mit 
einem Gewände bekleidet dargestellt, welches bis auf die Kniee reicht; 
sein Haar geht bis auf die Schultern; der Sarcophag ist schwarz mit 
gelben Streifen im 1. Kapitel und gleichförmig weifs im 151. Kapitel. 

U 



106 

Der Papyrus, welcher zu Anfang zerrissen war, fieng mit der 
Scene der Anbetung des Osiris an; der Gott ist mit einem langen Ge- 
wände bekleidet, welches mit rothen Rauten gestreift ist. Die folgenden 
Kapitel sind: IV., 124 F., 38 A F., 119F., 83F., 84F., 85, 77F., 86 F., 
87 F., 81 F., 151 F. 

Louvre III. 17, Inventar No. 4994. Kleiner Papyrus der XIX. Dy- 
nastie, geschrieben für |4| ^ J"=s^ ^ ^^^^^'^ Schreiber Hornefert^. Diese 
Urkunde ist nicht sehr correct. Sie ist auf drei Tafeln aufgezosen ; der 
obere Theil ist meist zerstört. Sie enthielt Kap. 1, 68 und die Ceremo- 
nie des apro „der Öffnung des Mundes". Nicht Kap. 23 begleitet diese 
Ceremonie, sondern es ist diese selbst, welche mit den Worten einge- 

_Ptah öffnet ihm den Mund mit seinem eisernen Grifi'el, welcher öffnet ...". 
Hier vollzieht der Priester die Handlung (vergl. die Bemerkungen zu 
Kap. 1). 

PL 

Bibliotheque nationale, cartons 231 — 2. Dicke, sehr lose und 
ziemlich schlechte Schrift der XX. Dynastie. Der Verstorbene heifst 
J^ IK i I ^ J ^^ , ^ „der Osiris, der Prophet, der königliche Hand- 
werker Kebnefra-'. Diese Fragmente enthalten einen Theil von Kap. 17, 
woran sich ohne Übergang einige Zeileji von 24 und 25 schliefsen. 



Pm. 

Bibliotheque nationale No. 233 — 5. Eine Anzahl kleiner Stücke 
von einem vortrefflichen Papyrus der XVIII. Dynastie, die aber in so 
kleine Fragmente zerbrochen sind, dafs ich sie kaum benutzen konnte. 
Er war geschrieben für l^^^rTj^^^^^-^^^t 
J^fl'-^illl^iy^^k-^ri "den königlichen Verzie- 



107 

1-er Osirvi, den Sohn des Richters Faabi .... des Königs Amrnna". Auf 
den Fetzen des Textes sieht man, dafs seine Mutter „ r-, -Amme" 

war und dafs er eine Tochter hatte, die ^r-, ^ .erste Amme- war. 

Es war also eine im Dienste des Fiirsten stehende Familie, das Amt 
Osirius seheint mir etwas wie Kammerdiener oder Parfumeur gewesen 
zu sein. 

Es ist lebhaft zu bedauern, dafs dieser schöne Text sich in einem 
solchen Zustande der Zerstörung befindet, denn er ist der einzige, in 
welchem ich einige Worte des 115. Kapitels gefunden habe^). Die Frag- 
mente, welche ich habe vergleichen können, gehören zu den Kapiteln 17, 
18, 31, 50, 125 Einleitung, 114, 115. 

Pn. 

Bibliotheque nationale, cartons 33 — 37. Papyrus aus Theben, der 
etwa dem Ende der XX. Dynastie angehört. Die Schrift ist grob, der 
Text bisweilen sehr incorrect und nachlässig. So sollte in der Con- 
fession in Kap. 125, welche in zwei Abtheilungen zerlegt ist, die obere 
die Namen der Götter enthalten; aber da sie zu lang sind, so gi-eifen sie 
in die zweite Abtheilung über, sogar hinter der Negation. Daraus sieht 
man, dafs man in die Zeit gelangt, in welcher die Schreiber nicht mehr 
verstehen, was sie copieren. Der Verstorbene heifst _^_^ ^T^ ^ cTI i aw.v% 
,.der Osiris, der Vorsteher der Kammer im Annnontempel Amen- 



emucr. Inhalt: Kap. 110, Elysische Gefilde, 125 Confession, 130 und 
Darstellungen der Anbetung. 

Po. 

Bibliotheque nationale, No. 46. Kleines selbständiges Fragment 
aus guter Zeit, welches einige Zeilen des 09. Kapitels enthält, ohne den 
Namen des Verstorbenen. 



1) A'ergl. Uu ostracou egyptien, p. 7fi". in den Aunales du Musee Gui- 
met. Band I. 



108 



Pp. 

Papyrus Czartoryski. Dei- Güte des Fürsten Ladislas Czarto- 
RYSKi verdanke ich die Mittheilung eines in seinem Besitz befindlichen 
Papyrus. Es ist ein sehr schöner Text von beträchtlicher Länge, aber 
leider ist er ohne Kenntnifs des Inhaltes restauriert worden. Daraus er- 
ergiebt sich, warum ich ihn mit Ausnahme einiger Vignetten und einiger 
längern Fragmente, von denen ich Abschrift genommen habe, nur cata- 
logisieren konnte. 

Dieser Text mufs dem Ende der XVIII. oder dem Anfange der 
XIX. Dynastie angehören. Der Verstorbene, welcher niemals Osiris ge- 
nannt wn-d , war ^ ^ | ;^ j -- (] ^ ^ (] ^ ^ ^ „der Vorsteher 
der Felder des Amnion Uaa" . Manchmal wird sein Name y Ij ^ ^ ge- 
schrieben. Er ist rosig gelb gemalt iind trägt ein bis auf die Kniee 
reichendes Gewand; sein Haar ist lang und fällt bis auf die Schlüssel- 
beine herab. 

Der Papyrus enthält in der jetzigen Reihenfolge seiner Fragmente 
die folgenden Kapitel : 149 i F., 55 F., 61 F., 63 F, 99, U9ce, 99, 94 F., 
149f, 149i Anfang, 184 F., 33 F, 149o, 150, 42 F., 125 Confession, 
Nachschrift, Einleitung, 148 F., Anbetung des Osiris, 146a, 125 Psy- 
chostasie. 



Louvre, Papyrus der Königin Net'emt^). Noch eine Ausnahme 
von der Regel, die ich angenommen habe. Dieser Papyrus gehört in 
die XXI. Dynastie oder wenigstens an die äufserste Grenze der XX., 
wenn man annimmt, dal's Net'emt eine Ramessidenprincessin war, wel- 
cher Herlior den Thron verdankte. Dieser Papyrus ist einer von de- 
nen, welche in dem Verstecke von Der-el-bahri gefunden wurden, als 



1) Pierret, Recueil d'inscriptions inedites du Musee Egyptien du Louvre 
n, p. 131. 



109 



dasselbe nm- erst den Arabern bekannt war, und er 1st geschrieben 
für r] J| ( ^— J^:;'^^^, w .1, die auf ihrem Sarcophage auch 1 ' 



( y — ^^c^fl genannt wird, „die Königin -Mutter Netemt-'. Dieser Pa- 
jjvrus ist in zwei zertheilt worden. Die erste Hälfte ist das Eigenthuni 
des Prinzen von Wales, der sie im Britischen Museum niedergelegt hat; 
die andere Hälfte ist von der Verwaltung des Louvre angekauft worden, 
welche mir jede Erleichterung zum Studium derselben gewährt hat. 

Dieser Papyrus ist in sehr gutem Zustande der Erhaltung, die 
Vignetten sind sorgfältig ausgeführt, aber der Text ist schon sehi- ver- 
nachlässigt ; mehrere Theile sind in verkehrter Richtung copiert und auch 
sonst bemerkt man, dafs der Schreiber seine Columnen aufs Geradewohl 
ausgefüllt hat, ohne den Inhalt zu verstehen. Ich habe jedoch diesen 
Papyrus benutzen zu können geglaubt, in Sonderheit für Kap. 141 — .3, 
wo die ümstelluno; nichts Unzuträgliches hat. Ich habe übrigens nur 
den zweiten Theil studiert, den in Pai'is befindlichen, und diesen allein 
habe ich hier catalogisiert. 

In Kap. 17 setzt der Papyrus da ein, wo der in London aufhört; 
18, 24 — darüber Vignette zu 153, 89, 71 und zwei Sonnenbarken; 83F., 
841":, 110 Einleitung, Elysische Gefilde, Ende der Einleitung, 134, 136 A., 
2, 3, 132, 141 — 3, 63 F., 106, 79F., 102, 136 BF., Vignette 149 imd 
150; 125 Einleitung, Confession, Psychostasie, 146a — f, Vignette zu 148; 
Anbetung des Osu'is, Darstellung, in welcher die Königin hmter ihrem 
Sohne Herhor sitzt. 



T. Gräber in Theben. 

Aufser den Papyren habe ich auch die Texte in einigen wenigen 
altägyptischen Gräbern benutzt, welche meist schon bekannt sind. Zwei 
dieser Gräber gehören Privatmännern der XVIII. Dynastie an und vier 
Königen aus dem Ende der XIX. und aus der XX. Dvnastie. 



110 

Ta. 

Grab des Amenemha^). Grab aus der Zeit Thothmes" III. mit 
dem 28. Jahre seiner Kegiermig, bei Abdehjurnah gelegen. Die funerä- 
ren Texte schmücken ein ganzes Zimmer aus, links vom Eingange mit 
dem 17. Kapitel anfangend. Sie sind nicht euigemeifselt, sondern einfach 
an die "Wand geschrieben, ganz im Stile der von uns behandelten Papyri. 
Ein Theil des 17. Kapitels ist von Lepsics in Facsimile veröffentlicht 
worden-). Man wird bemerken, dafs der Verstorbene niemals Osiris ge- 
nannt wird, aber dafs wJl und _n_ alle beide im Texte voi-kommen. 

Der Verstorbene war ^,1 "'-^^ cf^ , [JR ..-ü ^. |\/_vi Ü ^ | U 

'^ -' -Haushofmeister des Gouvernem-s, der Schreiber Rech- 



I 

nungsführer bei dem Getreide in den Speichern der heiligen Ländereien 

des Amnion, Aufseher der Bauern des Amnion, Amenemha'^. Sein Vater 
hiefs >^ [Tj I Thotmes luid seine Mutter J\ ^^ Ante/. 

Mein gelehrter College Herr Prof. Sterx hat die Güte gehabt mir 
eine von ihm genommene vollständige Copie der Inschriften dieser Grab- 
kammer zur Verfügung zu stellen. Die vorhandenen Kapitel shid: 17, 18, 
ein unediertes Kapitel, 80, 133, 134, 65, 148 F., 125 Einleitung, Confes- 
sion, Schlufsrede, Nachsclu-ift — abgesehen von Anbetungssceueu und 
einem langen Texte, der an die der Pyramiden erinnei-t. 



Th. 



Grab des Chaemha, Abdelqm-nah No. 8. ^ ^^^ =^ ^ ist eine 



S fx ==J) 



groise Persönlichkeit unter der Regierung Amenophis III. Sein schon aus 
den Werken von Lepsius"*^) und Prisse d'Avennes bekanntes Grab ist 
küi'ziich vollständig von ^Ir. Loret veröffentlicht worden^). Im zweiten 



1) Lepsius, Älteste Texte, p. 14. 

2) Denkmäler m, 38. 
■') cf. PI. 

■*) Lep.sius, Denkmäler III, 76 — 75. 

') Memoires publies par les niembres de la Mission archeologlque fran- 
faise au Caire, Livr. 1, p. 113flF. 



Hi 

Saale finden sich mehrere sorgfältig eingegrabene Texte des Todtenbuches, 
auf der rechten Seite Kap. 110 Einleitung, welche Mr. Bouriant gütigst 
für mich copiert hat, und die Elysischen Gefilde. Im Hintergrunde des 
Saales links von der Thür steht Kap. 112, welches als Seitenstück das 
jetzt zerstörte Kap. 113 hatte. 



Es ist unnöthig hier eine Beschreibung der Königsgräbei- zu geben. 
Nur bemerken mufs ich, dafs die Gräber der XX. Dynastie weniger cor- 
rect sind als die der XIX. und dafs sie besonders seit Ramses IV. nach- 
lässig werden. 



Tc. 

Grab des Menephthah Siphthah und der Königin Tauser, usur- 
piert von Setnecht. Im dritten Corridor und längs dem Geländer der 
Treppe, welche zum zweiten Saale führt, befindet sich Kap. 145. Ich 
habe 1869 alles Übriggebliebene copiert und hier reproduciert^). 



Td. 

Grab Ramses' IV., No. 2 2). Ein ganzer Saal dieses Grabes ist 
mit Texten des Todtenbuches bedeckt, es ist der dritte, der unmittelbar 
dem Sarcophagsaale vorhergehende. Der Text beginnt links vom Ein- 
fl-anü und iieht bis ans Ende des Saales, wendet sich dann rechts und 
kommt hinten am Eingange \Yieder zurück. 

Er enthält ' "^» ^ <=> ^-^^ , ,, ferner einen besonderen Titel 

AW^^\ -" J\ LU l— — I 

nebst Vorwort zur Schlufsrede von Kap. 125 (vgl. II, 335); dann folgen 
Kap. 124, 127, 125 Einleitung, Confession, Schlufsrede. 



1) Champollion, Notices I, p. 451 imd 452; Gestalten der Wächter. 

2) Champollion, Notices I, p. 473 — 76; Snppl. p. 813 — S'iO. 



112 



Te. 

Grab Ramses VI., No. 9^). Auch liier ist ein kleiner Vorsaal vor 
dem Sarcophagsaal mit Texten des Todtenbuclies bedeckt. Lepsius hat 
die linke Seite publiciert-). Die Texte beginnen im Hintergrunde zur 
Linken und umfassen: links Kap. 124, 125 Confession und Theil der 
Schlufsrede, rechts 126 7., 100, Anbetung der Ma und 127A. 

Tf. 

Grab Ramses' IX., No. Q"^). Im zweiten Corridor findet sich auf 
der linken Wand Kap. 125, die Schlufsrede mit dem besondern Titel 
und dem Vorwort. 



1) CuAMi'OLLiON, Notices, Bd. II. 

2) Lepsius, Denkmäler III. 226. 

^) Champolliox, Notices I, p. 468. 



113 



VIERTES KAPITEL. 
Bemerkiiiigeu zii den einzelnen Kapiteln des Todtenbuclis. 



Ich iiiiifs nun zu tlen verschiedenen Kapitehi, welclie dieses Buch 
bilden, noch einige Bemerkungen machen, namentUch über ihre Stelle 
in den Urkunden, denen sie entnommen sind. Dabei werde ich alles auf 
die Interpretation und den Inhalt des Buches selbst Bezügliche bei Seite 
lassen: auch beabsichtige ich nicht die bemerkenswerthen Varianten, wel- 
che sich mil" im Verlaufe darbieten könnten, hervorzuheben. Ich werde 
mich auf das durchaus Notliwendi^e und was zur Erleichterung des Ge- 
brauchs dieser Ausgabe dienen kann, beschränken. 

Kap. 1. 

Der zur Basis gewählte Papyrus ist A(/. Zwar ist er weder sehr 
alt noch auch sonderlich correct, im Gegentheil ist der Text, wie sich 
weiterhin zeigen wird, fehlerhaft: aber er hat sehr vollständige Vignetten 
und ist, wie in der Beschreibung oben l>emerkt wurde, datiert. Die 
Varianten geben uns einen Begriff von den Veränderimsen , welche der 
Text in einer verhältnifsmäfsig beschränkten Zeit, von der XVIII. bis zur 
XIX. Dynastie, erlitten hat. 

Kein einziger unter den alten Texten geht über die Zeile 16 in .S 
hinaus^). Alles Folgende ist neuern Ursprungs. Nach den Worten 
A^ Mv> \ ^^ K^ " '"''^" findet nicht seine Übertretung- haben 



1) Mit dem Buchstaben S bczeiilmc ich die nachsaitischc Redaction, wie 
wir sie aus dem Turluer Papyrus kennen. 



15 



114 

die alten Texte statt des einfachen Zusatzes /= ^^ ^ (| (j Fjl „in der 
Waage" eine ausführlichere Wendung: fl^^I^fj^i^P^]^^^'^— - 
„die Waage ist leer von allem, was ihn betrifft,- und damit schliefst das 
Kapitel. Dieser Satz scheint zu besagen, dafs die Psychostasie stattge- 
funden hat, und man sollte hier eine darauf bezügliche Darstellung er- 
warten. In der That findet sie sich auch hier in Ag, La und Le. Im 
erstgenannten Texte geht die Psychostasie dem Kap. 1 voraus, in den 
beiden andern folgt sie darauf, aber ohne das lange Stück, welches Ka- 
pitel 12.3 bildet. Dieses Kapitel findet sich weiterhin in La und Le mit 
einer neuen Darstellun£r der Waase. 

So haben wir von voi'uherein den Beweis, dafs das Todtenbuch 
keine Einheit, sondern eine Sammlung ist. Sogleich das 1. Kapitel ist 
mit der Psychostasie abgeschlossen. Die letztere ist durch Hinziifügung 
der negativen Confession, der Einleitung, der Schlufsrede weiter ent- 
Avickelt worden; man liat daraus Kap. 125 gebildet, welches folglich jün- 
ger sein mufs als Kap. 1. Denn schwerlich kann die abgekürzte Redac- 
tion die jüngere sein; vielmehr ist die ausführlichere, in welcher die 
meisten Personen erscheinen, die spätere. 

Der gewöhnliche Platz des 1. Kapitels ist unmittelbar hinter der 
Anbetung des Osiris, welche in der Regel den Anfang der Leichenpapyri 
bildet; gewöhnlich geht es auch dem Kap. 17 vorher oder befindet sich 
doch in der Xähe dieses Kapitels. Es ist freilich wohl das erste Kapitel 
des Todtenbuchs, denn nach dem Titel werden diese Worte gesprochen 

il^ V 1 '"^^ . ^, ^ , -am Taae der Bestattung". Der Verstorbene soll 

dadurch seine Ankunft in der Amenthes ankündigen; es sind die ersten 
Worte, welche er hören lassen soll. Auch stellen die Vignetten die Be- 
stattungsceremonie dar, d. h. den Augenblick, wo der Verstorbene so 
spricht. Einige Papyri, wie Le und Fe, haben nur die Vignetten des 
1. Kapitels ohne den Text, auf welchen sie auch keinerlei Beziehung ha- 
ben und in welchem sich keinerlei Anspielung auf das Ceremonial findet, 
dessen Feier sie zur Anschauung bringen. Sie stellen dar, was auf der 
Erde vorgeht, während der Todte vor das Gericht des Osiris hintritt. 



115 

Wie die Varianten zeigen, hat keiner der alten Papyri den Titel 
von S, der sicli niu- in .1// wiederfindet. Alle andern benennen dies 
Kapitel I ^ä»^ a'^^^^^ ft fti I ijj^ '■'^^^ Kapitel von der Ankunft vor 
den , Käthen' oder ,den Richtern' des Osiris ''. Diese Richter sind die 
vier Genien, welche in der Psychostasie das Tribunal unter dem Vorsitze 
des Osiris bilden. Damit steht der Schlufssatz des Kapitels durchaus im 
Einklang. Dieser Titel ist derselbe wie der von Kap. 124, mit dem die 
Pa])vri manclimal beginnen, wie Ab und Pf, wo ihm ein allgemeiner 
Titel vorangeht. Keiner dieser Papyri enthält Kap. 1, während Fe nur 
die Vignetten desselben hat; es wird durch Kap. 12-i ersetzt, obschon 
dessen Text zu jenem in keiner Beziehung steht. 

Derselbe Titel gehört einem in S nicht vorkommenden Kapitel 
an, welches ich als 181. zähle, einer Anrufung des Osiris. 

An Kap. 1 schliefst sich in S eine lange Rubrik, welche mit der 
des 72. Kapitels identisch ist. In den meisten Fällen fehlt die Nachschrift 
dem 1. Kapitel und ist dem 72. angehängt; nur An und La knüpfen es 
an Kap. 1. Sie ist hinter 72 reproduciert und dort sind auch die dazu- 
gehörigen Varianten nachzusehen. 

Auf Kap. 1 folgt unmittelbar fast immer Kap. 17: indessen findet 
es sich auch vor andern häufigen Kapiteln, wie vor 68 (in Cb, Cd, 
PA), vor der Reihe der Verwandlungen (in Aa) und vor 99 (in Pc). 

Wie schon gesagt wurde, enthält der Papyrus Da, ohne Zweifc-l 
durch die Unachtsamkeit des mit der Abschrift betrauten Copisten, zwei 
Versionen des 1. Kapitels, welche unmittelbar auf einander folgen und 
fast gleichlautend sind. In diesem Kapitel ist Da sehr verwandt mit .1^) 
und auch, obwohl in geringerem Grade, mit La, An und .1/. 

Die Vignetten geben uns eine vollständige Darstellung der Leichen- 
procession, welche in Begriff steht die Mumie in das für sie bestimmte 
Grab zu legen. Hier hat Ar/ ein Bruchstück des eigentlichen Rituals 
bewahrt. Es lehrt uns, dafs man bei dieser Gelegenheit die Ceremonie 
der „Öffnung des Mundes"^) vornahm, in welcher der Priester viermal 



1) SCHIAPARELLI, II llbro doi fuuerali, p. 22S. 

15' 



116 

Hin die mit dem Gesicht nach Mittag gewandte Mumie geht, indem er 
vier Wassergefäfse trägt, welche, wie er sagt, zu den Reinigungen des 
Horus, Thoth, Seb und Sep gedient haben. 

Kap. IB. 

Mit 1 B liabe ich ein Kapitel bezeichnet, welches mit dem vorher- 
gehenden nichts zu thun hat, aber doch hier eingeschoben werden mufs, 
da es auf den Tag der Bestattung Bezug hat. In dem als Basis genomme- 
nen Ba folgt es auf Kap. 1, wogegen es in la sehr weit davon entfernt ist 
und hinter 65 steht. Die Titel der beiden Urkunden sind nicht diesel- 
ben. In Ba heilst dies Kapitel „das Kapitel von der Ankunft der Mu- 
mie in der Tiefe am Tage der Bestattung", während es in la „das Ka- 
pitel von der Ankunft in Roset" genannt wird. Der Text war in la aus- 
führlicher, er enthielt in Sonderheit die Namen der Schlangen, vor denen 
ihn zu bewahren der Verstorbene Osiris bittet. Nachdem dies Kapitel 
aus der saitischen Redaction verschwunden war, hat es sich in spätem 
Urkunden wiedergefunden. Von Birch i) ist es nach einem Edinburger 

Papyrus publiciert worden, wo er betitelt ist J^ ^^ "^ ^ 8 3 ^^ 

N. -^^-k _^[3— I? "iT^ von Pleyte-) nach einem Papyrus des Louvre, 
in dem es 2 "^ ^ ^ 1 ^ ^^ ^^ ^ genannt wird und zu einer 
Gruppe mit dem allgemeinen Titel j\ ■-■■--^^ ^^ -^^^^ X "^ In, ,_2_^ gg_ 

hört. In der Pleyteschen Sammlung ist dieses Kapitel No. 172. 

Kap. 2 und 3. 

Die Gruppe, welche in S bis zum Schlufs des 15. Kapitels reicht 
und ein mit den Vignetten der Leichenprocession versehenes Ganzes bil- 
det, existiert in den alten Papyren nicht und ist das Ergebnifs einer 
spätem Codification. Die einzigen analogen Fälle, welche sich finden, 



^) Proceedings of the Society of Biblical Archaeology 1885 p. 81. 
2) Chapitres supplementaires du Livre des Morts. 



117 

sind solche, in denen die Länge der Vignetten des 1. Kapitels die Aus- 
dehnung derselben über andere Kapitel veranlafst hat (wie in Pe, Ag^ 
ohne dafs man dadurch eine Einheit zu schaffen beabsichtigt hätte. 
Mehrere der kleinen Kapitel hinter Kap. 1 fehlen vollständig (4 und 11); 
andere, wie 9, 12, 13, stehen in andern Theilen des Buches und noch 
andere kommen nur selten vor. 

Xamentlich ist das mit 2 und 3 der Fall. In S sind 2 und 65 
sehr ähnlich: sie unterscheiden sich nur durch den Titel und den Schlufs. 
Kap. 2 hat sich nur zweimal gefunden: in Ae folgt es auf TG und steht 
vor 3, ohne dafs die Beschaffenheit des Papyrus gestattete, den Platz, 
■welchen diese Kapitel in der Reihenfolge des Textes einnahmen, zu be- 
stimmen; in Pf folgt es auf 109 und steht vor 66, gleichwohl mit dem 
Titel des Kap. 2. 

Kap. 3 kommt nur in Ae vor. Diese beiden Kapitel finden sich 
in den Papyren der XXI. Dynastie. In dem der Königin Xet'emt sind 
sie unter dem Titel von 2 vereinigt imd folgen auf 64. In einer andern 
Urkunde derselben Epoche (Leyden III) folgen sie zwar nicht auf 64, 
stehen aber nicht weit davon und scheinen für 65 und 66 einzutreten. 
Es ist daher wahrscheinlich, dafs sie ursprünglich ihren Platz bei 64 
hatten, wo sie noch in .S' durch Kap. 65 vertreten werden, welches frei- 
lich von dem dieser Ausgabe sehr verschieden ist. 

Kap. 5. 

Es findet sich in vier Papyren, steht aber in keinem vor 6. Es 
ist nicht möglich diesem Kapitel einen bestimmten Platz anzuweisen. In 
Aa vmd Ai findet es sich nahe bei 88 und 96 — 7, in Pd steht es unter 
mehreren kleinen Kapiteln 30, 22, 67, 61. 



Kap. 6. 



Gehört zu 151 und bezieht sich auf euien der Gegenstände, wel- 
che man in der Grabkammer neben dem Verstorbenen niedei'legte: man 



lis 

wird auch die Vananteu unter Kap. 151 finden. Ich habe jedoch ge- 
glaubt die Version von Aa, welche ausführlicher ist, wiedergeben zu 
sollen. In diesem Texte gehört Kap. 6 zu einer Grujipe, welche mit 

1*^0 I n<=>ll^M ^*^- ^»fä"gt ""'^^ ""t 155, 15G, IGO fort- 

fährt. Es enthält auch mehrere Bestandtheile von 151. In Ae fand 
sich Kap. 6 auch vereinzelt. Mehr als nach den Papyren, welche es 
nicht häufig darbieten, mufs man dieses Kapitel nach den Todtenstatuet- 
ten studieren. 

Kap. 7. 

Findet sich in 7 Papyren. Ganz willkürhch ist es der Gruppe 
des 1. Kapitels eingereiht, denn es gehört zu jenen, welche von der 
himmlischen ScliifFfahrt reden (vergl. 99, Z. G). Daher steht es in zwei 
Papyren, Ab und Ai, hinter 102 und vor 13GA und B. Auch in Ac, 
welcher zu Anfang zerstört ist, geht es 13GA und B vorher und endlich 
steht es in Ca vor 102. 

Kap. 8 und 9. 

Als Base habe ich Pb genommen, welcher am vollständigsten ist 
und dessen Anordnung ich bemerkbar machen mufs. Diese Urkunde 
stellt mehrere Kapitel zusammen, welche im Titel eine gewisse Ähnlich- 
keit haben. Es handelt sich immer um -öffnen- -^"^ r . oder f J i\. 
Es ist zunächst Kap. 92, dann 67. Nach diesem Kapitel fährt der Text 
so fort: j^ J^ N. j^^^D^fli] d. h. 8, 6; dann beginnt Kap. 9 mit 
^^^"^ Titel j! f J Ü ® ^ , und es folgt Kap. 8 H ^I T k ?• 
Die ganze Gruppe 8,9,8 trägt den allgemeinen Titel *T^ f J | ^ > 
und es folgt darauf 72. 

Aufser in Pb findet sich 8 nur noch in Ae, wo man seine Stelle 
nicht erkennen kann, und in /«, wo es unmittelbar auf IB folgt. In 
den Texten der XXI. Dynastie steht Kap. 8 dem Kap. 44 am nächsten 
und wird mit demselben sogar zu einem einzigen verbunden. 



Ill» 

Kap. 9 kommt in Pc vor, wo es zwischen 132 nml 99 stellt, und 
in Ba, wo es einem Theile von 148 vorhergeht. Die Vignette gehört 

besonders zu Kap. 9, sie stellt nämlich den ^^ ^ ^ oder ^^ ^ ^ |J ^_ 

S. ■=^ dar, von dem im Texte die Rede ist; es ist eine Darstellung 
des Osiris. 

Kap. 10. 

Findet sich nur in Aa; es ist mit 48 identisch und unter diese 
Nummer gestellt worden. 

Kap. 11. 

Fehlt. 

Kap. 12 und 13. 

Finden sich beide nur einmal, in Fa. Kap. 1.3 gellt voran und 
wir haben die Reihenfolge 56, 124, 13, 138, 123, 12. Diese Ordnung 
ist ziemlich die des hieratischen Papyrus in Paris, welcher Papyrus 
de Luynes heifst (Devkria III, 46), nämlich 56, 13, 138, 123, ... 12. 
Diese Kapitel gehörten ziaerst zu einer von dem des 1. Kapitels ver- 
schiedenen Reihe, da sie in .S alle beide wiederholt werden: 12 ist. 
120 und 13, 121. Wieder ein Beweis dafür, dafs die Reihe 1 bis 16, 
wie sie sich in .S lindet, das Ergebnifs einer neuern Codification ist. 

Kap. 14. 

Dieses Kapitel findet sich zweimal in C\f, und die gewählte Base 
ist die auf dem Verso des Papyrus befindliche Wiederholung. Bemer- 
kenswertherweise finden sich zwischen den Versionen derselben Urkunde 
so erhebliche Varianten, dafs sie nicht nach dem nämlichen Originale 
geschrieben zu sein scheinen. 

Unter den fünf Kap. 14 bietenden Papyren sind zwei, Ca und 
FO, in welchen Kap. 14 auf 42 folgt, und zwei, Ca und Fe, in welchen 
es vor 68 steht. In Fe folgt es auf 91 und in Pb geht es 61 vorher. 



120 

Die als Base angenommene Version steht zwischen 27 und 39. In Pe 
befindet Kap. 14 sich unter den Vignetten zu 1 zwischen 72 und 24. 

In Pb folgt der Titel zu 14 unmittelbar auf die Nachschrift zu 
42, so: ...^J^;^J^^gg^^etc. Dasein 
der Gruppe f=>^ ist der letzte Buchstabe der Nachschrift und das <=^3 
des zweiten AVortes <=> , welches das erste des Titels ist, hat man aus- 
gelassen. 

Kap. 15 und 16. 

So wie die Kapitel 15 und 10 in S redigiert sind, finden sie sich 
in den alten Papyrus nicht. In S besteht Kap. 15 aus zwei unterschied- 
lichen Theilen, der Anbetung des Ra „bei seinem Aufgang" (Z. 1 — 28) 
und der Anbetung des Ra ..bei seinem Untergang" (Z. 28 — 49). Es 
läfst sich noch leicht erkennen, dafs man in jede dieser Unterabtheilun- 
gen mehrere Hymnen von verschiedener Herkunft und Abfassung ein- 
gerückt hat. Diesen Unterabtheilungen entsprechen die Vignetten des 
IG. Kapitels; die obere bezieht sich auf die aufgehende Sonne, ebenso 
die zweite, welche man auch als die Sonne in der Mitte ihrer Laufbahn 
erklären könnte, wälirend die dritte die untergehende Sonne bezeichnet. 

Derartige Hymnen rinden sich in mehreren alten Papyren; nur 
scheint es für dieses Stück keinen canonischen Text gegeben zu haben, 
von dem man sicli nicht hätte entfernen dürfen. Der Textschreiber konnte 
sich hier von seiner Einbildungskraft leiten lassen, und obgleich der 
Grundton dieser Stücke im allgemeinen wenig verschieden ist, so haben 
sie doch nicht Berührungspuncte genug, um als Varianten desselben 
Textes gelten zu können. Das erklärt, warum ich in dieser Ausgabe 
eine so grofse Anzahl aufnehmen mufste. Es giebt indessen in den alten 
Papyren einen Hynmus an die untergehende Sonne, welcher dem in S in 
Z. 28 ähnlich ist. Von diesem, den ich 15B III genannt habe, lag ein 
recipierter Text vor und nach den verschiedenen Documenten, in denen 
er vorkommt, liefs sich eine vergleichende Tafel der Lesarten aufstellen. 



121 

Nach dem von Anfang an befolgten Grundsatze habe ich mit .4. 
den ersten Theil des Kapitels bezeichnet, welcher sich auf die aufgehende 
Sonne, und mit B den zweiten, welcher sich auf die untergehende Sonne 
bezieht. Die Zahlen I. TT, III bedeuten die verschiedenen Versionen 
jedes dieser Theile. 

In den vollständigen Texten folgt auf jeden Theil die darauf be- 
zügliche Darstellung, d. h. das ihn betreffende Stück des 16. Kapitels; 
und da es sich um eine Anbetung handelt, so ist in einer Vignette jedes- 
mal der Verstorbene mit seiner Frau in betender Stelluns; hinzusrefü"!. 

Ein einziger Papyrus, Ba, enthält die beiden Theile von 15 an 
der entsjjrechenden Stelle, welche ihnen in »S angewiesen ist, d. h. nach 
1 und vor 17 (Taf. XVII und XVIII). Er führt uns zuerst die Anbe- 
tung des Ra bei seinem Aufgang vor, woran sich das Bild des Sonnen- 
aufgangs schliefst. Leider ist der Papyrus an der Stelle schlecht erhalten, 
aber es ist kein Zweifel über den Sinn der Darstellung (Taf. XXI, Ba) 
zulässig; man sieht den Himmel, die beiden Arme, welche die' Sonne um- 
fangen, und das Zeichen des Ostens. Unmittelbar darauf kommt der 
Hymnus an die untergehende Sonne, wo die bildliche Darstellung zwar 
fehlt, aber dagewesen sein mufs, da sich sonst die Gestalten der beiden 
Anbetenden nicht erklären liefsen. Darauf geht mau zu Kap. 17 über. 

La würde ohne ein Verseheu des Schreibers vollständis; sein. 
Hier steht Kap. 15 gleichfalls vor 17, ganz am Anfange des Papyrus, 
und ersetzt die fehlende Anbetung des Osiris. ^Vir haben zunächst die 
beiden Anbetenden und den Hymnus an die aufgehende Sonne (Ta- 
fel XIV), dann die Darstellung des Gottes bei seinem Aufo-anae: den 
Berg, die beiden Arme, welche den Discus halten, und das Emblem U, 
welches hier wie sonst dem Osten elgenthümlich ist (Taf. XXI, La). 
Dai'nach sollte mau den Hymnus an die untergehende Sonne mit der zu- 
gehörigen Vignette erwarten; und den beabsichtigte man auch folgen zu 
lassen, da der Zeichner das Bild der untergehenden Sonne gemacht hat 
(Taf. XXn, La). Aber der Schreiber des Textes hat sich nicht darum 
gekümmert, sondern hat eine andere Version des Hymnus an die auf- 

IG 



122 

gehende Sonne copiert. Icli habe schon früher die grofse AhnUchkelt 
zwischen irt und ^4^ hervorgehoben. Hier haben wir denselben Irrthum: 
den Hymnus an die aufgehende Sonne gleichfalls neben der Darstellung 
der untergehenden, die noch besser gekennzeichnet ist als in La, da der 
Sperber als Emblem des Westens durchaus dem in Da (Taf. XXII) gleicht. 
Das Vorhandensein dieses Hymnus in At hat die Aufstellung einer kur- 
zen Variantenübersicht ermöglicht, die jedoch wegen der schlechten Er- 
haltung dieses Pajjyrus nur bis zu Z. 10 fortgeführt werden konnte. Es 
ist unmöghcli auf diese Weise die Hymnen von Ba und La zusammen- 
zustellen, da sie zu verschieden sind, ohne Zweifel weil es für dieses 
Kapitel keinen canonischen Text gab. 

Noch ein vierter Hymnus ist reproduciert worden, der von Ag 
(Taf. XVI), der gleichfalls mit einer bildlichen Darstellung versehen ist 
(Taf. XXI) und der sich ohne Frage mit dem ersten Hymnus von La 
berührt, ohne jedoch als ein Paralleltext angesehen werden zu können. 
Dies Stück findet sich ganz zu Anfang des Papyrus. Ein Hymnus an 
die untergehende Sonne folgt nicht, wird vielmehr durch ein Gebet an 
Osiris Onnophris ersetzt. Die Legende der Darstellung läfst über ihre 
Bedeutung keinen Zweifel. Auch hier treffen wir das Vy ^^s Emblem des 
Ostens. 

15B, der Hymnus an die untergehende Sonne, findet sich in Ba 
unmittelbar hinter 15 A , dem Hymnus an die aufgehende Sonne, ebenso 
wie in .S. Die dazugehörige Vignette fehlt. Dafür findet sie sich in 
Da, welcher uns eine andere Version von 15 B liefert; dieselbe steht 
zwischen 17 und 18G, der Anbetung der Hathor, welche den Papyrus 
beschliefst. Zu den Versionen 15 B I und 15B II existiert kein Pa- 
ralleltext. 

Wir kommen jetzt zu dem Stücke, welches mit 15 sehr grofse 
Ähnlichkeit hat und an einer ganz andern Stelle der Papyri steht; es 
ist das als 15B III bezeichnete. Der Text erinnert an S 15, Z. 36 — 40 
lind sodann an die Anrufungen Z. 29 — o3. Der Titel ist fast genau 
das, was wir in S 148, Z. 2 — 5 lesen. Es ist wieder ein Beispiel der 



1-23 



Umgestaltiiiig, welche das Todtenbuch in der Epoche der XXVI. Dy- 
nastie muls erfahren haben. Für dieses Stück haben wir parallele Texte, 
doch sind dieselben nicht alle deich vollständiff. 



Kap. 17. 

Wie oben gesagt wurde, ist das 17. Kapitel eines der ältesten 
und wichtigsten Kapitel des Todtenbuchs. Es fafst am vollständigsten 
die Cosmogonie zusammen, so wie sie in Heliopolis gelehrt wurde. Es 
ist daher nicht auffallend, dafs es sich in einer grofsen Zahl von Manu- 
scripten vorfindet. In dem als Basis angenommenen .1« sind einzelne 
Theile des Kapitels wiederholt oder kommen vielmehr vor dem ganzen Ka- 
pitel besonders vor, nämlich Z. 81 (j g) "^3^ .... bis Z. 94 c.^ -|- i. '^^^ 
welche zwischen 117 — 118 und 20 eingeschoben sind. Ebenso in .4/, 
in dem in Liverpool betindlichen Theile des Papyrus, nur dafs dieses 
Bruchstück vor 18 steht, von welchem 20 nm- eine verschiedene Redaction 
ist. Eine andere Wiederholung in Aa bilden die Z. 100 — 106, welche 
auf 13 folgen und vor 44 stehen. Das vollständige Kapitel findet sich 
weiterhin zwischen 153 und 18 gestellt. Es ist schwer diese Anordnung, 
welche nicht die der Mehrzahl der Texte ist, zu erklären. 

Gewöhnlich folgt Kap. 17 auf 1 oder befindet sich doch in un- 
mittelbarer Xähe, so in Ap, Au, Ag, Cb, Da, Ba (wo es von 1 durch 
15 getrennt ist), La und la. Manchmal steht es ganz zu Anfang der 
Papyri, wie in Pc und 2\i. Das auf 17 folgende Kapitel ist fast regel- 
niäfsig Kap. 1 8 : anderesfalls existiert dieses Kapitel überhaupt nicht. Man 
kann behaiipten, dafs 18 das gewöhnliche Complement zu 17 ist, da es 
von diesem durch keinen andern Text getrennt wird. 

Der Titel von 1 7 besagt deutlich, dafs der Character des Stückes 
von dem in Kap. 1 beobachteten sehr verschieden ist. "'"^r'^v, -An- 
fanor von- ist die gewöhnliche Einführun«; eines neuen Abschnittes in 
einem Buche. Hier finden wir zum ersten Male jenen Ausdruck, der in 
der neuem Redaction in den Titel von 1 übergegangen ist: ^^' 

16' 



124 

^ jI M) I i -^ -^ ^ I °^^'" I '^^ -Ä ill I "^"^^"o ^6S Aussprecliens 
der alten Erinnerungen" oder -der heiligen Formeln". Dieser bisher 
unrichtig verstandene Ausdruck bezieht sich keineswegs, wie man fast 
immer übersetzt hat, auf die Auferstehung des Verstorbenen. Das Verb 
s=> y )1 yA findet hier nicht Anwendung auf eine materielle Handlung 
und soll nicht ..wieder aufrichten" oder .wieder aufstellen" bedeuten, 
sondern lieifst vielmehr -aussprechen" oder -hersagen" i). Was die Wör- 
ter '1^\. )^^| ™i'l r^^J^^i b'^ti'i^j ^o mufs man sie schwerlich 
blos als graphische Varianten ansehen, obschon sie sich auf denselben 
Gegenstand beziehen. Der Bericht von der Schöpfung, der mit dem aus 
dem Wasser hervorgehenden Tiini anfängt und mit dem zum König ge- 
krönten Ra fortfährt — alles das führt auf die Bedeutung -alte Erinne- 
rungen" für I' 4 ^ V^l """-^ -^ißilig^ oder feiei'liche Formeln" für '^^ 
y 5() ' . Nicht Thoth stellt sich dem Osiris im Namen des Verstorbenen 
dar, um alle ObUegenheiten, die er in Busiris und in Abydos vollbracht 
hat oder vollbringen wird, vorzutragen. Es handelt sich nicht mehr um 
Worte, die am Tage der Bestattung gesprochen werden. Hier ist der 
Gegenstand unendlich weiter und philosophischer als im 1. Kapitel. Ich 
kann daher den Titel, welchen Ag dem Kap. 1 giebt und den er aufserdem 
allein hat, nicht als richtig betrachten; dieser zu Anfang mit dem von 17 
gleichlautende Titel ist augenscheinlich für dieses letztere Kapitel bestimmt. 
Der von 1 lautet ^ H] ^ (] I] ^ <==> ^ ^ ^ | ^ ^«st in allen Papy- 
ren; der ihm in A(/ gegebene ist, wenn nicht ein Irrthum voi'liegt, das 
erste uns begegnende Beispiel von dem Übergange des alten Textes in 
den der saitischen Redaction. 

Die Papyri Pc und Pe geben Kap. 17 etwas längere Titel als die 
andern, von denen sie auch in der Anordnung der Theile abweichen. 
Ich war genöthigt einen Satz dieser beiden Texte auf S. 29 zu bringen, 
wo sich ein leerer Raum fand, mid auf S. 30 die Stelle anzugeben, wohin 
diese Worte gehören. Für einen Theil des 17. Kapitels habe ich aus- 



^) Ägyptische Zeitschrift 1873 p. 27. 



125 

nalllns^Yeise den Papyrus Le benutzt, dessen Text sehr incoi-rect ist. 
Die Varianten breclien Z. 40 mit dem Bemerken ab, dafs der Text Z. 51 
fortfährt; aber hier habe ich die Lesarten nicht mehr eingeschrielien, weil 
der Text entschieden zu schlecht wird. In Ag konnte ich über Z. 48 
nicht hinausgehen, da das Ende dieses Papyrus nur ein sinnloses Ge- 
schreibe ist. 

Nur 7 Texte geben das Ende des Kapitels; sie gehören sicherlich 
zu den besten, welche wir besitzen, was bei der Bedeutsamkeit dieses 
Kapitels erklärlich ist. Treu dem Grundsätze, den ich mir eingangs ge- 
macht liabi", will ich mich jeder philologischen oder mythologischen 
Abschweifung über dies Kapitel enthalten. Wenige gewähren so viele 
und nützliche Varianten. Ein glücklicher Umstand ist es, dafs wir dieses 
Kapitel von Anfang bis zu Ende auf der Leinewand Thothmes III be- 
sitzen, einem datierten und sorgfältig geschriebenen Documente, welches 
zur Vergleichung und Feststellung der Sprachformen der XVIII. Dynastie 
von gröfster Wichtigkeit ist. Es ist zu bedauern, dafs uns nicht ein 
gröfserer Theil von Ah erhalten ist. 



Kap. 18 bis 20. 

Kap. 18 folgt unmittelbar auf 17, dessen nothwendige und ge- 
wöhnliche Ergänzung es ist und von dem es durch keinen Titel getrennt 
wird. Die verschiedenen Kapitelsectionen sind in den alten Texten nicht 
wie in S geordnet, sie folgen sich in dieser Reihe: acegildfhk. Be- 
merkenswerth ist der allgemeine Gebrauch der einfachen Präposition 



statt der zusammengesetzten ^^ ^^^^ in S. Die Vignetten sind selten 
untl im allgemeinen ohne Wichtigkeit; es sind einfach Darstellungen der 
Gottheiten, auf welche angespielt wird. Eine einzige ist reproduciert 
worden, die des Papyrus Busca Ik. In diesem Texte, hinter Kap. 132 
und vor 99, findet sich ein kleines Stück aus 18, welches als besonderes 
Kapitel mit diesem Titel eingestellt ist: "^ ^^^ ^^ ^ ^ i -.^~v« ® J 1^ 



126 

Buch von dem, was geschieht am Tage des Ackerns und in der Nacht 
des Ackerns in Tattii"; dann kommen die Namen der vier Genien der 
Amenthes und der Z. 26 reproducierte Text <J-^ "^^ etc. Das Kapitel 
enthält ein Stück des folgenden Absatzes und bricht plötzlich am Ende 
der 30. Zeile ab. Das ist die einzige Spur, welche ich von diesem Texte 
als selbständigem Kapitel mit besouderm Titel gefunden habe. Nirgends 
kommt der Titel vor, den 19 und 20 in >S' tragen. Kap. 19 findet sich 
in keinem der von mir verglichenen Papyri. Kap. 20 hat .1«, und zwar 
insofern die Z. 94 — 106 von Kap. 17 ein erstes Mal mit einem abge- 
kürzten Kap. 18 reproduciert sind, welches in S die Nummer 20 trägt. 
Ich habe dieser verkürzten Fassung die No. 20 gegeben, obschon sie von 
dem Kap. 20 in S merklich abweicht; doch steht sie diesem näher als 
dem 19. Kapitel. Die Nachschrift und der Titel von 20 in *S sind Zu- 
sätze neuern Datums. 

Die Reihenfolge der Kapitel, so w'ie wir sie bis jetzt wiederher- 
gestellt haben, umfafst also: die Anbetung des Osiris, Kap. 1, IB, 15, 
für welches letztere es keinen canonisehen Text gab und dessen Fassung 
mehr oder weniger der Einbildungskraft des Schreibers iiberlassen blieb; 
endlich Kap. 17 und 18, oder 17 und 20, die eine Gruppe für sich bilden. 
Wie man sieht, ist das fast die Reihenfolge von »S, in dem nur die klei- 
nen Kapitel später hinzugefügt worden sind. 

Über den Text, welcher auf 18 folgen sollte, kann ich nur eine 
Vermuthung aufstellen; aber ich glaube, dafs die Reihenfolge in Ba die 
richtige ist; was folgen sollte, das ist die Reihe der Kapitel von den 
^ ^ JUi ^Verwandlungen", welche in den alten Texten mit Kap. 83, 
der Verwandlung in den Bennu, beginnt. 



Kap. 21 und 22. 

Wir kommen jetzt zvi Kapiteln eines verschiedenen Characters, 
die nicht die Wichtigkeit des 17. Kapitels haben. Es handelt sich um 
die Wiederherstellung des Verstorbenen, deni man zuerst einen Mund ge- 



127 

ben miifs, damit er die Filhigkeit der Rede erlange. Die Gabe des Mun- 
des bildet in .S den Gegenstand zweier Kapitel, 21 und 22. Ich habe 
nur 22 wiedergefunden. Auch hier wird die Basis durch Äa geliefert, 
welcher in einer Vignette eine Ceremonie zur Darstellung bringt: der 
Priester -^ ^ J~^ ^^ »d*?!' Wächter der Waage" berührt den Mund 
des Verstorbenen. Diese Ceremonie mufs als in der Amenthes vorgehend 
betrachtet werden. Derselbe Priester wird zum zweiten Male in Kap. 30 
erwähnt, wo der Verstorbene sich an sein Herz wendet. 

Mit wenigen Ausnahmen ist die Reihenfolge dieselbe wie in .S; die 
Gruppe der Kapitel 22 bis 30 ist fast innner vereinigt. 

Kap. 23. 

Nach der Gabe des Mundes kommt die Ceremonie von der -Öff- 
nmig des Mnndes", welche gleichfalls als in der Amenthes vollzogen zu 
denken ist. Dieses Kapitel hat sich in 5 Papyren gefunden. 

Kap. 24. 

Der Grundtext 1st Pe entnommen. Von den vier benutzten Pa- 
pyren luit keiner eine Vignette geliefert^). 

Kap. 25. 

Diesmal ist die Basis aus Ca genommen. Die Vignette in Ax 
zeigt uns den >SV)n- Priester, wie er dem Verstorbenen eine Statuette in 
Mumienforni darreicht. Die Kapitel von 21 an bilden allerdings wohl 
eine Art Ritual und wünlen in gewissem Mafse den Titel rechtfertigen, 
welchen Champollion und nach ihm dk Rougk dem Todtenbuche gegeben 
haben. Indessen darf man nicht übersehen, dafs es sich hier nicht um 
wirkllclie, auf Erden vorgenommene Ceremonieen handelt, sondern tun 
eingebildete, welche dem Verstorbenen zu Ehren in dessen neuer Wohn- 
stätte beeansen werden. Es handelt sich um eine Nachahmung der irdi- 



1) Vergl. Kap. 31 u. 32. 



128 

sehen Gebräuche: aber der grofse Unterschied, welcher zwischen diesen 
Kapiteln imd dem eigentlichen Ritual besteht, so wie wir es z. B. im 
Grabe Setis I. finden, ist der, dafs wir hier den Verstorbenen selbst se- 
hen, so wie er sich in der Amenthes zeigt, während dort ausdrücklich 
gesagt wird, dafs die Ceremonieen vor der Statue des verstorbenen Kö- 
nigs beobachtet werden. 

Kap. 26 bis 30. 

Mit Kaj). 26 gelangen wir zu der wichtigen Reihe der Kapitel 
vom Herzen, welche zu den von den Papyren am häufigsten iiberliefer- 
ten gehören. In S sind es G Kapitel. Sie haben sich alle wiedergefun- 
den mit Ausnahme von 29, welches durch zwei inedite ersetzt wird. 
Vier dieser Kapitel waren dazu bestimmt, auf steinerne Amulette 
geschrieben zu werden, deren jedes seine besondere Farbe hatte. Das 
lehrt Ba, welches diese vier Kapitel mit den folgenden Titeln versieht: 
I Y'^~^°-=><, ö ':^:^^ , , -Das Kapitel vom Herzen 

aus Jaspis" oder ,, Serpentin "(?)^) — grün — 30 B, 
Q „aus Lapis lazuli" — blau — 26, 

C3CD _ßi^l I I 



J, 



AWNAA 



"'^^ "^^ 9 I r''us Opal" — weifs — 27, 



''^^P<=>oi "'"^"^ Carneol"(?) — roth — 29B. 

Kein anderer Papyrus enthält diese Titel; die gewöhnlichen lauten ganz 
verschieden. 

Kap. 26 heifst ^j^ -^ y """^ ^- ^^^^ ^^ \j!i ~V^^ Kapitel dem 
Verstorbenen ein Herz zu geben, wenn er in Cherneter ist". 

Kap. 27, 28, 29 A haben den gleichen Titel: ^ ^^ ^ ^ ^^ 
^^^^^ ^ AAAAAA jiq^. ^^'^'=-^y, <i^ !;I)'^s Kajjitel zu hindern, dafs mau 
dem Verstorbenen sein Herz im Cherneter nimmt". 

Kap. 29 B, welches sich nur in zwei Papyren findet, hat keinen 
andern Titel als den Xamen des Minerals, aus dem das Amulet bestand. 



1) Ägyptische Zeitschrift 1880 p. 56. 



129 

Obgleicli 29 A und 29 B erlieblicli von einander abweichen, so sind sie 
doch zusammen unter dieselbe Xummer gestellt, weil das letztere das ein- 
zige Kapitel vom Herzen ist, welches nicht weiter vorkommt, und weil 
man es in der Nachbarschaft der übrigen lassen mufs. 

Kap. 30 ist das wichtigste von den Kapiteln vom Herzen. Es 
findet sich in zwei verschiedenen Versionen; die eine ist diejenige, wel- 
che in S No. 30 trägt; die andere, 30B, ist die an Kap. 64 angehängte. 
Im allgemeinen kommen die l)eiden Versionen nicht in demselben Papv- 
rus vor. Ich kenne davon nur zwei Beispiele, Aa, in widchen sie un- 
mittelbar auf einander folgen, und zwar so, dafs 30 B voransteht und 
30 A keinen besondern Titel hat, und Pb, in welchem 30 A auf 27 folgt, 
während 30 B nach G-i steht. Es ist zu bemerken, dafs 30 A in keinem 
der sechs verglichenen Texte eine Nachschrift hat. Darnach scheint es, 
dafs dies Kapitel nicht auf einen Scarabäus geschrieben werden sollte. Die 
begleitenden Vignetten haben nichts Characteristisches. Die eine, in Z6, 
zeigt uns die vier Götter mit dem Scepter t'am, an welche sich der Ver- 
storbene wendet. 

Kap. 30 B findet sich in den Papyren häufiger als 30 A. Es wurde 
oben gesagt, dafs die Verschmelzung von 30 B und 64 neuern Datums 
ist. Es kann zwar voi'kommen, dafs diese Kapitel sich neben einander 
finden; indefs sind es unterschiedliche Kapitel, da man jedem einen 
besondern Ursprung zuschreibt. Das einzige Beispiel, welches wir da- 
von haben, ist Ph, in welchem 30 B mit diesen Worten aus dem Schlüsse 
der Nachschrift zu 64 eingeleitet wird: ^1 ^_ |^ x ^ Mv ^ ! ' "^'^'''^^ 
aber nicht hindert, dafs 30 B eine von 64 verschiedene Vignette hat. 
Der gewöhnliche Platz von 30 B ist in der Nähe der Psychostasie (-4^, 
Pa, Pe, Ig), da es als dazu gehörig betrachtet wird. In diesem Augen- 
blicke ist der Verstorbene seines Herzens beraubt, da es auf der Waag- 
schaale liegt ; an dieses Herz, welches man in Begriff zu wägen ist, rich- 
ten sicli die Worte des Kapitels. Dafs 30 B zur Psychostasie gehört, 
geht auch daraus hervor, dafs es in Aa, Ae und Pd mit der Wägung 
des Herzens als Vignette vei'sehen ist und dafs die Psychostasie in die- 

17 



130 

sen Urkunden weiter nicht wiederholt wird. Der einzige Unterschied 
zwischen den Vignetten von 30B und 125 besteht darin, dafs in 30 B 
die Gestalt des Verstorbenen selbst und nicht die der Göttin Ma in der 
Waagschaale dem Herzen gegenüber abgebildet ist. 

Die Nachschrift des Papyrus von Parma gestattet die Abfassung 
dieses Kapitels auf die Regierung des Königs Mycerinus zurückzuführen ; 
viel ausführlicher findet sich dieselbe in Fe und Ax hinter 148, wo sie 
reproduciert ist. Es ist wahrscheinlich, dafs sie dort 30 B vertritt, denn 
sie ist sleichsam als Text über die Psvchostasie gesetzt. 

Kap. 30 B hat drei verschiedene Titel, von denen der eine derselbe 
wie der zu 26 ist, der andere in dem Namen des Amuletminerals besteht 
und der dritte und häufigste mit dem von 30 A gleichlautet: I Vn-rr 
^^^ ,^ — D \X^ Y ^''•'^ N. „das Kapitel zu verhindern, dafs sich das Herz 
des N. widersetze 1)". 

Die Kapitel vom Herzen haben keine bestimmte Reihenfolge; sie 
sind in der Regel vereinigt oder nahe bei einander, häufig findet man 
zwei oder drei zusammen, seltener mehr: Ba hat 4, Fh 5, wenn man 
die beiden Versionen von 30 zählt; Ca hat 5, darunter zweimal Kap. 27. 
Ih hatte vermuthlich gleichfalls 5. 



O' 



Kap. 31 und 32. 

Hier beginnt eine Reihe von Kapiteln, bestimmt schädliche Ein- 
wirkungen verschiedener Art, welche Thiere ausüben oder darstellen 
können, zurückzuweisen. Die beiden ersten wenden sich an Krokodile, 
welche das ^ U ^^ ^ i zu rauben kommen, nach Kap. 23 eines der 
Lebenselemente des Individuums. Kap. 31 ist häufiger als 32 und viel 
kürzer als in »S; es bricht in der 4. Zeile ab. An dieser Stelle be- 
ginnt \\\ S ein Stück, welches sich in Kap. 69, Z. 6 wiederfindet und, 



^) Das Verb der 2. Zeile ist nicht dasselbe wie im Titel, es liat die Bil- 
dung —»—=^5-,,^ — D oder ' ^'^^ V ^^^äö' ^^'<^^che mir soviel zu bedeuten scheint 
wie „sich als Gegner, als Feind stellen". 



131 

SO viel sicli erkennen läfst, mit dem Anfange nichts zu tluiii hat. Es 
liegt hier ein Veri'aliren vor, welches man bei der saitischen Codification 
angewandt hat; man liat ein Kapitel mit Hülfe eines andern ohne er- 
sichtlichen Grund verlängert; vielleicht nur wegen des Umfanges der 
Vignette. Dafs es ein saitischer Zusatz ist, folgt daraus, dafs wii- es in 
den Papyren der XXI. Dynastie, Bulaq 22, Leyden IH, nicht vorfinden, 
noch auch in Leyden IV, der vielleicht noch jünger ist. 

Kap. 32 ist seltener; wir haben es nur in zwei Papyren, die beide 
in schlechtem Zustande sind. La ist so sehr beschädigt, dafs er uinnö"'- 
lich zu benutzen ist; nur sieht man noch, dafs die Vignette vier Kroko- 
dile hatte. Auch dies Kapitel war kin-zer als in 8, besonders weil jedes 
der Krokodile nur einmal statt zweimal angeredet wird; aus diesem Um- 
stände darf man vielleicht auf zwei verschiedene Redactionen schliefsen. 

Hinsichtlich der Stelle dieser Kapitel läfst sicli nur über 31 etwas 
Bestimmtes angeben; es folgt auf die Kapitel vom Herzen. In Ca haben 
wir die Reihe oOA, 31, 33, 34, 35, 74; ebenso in Pc, dem jedoch 3.5 
fehlt. Bei 32 stimmen die beiden Texte nicht überein: in La steht es 
hinter 14() und vor 39 und in IIa hinter 39 und 40 und vor 100. 

Kap. 83 und 34. 

Sind kleine Kapitel, die in dvv Regel zusammenstehen und die man 
manchmal auf Sarcophagen findet. Pc vereinigt sie sogar zu Einem Ka- 
pitel, deini die ersten Worte von 34 folgen auf 33, ohne dafs ein Titel 
dazwischen stände. Zu 33 habe ich die Vignette von Le aufgenommen; 
Kap. 34 hat keine, ebensowenig wie in )S'. 

Kap. 35. 

Noch ein Kapitel derselben Art, welches sich in dem Grundtexte 
zwischen 34 und 74 befindet, in l'h zwischen Gl und 149a und in Ax 
zwischen 30 A und 124. 



132 



Kap. 36. 



Ein seltenes Kapitel, welches ich nur zweimal gefunden habe, das 
eine Mal in Le. Ich habe dieses Document hier wegen der Varianten 



'O 



sowohl der Vignette als des Textes zugelassen. Nach Ba ist das abzu- 
wehrende Thier TtT»! "^ '] H W ^- ^^- ^^" durch den Scarabäus deter- 
miniertes Insect. In Le sieht es wie ein Floh oder ein ähnliches Thier 
aus. Keine der beiden Versionen spricht von einer Schildkröte wie der 
Titel in >S. 

Kap. 37. 

Ein kleines Kapitel, welches sich nur ein einziges Mal findet und 
wenig Bedeutung hat; der Zweck desselben, der Sieg über die ^__^ | j 
W, n,, ist auch der des folgenden Kapitels. 

Kap. 38. 

Hier haben wir zwei ziemlich verschiedene Versionen, von denen 
die eine wichtiger ist als die andere und die sich beide in dem Pajjyrus 
LI) finden. Die, welche wir A nennen, ist die längere und kommt in 
der Mehrzahl der Papyri vor; sie ist augenscheinlich auch die ältere. 
Hinsichtlich der Stelle dieses Kapitels besteht eine grofse Verschieden- 
heit unter den Papyi'en. Pa stellt es indessen zwischen 55 und 56, und 
das scheint sein eigentlicher Platz zu sein, denn es gehört zu der Ka- 
pit elgr Lippe, welche von „den Hauchen" -^^ ^ handeln. Ebenso ver- 
hält es sich mit 38B, welches Lh hinter 55 ohne einen andern Titel als 



::! 



einstellt. Von dem letztern besitzen wir zwei Versionen, Ap, 
welcher den Text wegen der in voraus angefertigten Vignetten hat ab- 
kürzen müssen, und Lb. Es findet sich auch in Le, der aber wegen 
seiner äufsersten Incorrectheit nicht benutzt werden konnte. Die Veran- 
lassung zur Umstellung dieses Kapitels wurden wahrscheinlich die Worte 
T~ Ii8\ß\' "^^'^^che zum Titel hinzugefügt sind und es so mit Ka- 
pitel 37 in Beziehung bringen. 



133 

Kap. 39. 

Findet sich in 5 Texten, von denen jedoch einer, La, wegen der 
schlechten Erhaltung des Papyrus an dieser Stelle nicht zu gebrauchen 
■war. Dies Kapitel steht an sehr verschiedenen Stellen. Zwei Urkunden, 
Ca und P6, haben es bei 65; zwei andere, Ba und Lb, stellen es vor 
oder nach 40. Es hat sich in S in gleicher Ausdehnung erhalten. 



Kap. 40. 

Dieses Kapitel ist nicht häufig; von den Vignetten ist nur die eine 
in Le erhalten, welche ich aufgenommen habe. In dem Grundtexte be- 
ginnt es mit einem Paragi'aphen , der sich weder in <S noch auch in Ba 
findet, und das bekannte Kapitel fängt erst Zeile 7 an, wo es durch 
11 rt ; eingeleitet wird. Die Stelle dieses Kapitels ist in L h zwischen 
38 B und 39 und in Ba zwischen 39 und 32. 



Kap. 41. 

Dieses Kapitel hat nur in Ph eine Vignette, es ist ein wenig um- 
fangi'eicher als in .S. In Pb und Ca geht es 42 vorher, was demnach 
wohl sein normaler Platz ist. Man wird bemerken, did"s die Zusammen- 
stellung des Onnophris mit Tinn, die in S zu Anfang oder in den ersten 
Zeilen vorliegt, sich in dem alten Texte nicht findet. 

Kap. 42. 

Ein wichtiges Kapitel, welches viele Urkunden gewähren. Es trägt 
denselben Titel wie das vorhergehende, nur dafs die Örtlichkeit, wo man 
die Verwundungen abwelu't, statt des Cherneter vielmehr i ^ ® 

ist. Der Titel ist von dem in .S, wo der geographische Name mangelt, 
sehr verschieden. Abgesehen von den Darstellungen der verschiedenen 
im Verlaufe des Kapitels erwähnten Gottheiten, hat es dreierlei Vignetten. 
In Pb sieht man den Verstorbenen vollständig nackt vor Osiris; in PJ 
hält er an einem Stricke etwas wie ein Rückgrad; in zwei andern Pa- 



134 

pyren encUicb stL4it er vor einer Schlange. Als Grundtext haben wir Ca 
genommen, welcher das vollständige Kapitel enthält. Zu den Texten, 
welche die meisten Varianten darbieten, gehört der Papyrus Busca; doch 
inufs man die Beschafienheit desselben beriicksichtiaen, die nur eine vor- 
sichtige Benutzung gestattet. Die Hälfte der Texte, welche den Anfang 
des Kapitels geben, brechen nach der Beschreibung der Körpertheile ab 
und nur drei gelangen bis ans Ende. Die Stelle, welche 42 in der Rei- 
henfolge der Kapitel einnimmt, ist keine feste. Zwei der besten Texte, 
Ca und Pb, stellen es zwischen 41 und 14. In Pb bildet die Fach- 
schrift zu 42 mit dem Titel zu 14 eins, wie bei diesem Kapitel bemerkt 
worden ist. 

Kap. 43. 

Ein kleines Kapitel ohne Vignette, welches mit dem Kapitel vom 
Herzen 30 A in Beziehung gebracht zu sein scheint, denn in Ca geht es 
diesem vorher und in Lb folgt es ihm. Dies ist das dritte Kapitel, wo 
in >S neben dem Namen des Osirls der des Onnophris in einem Königs- 
schilde steht. Diese Eigenthümlichkeit haben unsere Texte nicht, an den 
drei Stellen steht der Name Osiris allein und Onnophris erscheint nur 
ein einziges Mal in Ilc, Kap. 42, Z. 7. 

Kap. 44. 

Als Grundtext ist der Papyrus Mallet genommen, der vollständiger 
ist als die übrigen, obwohl ihm zu Anfang etwas fehlt. Auch dies Ka- 
pitel ist ohne Vignette. Zwei andere Kapitel, von denen eines von er- 
heblicher Länge ist, tragen denselben Titel: sie sind unter No. 175 und 
176 gestellt. 

Kap. 45 uud 46. 

Finden sich beide nur einmal, das erstere in Ca zwischen 74 und 
93, das andere in Aa zwischen 23 und 100. Kap. 46 weicht von dem 
Texte in S bedeutet ab. 



>:)5 

Kap. 47. 

Stellt zwischen 109 und 103 mit einem von S sehr vei-schiedenen 
Texte. Die Ähnlichkeit mit 103, welche in .S noch merklicher als in 
unserm Texte ist, beweist, dafs dies Kapitel derselben Familie sind. 

Kap. 48 und 49. 

Diese Kapitel kommen in S ein erstes Mal iintc-r 10 und 11 vor. 
Kap. 49 habe ich nicht wiedergefunden; 48 steht nur in Aa und zwar 
in der Nähe von 47, von dem es nur durch 103 und 76 getrennt ist. 
Ans diesem Grunde habe ich No. 48 beibehalten. 

Kap. 50. 

Findet sich in Aa in zwei sehr ähnlichen Redactionen, von denen 
die eine zwischen 5 und 96 und die andere zwischen 44 und 38 A steht. 
Der Text in ..4« weicht von dem in S erheblich ab, dem sich dagegen 
Ae mehr nähert. Das mag an dem verschiedenen Ursprünge dieser bei- 
den Papyri liegen, wie wir oben bemerkten; der eine kommt aus Theben 
(.4 c) und der andere aus Memphis (-4«). 



Kap. 51 und 52. 

Fehlen. 

Kap. 53. 

Von diesem haben wir nur zwei Exemplare: in Lb steht es zwi- 
schen 38 A und 119, in Ph zwischen 63 und 125. 



Kap. 54 bis 59. 

Mit Kap. 54 konnnen wir zu dor Reihe der Kapitel von den 
„Hauchen-, welche - — ^ y^ i V i -'^«^" Hauch geben* oder H ' /y y^i i i 
„die Hauche athmen* betitelt sind. 6' hat 5 derartige Kapitel. Obschon 
58 in den alten Papyren nicht vorkommt, so enthalten sie doch gleich- 



136 



AAAAAA 



falls 5 Kapitel, weil auch 59 mit dem Zusätze () ^^ 1_=fl ^^ '•^'^^ „das 
Wasser empfangen" dazu geliöi-t. Es wurde schon gesagt, dafs nach 
mehreren Texten auch 38 B in diese Categoric einbegriffen wird. Nur 
in S existiert die Gruppe als solche; in den alten Texten sind diese Ka- 
pitel mehr oder ^yeniger zerstreut. Was hier wie sonst die saitischen 
Revisoren zur Zusammenstellung der Kapitel veranlafst hat, das ist die 
Gleichheit oder die grofse Ähnlichkeit der Titel. 

Kap. 54 kommt nur einmal vor, ziemlich am Anfange von Pa 
zwischen 180 vmd 55. 

Kap. 55 findet sich in zwei Papyren; in Lb vor 38 B und hinter 
117, in Pa zwischen 54 und 38 A. 

Kap. 5G und 59 sind nur durch die ersten Worte verschieden 
imd sind deshalb in den Varianten (p. 125) zusammengezogen worden. 
Ein starker Strich trennt 59 auch nur so weit, als der Text von 56 
unterschieden ist. Kap. 5G ist viel häufiger als 59, da es in 5 Papyren 
vorkommt, von denen allerdings Ai wegen der Verstümmelung des Textes 
nicht zu benutzen war. In Aa findet es sich sogar zweimal, einmal 
zwischen 87 und 88. Ai bringt es auch mit 88 in Berührung, während 
zwei andere Texte, Pb und Ax, es hinter 62 stellen. Kap. 59 kommt 
nur in Ba zwischen 117 und 137 A vor. 

Kap. 57 existiert dreimal. In Pb, welcher als Grundtext dient, 
hat es keinen besondern Titel und folgt auf 56 mit dem einleitenden 

ni N. In An steht es zwischen dem unvollendeten 17. Kapitel und 
92. Auch Ae hatte es mit einer zweiten, durch die Worte (] \\ |) an- 
geknüpften Redaction. Es ist zu bedauern, dafs uns dies Stück nur in 
schlechtem Zustande erhalten ist; denn es enthielt Angaben über die von 
mir sogenannte mythologische Geographie, z.B. in dem Satze ßü^^ 

^l^f^a^ie'r'^ "(I'^li S^^e '-^»0 i" Tat (dem Osten) und 
ich gehe unter in On, welches meine Wohnung ist". Das stimmt durch- 
aus zu der Bedeutung, welche oben diesen beiden örtlichkeiten beigelegt 
worden ist. 

Kap. 58 hat sich nicht gefunden. 



137 



Kap. 60 bis 63. 

Nach den Kapiteln von den Hauchen kommen die _vom AVasser- 
trinken". Dieselben weichen in den Titeln und in ihrem Umfange erheblich 
von einander ab. Der auf Taf. LXXII reproducierte Text vereinigt unter 
dem gemeinsamen Titel „das Kapitel vom Trinken im Cherneter" 61. GO 
und 62, die sonst getrennt sind. 

Fünf Papyri gewähren 60 und 61 oder eines dieser beiden Ka- 
pitel. Zwei Papyri, Ph und Pg, haben beide; 61 und 60 sind daselbst 
zu Einem unter demselben Titel vereinigt, sogar ohne ein trennendes 
fl I , so dafs 61 den ersten Satz des zusammengezogenen Kapitels 
bildet. Pf hat nur 60 mit demselben Titel wie 63 A ; und endlich haben 
Pd und Ph nur 61, jedoch unter einem durchaus verschiedenen Titel 
' Ndor ^s> z^ '. ^ V ''^ ^'''^^ NÄ „Das Kapitel zu verhindern, dafs der 
Geist jemandem genommen werde". Die Vignette in Pd entspricht die- 
sem Inhalte. 

Kap. 62 hat in den drei Texten, welche es aufser Ph darbieten, 
denselben Titel wie 61. 

Die gröfste Verschiedenheit herrscht in Bezug auf die Stelle, wel- 
che diese Kapitel einnehmen. Nur Pf und Pg stimmen darin überein, 
dafs sie dieselben vor 106 stellen. 

Das Kapitel, welches in S 63 ist, wird in zwei Theile zerlegt, 
deren jeder einen besondern Titel hat. Der erstere, 63 A , reicht bis zu 
_^ der 0. Zeile in S und trägt den gleichen Titel. Der andere, 63 B, 



AAAAAA 
AVuVW\ 



fängt an dieser Stelle an und ist betiteh 2^^^J^^s[| 
„Das Kapitel nicht zu kochen im Wasser". Obwohl diese beiden Kapitel 
ziemlich häutig sind, so hat sie doch kein Papyrus beide: die Vereini- 
gung zu einem einzigen ist nicht alt, da der Papyrus der Königin Net'emt 
nur 63 A aufweist. In vier Papyren {Pd, Ca, Pc, Pg) steht 63 A vor 105. 
Das scheint demnach sein bestimmter Platz zu sein. Von diesen selben 
Papyren stellen es drei hinter 92 und nur einer hinter 85. Man wird 
die verschiedene Lesart in dem Titel von Pd und Ca bemerken. 

18 



138 

Die Stelle von 63 B ist in allen Papyren, wo es sich findet, eine 
andere. 

Kap. 64. 

Ist eines der wichtigsten Kapitel des Todtenbuches, dem Mr. 
GuiEYSSE eine schöne Studie gewidmet hat^). Es ist ohne Zweifel sehr 
alt, da es sich schon auf dem Sarge der Königin Mentuhotep in zwei ver- 
schiedenen Redactionen findet. Das Kapitel trägt den allgemeinen Titel 
des Buches: S^^^^?^<!tlv -^""^ K^ntel vom Ausgange 
aus dem Tage im Cherneter". Die Kenntnifs dieses einen Kapitels scheint 
genügt zu haben nm derselben Vortheile theilhaftig zu werden, welche 
das ganze Buch verleiht, wenn man nämlich nneli dieser Variante des 
Titels urtheilen darf: "^ ^.T ? ^ S^ ^ ^ ? IkT tS -^Das 
Kapitel die Kapitel vom Ausgang aus dem Tage in Einem Kapitel zu 
kennen". Es ist also eine Zusammenfassung des ganzen Buches, oder 
hat, wenn es nicht die ganze Lehre enthält, wenigstens einen Werth, der 
dem Ganzen gleichkommt. 

Ebenso wie unter der XI. Dynastie giebt es in der thebaischen 
Epoche zwei Redactionen dieses Kapitels, von denen die eine viel kürzer 
als die andere ist. Der Papyrus Aa enthält sie beide; der Unterschied 
besteht hauptsächlich darin, dafs die kürzere Redaction (.4« bis) einzelne 
Sätze der andern auslälVt. Xur gegen das Ende werden die Abweichun- 
gen entschiedener; ich habe deshalb auch die Varianten jeder Version 
nicht gesondert verzeichnen zu sollen geglaubt, sondern habe sie in der- 
selben Übersicht vereinigt. Wir besitzen nur fiinf Exemplare des Kapi- 
tels, nämlich A(f, Fb, le und dann Ca und Aa bis; eins davon (Je) ist 
sehr verstümmelt. 

Wie oben gesagt wurde, ist die ^'erschmelzung der Kap. 04 und 
30 B in ein einziges neuen Datums; nur in einem Exemplare stehen sie 
bei einander, in Fb, welcher nach G4 Kap. 30 B mit diesen Worten ein- 



1) Ritucl fuueraire egyptien, cliapitre G4, par Paul Güieysse, Paris 1876. 



13ft 

leitet: ^^Ij ^ ^ ^ ,^_^^ ^^ i ^ ^^ 2i) i' ^^"" ^^^^^ gleichwohl cine beson- 
dere Vignette läfst. Eine der Versionen auf dem Sarge der Mentuhotep 
besagt, dafs dieses Kapitel unter der Regierung des Usaphai's von einem 
Maurer aufgefunden worden sei. Diese Überlieferung, welche nach der 
sehr richtigen Bemerkung Mr. Guieysse's^) weniger als die andere histo- 
rische Nachschrift den Character einer nachträglich ei'fundenen Erzählung 
träst, hat sich bis in die saYtische Revision erhalten. Wir finden dieses 
Köuigscliild in Ca und später in den Papyren der XXI. Dynastie wieder, 
in dem der Königin Net'emt, Leyden III, Berlin IX. Von den fünf Tex- 
ten dieser Ausgabe enthält es nur Ca in einer dw kürzern von ^4« (ge- 
nannt Aa bis) sehr ähnlichen Version. Ohne Frage ist dies Kapitel eines 
der ältesten: auch seine Varianten von einem Texte zum andern sind 
sehr bedeutend. 

Die Stelle, welche 04 in den Papyren einnimmt, ist keine fest 
bestimmte. In Aa geht die kürzere Version Aa bis der längern voraus 
und ist nur durch lOG und 137A davon getrennt. In Ca läuft der Text, 
entgegen der in den andern Kapiteln befolgten Richtung, von rechts nach 
links und hat, was in diesem Papyrus sehr selten ist, eine Vignette. Pe 
enthält den Titel und die Vignette zu G4; der Verstorbene und die auf- 
gehende Sonne werden über der Todtenkammer dargestellt, welche zu 
den Vignetten des 1. Kapitels gehört^). Aber man darf darin nicht mit 
Ch.\bas^) ein einziges Bild erblicken; es sind Gegenstände, welche zu 
zwei verschiedenen Kapiteln gehören, 1 und 64. 

Kap. 65. 

In .S' fängt Gö mit einem verschiedenen Titel ebenso wie 2 an. 
In dieser Form ist es in den alten Papyren nicht vorhanden. Dafür 
haben sie ein längeres Kapitel, welches denselben Titel trägt und aus 



1) Rituel etc. p. 11. 

2) Papyrus de Nebqed, pl. III. 

3) Notice sur le pire ein hrou p. 47 (Congres des Oriental, de Paris, vol. II). 



18' 



140 

diesem Grunde als 65. gezählt worden ist. Ich habe es in fünf der be- 
sten Texte dieser Ausgabe gefunden: Ca, welcher als Basis dient, Aa, 
Pb, Ta und /«. Es ist ein Stück, dessen Interpretation grofse Schwie- 
rigkeiten bietet: es enthält Anspielungen, deren Beziehung kaum ver- 
ständlich ist, und aufserdem wenig gebräuchliche grammatische Formen. 
Die einzige Vignette, welche wir finden, ist die Darstellung des Verstor- 
benen in Anbetung vor Ra, der als Gott mit Sperberkopf und Sonnen- 
discus dasitzt. 

Die Stelle dieses Kapitels wechselt sehr nach den einzelnen Ur- 
kunden. In zweien, Fb und Ca, steht es neben 39 und in zweien, Aa 
und Ta, in der Nähe von 133 und 134. 

Kap, %, 

Ein kleines Kapitel ohne Vignetten, welches sich nur einmal ge- 
funden hat, in Pf, wnä zwar zwischen 2 und 75. 

Kap. 67. 

Hat einen von S abweichenden Titel, mit Ausnahme von le, und 
ist ausfiihrlicher als in .S. Einmal, in Pb, folgt es auf 92, zu dem es 
in einer gewissen Beziehung steht. 

Kap. 68 bis 70. 

Diese drei Kapitel scheinen ursprünglich eins gebildet zu haben, 
denn sie werden blos durch die Worte |~^ ^^1 getrennt; und nur 68 
hat eine Vignette. Aufserdem haben die Papyri entweder die drei Ka- 
pitel in einer Folge oder sie haben nur 68; 69 und 70 wird man ein- 
zeln nicht finden. Die Vignetten sind von der in <S' sehr verschieden. 
Die in Pb stellt den Z. 9 — 10 beschriebenen Zustand dar: ..Ich sitze 



141 

unter den Zweigen dei* Bäume in der Nähe der Hatlior in der Abend- 
stunde 1)". 

Drei Papyri entlialtt.'n die vollständige Gruppe, Ca, l'b und la, und 
sechs liefern nur Kap. G8, nämlich Ba, Pd, Pc, Pk, Cb und Cd. Von 
diesen acht Texten stellen vier Kap. 68 oder seine Gruppe vor 92 oder 
ein Kapitel davon entfernt. In zweien, Ca und Pc, geht ihm 14 vorher, 
in dreien, Pd, Pk und Cd, Kap. 1. P>a hat ein einziges Kapitel mit dem 
Titel I -=^=^ _ im? welches zunächst aus dreien, 103, dann oline 



A^^^'v\ AA^^A^ ' 



Übergang 68 bis zur G. Zeile und endlich wieder ohne Übergang 117, 
zusammengesetzt ist. 

Kap. 70 Z. 3 wird man in dem Texte von Pc eine Umstellung 
bemerken. Ich habe weiterhin durch Parenthesen den Text kennzeichnen 
müssen, der in Pc da steht, wo sich die beiden geschlossenen Klammern 
befinden. 



Kap. 71. 

Der Text ist viel kürzer als in S und nach den Papyrcn ver- 
schieden. Wir haben fünf Exemplare des Kapitels, Aa, Ac, Ae, Ph und 
Pc. Von Ae sind nur einige kleine Bruchstücke übrig und das Kapitel 
schlofs mit Z. 5. In Ac bildete es wahrscheinlich den Anfang des Pa- 
pyrus; wir haben noch die letzten Worte des Titels, der ein allgemeiner 
gewesen zu sein scheint. Die Vignetten sind zweierlei; der Verstorbene 
wird entweder vor der Kuh Mehurt oder vor dem Sperber, welchen er 
Z. 1 anruft-, dargestellt. Was die Stelle des Kapitels anbetrifft, so haben 
es zwei Papyri, Aa und Ac, unmittelbar vor 106. Pc versieht es mit 
einer in S nicht befindlichen Nachschrift. 



') Wörtlich: „Zur Zeit des breiten Discus", womit das Aussehen der 
Sonnenscheibe vor ihrem Untergänge bezeichnet wird. Die Auffassung wird 
durch die Variante (I O cJi ^ ^ eig. „der alte Discus" bestätigt. 



142 

Kap. 72. 

Eines der häufigsten Kapitel, sowohl in den Papyren als auf den 
Särgen, welches dem Schlüsse von 99 sehr ähnlich ist. Die Vignetten 
sind sowohl unter sich als von S verschieden. Die drei Gottheiten von 
Pb und Ba sind ohne Zweifel die Götter, welche der Verstorbene Z. 2 
anruft. Was den zweiten Theil der Vignette in Ba angeht, so ist es 
die von 73 oder 9, welche ursprünglich, als man die Vignetten angefer- 
tigt hat, auf 72 folgen sollte, in Wirklichkeit aber nicht nur 73 voran- 
geht, sondern davon noch durch 148 getreinit ist. Die Nachschrift dieses 
Kapitels steht in «S hinter Kap. 1. Ebenso verhält es sich mit -4;; und 
La, welche 72 nicht enthalten; aber da in der Mehrzahl der Fälle Ka- 
pitel 1 ohne Nachschrift ist, so ist sie 72 zugetheilt und unter diesem 
sind alle Varianten vereinigt. Diese Nachschrift ist der von 99 sehr nahe 
verwandt und es ist anziehend, beide Stücke mit einander zu verglei- 
chen. Ein einziger Papyrus, Fe, hat die Nachschrift ohne Kap. 72; sie 
steht vor 132 und hinter 79, worauf sie sich nicht zu beziehen scheint, 
da kein andei-er Papyrus, selbst nicht S, diesem Kapitel eine Nachschrift 
geben. Kap. 72 hat keinen bestinnnten Platz; einmal, in Aa, steht es 
vor 99 und ehnnal, in Pb, folgt es ganz dicht auf 73 oder 9. 

Kap. 73 siehe 9. 

Kap. 74. 

Ein kleines Kapitel, welches zwei Papyri, Ca und Pc, neben 34 
und 35 stellen. Die Vignette in Pc ist die nämliche, wie die von A a 
zum 72. Kapitel — der Verstorbene mit dem Stabe in der Hand schrei- 
tend und in der Rechten den Knoten der Initiation haltend. 

Kap. 75. 

Dieses Kapitel findet sich in drei Pariser Papyren, Pb, Pf und PL 
Die beiden erstem stellen es unmittelbar vor 94, der dritte hinter 94, 



143 



indem er es nur durch 26 davon tn^nnt. Dies ist eines jener Kapitel, in 
dem die geographischen Namen im mytliologischen Sinne und keineswegs 
nach den Verhältnissen der irdischen Geographie zn verstehen sind. 



der 



Kap. 76. 

Dieses Kapitel steht in .S als Einleitinig zur folgenden Gruppe 
I (3 J; aber in den alten Papyren ist das durchaus nicht der 



Fall. Es ist übrigens ein sehr seltenes Kapitel, von dem wir nur zwei 
Exemplare haben, eines in Aa, wo es zwischen 103 und 48 und sehr 
weit von den ^ ^ jj^|j steht, und ein anderes in Ae auf einem Frag- 
mente vor 2 und 3. 



Kap. 77 bis 88. 

Wir kommen zu einer abgeschlossenen Gruppe, der der elf Ka- 
pitel über ..die Verwandlungen". Sie sind alle durch den Titel kennt- 



iicii : 



!^ 



j I 



oder ! 



\ 



! ^ oder endlich 



I M etc. Ich habe gesagt, dafs es elf gebe. Man weifs in der That 
nicht, warum 79 durch die saitische Redaction in diese Sammluno; ein- 
geschoben ist. In den alten Texten trägt dasselbe nicht nur einen ganz 
andern Titel, sondern findet sich auch keineswegs in der Nähe der andern. 

Im Papyrus Ad wird diese Gruppe nur durch ein einziges Ka- 
pitel vertreten, welches zwischen den Elysischen Gefilden und 136 steht 
und zunächst ein zwölftes zu sein scheint. Es trägt den Titel m 

\ 1 ' ^^ ^^ „sich in die Gans smen zu verwandeln". Aber 

wenn man den Text näher betrachtet, so sieht man, dafs es der von 95 
ist, welcher in andern Papyren unter einem ganz verschiedenen Titel er- 
scheint I /wwvN ,^,, rf „Das Kapitel bei Thoth zu sein". Die An- 
nähme, dafs es zu der Gruppe der elf Kapitel gehörte, ist daher un- 
begründet. 

Dafs sie eine bestimmte Gruppe bildeten, geht aus einem beson- 
dern Titel hervor, den sie in Ba haben und den ich ganz hersetze: 



144 

"W^ o '^^^ -vwwv i ° X I, ...SI ^l "I^^^' Anfang von den Verwandlungen 

Osiris, gesundes und starkes Leben, damit lebe seine Seele und 

sich erneuere sein Körper für immer und ewig''. Die diese Gruppe bil- 
denden Kapitel sind nicht immer vereinigt, sie können durch andere ge- 
trennt sein und manchmal selbst in ziemlich "rofsen Entfernuno-en zer- 
streut sein; indefs gewöhnlich folgen sie sich oder stehen doch nahe bei 
einander; es sind sogar die einzigen Kapitel, fiir welche man eine nahezu 
feste Reihenfolge herstellen kann. Diese Gruppe sollte ziemlich am An- 
fange der Papyri stehen, häufig finden sie sich dort, bei 17 und 148. 
Kein alter Papyrus hat alle elf Kapitel; der früheste, welcher die voll- 
ständige Reihe enthält, ist ein Papyrus der XXI. Dynastie, Leyden III. 
Die alten gewähren nur 9. Nach der folgenden, die Reihenfolge aller 
Kapitel nach den hauptsächlichsten Papyren angebenden Übersicht kann 
man leicht die richtige Ordnung herstellen und jedem seinen Platz anweisen, 
mit Ausnahme eines, welches seltener ist als die andern, 80 m \- 

\ '' I .^^1 ^ " — ° "^ ,, D® ^^^ ^ 'T^ «die Gestalt des Gottes anzunehmen, 

welcher die Nacht erleuchtet", d. h. sich in den Mond zu verwandeln. Die- 
ses Kapitel findet sich in Ta, welcher weiter keins hat, in Ae, in le 
(dem zweiten Theile von Ab), welcher aus zerstreuten und wohl kaum zu 
ordnenden Fragmenten besteht. Nur Pa bringt es in eine Reihenfolge, 
welche nicht die der übrigen Papyri ist. In dieser üngewifsheit stelle 
ich es an den Anfang der Reihe, von der es vielleicht durch andere 
Texte getrennt war. 

In den wichtigsten Papyren sind die Kapitel folgendermafsen an- 
geordnet: 

Aa 83, 84, 85, 77, 86, 81, ... 87, ... 88. 

.46 83, 84, 85, 82, 77, 8G. le 80, 87, 

Ac 83, 84, 85, 82, 77, 8G. 

Ba 83, 84, 77, 78, 81, 86, 87. 

Ca 83, 84, 85, ... 82, 77, 86. 

La 83, 84, 85, 82, 77, 86, ... 88, 87, 81. 



ö 



Pa 80, 82, 85, ... 77, 86, 78. 
Pb 78, 77, 83, 84, 85, 82, 86, 87, 88. 
Pc 83, 84, 85, ... 86, 87, 81. 
P/ 86, ... 81, ... 83, 85, 77. 
Pe 83, 84, 85, 82, 77, 86, 87, 88, 81. 
Pj 83, 84, 85, 77, 86, 87, 81. 
Wie man sieht, beginnt die grofse Mehrzahl mit 83, 84 und 85, 
welche nicht getrennt werden. Keiner beginnt wie .S mit 77. "Wenn 
man die seltener vorkommenden an ilirem Phitze einreiht, so ergiebt 
sich als die wirkliclie Reihenfolge der Verwandlungen die folgende: 
80, ... 83, 84, 85, 82, 77, 78, 86, 87, 88, 81. 
Kap. 77 ist eines der häufigsten, wir haben 16 Versionen davon; 
der Text weicht jedoch wenig von S ab. Ba bis, welches darunter steht, 
ist aus der Herstellung des am Ende in verkehrter Richtung copierten 
Textes gewonnen. 

Kap. 78 ist ein viel längeres und vielleicht deshalb selteneres Ka- 
pitel. Von sieben Exemplaren, die wir davon besitzen, sind nur zwei 
bis zu Ende geführt. Von Z. 14 bis 16 ist der Text in Pg und Ij 
länger; auch ist der Text an dieser Stelle auf zwei Columnen vertheilt. 
Es kommen zwei mit ^^^^ ^ beginnende Sätze vor statt des einen, wel- 
chen die Basis hat; von diesen beiden Sätzen hat der wie der Grund- 
text anfangende einen verschiedenen Schhifs und vice vei'sa. 
Kap. 80 ist oben besjjrochen worden. 

Kap. 81 hat zwei verschiedene Versionen. Die eine, 81A, ist die 
gewöhnhche, die andere, 81 B, dem Papyrus Le eigenthümlich , mit dem 
ich auch hier eine Ausnahme gemacht habe. Dieses Kapitel 1st weniger 
incorrect als es die Urkunde im allgemeinen ist. Nicht der Verstorbene 
selbst, sondern seine Frau wird diesmal genannt. 
Kap. 82 hat in Ae einen Zusatz. 

Kap. 83 liat nur in Pa eine in .S nicht vorhandene Nachsclu'ift. 
Kap. 84 ist dagegen in den alten Texten ohne die in S befind- 
liche Nachschrift. Fb, PJ, und Ba fangen erst mit der dritten Zeile an. 

19 



146 

Ebenso verliielt es sich mit Aa, der jedoch wegen der Schadhaftigkeit 
des Papyrus nicht benutzt werden konnte. 

Kap. 85 hat fast ebenso häufig die Vignette des AYidders als die 
des Vogels mit Menschenkopf. Am seltensten ist die von Fe, welche den 
mumificierten Körper zeigt. Co hat sie in Kap. 89 fast gleich. 

Kap. 86 ist in vier Papyren mit einer Nachschrift von ungleicher 
Länge versehen; die in Pa ist der in S ähnlich. 

Kap. 88. Im Titel wird das Krokodil gewöhnlich ^ P | 



und manchmal j ^ .^^^^ genannt. Diese Variante findet sich in dem Pa- 
pyrus Ar, den ich nicht benutzt habe. 

Wie man hat ersehen können, umfafst die Gruppe der m ^ Im ' 
die Kapitel, welche vielleicht die häufigsten des Todtenbuchs sind. Ob- 
wohl sich keins auf dem Sarge der Königin Mentuhotep findet, so ist 
doch schwerlich anzunehmen, dafs nicht wenigstens einige sehr alt sind 
und auf den Ursprung des Buches zurückgehen. Sicher ist, dafs die Ver- 
storbenen viel darauf hielten die Abschrift zu besitzen; vielleicht galt sie 
ihnen als Gewähr, dafs sie des in den Nachschriften so oft erwähnten 
Vorrechts theilhaftig würden, alle Formen welche sie wollten anzunehmen; 
imd unter vielen wählten sie gern diese elf aus, welche die von Gott- 
heiten, Pflanzen und heiligen Thieren waren. 

Kap. 79. 

Gehört nicht zu der Gruppe der Verwandlungen; es unterschei- 
det sich von ihnen durch den Titel und M'ird nirgends in die eben be- 
sprochene Reihe eingestellt. In Pa ist es umfangreicher und mit einem 
ganzen Anhange versehen. Die Stelle, welche es einnimmt, ist in allen 
Papyren verschieden; indessen möchte es scheinen, dafs es gegen das 
Ende hin gehört. In Pa folgt es auf 150 und beendigt den Papyrus. 

Kap. 89. 

Ist viel kürzer als in S; es bricht vor der Anrufung in Z. 4 ab. 
Dieselbe fehlt in dem Papyrus der XXI. Dynastie, Leyden III; indefs 



147 

habe ich es in einem Londoner Papyrus der jj ^^ ^v ^^^ \^ gefunden, 
welcher vermuthlich aus derselben Zeit ist. Von den vier benutzten Pa- 
pyren stellen drei Kap. 89 hinter 92 und einer, Pd, davor. In der That 
ist in 92 von der geflügelten Seele die Rede, die aus ihrem Grabmale 
hervorgeht; also nimmt man wahrscheinlich an, dafs sie sich darnach mit 
der Mumie vereinigt. Kap. 89 und 92 müssen zusammen studiert werden. 

Kap. 90. 

Ich habe es nur ein einziges Mal, in dem Papyrus von Marseille, 
gefunden, wo es vor 155 steht. Die Vignette ist durchaus verschieden 
von der in S. 



Kap. 91. 

Dieses kleine Kapitel wurde nicht für unbedeutend gehalten, da 
es allein in Ca di'eimal vorkommt; und selbst diese Wiederholungen sind 
nicht nach demselben Original gemacht worden, da das Wort ba in der einen 
■^-Ti, in der andern * i*^ und in der dritten ''^ geschi'ieben wird. In 
demselben Papyrus findet es sich einmal zwischen 93 und 41, ein ande- 
res Mal hinter 64 am Ende des Recto und vor 82, welches das erste 
Kapitel auf dem ^'erso ist; und ein drittes Mal z^vischen 114 und 136. 
Kerne der drei andern Urkunden hat ihm ehie dieser Stellen gegeben; 
sie weichen darin unter sich alle ab. 



Kap. 92. 

Ein häufiges Kapitel, von dem wir zehn Exemplare besitzen; 
keins enthält die Nachschrift von .S. Von den Beziehungen dieses Ka- 
pitels zu 8 ist schon gesprochen worden. Unter den Papyren, welche 89 
nicht enthalten, stellen zwei, Pb und Ca, 92 hinter die Gruppe 68 — 70 
und zwei andere, Ca und Pg, vor 63 A. 

19* 



148 

Kap. 93. 

Ein nicht sehr seltenes Kapitel, welches durch die seltsame Vignette 
in Fb bemerkenswerth ist. Es ist nach vier Papyren wiedergegeben, Ae^ 
Pb, Ca inid Ba. Nur Fh stellt es in die Nähe von 94, von dem es 
durch 75 geschieden ist. 

Kap. 94. 

Dieses ist das erste der drei Kapitel, in denen besonders von 
Thoth die Rede ist. Es ist das Kapitel „zu verlangen das Tintefafs und 
die Sclu'eibtafel". Dies ist einer der seltenen Fälle, wo der Grundtext Ae 
entnommen wurde. Das Kapitel findet sich in vier andern Exemplaren, 
von denen es zwei, Fb und Ff, hinter 75 stellen, d. h. hinter die Ankunft 
in On. In der That wird hier '^^ J] einer der Priester dieses Ortes 



angeredet. Fi stellt es etwas vor 75, d. h. trennt es davon durch 26. 



Kap. 95. 

Mit Ausnahme von Fb, wo 95 unmittelbar auf 94 folgt, ist die- 
ses Kapitel im allgemeinen vom vorhergehenden sehr entfernt. Zwei Pa- 
pyri, Ca und Fe, stellen es hinter 105, dem es nahe verwandt zu sein 
scheint. Ad giebt 95 zwischen 110 und 136 unter einem ganz andern 
Titel ^ ^ ]l 1 I .^St ^= '^^^'^ Form der Gans smen anzunehmen", 

und versieht diesen Titel mit einer Vignette, deren Farben im Original 
sehr glänzend sind. Die wichtigste Variante ist der Name des Gottes 
Num Z. 2. Sonst ist der Text von Ad allen übrigen ähnlich. Es ist 
wahrscheinlich, dafs Titel und Text nicht zusammengehören. Vignette 
und Titel waren für einen von dem copierten verschiedenen Text vorbe- 
reitet, der verloren gegangen ist. Dieses Kapitel ist von Birch veröffent- 
licht worden'). 



1) Ägyptische Zeitschrift 1869 p. 25. 



149 

Kap. 96 nud 1)7. 

Hier liabeii wir es wieder, wie bei der Gruppe 68 — 70, mit einem 
einzigen Kapitel zu tluin. Es findet sich nur in zwei Papyren, von de- 
nen Aa es zweimal und jedesmal mit anderm Titel und anderer Vignette 
einfügt. Einmal, wo es zwischen 115 und 117 steht, ist es ebenso wie 
in S betitelt und hat eine dem Texte entsprechende Vignette. Dieses 
Exemplar ist reproduciert worden. Ein zweites Mal (Aa bis) ist es zwi- 
schen 104 und 173 ehifj-erückt und heifst ' ® 'wt' v cj) ' fil ^ mit 
einer Darstellung des Ra in seiner Barke. Dieser letztere Titel sollte 
der von 115 sein; wirklich ähnelt er dem von HG in S am meisten, 
aber wir werden weiter unten sehen, dafs dieser Titel im Turiner Todten- 
buche fehlerhaft ist und dafs statt |l vielmehr - ^ ^ zu lesen ist. Auch 
in Aa bis mufs ein Fehler des Abschreibers vorliegen, denn dies Kapitel 
hat keineswegs die Form jener, welche von der Kenntnifs der Geister 
dieser oder jener Ortlichkeit handeln; dieselben machen die Geister oder 
die Gottheiten namhaft, was hier nicht der Fall ist. Aufser in Aa kommt 
dieses Kapitel nur iu At zwischen 5 und 117 vor. Der Titel ist zerstört; 
aber es geht wie in der normalen Version in Aa 117 vorher. 

Kap. 98. 

Dieses Kapitel, welches in .S 7 Zeilen hat und mit einer Vignette 
versehen ist, hat sich nur in Ab wiedergefunden, noch dazu in sehi' ver- 
stümmeltem Zustande. Es steht zwischen 86 und 99. 

Kap. 99. 

Eines der fundamentalen Kapitel des Todtenbuchs, welches ebenso 
häufig wie 17 und fast so häufio; wie 125 vorkommt. Ich habe es in 
den zu dieser Ausgabe benutzten Papyren zwanzig Mal gefunden, einige 
Male allerdings luu- in einem kleinen Fragmente, das sich nicht benutzen 
liefs, aber doch genügte um das Vorhandensein des Kapitels zu bezeugen. 



150 

Man kann sich die Wichtigkeit dieses Kapitels erklären, wenn man sich 
die unter den Ägyptern verbreitetste Idee von den Gottheiten vergegenwär- 
tigt. Sie stellen sich die Götter und besonders den Sonnengott in seiner 
Barke einherschifFend vor. Die langen Darstellunoen, welche die Kömss- 
grüber schmücken, enthalten zunächst die Beschreibung der Phasen, welche 
die Fahrt der heiligen Barke durchläuft. Wenn nun der Verstorbene dem 
Ra gleichgestellt wird, so mufs er natürlich eine der des Gottes analoge 
Existenz haben. Deshalb ist das Kapitel von der Barkenfahrt eines der 
Lieblingskapitel. Hier wie in der Schlufsrede zu 125 ist die unerläfsliche 
Bedingung zum Eintritt in diese Barke die Kenntnifs des Namens der 
verschiedenen Theile, aus denen sie besteht und deren jeder einen mysti- 
schen Namen hat. Darnach kommt eine dem 72. Kapitel ganz ähnliche 
Anrufung, die sich an nicht sichtbare Gottheiten wendet, vielleicht an 
die Wesen, welche die Fahrt der Bai-ke erleichtern sollen. Darauf folgt 
eine lange Nachschrift lun alle Vortheile zusammenzufassen, welche der 
Verstorbene in seinem Aufenthalte in der andern Welt erlangen kann. 
Kap. 99 bildete ein Ganzes für sich, es ist eins der vollständigen, in 
sich abgeschlossenen Bücher, deren es im Todtenbuche mehrere giebt. 

Ph schickt diesem Kapitel ein langes Stück voraus, welches ich 
Einleitung genannt habe und in welchem mit Hülfe der Pronomina inter- 
rogativa U — -^ ^ und ^n~ Fragen an den Verstorbenen gerichtet 



werden. Dies Stück existiert in keinem andern Papyrus und bereitet 
der Erklärung grofse Schwierigkeiten. 

Die Vignetten zu 99 bringen alle verschiedene Formen der Barke 
zur Darstellung. In Ah, dessen Vignette fast zerstört ist, sieht man auf 
dem SchiiFsvordertheil einen Mann mit einem Stock in der Linken stehen. 

Über seinem Kopfe liest man ü ^^ ^ ^^5 ein Wort, welches Kap. 109 

Z. 4 und 149 Z. 11 mit Varianten wiederkehrt mid den Schiflfsführer, den 
Reis der arabischen Barken, bezeichnet. 

Die Stelle, welche Kap. 99 einnimmt, wechselt, was in der Wich- 
tigkeit der Urkunde seinen Grund hat. Die grofsen Papyri, wie .1« oder 
C«, schieben zwischen die langen Kapitel eine grofse Zahl kleiner ein, 



151 

welche in den sich auf <las Wesentliche beschränkenden Urkunden nicht 
vorkomaieii. Man kann behau[jten, dafs die eigentliche Stelle von 99 hin- 
ter den Kapiteln von den W % u ^ j ist und dafs man es dort am häu- 
figsten findet, so in A(f, A/j, Ac, Ca, Fa, La. Auf 99 folgt manchmal 
102, ein Kapitel derselben Ai't {Ah, Ac). Häufig folgt auch, wenn der 
Papyrus nicht sehr lang ist, eines der grofsen Kapitel vom Ende, 110 
oder öfter 125. Eine feste Ordnung darf man in den alten Papyren 
ohne Zweifel nielit suchen; die Zusammenstellung ist mehr Sache der 
Gewohnheit und diese kann nur wichtige Kapitel betreffen; aber aus allem 
bisher Beobachteten ergiebt sich als eigentliche Reihenfolge: Anbetung des 



Osiris, 1, 15, 17, 18, die §^| 



I und 99. 



Kap. 100 oder 129. 

Dieses Kapitel ist in S zweimal und mit fast gleicher Vignette 
vorhanden; nur das Emblem des Ostens findet sich das zweite Mal nicht. 
Dieses Kapitel hat Aa dreimal, aber immer ohne die Nachschrift, wel- 
che es in den andern Papyren hat. In mehreren Texten geht dies 
Kapitel der Handlung „des Aufstellens des g und des Befestigens der 
Schleife O^ voraus; es giebt dem Verstorbenen die Fähigkeit seine Fahrt 
zu lenken, wohin er will. \\\ einer der Versionen in Aa steht 100 vor 
155 und 156, den Kapiteln, welche diese Amulette behandeln. Die häu- 
figste Stelle des 100. Kapitels ist hinter 125. In zwei Papyren (Ra und 
PU) steht es neben 99. Die Vignetten bringen im allgemeinen mehrere 
Gottheiten in der Barke stehend und hinter dieser den Verstorbenen zur 
Abbilduno". 



o 



Kap. 101. 

Fehlt. 

Kap. 102. 

Ein anderes Kapitel, welches sich auf die Barkenfahrt des Ver- 
storbenen bezieht. AVie schon erwähnt, berührt es sich mit Kap. 7, 



152 

welches den gleichen Gegenstand behandelt. Es findet sich in 9 Papyren. 
Auch hier scheint es wie bei den Kapiteln der Verwandlungen oder bei 
denen von den Hauchen, dafs man nach der Art des Gegenstandes classi- 
ficieren wollte; denn alle Kapitel um 102 haben auf die Barkenfahrt des 
Todten Bezug. Kap. 102 folgt dreimal auf 99, in Ab, Ac, Pe. Dreimal 
steht es in der Nähe von 136, von dem es nur durch 7 getrennt wird. 
Zu den Kapiteln einer andern Gruppe, neben denen es sich findet, ge- 
hört 38 A, dem es zweimal vorhergeht. 

Kap. 10:3. 

Sehr kleines Kapitel, welches in drei Urkunden vorkommt. Ba 
hat daraus den ersten Satz eines aus 103, 68 und 117 zusammengesetz- 
ten Kapitels gemacht. Aufserdem findet es sich in Aa zwischen 47 und 
76, und Ca, welcher es ganz am Ende zwischen 150 und 117 ehu'eiht. 

Kap. 104. 

Findet sich auch nur in drei Urkunden: Aa stellt es zwischen 48 
und 96 — 7 und Ca zwischen 95 iind 114. In Ae läfst sich die Reihen- 
folge nicht feststellen. Die Vignette bestätigt vollkommen die Bedeutung 
„zwischen", welche Le Page Renouf für die Präposition '|r^^'^_V 
vorgeschlagen hat^). 

Kap. 105. 

In Kap. 105 bringt der Verstorbene seinem | Jj Opfer dar. Die- 
ses Wort ist von Maspero und Le Page Eenouf als „double, Doppel- 
gänger" ei'klärt worden. Es ist hier nicht der Ort, den genauen Sinn 
dieses Ausdrucks, dem man, wie ich glaube, eine zu enge Bedeutung 
untergelegt hat, zu erörtern. Ich mufs nur kurz bemerken, dafs das j 
ein Theil der Person ist und mit J \ ^ r^^^ Lebensdauer" parallel 



^) Transactions of the Society of Biblical Archaeology II, p. 305. 



stellt. Es bedeutet also etwas, dem das Leben seine Erhaltuno- vlt- 
dankt, was das Individuum dauern und in der Existenz verharren läfst. 

Die Vignetten unterscheiden sich wenig von der in .S; nur Aa 
hat die Darstellung eines Opfers, welches der als .SVm-Priester gekleidete 
Sohn seinem Vater und seiner Mutter darbringt. 

Die Basis ist Fd entnommen. Der Text kommt 7 Mal vor. In 
Aa steht 105 vor einer Reihe von Kapiteln, welche von der Verleihung 
der zur Existenz nothwendigen Kürpertheile an den Verstorbenen han- 
deln, nämlich 30B, 26, 22, 23. In Pc steht es vor 42, aber bald dar- 
auf finden wir auch 26, 30B und 22. Viermal folgt es auf 63 A und 
zweimal steht es vor 95. 

Kap. lOG. 

Ein kleines Kapitel, welches in Aa dreimal vorkommt. Es liefert 
einen neuen Beweis, dafs die geogi-aphischen Namen nicht immer Inich- 
stiiblich zu nehmen und als irdische Örtlichkeiten zu verstehen sind. 
Dieses Kapitel heifst „das Kapitel Opfer in Memphis darzubringen-, und 
eine Version fügt hinzu Ijk, Vjl ""^^ Cherneter". Man mufs daher an- 
nehmen, dafs es in der andern Welt ein Memphis giebt, wie sie ein 
Heliopolis hat. Eine Version dieses Kapitels ist von Lepsius nach dem 
Grabe des | \:^ ^ publiciert worden (Denkmäler HI, 25). Das Kapitel 
hat sich 7 Mal gefunden. Ca fängt damit an. Zweimal, in .4« und Ac^ 
folgt es auf 71 und zweimal, in Ff und P</, auf 60. 

Kap. 107. 

Ist nicht aufgefunden worden, besteht übrigens auch in S nur aus 
einem Satze von 109 oder 149 b. 

Kap. 108 l)is 116. 

. Wir kommen zu einer durch 110 unterbrochenen Reihe, deren 
Kapitel alle den Titel i f "^^ mit dem Zusätze eines Ortsnamens 
haben. Die Gruppe hat eine bestimmte Reihenfolge : 

20 



154 

Aa 114, 112, 113, 108, 109. 

lb 114, 112, 113, 108, ... 

la 114, 112, 108, 109. 

Pe IIG, 109. 

Pf 116, 108, 109. 
Vom Papyrus Ae sind Fragmente derselben Kapitel übrig, welche 
A a enthält; die Reihenfolge war wahrscheinlich die gleiche. Sie stimmt 
auch gänzlich in Au und Ja überein, von denen der eine memphitisch, 
der andere thebaisch ist. Die normale Ordnung ist demnach: 114, 112, 
113, 116, 108, 109. 

Kap. 108 ist dasselbe wie 111; in S unterscheiden sich die beiden 
hauptsächlich durch den Titel. Der von 111 findet sich in den alten Pa- 
pyren nicht. Es ist hier von den Geistern des Westens die Rede und doch 
wird wie an andern Stellen des Todtenbuchs der Berg J ^^^ «-=- ^ ^^^.^ 
erwähnt, welcher gewöhnlich in den Osten verlegt wird. Aufser in den 
vorhin erwähnten fünf Papyren findet sich 108 in Ba, und zwar hinter 
29 B als letztes der correct geschriebenen Kapitel dieses Papyrus. 

Kap. 109 ist mit 149 b fast gleichlautend. Es fängt erst mit Ka- 
pitel 149 Z. 9 an, aber es hat am Ende die Benennung der Geister des 
Ostens, welche 149 fehlt. In ic geht 109 dem Kap. 110 voraus. Diese 
Urkunde stellt vor die Elysischen Gefilde, ein kleines Kapitel, welches 
aus ehizelnen Sätzen des einen und des andern gebildet ist und als 



Titel hat: J.. ^^ -=> ffl i fj ^ T T ®- ^s bricht 109 Z. 6 ab 
und schliefst mit den AVorten: ^|^7^2°j3^/1^|M;-^ 

H^ ^ -^-J|£i^DÄ^olJ]5l}^• '"^ ^"gt <hesem Kapitel noch ein Stiick 
hinzu, welches sich in den alten Papyren nicht findet. 

Kap. 112 und 113 sind die Kapitel, welche die Horuslegenden 
erzählen und die Ereignisse, zur Erinnerung an welche die vier Genien 
der Cardinalpinictc eingesetzt wurden, zwei in ^, Mesta und Hapi, und 
zwei in ^ , Tuamutef und Kebhsenef. Diese Kapitel sollten auch in Fa 
vorgekommen sein, aber nur der Titel des ersten ist erhalten geblieben, 
Sie waren beide auch im Grabe des Chaemha zu Theben vorhanden, aber 



-f ■* ^ 

113 ist YoUstäudig zerstört. Diese bemerkenswertlien Texte sind der 
Oeeenstaiul einer schönen Arbeit Lefkbure's sewesen^). 

Kap. 114 und IIG. Es giebt zwei Kapitel von der Kenntnifs der 
Geister von --^ Hermopolis. Offenbar ist der Titel des 116. Kapitels 
im Turiner Papyrus fehlerhaft, da in der letzten Zeile die Götter von 
Hermopolis erwähnt werden, deren erster Thoth ist. Dieser Fehler ist 
dem Turiner Texte eigenthilmlich, denn er findet sich nicht in dem von 
Leemans publicierten hieratischen Papyrus in Leyden, noch auch in dem 
von E. DE RouGK veröffentlichten Pariser. Kap. 114 ist viel häufiger; 
wir haben es in fünf Texten, Aa, Ae, la, Ib und P?», während 116 
sich nur in drei Urkunden an den für Pe und Ff schon bezeichneten 
Stellen findet. In Ca, wo es der einzige Vertreter der ganzen Reihe ist, 
steht es zwischen 104 und 91. 

Es ist zu bedauei-n, dafs sich 115 nicht besser erhalten gefunden 
hat, als in den wenigen Bruchstücken von Sätzen in Pm, einem Papyrus 
aus sehr guter Zeit. Abgesehen von der Wichtigkeit, welche dieses von 
den Geistern von Heliopolis handelnde Kapitel hat, hatte es wahrschein- 
lich, nach dem Wenigen, was wir davon wissen, zu urtheilen, eine von 
S ziemlich verschiedene Redaction. Ein Theil dieses Kapitels hat sich 
auf einem Steinsplitter erhalten, ziemlich nachlässig geschrieben, aber 
doch aus der Zeit der XVIII. Dynastie 2). 



Kap. 110. 

Das 110. Kapitel zerfällt in zwei Theile. Der erstere ist ein lan- 
ges Stück und weit ausführlicher in den alten Texten als in >S; der Vei-- 
storbene wendet sich darin an die verschiedenen Theile der Elysischen 
Gefilde, zu denen er gelangen wird. Vorauf geht ein langer Titel, in 
welchem alle Beschäftigungen aufgezählt sind, denen er obliegen, und 



1) Les yeux d'IIorus, Paris 1874. 

2) Un ostracoü egyptieu, Aunales du Musee Guimet I, p. 51. 



20' 



156 

alle Vergnügungen, die er sich zu gestatten gedenkt. Häufig findet sich 
der Einleitungstext nicht in seiner ganzen Ausdehnung. Nur vier unserer 
Papyri haben ihn zu Ende geführt. Oft genügt die Darstellung der Elv- 
sischen Gefilde. Diese Darstellung ist fast in allen Papyren die gleiche; 
sie unterscheidet sich nur durch die begleitenden Texte, für die auch 
allein die Varianten angegeben sind. Die verschiedenen Gegenden der 
Elysischen Gefilde werden von Streifen von Zickzacklinien, der gewöhn- 
lichen Darstellung des Wassers, durchschnitten. Das will sagen, dafs 
der Aufenthalt der Glückseligen nach der Vorstellung der Ägypter wie 
der anderer Völker auf Inseln ist. i \>\ ^^i^ a^ aa.^ n 1 ^3 

MI"? fl m-^^ ^ 1 I 1 ® ••^'' ^^'^^1'*^ ^^'^^ ^^^'^^ '^'O'^^ Cherneter zu den In- 
seln der Elysischen Gefilde", heifst es auf einer Stele der X^^^. Dy- 
nastie (Denkmäler m, 114, i). 

Wir haben 16 Texte dieses Kapitels, von denen vier nur das Bild 
der Elysischen Gefilde darbieten. Einige sind sehr kleine Fragmente wie 
AI und Am. Der Gefälligkeit Mr. Bouriant's verdanke ich eine Copie 
von Tb, einem Texte, der seitdem veröffentlicht worden ist^). Um den 
Text von Pd benutzen zu können, habe ich ihn erst umkehren und die 
Zeilen in der gewollten Länge herstellen müssen; denn er ist von einem 
Ende bis zum anderen fehlerhaft und die Einleituns; folgt der Darstellung 
der Elysischen Gefilde statt ihr vorherzugehen. 

Obwohl die Stelle des 110. Kapitels vielfach wechselt, so ist es 
doch wichtig zu bemerken, dafs es in sieben unserer Texte (Ad, Aj), ßa, 
Ik, Pd, Pe und La) hinter 125 steht. Wenn man also der Reihenfolge 
der Kapitel eine Bedeutung für die Lehre beilegen könnte, so würde 
daraus folgen, dafs man, um in die Elysischen Gefilde zu gelangen, die 
Prüfung des Gerichts über sieh ergehen lassen mufste. In mehreren an- 
dern wichtigen Urkunden, wie Aa, Lc und Pb, trifft diese Annahme 
jedoch nicht zu. 



^) Von LoRET in den Memoires pnblies par les membres de la Mission 
archeologiqne fraufaise au Caire I, p. 125. 



ir>7 



Kap. 117 bis 119. 

Til diesen drei Kapiteln sagt der Titel, dafs es sich um die 
I III l^^:^ g-eiiannte Ortliclikeit handelt, welche ohne Zweifel im AVesten 
gelegen war. Nach der Vignette zu 117 scheint es eine Art Erhölumg 
gewesen zu sein, welche der Yerstorliene Ijetritt; und wenn man diese 
Darstellung mit der in S vergleicht, so könnte es der Eingang einer 
Grotte oder einer Höhle sein; man kann in sie eingehen und aus ihr 
ausgehen, und nach der Variante von Pe im Titel zu 117 miifs es der 
Eingang zum Chcrneter gewesen sein. Das häufigste Kapitel dieser Gruppe 
ist 119. Mehrere Papyri vereinigen 117 und 118 zu einem einzigen. 
Das ist der Fall in A a und .4/; dabei hat aber Ai zwei Vignetten. In 
Lb sind die drei Kapitel unter einer und derselben Vignette geschrieben, 
w^elche am ehesten die von 119 ist. 

Kap. 117 findet sich in Ba zweimal. Die beiden Wiederholungen 
sind durch 141 — 3 und 119 von einander getrennt. Sie sind durchaus 
gleich und brechen mitten in der 3. Zeile beim Worte (1 T^ ab. Unmit- 
telbar darauf beginnt eine Anrufung des Osiris ähnlich 119, von der das 
besterhaltene Exemplar hinter den Varianten zu 119 reproduciert ist. 
Pe, welcher dies Kapitel hinter den Titel iind die Vignette von 64 und 
vor 116 stellt, hat gleichfalls einen dem Schlüsse von 1 ähnlichen Zusatz. 
Kap. 118 findet sich nur ein einziges Mal in P^, wo es zwischen 
138 und 94 steht. Was übrigens die Stelle dieser Gruppe anbetrifft, 
so können wir nur zwischen Act und Ai eine Übereinstimmung bestäti- 
gen, die beide 117 und 118 vereinigt zwischen 96 — 7 und ein mit Z. 68 
beginnendes Fragment von 17 stellen. In Ca schliefst 117 den Papyrus. 
Kap. 119 findet sich in zwei verschiedenen Redactionen, deren 
Varianten zusammens:estellt worden sind. Die eine hat zum Titel ' ^5» 

y1 t 1 EL < — : > — p — 

-=^^^ I 111'^'^^ "'"^ ^^* ^^^^ kürzere; sie findet sich in .If/, Pc und 
Ba; sie läfst alles aus, was zwischen Z. 3 und 5 in der Mitte steht. Die 
andere Redaction hat zum Titel ' ® QA "^'^ n "'^^^^ wl ^^ /v «?tc. 

und findet sich in Ca, La, Lb, Pj, la, Ae, Ai, von denen zwei Vignet- 



158 

ten haben. In zwei Texten, Aa und Ja, steht 119 vor der Gruppe der 
Verwandhingen und in zweien, Ca und La, hinter 99. 

Kap. 120 siehe 12. 

Kap. 121 siehe 13. 

Kap. 122. 

Fehlt. 

Kap. 123. 

Ist dasselbe wie 139. In »S hat 123 weder Titel noch Vignette ; 
es ist ein [1 |] ^ , d. h. es wird als mit 122 gleichbetitelt angesehen. 
Unter 139 hat es ebensowenig eine Vignette und heilst -k j^ :w-n- | „Anbe- 
tung des Tum". Hier wird es " ~^'.^='*^, , genannt. In Pa 

wird es zweimal wiederholt und das h h betitelte ist das erstere, in 

folgender Reihe: 13 (oder 121), 138, 123 (oder 139), 12 (oder 120), 
15B in Titel, 102, 123 (oder 139), 152. In Aa, wo dieses Kapitel nur 
einmal vorkommt, steht es zwischen 72 und 25. Ausnahmsweise, theils 
wegen der Vignette \uv\ theils wegen der Seltenheit des Textes, habe 
ich zu diesem Kapitel Aiv benutzt, der es zwischen 35 und 36 stellt. 
Wir werden dieses Kapitel weiterhin in zwei Exemplaren aus den Kö- 
nio-sgräbern finden, wo es als Titel und Anfang zur Schlufsrede des 

DO? D 

125. Kapitels dient. 

Kap. 124. 

Ist ein in den alten Texten häufiges und wichtiges Kapitel, wel- 
ches sich in 12 Urkunden gefunden hat. Es ist schon bei Gelegenheit 
des 1. Kapitels, dem 124 durch die Gleichheit des Titels nahe steht, be- 
sprochen worden. Es handelt gleichfalls von der Ankunft vor den vier 
ö ü 'rh/ (ißs Osiris, d. h. den vier in der Vignette dargestellten Genien. 



Einige Sätze dieses Kapitels finden sich in 53, andere in 82 wieder. 
Zweimal, in Ab und in Pe, bildet 124 den Anfang des Papyrus; zwei- 
mal auch, in Pc und in Pj, steht es neben Kap. 1. Endlich ist es vier- 
mal, in Ah, Ca, Ax und la, vor das erste Kapitel der Verwandlungen 
gestellt, d. i. 88 und einmal 82. Xur eine Urkunde, Ca, hat 124 neben 
125, und zwar nicht vor, sondern hinter demselben. Kein Text liefert 

die Aufzählung der ^^ nX_2^^l ^'^^" verschiedenen ägyptischen Städte, 

die sich Z. 10 in ,S findet. 

Kai). 125. 

Obwohl das 125. Kapitel sich nicht in allen Papyren findet und 
namentlich nicht alle die vier Theile enthalten, so ist es doch nichtsdesto- 
weniger der wesentlichste Theil des Todtenbuchs. Offenbar war das 
Gericht ein Begriff, mit dem die Ägypter sehr vertraut waren, wenn sich 
auch, abgesehen von den in der Nachschrift erwähnten Vortheilen, nicht 
erkennen läfst, zu welchem bestimmten Ergebnifs diese Prüfung führen 
konnte. 

Dieses umfangreichste Kapitel des Buches, welches Lepsius unter 
eine einzige Nummer gestellt hat, wird gleichwohl in vier wohhmterschie- 
dene Theile zerlegt. Der erste ist „die Ankunft in der Halle der dop- 
pelten Gerechtigkeit" ■'^^'^~^_V "— — ' ^^^■> of^'-^^'? wie zwei Varian- 
ten ergeben. Hl V\ A oder "%5st <=> etc. Nach der Ankunft erfolgt 
die eigentliche Gerichtsscene , während welcher der Verstorbene spricht, 
was man die negative Confession, ein verneinendes Sündenbekenntnifs, 
genannt hat; das heifst, während er nach einander jeden der 42 Zeugen 
anredet, welche beurkunden, dafs er nicht diese oder jene Sünde began- 
gen hat. Daraus ergiebt sich, dals Confession und Psychostasie im Zu- 
sammenhange stehen; das Bekenntnifs geht gewöhnlich der Wägung des Her- 
zens voraus, aber beides findet in der Halle der doppelten Gerechtigkeit Statt. 
Die Vignette der Confession bringt diesen Saal mit einer Thür an jeder 
Seite zur Darstellung, und hier befinden sich auch die Namen der 42 



100 

Oottheiten mit der Abl:iildung einer jeden. Hinsiehtlicli der Psychostasie 
braucht man nur die Vignetten in Pa oder Pe zu betrachten um sich zu 
überzeugen, dafs die Wägung der Seele in der Halle der doppelten Ge- 
rechtigkeit vorgeht. Confession und Psychostasie sind also zwei zusam- 
mengehörige Dinge und >S' trennt sie fälschlich, vim die letztere erst hin- 
ter der Schlufsrede anzufügen. Nachdem der Verstorbene aus dieser Prü- 
fung über die Feinde, welche er zu fürchten hatte, siegreich hervorge- 
gangen ist, verläfst er die Halle und spricht die lange Schlufsrede. Dies 
drückt der Titel in Pb aus, welcher sie nennt: „Worte gesprochen, wenn 
man siegreich aus der Halle der doppelten Gerechtigkeit hervorgegangen 
ist", oder der in Ba: „Worte gesprochen nach der Halle der doppelten 
Gerechtigkeit". Endlich kommt die ziemlich lange Nachschrift mit der 
Angabe, unter welchen Bedingungen dies Buch gelesen werden soll und 
welche Vortheile sich aus seiner Kenntnifs ergeben. 

Ich habe das 125. Kapitel ganz oder theilweise in 34 Papyren 
oder Gräbern gefunden, von denen einige jedoch nur kleine Bruchstücke 
enthalten. Da Kap. 125 oft am Ende der Papyri steht, das heifst an 
einer häufig schadhaft gewordenen Stelle, so ist manchmal nur der An- 
fang erhalten und das Kapitel wird plötzlich unterbrochen. So verhält 
es sich, um nur ein Beispiel anzuführen, mit A,r, welcher die ersten 
Zeilen der Einleitung und die Psychostasie liefert; doch reichte der Pa- 
pyrus offenbar weiter. Von den 34 Texten enthalten 26 die Einleitung, 
27 die Confession, 12 die Psychostasie, 17 die Schlufsrede und 11 die 
Nachschrift. Von allen diesen Urkunden sind niu- drei ganz vollständig, 
sowohl in der Redaction als in der Erhaltung, nämlich die drei Pariser 
Papyri Pa, Pb und Pe. 

Zur Einleitung ist nur 1/ nicht benutzt worden, da er nur wenig 
wichtige Fragmente bietet. Von den 25 Texten gehen 16 bis ans Ende 
des Stückes. Die grofse Mehrzahl beo-innt mit diesen Worten: ^^1 '^-=^ 

° ° c^ Uli Ci 

<~> etc. „Worte gesprochen, wenn man sich nähert" u. s. w. Drei Texte 
nennen indessen dieses Stück: „das Kapitel" oder „das Buch von der 
Ankmift in der Halle der doppelten Gerechtigkeit" (Ta, Tel, Ak), und 



eiller: ,.das Kapitel von der HuUe der doppelten Gerechtigkeit und von der 
Kenntnlfs dessen, was sie enthält- (Ab). Die Einleitung ist eine Art vor- 
läufiger Confession ; der Verstorbene leugnet von vornhereui gewisse Sünden 
begangen zuhaben; nur redet er hier nicht die Gottheiten an, da er sie 
ohne Zweifel erst zu Gesichte bekommt, wenn er in die Halle der doppelten 
Gerechtigkeit eingetreten ist. Die Einleitung begleitet in der Regel eine 
Darstellung des Verstorbenen und seiner Frau in anbetender Stellung. 

Die Confession und die Psychostasie finden in der Halle der 
doppelten Gerechtigkeit Statt. Dieselbe wird in Äa (Taf. CXXXIV— ^"^ 
mit einer Tliür an jedem Ende abgebildet. Im Hintergrunde sitzen die 
beiden Gerechtigkeiten; es giebt zwei und zwar, wie uns Ac lehrt, eine 
des Ostens j ^ und eine des, Westens f^. Li einer andei-n Darstellung, 
im Papyrus Aj), sieht man 3Ia und Safech dasitzen. In der Regel fin- 
det sich iinter seinem Namen eine Darstellung jedes der 42 Zeugen. 
Dieselben können gleichgestaltig sein oder verschiedene Köpfe haben. 
Hinsichtlich der Reihenfolge dieser Götter und der Sünden, welche 
jedem derselben zuertheilt werden, ist die Anordnung in Aa wohl die 
normale. Diese findet sich am häufigsten und ist von mir als Basis 
angenommen worden; indefs kommen erhebliche Abweichungen vor, na- 
mentlich gegen Ende des Kapitels. Sie rühren sehr häufig wohl von 
einer Auslassung des Abschreibers her, der vielleicht einen Gott oder 
eine Sünde vergessen hatte und dann die Reihenfolge imd die Beilesun- 
gen änderte. Eine Variantenübersicht nach der Reihenfolge und Anord- 
nung der einzelnen Papyri aufzustellen wäre unmöglich gewesen. Vor 
allem kommt es darauf an, durch die Vergleichung der Varianten die 
Bedeutung des Ausdrucks festzustellen. Dieser philologische und gram- 
matische Gesichtspunkt ist von gröfserem Belang als die andern. Das 
hat mich in vielen Fällen genöthigt der Ordnung der Pajivri zu ent- 
sagen, was übrigens um so leichter geschehen konnte, als ihr die ägyp- 
tischen Schreiber selbst augenscheinlich keine Wichtigkeit beimessen. So 
entspricht in Pb, einem bis 34 sehr regelmäfsigen Papyrus, der Gott 37 
der Sünde 38. Xun steht in den Varianten die Sünde 38 ^^^T ^ 

21 



162 



|_^^^ von Ph jmrallel mit 38 in Aa, wo sie jedoch einer andern 



Gottheit entspricht. Dafür findet sich andrerseits die Sünde 37 — "u- Ca 
^^ ,_l_,i I I ^'^" -^^ nicht in Aa. Nun ersetzt in mehreren Papyren, 
wie in dem Aa übrigens vollkommen ähnlichen Ad, jene Sünde die 40., 
'"^ ^ ^^ n^ I i§ ' '^^■^Iche in Pb auch nicht vorkommt. Es war daher 
natürlich diesen Ausdruck ^::=^ ^ <§> ^X^ /t^ unter 40 zu setzen, da 
das in dem durchaus normalen Papyrus Ad sein Platz ist, während er 
in Ph die 37. Stelle einnimmt. Derartige Combinationen mufsten gemacht 
werden, um dieselben Texte so viel wie möolich in Übereinstimmuno- zu 
bringen. Wo ich es nur konnte, habe ich die Varianten unter derselben 
Nummer zusammengerückt; aber oftmals habe ich statt einer Variante 
den Satz angegeben, welcher sie ersetzt und vielleicht aus einer andern 
Nummer herrühren kann als derjenigen, unter welcher er steht. Pc und 
Id erwähnen mehrere Sünden, welche aus der Einleitung wiederholt sind, 
^ Y . _.^.|i ""ter 40 und Id dasselbe unter 38. 
Beide werden unter 38 gestellt werden müssen, da sonst keiner die Sünde 
38 hat. Ungeachtet dieser Verschiedenheiten miifs man zugestehen, dafs 
in den grofsen Papyren, wie .4«, Ad, Ca, Pa, eine normale Anordnung 
vorliegt, von der sich keine dieser Urkunden entfernt hat. Die vollstän- 
dige Übereinstimmung so wichtiger Texte genügt um das Vorhandensein 
einer regelmäfsigen Ordnung zu erweisen. 

Manchmal ist ein Papyrus, wie Pa, in drei Abtheilungen geschrie- 
ben; die erste enthält den Namen der Gottheit, die zweite die Darstel- 
lung der Götter, worunter die Negation mit dem Hülfsverb steht -^i— ^^ , 
dann die dritte das Satzglied, welches von diesem Hülfsverb abhängt und 
deshalb ohne das pronominale ^ am Ende ist. In .4 (/ und L a wird das 
Pronomen durch den Namen des ^'erstorbenen vertreten; und in solchem 
Falle kommt es häufig vor, dafs der Schreiber die vor den Namen ge- 
setzte Negation auch hinter demselben wiederholt. Soll man das ledig- 
lich als ein Versehen betrachten? Ich möchte darin eher eine Verstär- 
kung der Negation erblicken: ^^ N. ^ ^ "^ L=/l (vergl. Ad 2, 28 



und 2^assim). Mitiiiitrr, wie in 2Vr, steht die Confession audi einfach in 
der dritten Person ohne Hülfsverb, z. B. -Ju. rn _f 7i l4| l] ^^. t^ "i ^• 

Gleichzeitig mit dem negativen Sündenbekenntnifs findet die Wä- 
gung des Herzens auf der Waage statt. Das ist der Mittelpunkt des 
125. Kapitels, welchem dann die Confession und die Sclilufsrede beige- 
ordnet sind. AVie ich schon bemerkt habe, gehört hierhin auch natür- 
licherweise Kap. 30B: wirklich liaben mehrere Papyri, wie Arj, Po, Pe, 
Iff, diese Anordnung. Gerade in dem Augenblicke, wo der Verstorbene 
seines Herzens Ijeraubt ist, und es vor sich auf der AVaage hat, mufs er 
die Worte dieses Kapitels an dasselbe richten: daher vertritt auch Ka- 
pitel 30B, obwohl von 125 getrennt, in drei Papyren die Psychostasie, 
deren Vignette es hat. Wir haben auch in mehreren Texten, wie La, 
zwei Darstellungen der Psychostasie gefunden, weil der letzte Satz von 
Kap. 1 auf diese Episode anspielt. In La ist die erste Psychostasie, die 
des 1. Kapitels, viel umfänglicher als die zweite und deshalb auf Ta- 
fel CXXXVI reproduciert. Die Untersuchung dieser verschiedenen Dar- 
stellungen zeigt uns, dafs je älter die Papyri sind, desto einfacher die 
Abbildung ist. Nur in den neuern Texten, wie in Äff, erblickt man jenes 
phantastische Thier neben der Waage, _den Fresser der Todten", ein 
Mischwesen, „dessen Kopf der des Krokodils, dessen Hintertheil das des 
Nilpferdes und dessen Mitte die des Löwen isf. 

In der Regel ist Thoth unter der Gestalt eines Kynokephalen in 
der Scene gegenwärtig. Es giebt wenige Papyri, welche die verschiede- 
nen Gottheiten der Psychostasie sprechen lassen, wie es in neuern Ur- 
kunden der Fall ist. Dazu gehören La und Äff. Die Worte sind von 
einem Texte zum andern verschiedene; auch hier scheint der Einbildungs- 
kraft des Schreibers manches überlassen geblieben zu sein. Sie sind daher 
nicht wiedergegeben worden. Überhaupt hatten die Künstlet in dieser 
ganzen Darstellung der Psychostasie viel Spielraum. Das Wesentliche 
war die Waage, der Verstorbene und Osiris. Einmal, in Pa, fehlt sogar 
der erofse Gott der Amenthes. Das Übrige richtete sich viel nach dem 

21 * 



164 

Räume, den der Künstler zur Verfügung hatte, und nach der Art des 
Papyrus. Ein Papyrus, der so sorgfältig, sauber und namentlicli durch 
seine Vignetten glänzend ist wie A(/, hatte eine der Schönheit des Denk- 
mals entsprechende Psychostasie. Die Abbildung m Äg ist die ausführ- 
lichste von allen, die mir vorgekommen sind. Da sieht man Osiris auf 
einem Throne sitzend, dessen Basis auf Wasser ruht. Aus diesem 
Wasser steigt ein Lotus empor, auf dem die vier Götter der Cardinal- 
puncte, die vier j\^j\^ , , , ^ |i stehen. Xnr dieser Papyrus zeigt uns den 
Verstorbenen anbetend, nicht vor den 42 Zeugen wie in S, sondei'u vor 
14 Gottheiten, die dem Verhöre beizuwohnen scheinen und von denen 
die ersten die cosmischen Götter von Heliopolis sind. 

Auf die Psychostasie folgt, was ich die Schlufsrede genannt habe, 
die in S iiTthümlichei'weise der Wäfiruns; des Herzens vorhergeht. Die 
«Stelle, welche die meisten Papyri diesem Stücke geben, sowie der Titel 
in Pb: .Worte gesprochen, wenn man aus der Halle der doppelten Ge- 
rechtigkeit siegreich hervorgeht-, lassen in dieser Beziehung keinen Zwei- 
fel. Die Schlufsrede bieten 17 Urkunden dar. In den meisten dieser 
Texte wird auf dies Stück die Vignette vom Ofen und den vier Kyno- 
kephalen bezogen, welche in S zu Kap. 126 gehört, einem in den alten 
Papp'en allerdings sehr seltenen Kapitel. In den Varianten hinter der 
Nachschrift (p. 335) findet sich nochmals Kap. 123 oder 139. Es dient 
im Grabe Ramses" IX. als Titel und Anfang zur Schlufsrede und vertritt 
diese wahrscheinlich in dem Ramses' TV., wo sie fehlt. In der Schlufsrede 
ti-effen wir, wie in einigen andern grofsen Stücken des Todtenbuchs, die 
Form des Zwiegesprächs, d. h. an den Verstorbenen gerichtete Fragen. 
Jeder Theil der Halle fragt ihn nach dem mystischen Namen, mit wel- 
chem er bezeichnet wird: und das bildet die nothwendise Bedinauno- 
seines Eintritts. 

Das 125. Kapitel schliefst mit einer langen Nachschrift, welche in 
Aa mangelt, aber sich in 11 andern Papyren findet. Was die Stelle 
dieses Kapitels anbetrifiit, so wechselt sie ziemlich, aber wir können die 
folgenden Thatsachen behaupten: Nur ausnahmsweise steht 125 hinter 



1G5 

149 und 150 wie in Äa, Ab, Lc. In der Eegel geht 125 diesen Kapi- 
teln, welche den gewöhnlichen Schlufs der thebaischen Papyri bilden, 
vorher. Die häufigste, durch Pa, Pb, Pc, Cd, Ac vertretene Reihenfolge 
ist: 125, 136A und B, 149 und 150, womit der Papyras schliefst. Wenn 
der Papyrus Kap. 110 enthält, so steht es gewöhnlich hinter 125 und 
vor 149. Doch kann zwischen 125 und 149 ein grofser Zwischenraum 
sein. Das vorhergehende Kapitel ist mitunter 99 (in //.-, Pf) und drei- 
mal, in Ba, Pa und Pc, 14G. 

Kap. 126. 

Ist eines der seltensten Kapitel. Ich habe es nur in Ab vor der 
Confession gefunden und zwar innerhalb des Planes der grossen Halle, 
deren Ecke es einnimmt. Es ist mit der gewöhnlichen Vignette versehen, 
welche, wie schon gesagt wairde, in der Regel bei der Schlufsrede von 
125 steht und auch allein Kap. 126 vertritt. Aufser in Ab habe ich die- 
ses Kapitel nur im Grabe Ramses' VI. gefunden. 

Kap. 127. 

Ist gleichfalls ein seltenes Kapitel, welches sich besonders in den 
Gräbern findet. Es scheint eher zu dem Buche der Sonnenlitanei aiehört 
zu haben, dessen zweiten Abschnitt es bildet, als zu dem Todtenbuche. 
Wir haben zwei verschiedene Versionen davon; die eine findet sich in 
den Gräbern Ramses" I\'". und Ramses' VI., die andere in dem Papyrus //:, 
der es vor 110 und hinter 125 (von dem es jedoch durch 42 getrennt 
ist) einschiebt. 

Kap. 128. 

Fehlt. 



Kap. 129 siehe 100. 



166 



Kap. 130. 

AVir kommeti jetzt zu mehreren Kapiteln, welche von der Fahrt 
des Verstorbenen in der Barke des Ea handeln. Das erste ist 130, wel- 
ches in S eine in keinem alten Papyrus aufgefundene datierte Xachschrift 
hat. Indessen kommt sie in der Epoche der von mir sogenannten alten 
hieratischen vor; denn Deveria bestätigt das Vorhandensein eines Kö- 
nigsnamens von zweifelhafter Lesung im Papyrus des Louvre III, 97. 
"Wir haben drei Versionen des Kapitels, in Lc, Pb und Ba. Die eine, 
die von Ba, ist viel kürzer als die andern, während der Titel, derselbe 
■wie in S, ausführlicher ist und dem in loGB ähnelt. Einige Theile fin- 
den sich auch in dem schlechten Papyrus Po. Die Stelle dieses Kapitels 
ist in jedem der drei Texte eine andere. In Ba steht es zwischen 149 
und den Kapiteln vom Herzen; in Pb zwischen 136A, welches viel länger 
1st als gewöhnlieh, und 148; endlich in dem uns als Basis dienenden ic 
steht es ganz am Anfange des Papyrus zwischen der vorangestellten An- 
betung des Osiris und Kap. 100. 

Kap. 131. 

Fehlt. 

Kap. 132. 

Es ist unerklärlich, warum man diesem Kapitel diesen Platz ge- 
geben hat, wo es die Reihe der Kapitel von der Fahrt in der Barke des 
Ra unterbricht. Von den vier Texten, welche wir noch besitzen, geben 
uns nur zwei, Pc und Ax, über die Stelle, welche es einnehmen mufs, 
eine Andeutung. Pc stellt es zwischen 79 mit der Nachschrift von 72 
und 9 und Ax zwischen 56 und 102, sehr weit von 133. Dieses Kapi- 
tel enthält dieselbe Anspielung auf die Psychostasie, welche man in dem 
letzten Satze von 1 findet. 



i<;7 



Kap. 138. 

Findet sich in divi Urkuiulen, welche sich durch den Titel alle 
drei unterscheiden. Der kürzeste ist der in Ta^ .das Kapitel von der 
Vervollkoninienuno- des Verstorbenen". In diesem Texte beginnt das Ka- 
pitel mit anderthalb Zeilen aus S, welche sich in der Basis nicht vorfin- 
den. Li -l.i' hat man zunächst den Titel von 141, worauf der Text in 

dor Alitte der 4. Zeile mit den Worten i N. ' . einsetzt. Da die 

Nachschriften sehr verschieden lauten, so sind sie alle drei reproduciert 
worden. In Ta folgt 133 auf 86 und geht 134 vorher. In .1« folgt es 
auf 65 vor 64 his und in Ax endlich steht es zwischen 171 und 81. 



Kap. 134. 

Hier fehlt, wie auch in dem vorigen Kapitel, die in S befindliche 
Angabe, nach der es am ersten Monatstage gelesen oder gesprochen wer- 
den soll. Kap. 134 kommt in fünf Urkunden vor, von denen drei, Ib, 
Am und At nur kleine Bruchstücke gewähren. Ta stellt es zwischen 
133 und 6ü und Aa zwischen 56 und 92. 

Kap. 135. 

Fehlt. 

Kap. 136. 

Dieses Kapitel besteht aus zwei Theilen, deren einer (es ist der 
beträehtlichere, von mir mit 136B bezeichnete) aus der saitischen Redac- 
tion verschwunden ist. Derselbe findet sich jedoch noch in den ältesten 
hieratischen Papyi-en. Möglicherweise wurde Kap. 130 als Äquivalent 
desselben betrachtet, denn es hat in S einen Titel, der an den von 
136 B erinnert. 

Kap. 136 A, d. i. das in S aufgenommene, hat sich in 13 Papyren ge- 
funden. Es ist ohne Frage eines der häufigsten; aber fast stets ist es kür- 



168 

zei- als in S und bricht nacli den ersten Worten der 4. Zeile ab. Voll- 
ständig habe ich es nur in Pb und in At gefunden, von welchem letztern 
jedoch nur Fragmente erhalten sind. 

Noch häufiger als 136 A ist 136B, welches in den Papyren von 
einiger Bedeutung fast nie fehlt. Es kann vorkommen, wie in Pa, Pf, 
Iff und Ac, dafs die beiden Kapitel mit 13GA anfangend nur Eines bil- 
den. In diesem Falle hat 136B keinen Titel. In Ad finden sich zwei 
Versionen von 136 B, deren eine unvollständig ist, und sie sind so ange- 
ordnet: Der Text beginnt mit dem Titel von 136B SN ^"^^ ^ 

® O — ] ^ "• s- "^- ^^^'^ sieht, dafs die ersten Textworte des Kapitels 
fehlen, was glauben macht, dafs der Titel diesen ganzen Satz um- 
fafst, während er in Wirklichkeit mit |1 abbricht. Diese erste Version 
von 136B ist unvollständig und hört in Z. 13 auf: ^_^^ /|\ ^ ^K-^^ 
^ Q^ ' ^ Ji Q ,^^, <:zr> ©^' ^^'*^ dann ehiige Sätze des gleiclifalls unvoll- 
ständigen 136 A folgen, deren unbedeutende Varianten ich nicht verzeich- 
net habe. Dann fängt 136 B von neuem an und zwar mit einer voll- 
ständigen Version, deren Varianten reproduciert worden sind. Der Titel 
hat hier eine seltsame orthographische Variante, für das (1 der ersten 
Version schreibt die andere |1. 

Unter allen Kapiteln des Todtenbuchs kann man keinem seine 
Stelle so sicher anweisen wie diesem. Die Ausnahmen sind so wenig 
zalilreich, dafs man sie nicht zu berücksichtigen braucht. Man kann 
behaupten, dafe Kap. 136B immer vor 149, und 136A immer vor 136B 
steht, wenn 136 A nicht ausgelassen ist; denn 136 B kann sehr wohl 
allein stehen. So viel ich weifs, hat nur Ai zwischen 136B und 149 
ein Kapitel eingeschoben. Die Kapitel vor 136 A wechseln; aber in 
mehreren Urkunden und zwar in den besten steht es hinter 125. 

Man wird bemerken, dafs in der Reproduction von 136B eine 
Anzahl Columnen mit ||^ anfängt, wie man es in Wandinschriften fin- 
det. Dies scheint auf einer archaischen Tradition zu beruhen, welche zu 



169 

der oben ausgesprochenen Annahme stimmen würde, dafs die Texte des 
Todtenbuchs ursprünghch an Wänden oder auf die Seiten des Sarco- 
phags geschrieben wurden. Wie dem auch sein möge, so hatte sich diese 
ÜberUeferung in diesem Kapitel erhalten, und unter den Copieen des- 
selben haben mehi-ere Exemplare jenes r^ bewahrt; aber man hat es 
nicht beachtet, dafs das Wort nur über die Zeilen gehört, sondern hat 
es innerhalb derselben eingefügt, wo es das Wortgefüge ganz sinnlos 
unterbricht. Da übrigens nicht alle Vorlagen gleich waren, so geht dies 
jl nicht immer demselben Worte vorher. Die Vignette zu 136 B ist 
fast überall die nämliche. Selten ist sie ausgefallen, denn sie ist sogar 
in Ca vorhanden. 

Kap. 137. 

Hat auch zwei verschiedene Versionen von ungleicher Länge, die 
sich beide in Aa finden. 137 A steht -S am nächsten. Es ist ein langes 
Kapitel mit einem Datum, da die Nachschrift sagt, dafs es von dem 
königlichen Sohne Hortete/ aufgefunden wurde, den wir als einen Sohn 
des Mycerinus kennen. In Ba entspricht ihm ein viel kürzeres Kapitel, 
welches ganz reproduciert worden ist. 137 B ist ein kurzes Kapitel, in 
welchem Ba und A a deutlich übereinstimmen. In Ba folgen 137 A und 
B auf einander und sind zwischen 59 und G3 gestellt. In Aa steht 
137 B zwischen 89 und 119, dagegen 137 A nahe am Ende des Papyrus 
zwischen 106 und 64. 137 A rindet sich, freiUch sehr incorrect, auch in 
Pi wieder. Hier steht es ganz am Ende des Papyrus. 

Kap. 138. 

Es ist eines der seltenen Kapitel, dessen Basis aus 7^ genommen 
ist. Es findet sich in vier Papyren. In Ik steht es zwischen 152 und 
einem Fragmente von 18, in Pa zwischen 13 und 123, in Ph zwischen 
57 und 153 B und in Pi zwischen 89 und 118. Ik ist die einzige Ur- 
kunde, welche hinter das Kapitel die grofse Zeichnung mit dem Emblem 
von Abydos in der Mitte stellt. 

22 



170 



Fehlt. 



Kap. 139 siehe 123. 
Kap. 140. 



Kap. 141 bis 143. 

Unter diesen drei Nummern stehen in S zwei Listen von Osiris- 
namen und eine Darstellung. Die beiden Listen bilden in Wirklichkeit 
nur eine. Li den alten Texten, selbst in denen der XXL Dynastie, sind 
sie zu einem einzigen Kapitel vereinigt. Oftmals sind alle diese Namen in 
einem Sanctuarium zusammengestellt, wie die der 42 Zeugen im 125. Ka- 
pitel. Was das 142. Kapitel in S bildet, fängt mit No. 53 in unserer 
Ausgabe an. Dieses allein stehende Kapitel ist etwas weniger ausführ- 
lich als die beiden andern; aber die Dreitheilung ist oflfenbar aus neuerer 
Zeit. Was glauben machen könnte, dafs das Kapitel vielleicht schon in 
der thebaischen Epoche in zwei aufgelöst war, ist der Umstand, dafs Ba, 
welcher einen besondern Titel ''^^^ ^2K\i$$ ^^^o*? ^^'^^ mit 53, d. h. 
142, anfängt und keine der vorhergehenden Benennungen enthält. Aber 
angesichts der Übereinstimmung der übrigen Ui-kunden, selbst jener der 
XXL Dynastie wie des Papyrus der Königin Net'emt (Pq) und Leyden III, 
darf man daraus nicht folgern, dafs dieselben ein getrenntes Kapitel ge- 
bildet hätten. Kap. 143 besteht nur aus den Vignetten zu 142, welche 
hier durch Anbetungen des Osiris ersetzt werden. 

Ich habe zu diesem Kapitel acht Urkunden benutzt, von denen die 
eine, Ld, aus dem Ende der XX. Dynastie herrühren mufs, also mit dem 
gleichfalls herzugezogenen Pq fast gleichzeitig ist. Das Kapitel findet 
sich auch in den Urkunden der XVIII. Dynastie, so in .4 d, Ta und an- 
dern. In Ld kommt der sehr seltene Fall der Erwähnung des Amnion 
vor, nämlich unter No. 58, wo man statt Hij 8^3:7-¥- vielmehr 

jj ^ 1 /wwv\ ^^~^ \ 9 i^G&i- Das liegt ohne Zweifel daran , dafs in dieser 
Epoche der Cultus des Amnion den der andern Götter in Schatten stellte. 
Hinsichtlich der Stelle des Kap. 141 — 143 sind alle Documente uneins. 



171 



Kill). 144. 

Mit diesem Kapitel kommen wir zu der Reihe „der Thore" oder 
„der Wohnungen'^ , d. li. der ^_^ ^ ^ cr^ ""^^ P J ^ 'ü' »«^'»annten Ört- 
lichkeiten. Diese Kapitel sind von der saitischen Redaction sehr abwei- 
chend. Sie haben im allgemeinen nicht die Anrufungen, welche in >S 
vorkommen. Zwei davon, 144 und 146, sind häufiger als die übrigen 
und gehören zusammen; sie folgen unmittelbar auf einander, wie in Ab, 
Ik, La, oder man hat sie selbst zu einem einzigen Kapitel verschmolzen, 
wie in Aa. 

Kap. 144 hat einen besondern Titel, es heifst i ^^ „das Ka- 
pitel von der Ankunft". Diesem Titel folgt eine kurze Anrufung" der 
Wächter der verschiedenen _^__^ U U ^__^, vor welche der Verstorbene hin- 
treten will. Titel und Anrufung kommen nur in Ax und Ab vor, im 
letztern in einem fragmentarischen Zustande, der nur den obern Theil 
der Zeilen darbietet. 

Dieses Kapitel besteht nur in der Benennung des auf die sieben 
verschiedenen ^__^ 1| (| ^__^ Bezüglichen. Dieselben sind in der obern Zeile 
alle numeriert, jede n \\ hat einen Eigennamen, der in der mitt- 

lem horizontalen Linie steht; sie sind von zwei Personen bewohnt, dem 
^"^1=3 „dem Wächter" und dem P | ^ ^ f] ^"^ .-dem, der da- 
selbst seine Stimme hören läfst-, wahrscheinlich um jeden Kommenden 
anzukündigen, und den ich den Herold nennen werde. In jedem Thore 
ist der Wächter der erstgenannte; der Herold kommt erst nachher, we- 
nigstens in der gewählten Basis, wo man in jeder (| ^^ besonders 
von der Rechten anfangen mufs: nur die Zeile der Ziffern bildet eine 
Ausnahme. 

Wenn man die verschiedenen Exemplare dieses Kapitels prüft, so 
sieht man, dafs nicht zwei gleich sind mid den Thoren dieselben Num- 
mern oder dieselben Insassen geben. Indem ich das publicierte Exem- 
plar aus Ax als Grundtext nahm, habe ich deshalb die verschiedenen Ele- 
mente jeder ,___^ 1| (j ^___^ folgendermafsen unterschieden. Die römischen 



90» 



172 

Zahlen beziehen sich auf den Namen des Thores. Auf Taf. CLIV soll- 
ten diese Ziffern über der mittlem horizontalen Zeile stehen, nicht oben. 
Die lateinischen Buchstaben «, h, c bezeichnen die Wächter und die 
entsprechenden gi'iechischen «, /3, ■/. die Herolde; so besteht in der 
Basis die 4. __^ tj U j__j aus IV. d ^, was ich der Kürze wegen so an- 
deute: 4:([V. d ^). Nach dieser ßezeichnungsweise stellen sich die an- 
dern Documente folgendermafsen dar: 

Pc 1 (V. var. g 7), 2 (I. /</.), 3 (VI. e e), 4 (IL d S), 5 (W. c y.), G (TR. b ß), 

7 (Vn. a a) ; 

Cc 1 (I. gf), 2 (IL .^ £), 3 (IV. rf<5), 4 (HL ck), 5 (Y. eß), G (M. ba), 

7 (a 7 var.) ; 

Ab 1 (J.gy), 2 (VL /</>), 3 (E. f/s), 4 (H^ c ^), 5 (HL e k), 6 (V. i/3), 

7 (VII. var. a«); 

^a 1 (H.), 2 (L/), 3 (VL d<!>), 4 (VH. es), 5 (FV. eS), 6 (ÜL 6h), 

7(V. 0,6); 

Ik 1 (gf), 2 (fs), 3 (rZ^), 4 (CK), 5 (e/S), C (6«), 7 («7). 

La liefs sich wegen seiner schlechten Erhaltung nicht verwerthen. 
Auch Ik ist an dieser Stelle ziemlich schlecht und erwähnt nur den 
Wächter und den Herold ohne den Namen des Thores. A a hat eine 
eigenthümliche Anordnung, die auf Taf. CLV reproduciert ist und sich 
vermuthlich auch in IIa fand. Die Einrichtung ist zu Anfang nicht voll- 
kommen regelmäfsig, aber wenn man die andern Zeilen aufser der ersten 
betrachtet, so sieht man Nebseni vor einer (j ü ^.^ in Anbetung, de- 

ren Name sich neben denen der Insassen befindet. Hinter dem Ge- 
bäude sind der Herold und der Wächter und hinter diesen der Name der 
dargestellten ' l' [^ derselben Nummer. Es ist also eine Verschmelzung 
der Kapitel 144 und 146, die sich sonst in ^1« nicht wiederfinden. Nur 
darin hat sich der Schreiber geirrt, dafs er acht (J ^_^ gezeichnet 

hat, während nur sieben existieren. Der Name der achten wird daher 
durch den Titel des folgenden 148. Kapitels ersetzt, mit der Vignette der 



173 

sieben Kühe und des Stieres. In Aa bildet dieses doppelte Kapitel mit 
148 die obere Abtlieilung des Papyrus, unter der sich die Kapitel von 
den ^ ^ ]{ 1 ! ^nd andere befinden. 

Aufser bei 146 steht Kap. 144 am häufigsten bei 148. Das grofse 
Stück unten in S ist neuern Ursprungs ; es kommt in keinem alten Texte 
vor, selbst nicht in den ersten hieratischen, wie dem PapjTus de Luynes. 

Kap. liö lind 146. 

Diese beiden Kapitel sind nur zwei verschiedene Versionen eines 

Ki , , I den 

Thoren des Hauses des Osiris in den Elysischen Gefilden. Diese Thore 
sind weit genug, um wie die U ü p^^ Bewohner haben zu können. Es 

sind nach Kap. 145 einundzwanzig, aber nach Kap. 146 nur noch fünfzehn. 
Li S ist Kap. 145 das vollständigere. Der Verstorbene tritt vor und er- 
klärt den Xamen des Thores und des Gottes, welcher mit seiner Bewa- 
chung betraut ist, zu kennen. Der Name des Thores ist immer weitläuftig 
und mystisch. Nachdem er den des Wächters gesagt hat, beschreibt der 
Todte die Reinigungen, die er erfahren hat, und die Öle oder Balsame, 
mit denen er gesalbt ist, worauf der Text regehnäfsig mit den Worten 
schliefst: -Tritt ein, denn du bist rein". So geht es fort bis zum zehn- 
ten Thore: dann ist von einem Gott -Wächter nicht mehr die Rede; der 
Verstorbene sagt einfach: -Ich kenne dich, ich kenne den, der in dir ist"; 
nachdem er darauf den Namen des Thores genannt hat, macht er nicht 
nur nicht den Bewohner namhaft, sondern auch alles die Reinigungen, 
welche er über sich hat ergehen lassen, Betreffende ersetzt er durch die 
Worte: f] ^ -^ ^ P ^1 ^^ IJ P ^ J S ^ |l^- So geht es 
fort bis zum 21. Thore. Hier erscheint der Gott -Wächter wieder, dessen 
Namen er nennt, aufser denen von 7 Gottheiten. Alles schliefst mit 
einem Stücke, wie es viele im Todtenbuche giebt, in welchem die Glück- 
seliskeit beschrieben wird, welche er erreicht. 

Das 14G. Kapitel ist das abgekürzte 145. Zu jedem Thore ist 
sein Name und der des Wächters gesetzt, bis No. 10. Von da ab fehlt 



174 

der Name des Wächters und wird durch den oben angeführten Satz ver- 
treten, immer denselben bis zum Ende von 15, denn weiter geht das 
Kapitel nicht. Unter dieser Nomenclatur steht noch ein Stück in einem 
panegyrischen Stile, welches wie das ähnliche in Kap. 144 neuern Da- 
tums ist. 

Nun zu den alten Texten übergehend, bemerken wir, dafs 145 
viel seltener ist als 146. Nur zweimal hat es sich, in zwei verschiedenen 
Formen, gefunden. 145 A ist S am ähnlichsten. Diese Version ist dem 
Grabe des Menephthah Siphtah entnommen; was von dem Kapitel er- 
halten war, habe ich bei meinem ersten Aufenthalte in Theben 1869 co- 
piert. Es fängt mit No. 6 an. No. 10 fehlt und mit 18 endigt es. Dar- 
aus folgt nicht, dafs das Kapitel nicht länger wäre; dafür bietet der 
Text eines Grabes kein entscheidendes Argument. Hier sind die Noth- 
wendigkeiten der Architectur so gebieterisch, dafs sie den Schreiber sehr 
wohl veranlafst haben können das Ende eines Textes zu unterdrücken. 
Die Modificationen, welche wir im Verlaufe des Textes in S angegeben 
haben, sind dieselben. Bis zu 9 (10 fehlt) wird der Wächter als „der 
Gott, welcher wacht" bezeichnet, während er von da ab heifst „der wel- 
cher in dir ist". Von 11 an verschwindet auch das auf die Reinigungen 
Bezüghche, wofür dieser Satz eintritt: ü ^ ^ <:E> 'l q ; U'^^ I, J rlT' J 
^^Q ^^^-^3- j|. Indefs findet man vor diesem Satze noch den Na- 
men des Wächters, der in S nicht vorkommt. Die Gestalten dieser Per- 
sonen sind nach Champollion reproduciert worden i). In diesem Texte 
fällt eine Vermischung der männlichen Pronomina mit den weiblichen 
auf; sie kommt daher, dafs derselbe für die Königin Tauser, eine der 
Besitzerinnen dieses Grabes, bestimmt war. 

Die andere Version von 145 hat sich nur einmal gefunden. Es 
ist davon nur ein kleines Fragment in Pg vorhanden, was um so mehr 
zu bedauern ist, als die Fassung eine verschiedene ist. Der Verstorbene 
beschränkt sich nicht darauf zu erklären, dafs er sich gereinigt, dafs er 
sich mit diesem und jenem Öle gesalbt habe; es findet zwischen ihm und 

1) Notices descriptives 11, p. 451 — 2. 



i7r> 

dem Wächter eine Unterhaltung statt, indem dieser ilni fragt, in welchen! 
Wasser er sich gewaschen und welches Öles er sich zur Salbung bedient 
habe. Es ist wieder die schon einige Male beobachtete Form des Zwie- 
gesprächs. Dieses interessante Stück steht in Pg hinter Bi-uchstiioken 
von 83 und 82 am Ende. 

Kap. 146 ist vollständiger als in .S, da es die 21 Thore enthält; 
aber es ist eine einfache Aufzählung der Namen ohne jeden begleitenden 
Text. Es hat sich in neun Papyreu gefunden, von denen einer, La, zu 
schadhaft ist um benutzt werden zu können; ebenso ist von //«, welcher 
wahrscheinlich mit Aa gleich war, nur ein ganz kleines Fragment vorhan- 
den. Selten ist der Text so vollständig wie in Lc. Indessen reichte Ah 
wahrscheinlich bis zu Ende und nur die Zerreifsung des Papyrus hat 
uns der letzten Thore beraubt. Zwei Papyri, Pa und //.', brechen mit 
No. 15 ab, was beweist, dafs die von S fiir 146 angenommene Zahl auf 
einer alten Überlieferung beruht. Aa erstreckte sich nur bis zu 8. Der 
Zustand der Papyri Ba und Cc läfst nicht erkennen, wie weit diese Ur- 
kunden reichten. Pc sollte wohl bis zu Ende forta-eführt werden und 
die 21 Wohnungen enthalten, aber er bricht mit 20 ab und läfst 3 aus. 

Die Vignetten sind in La, Pa, Lc gleichförmig, d. h. die Thore 
und die Wächter sind dieselben. In Ba sind, so viel sich ersehen läfst, 
die Thore dieselben, aber die Wächter verschiedene; in Aa ist jedes Thor 
und jeder Wächter von den vorhergehenden verschieden. Aber durch die 
Vignetten des 146. Kapitels bemerkenswerth ist Pc; ihretwegen ist das 
Kapitel gänzlich reproduciert worden. Kein anderer Text hat so viele 
merkwürdige Vignetten, aber sie sind theilweise auf Kosten der Correct- 
heit gemacht worden. Abgesehen von offenbaren Auslassungen, wie 7, 
11, 17, ist die Zählung eine irrthümliche; so steht 2 statt 12 bei dem 
ersten Thore der obern Abtheilung; in derselben steht auch 18 für 19: 
es finden sich auch Nachschriften zu dem vorangehenden Kap. 147, wel- 
ches ohne Zweifel unterbrochen worden ist, weil jene schönen Vignetten 
im voraus gemacht waren und man doch den dazugehörigen Text schrei- 
ben nuifste. Jedesfalls ist dieses Kapitel, wie es sich in Pc findet, einzig 



176 

in seiner Art. Leider liefs es sicli mit den schönen Farben, welche es 
im Originale hat, nicht wiedergeben. Ich hebe besonders (Taf. CLXIV) 
eine thronende Gottheit hervor, der sich der Verstorbene in der Be- 
gleitung des Thoth darstellt. Diese Gottheit, welche Deveria Ammon 
nennt, scheint mir, nach den richterlichen Emblemen in ihrer Hand zu 
urtheilen, Osiris zu sein; aber selten sieht man ihn mit diesem Kopf- 
putz angethan. 

Was den Platz dieses Kapitels anbetrifft, so stellen es Ba und Pc 
unmittelbar vor 125 und Ik vor 149. In Ba und Pc folgt es auf 147, 
welches, wie wir sehen werden, eine Variante von 144 ist. 

Kap. 147. 

Mit diesem Kapitel betreten wir wieder die .-— ^lll] ,— -]• welche 
wir aus 144 kennen. Es ist schwer zu begreifen, warum in der saiti- 
schen Codification 144 von 147 getrennt hat, während sie 145 und 146 
zusammenstellt. Auch hier liefert uns Lc den vollständigen Text. In Ver- 
gleich zu 144 hat das Kapitel eine wichtige Abweiclmng. Statt zweier 
Personen, des Heroldes und des Wächters, haben wir drei, aufser den bei- 
den schon bekannten einen dritten, den l| ^^ Kt U=3 "'^^^ Pförtner", 
mit dem Namen, welchen in 144 die " ° [1 [| selbst führte. Es ist 

sehr wohl möglich, dafs zwischen den verschiedenen Texten von 147 
nicht mehr Übereinstimmung bestand als in 144 in Bezug auf die Per- 
sonen, die zu den einzelnen Thoren gehören. Aber was 147 von 144 
besonders unterscheidet und was 147 nur als eine Erweiterung erweist, 
das ist der Umstand, dafs zu jeder ^^^ ü (] |__| nicht nur die drei Na- 
men "eneben werden, sondern auch die Rede, welche der Verstorbene 
spricht, sowie er sich jeder nähert. 

Wir haben nur drei Wiederholungen von 147, die alle di-ei sehr 

unvollkommen sind. Ba nennt diese Gebäude statt ^____^ Ij LJ j__j vielmehr 

J ^\ 1^^; der Vei'storbene kommt vor dem ersten an und, ohne die 

Namen der Insassen zu erwähnen, beginnt er mit der Rede, welche in 



„ I und geht 146 vor- 



177 

Lc die des zweiten ist. Indefs luitte lia sie woiil dem ersten angepafst, 
da wir in einigen Zeichen, welche uns über dieses kleine Stück hinaus 
bleiben, die Nummer 2 finden. Pc beginnt plötzlich mitten in der 31 Z. 
und , indem er die die Reihenfolge der Thore anhebenden Eintheihmsen 
auslälst, macht er aus den verschiedenen Reden eine einzige fortlaufende, 
bis zur letzten Zeile reichende, der er eine Nachschrift anhängt. Kleine 
Bruchstücke dieses Kapitels, welche Lc ähnlich sein mufsten, finden sich 
in einem Londoner Papyrus oder vielmehr unter einem Gemisch von Frag- 
menten, welches als No. 9962 bezeichnet wird. Das Fragment von 147, 
welches wahrscheinlich ans der XIX. Dynastie stammt, ist geschrieben für 
J] •<2=- jj Pl I 1 "^^ '^ ..den Osiris den Schreiber Userhat- 

In Ba folgt dieses Kapitel auf die S %> J 
her; in Pc steht es zwischen 100 und 146; in Lc; welcher uns so voll- 
ständige Grundtexte geliefert hat, haben wir die folgende Reihenfolge: 
100, 91, 147, 146, 109. In keinem Texte hat sich 147 hinter 146 
gefunden. 

Kap. 148. 

In »S ist dies Kapitel aus mehreren Bestandtheilen zusammenge- 
setzt. Das Meiste von den sechs ersten Zeilen hat sich in 1.5 B III 
wiedergefunden. Das eigentliche Kapitel 148 beginnt erst Z. 7 mit dem 
Worte .J^ '^^- I'i dieser Form erscheint es wenigstens in den alten 
Papyren. Das Kapitel besteht in einer Bitte an Oslris, dafs entweder 
er oder die sieben hinnnlischen Kühe und der Stier, deren Namen er 
weifs, den Verstorbenen mit Lebensmitteln und andern Giitern vei-sehen. 
Daher ruft er besonders diese sieben Kühe und den Stier an, darnach 
die vier Steuerruder, welche die vier Cardinalpuncte bezeichnen. Das ver- 
anlafst die je nach den Exemplaren mehr oder weniger vollständigen Vi- 
gnetten. All und Pc haben nur die Kühe und den Stier ohne die Ruder, 
welche sich in La finden. P>a hat die vollständige Vignette mit dem 
Sanctuarium des Osiris und den beiden Anbetenden. Von den sieben 
Papyren, in denen sich dies Kapitel findet, konnten nur sechs benutzt 

23 



178 

werden. Von La ist fast nichts mehr übrig. Ba hat keinen Titel: nach 
Kap. 9 beginnt unmittelbar die Anrufung. Dieser Papyrus ist ein wenitr 
länger als die übrigen mit Ausnahme von Pb, welcher ein ganzes Stück 
hinzufügt, die Zeilen 16 — 18 in S. 

Ich habe schon erwähnt, dafs zwei Papyri, Pc und Ax, diesem 
Kapitel die Xachschrift mit dem Xamen des Mycerinus anhängen, welche 
eigentlich zu 30 B gehört. Die beiden Texte sind fast vollständig gleich; 
die einzige erwähnenswerthe Variante ist Z. 3G If J ^""^ ^^ '^ |\3S?- 
In jedem dieser Texte ist diese Nachschrift über die Psychostasie gesetzt, 
und wahrscheinlich ersetzt sie hier das ganze Kap. SOB. Das ist die 
einzige Andeutung, welche wir über die Stelle von 148 haben. Auch 
in .4» steht 148 sehr dicht bei 125 und ist nur durch einige Zeilen von 
18 davon getrennt. 

Xap. 149 irnd 150. 

Ebenso wie 15 und 16 bilden 149 und 150 nur ein Kapitel. 150 
ist nur die Wiedergabe der verschiedenen Theile von 149, obwohl jeder 
einzelne schon seine besondere Vignette hat. Es ist ohne Fraee eines der 
wichtigsten Kapitel des Todtenbuchs und auf alle Fälle trotz seiner Länge 
eines der häufigsten, welches sich auch bis in die spätem Zeiten mit den 
wenigsten Abweichungen erhalten hat. Ich habe dieses Kapitel in 23 Ur- 
kunden gefunden, deren grofse Mehrzahl vollständig ist. Mit Hülfe der- 
selben habe ich feststellen können, dafs die Kap. 149 und 150 den ge- 
wöhnlichen Schlufs di-r alten Papyri bilden wie auch noch der ersten 
hieratischen. Allenfalls folgt darauf noch 186, welches mehr eine Darstel- 
lung als ein Text ist, oder auch eine Abbildung des Westens oder manch- 
mal ein vereinzeltes Kapitel zur Ausfüllung eines Platzes, der sonst leer 
geblieben wäre. Das Vorhandensein der Darstelluns; zu 150 ist fost im- 
mer ein Zeichen, dafs der Papyrus da zu Ende ist, so in Ac, Ad, Ai^ 
Pa, Pb, Pc, Pf, Ca und Cd. Den normalen Schlufs der alten Papyri 
bilden 125, 136A und B, 149 und 150. Manchmal steht 149 vor 125, 



179 

Avle in .!(/. Ab, Ac; iiber d:is ist eine Ausnahme und selbst in diesem 
Falle stehen die Kapitel sehr dicht bei einander. 

Das 149. Kapitel bezieht sich auf die 14 Wohnungen oder u ^t^^ 
^^^p welche der Verstorbene kennen und an deren jede er sich wenden 
nuifs. Jede dieser Wohnungen bildet einen besondern Paragraphen, der 
seine eigene Vi2;nette hat. Selten fehlen diese Vignetten: sie gehören zu 
denen, welche man mit gröfster Regelmäfsigkeit selbst in den daran nicht 
reichen Urkunden, wie Ca, antrifft. Mehi-ere Papyri geben neben der 
Zeichnung der Wohnung auch ihre Farbe an, nämlich | ^ _grün" 

oder ü , 9 , ..hellgelb-. In der Farbenangabe sind die Papvri fast 

einstimmig. Nur \\vv Wohnungen sind gelb : c, t, k, o. In den Vignetten 
zu 149 finden sich so wenige Varianten, dafs es unnöthig schien, sie zu 
berücksichtigen. Die Vignette der verschiedenen Papyri weicht von der 
der Basis am häufigsten darin ab, dafs sie nach der umgekehrten Rich- 
tung gewandt ist. 

Es wurde schon gesagt, dafs 149 b mit 109 fast gleichlautend ist. 

Obwohl die richtige Anzahl der Wohnungen 14 beträgt, so hat 
man das Kapitel doch, wenn es zu lang schien, mit der 10. abge- 
schlossen: mehrere Papyri, wie Ad, As, Ba, Lc, reichen nur bis zum 
Schlüsse von l\ 

Das Kapitel fängt in der Kegel ohne besondere Titel an, wie in »S. 
Nur Ba bildet eine Ausnahme, indem er ihm einen allgemeinen Titel mit 
folgenden Worten giebt: "SP "^^"^ %i. H m.^^ (das Übrige ist zerstört). Zu 
Anfang ieder Wohnung wiederholt sich das Verb: *=P" <=• ü >^ ,j=i^,, ,,, • 
Andere Urkunden begnügen sich die Wohnungen, wie in .S, zu numerieren. 

Was die Darstellung zu 150 betrifft, so ist es in den meisten 
Zeichnungen leicht die Wohnungen von 149 wiederzufinden, ebenso auch 
die Gottheiten, welche sie einnehmen. Die ihnen vorangehenden vier 
Schlangen stellen vei-muthlich die Cardinalpuncte dar. Es ist jedoch 
zu bemerken, dafs eine der Wohnungen fehlt oder vielmehr dui-ch zwei 
andere ersetzt wird, wodurch es in 150 fünfzehn werden, während 149 
nur vierzehn hat. 



180 



Kap. 151. 

Das Kap. 151 ist nicht nur ein Text, sondern auch eine Abbil- 
dung. Es ist die DarstelUing der CTrabkammer mit allem, was sie ent- 
hält; die vier Wände, welche vertical sein sollten, sind umgestürzt und 
in horizontaler Projection. Im Mittelpuncte der Kammer befindet sich 
unter einem Baldachin die Mumie, auf welche Anubis seine Hände legt. 
Zu Raupten und zu den Füfsen des Todtenbettes stehen die beiden Kla- 
geweiber, Isis und Nephthys. Sie sind von dem Bette ein wenig ge- 
trennt, um einen hinreichenden Platz für die Einschiehinig der Worte zu 
lassen, welche man sich von ihnen gesprochen denkt. Dann kommen 
die vier Wände, deren jede mit einem besondern Emblem verziert ist. 
In den durch die Wände gebildeten Ecken bemerkt man die vier Genien 
der Cardinalpuncte, dieselben, welche über den neben die Mumien ge- 
stellten Kanopenvasen dargestellt sind. Darunter befinden sich die uiebti 
oder sabti genannten Figürchen mit den begleitenden Inschriften; eins hat 
ausnahmsweise einen An ubiskopf. Endlich gewahrt man auch, entweder un- 
ter dem Todtenbette oder an den Seiten, den Vogel mit Menschenkopf, "^s: 
T ® ' '^^^" '^^*^'^ Kap. 89 zum Körper gehört und damit vereinigt wei'- 
den soll. Man sieht aus der Darstellung wohl, dafs die Inschriften das 
Wichtigste und die Zeichnungen nebensächlich sind. Um die Varianten 
deutlicher bezeichnen zu können, habe ich jede der Legenden oder In- 
schriften mit den in der folgenden Übersicht befindlichen Buchstaben 
bezeichnet. 

a. Rede des Anubis über der Mumie ^ l etc. 

b. Rede der Isis. 

c. Rede der Nephthys. 

d. Legende der kleinen Statuette. 

e. Legende des H. 

/. Legende der Flamme. 
(/. Legende des liegenden Schakals. 
h. Worte der beiden "^ "J" ^ • 



181 



I. Legende der beiden T^TtT ^^ J 
A. Worte des II 11^. 
/. Worte des ^\\. 
m. Worte des -k 
n. Worte des 



Die ganze Scene hat .S sehr abgekürzt und nur einen kleinen 
Theil beibehalten. In der srofsen Darstelluncr der alten Texte kommen, 
weil die Inschriften ein wenig durch einander angeordnet sind und be- 
sonders weil die der vier Wände nicht in derselben Richtunu laufen, oft- 
mals Copiefehler vor: manchmal ist ein Fragment an der unrichtigen 
Seite angefangen, wenn auch das Kapitel im Ganzen nicht incorrect ist. 
Es kommt auch vor, dafs ein Theil der Darstellung oder dafs eine In- 
schrift ausgelassen ist. 

Die Darstellung fand sich mehr oder weniger vollständig in sechs 
Papyren: Af\ Pe, La, Pc, Pj und Cc; zwei Papyri, Pb und Aa, haben 
nur einen Theil davon. Pb (Taf. CLXXXII) vereinigt zu einer Gruppe 
unter dem allgemeinen Titel tip] .=^ U i\ü ^=^ „ vier Sectionen 

von 151: d, e, f, </, denen er Kap. 156 und 155 hinzufügt. A<( hat nur 
die zweimal wiederholten Worte des Anubis, woraus er zwei Kapitel 
macht, jedes mit einem besondern Titel. Diese Kapitel sind unter 151a 
bis und 151a ter aufgenommen und, da sie vollständiger sind als Af, so 
ist 151a bis als Grundtext gewählt worden. Die Zahl der Urkunden ist 
für die verschiedenen Abschnitte eine sehr verschiedene. Mehrmals habe 
ich auch einen Papyrus unberücksichtigt lassen müssen, weil er in die- 
sem oder jenem Abschnitte fehlerhaft war. Oftmals ist auch ein andrer 
Grundtext genommen als .1/, wenn nämlich andere Papyri länger sind 
oder wenn, wie bei <j, die religiöse Formel in .1/ fehlt. 

Die Formel i ist die des 6. Kapitels, aber nicht alle Papyri haben 
sie doppelt. In .1/ ist das Exemplar znr Rechten sehr fehlerhaft. Itn 
allgemeinen kommen zwischen den beiden Versionen desselben Exemplars 
Varianten nicht vor. Alle auf S. 4.31 zusammengestellten Versionen ge- 



182 

hören zu 151, mit Ausnahme von Ae, welcher eui veremzeltes Kapitel 
bildet, und dessen Vignette im 6. Kaj^itel als Variante der von Aa wie- 
dergegeben ist. Aber während der Text in A a ausführlicher ist, gleicht 
der von Ae sehr dem 151. Kapitel und ist deshalb hierher gesetzt. 

Die Stelle des 151. Kapitels ist, so viel sich erkennen läfst, in 
der ersten Hälfte der Papyri, d. h. ziemlich weit vor 125 und 119. In 
La steht es zwischen 15B HI und den M ^ j ' j? iii -P^ geht es diesen 
voraus und in Pc findet es sich vor 15 B III. Der Papyrus Af, der in 
der Zusammensetzuno" von den übrinen abweicht, fänot mit 151 an. 



Kap. 152. 

Ist ohne die Fachschrift, welche es in S hat. Es findet sich nur 
in drei Papyren. In Ik ist es das erste Kapitel und steht vor 138; in 
Pb zwischen 71 und 93 und in Pa zwischen 123 und den M \, (|1'- 



Kap. 153 A imd B. 

Kapitel mit zwei Versionen. Die erstere, 153A, ist die in S vor- 
handene; den Titel, welcher in der Basis Pb fehlt, liefern die parallelen 
Texte. Es ist „das Kapitel aus dem Netze hervorzugehen- — wiederum 
ein Kapitel von Benennungen ; der Verstorbene versichert die mystischen 
Namen für jeden Bestandtheil des Netzes zu kennen. Wegen der grofsen 
Ähnlichkeit des Textes habe ich die Bezeichnung 153B einem nur in Pb 
vorkommenden Kapitel gegeben, wo die Fischer durch die vier Kyno- 
kephalen vertreten werden. Mehrere Namen lauten in den beiden Ka- 
piteln gleich. 

Kap. 153 A ist selten und kommt in drei, sehr guten Papyren vor; 
schade, dafs von Ae so wenig erhalten ist. In Aa steht es zwischen 
38A und 17, in Pb zwischen 39 und 64. Kap. 153B, welches dem 
letztgenannten Papyrus entnommen ist, findet sich viel näher am Ende, 
zwischen 138 und 151. 



lSi3 



Kap. 154. 

Ich liatte lange die IloHiumg dieses Kapitel aiifziifinden aufgef>-o- 
beu, als ich es auf der Leinewand Thothmes III in einem horizontalen 
Streifen, der die verticalen Ahtheihingen trennt, entdeckte. Dieser Strei- 
fen ist in Hieroglyphen geschrieben, die in entgegengesetzter Richtung 
laufen, was erklärlich ist. Die Zeichen werden jedoch niemals anders 
als nach rechts blickend geschrieben. Da das Kapitel des Streifens links 
anftingt, gerade da wo die verticalen Columen der darunter stehenden 
Kapitel anfangen, so mufste es nothwendigerweise in entgegengesetzter 
Richtung geschrieben werden, und das ist keineswegs Willkür. Dafs 
wir dieses Kapitel 154 nur hier gefunden haben, erklärt sich wold dar- 
aus, dafs man es lieber auf Mumieiileinwaud als auf Papyrus schrieb. 

Kap. 155 l)is IGO. 

Mit 155 beginnt S eine Reihe kleiner Kapitel über die Amu- 
lette, welche in den alten Papyren viel seltener sind als in den späten 
und sich daher nicht alle wiedergefunden haben. Da diese Texte schon 
auf die AniuU'tte selbst geschrieben wurden, so hielt man es wahrschein- 
lich für uunüthig, sie noch in Papyi-en zu wiederholen. Der Papyrus 
Busca Ik ist an Kapiteln dieser Art besonders reich und liefert einige 
inedite. Bei der Beschreibung dieser Urkunde 1st gesagt worden, warum 
man von ihrer Wiedergabe Abstand nehmen mufste. 

Fa^t innner stehen diese Kapitel zusanmien; so findet sich in Aa 
eine aus 155, 156, IGO und dem verwandten Kap. (5 bestehende Reihe. 
In Pb folgt auf 15oB, wie wir gesehen haben, die Taf. CLXXXII repro- 
ducierte Gruppe, die aui'ser vier Abschnitten von 151 noch 15G und 155 
enthält. In //.■ folgen auf 144, 146 und 149 die Kapitel 29B und 30B 
und darauf als Schlufs des Papyrus 9 Kapitel, welche sämmtlich Amulette 
betreffen. In Ah konnnt nur 156 zwischen 100 und 144 vor. In Fa 
sind 155 und 156 zwischen 90 und 112 eingeschoben. 



184 

Kap. 155 ist das Kapitel vom M, welches sich von dem in 151 
dadurch unterscheidet, dafs es von Gold ist. 

Kap. 156 ist das von der Schleife (vergl. Maspero, le chapitre 
de la boucle, Comptes rendus de FAcademie des Inscriptions et Beiles 
Lettres 1871). 

Kap. 157 und 158 weichen in Ik von S erheblich ab, sind aber 
zu incorrect, um herzugezogen werden zu können. 

Kap. 159 fehlt; nach S bezieht es sich auf dasselbe Amulet wie 160. 

Kap. 160 ist das Kapitel vom | ^ . welches hier die Form eines 
Ziegels hat. 



^C5^ 



Kap. 161. 

Das Kapitel von den vier Winden hat sich nur einmal in Ph ge- 
funden, zwischen 155 und 174, welches letztere vor 110 steht. 

Kap. 162 bis 165. 

Findet sich niemals in den alten Texten, noch auch, so viel ich 
weifs, in den ersten hieratischen. Es sind Compositionen neuern Datums 
und, nach den vielen seltsamen Woi'ten, welche sie enthalten, zu urthei- 
len, fi-emden Ursprungs oder lassen doch wenigstens fremde Einfliisse 
erkennen. 

In der Anordnung der neuen Kapitel habe ich die auf die vor- 
angehende Gruppe der Amulette bezüglichen vorangestellt und dann alles 
die heiligen Gegenstände und die Opfergaben Betreffende angeschlossen. 

Kap. 166. 

Das Kapitel von der Kopfstütze ist A a entnommen, nach dem 
es von Birch publiciert worden ist^). Dieser Text, welcher aus S ver- 



1) Ägyptische Zeitschrift 1868 p. 52. 



1^5 

schwunck'ii ist, koiiiiut schon im Mittlern Reiche vor^). In Kapitel IJla 
bis (Taf. CLXX1\') wird die Stütze unter dem Kopfe der Miunie abgebildet. 
Daher findet sich dieses Kapitel auch zwischen 151a bis und 151a ier. 

Kap. 167. 

Das Kapitel ^vom Bringen des nfa'' ist ein kurzes, welches sich 
nur in Aa findet, wo es vor 65 und hinter 180 steht; das letztere trennt 
es von 151a ter und 166. 

Kap. 168 A und B. 

Ein ganz eigenartiges Kapitel, dessen beide Versionen sich nament- 
lich in der Länge beträchtlich unterscheiden. Sie sind chronologisch se- 

O OD 

ordnet, da 168 A die ältere ist. Um mehrerer Klarheit willen betrachten 
wir jedoch zunächst 168B. Es giebt noch eine dritte Version in Be, 
von der freilich nur kleine Bruchstücke erhalten sind, deren Varianten 
wir aber anführen werden. 

Wenn man von 168B ausgeht, so sieht man, dafs das Kapitel 
aus drei übereinander gesetzten Abtheilungen besteht. Die mittlere ent- 
hält lediglich Vignetten, von denen jede vier Columnen des obern und 
des untern Textes entspricht. Oben findet sich zunächst der Name des 
Wesens oder der Wesen, welche die Vignette darstellt, sodann eine Bitte zu 
Gunsten des Verstorbenen. So Z. 1 ^ il l] aI i wj ^tc. . . . -die, welche 
sich vor Ra niederwerfen und welche den Göttern der Tiefe Opfer dar- 
bringen, mögen sie dem Osiris N. gewähren in Frieden im Dienste des 
Ra zu sein". Der Dativus («) ist, abgesehen von dem ersten Falle, 
wie man sieht, durch die Präposition (j V ausgedrückt. Die Vignette 
stellt eins dieser anbetenden Wesen dar, an welches man sich soeben 
gewandt hat. Darunter steht ein Text, der immer mit derselben Formel 
beginnt und dessen Varianten die folgenden sind: 



1) Lei'Sius, Äheste Texte, Taf. VL. 

24 



1S6 

.if ^'^>^-\rril^\^ 

Aus den beiden letzten Texten ergiebt sich, dafs eine passivische 
Form vorliegt; wörtlich: ^es ist gemacht ihnen die Libation eines Ge- 
fäfses auf Erden durch den Osiris N."; anders gesagt: _wann ihnen ge- 
macht -wird auf der Erde die Libation eines Gefäfses durch den Osiris N.". 
Was daraus folgt, deutet das letzte Satzglied an : ^^ ^ | ^S" i i i i 1 Ä[ .'^ 
^^-^ t rw\/i «dann ist er im Dienste des grofsen Gottes, des Herrn der 
Amenthes". Dies ist der Nachsatz zu dem bedingenden i] _^ _^ ^,.,,^, ^^ 
etc. — ohne Zweifel, da in Be die Folge immer durch ^^ eingeführt 
wird. Dieser Text würde von den dreien der beste gewesen sein, aber 
nur der untere Theil ist davon erhalten, auch ist er sehr unvollstän- 
dig. Nach den Überresten zu urtheilen, war die Zahl der angerufenen 
Gottheiten gröfser als in Bd und folglich auch die der Wohlthaten, wel- 
che das Ergebnifs dieser Libationen bildeten. Ich lasse alles, was von 
dem Papyi'us erhalten ist, hier folgen; er liefert nach unserer obigen 
Beschreibung zwei Mannesnamen mit demselben Titel und einen Frauen- 
namen. Zwischen den mit v^ beginnenden Nachsätzen stehen regel- 
mäfsig die beiden von mir nur einmal copierten Zeilen, immer im glei- 
chen Wortlaut. 



Ä^ ^ [1% UV 



^^ü ^^i .^Sü .^Ca .^^ .^Sil .^^ .^Sil 

/VNAAAA AAA/V*A yWvWv A/VVW\ AAAAAA AA/\A/>A ^^/^AA^ AAAftAA 

$i^$<$j$$ AAAAA^ -P^ ■^C5:>~ AAAAAA /V\AAA\ AVsAiW AAAA^^ AA/»AA^ A/SAAAA AA^^AA AV\AV\ 

^5^^ b"^ -^ J^ a"^ ■?■ ^^ n^^ SrS !\ A ^^ ^^ 



»«5 ^ ^;: etc. J^_j^tKl-~;^S<=-® Ä 



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AAAlVA AAAAAA AAAAAA /VS^«WA AiWSAA AAAAAA /VV^AAA A^WN(%V. AA/S^JVV AVsAAA AAA^^SA J§§jj!$J!J 

AAAAftA /V*AAA.N AJVNftAA A.V^^^^ /SV\^A.% A'JS/VNA AVVAAA AV<AAA AV\A^^ AVWVWN AAAiVNA jjijjj^^lj^ 



-. 41 



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1- 



'^^ o 



In Kap. 1G8A, welches dasselbe, nur viel kürzer ist, steht die 
ganze Inschrift in einer einzigen Abtheilung; der Xame der Verstorbenen 
feUt hier. Der Satz über die Libation (j p ^^ etc. fängt immer oben 
mit der Zeile au; darnach ist der Folgesatz und der folgende Name des 
Gottes ohne Unterbrechung geschrieben. Man wnrd die Variante , für 
bemerken. Da Bd und Be keinen weiteren Text enthalten, so läfst 
sich die Stelle dieses Kapitels nicht angeben. In Af steht es zwischen 
174 und 15 Bin. Es ist das vorletzte Kapitel. 



Kap. 169 imd 170. 

Sind zwei merkwürdige Kapitel, die ohne jede Vignette auf ein- 
ander folgen. Sie sind uns nur aus Pb bekannt. Das eine ist das Ka- 
pitel j.das Bett aufzustellen- und das andere -das Bett zu heben". In 
Pb stehen sie unmittelbar hinter den Elysischen Gefilden und vor 99. 

Kap. 171. 

Ein Kapitel, welchem ich einen thebaischen Ursprung zugeschrie- 
ben habe, weil in der Anrufung, mit der es begmnt, die Götter Menthu 
und Ammon und die Stadt Theben genannt werden. Diese Götter sollen 
dem Verstorbenen ein /j _^ II -ein gereinigtes oder heiliges Kleid" 



188 ■; 

gewähren. Wir besitzen zwei Versionen dieses Kapitels, Cc und Ax. In 
Ax steht es zwischen 86 und 133, in Cc hinter 144 und vor 141 3. 

Kap. 172. 

Mit diesem Kajjitel schliefst der schöne Papyrus .4«. Vielleicht 
mufs man für dieses Stück einen memphitischen Ursprung in Anspruch 
nehmen. Ich habe dieses Kapitel in der Zeitschrift 1873, p. 25 und 81 
jjubliciert und übersetzt. 

Kap. 173. 

Diesen langen Text liefert uns wiederum Aa, der ihn zwischen 
96 — 97 imd 100 mit darauf folgenden 155 und 156 stellt. Ich habe 
ihn gleichfalls unter dem Titel „Discours d'Horus a Osiris" veröffentlicht 
(Zeitschrift 1875, p. 89). 

Hiernach kommen w^ir zu einer Gattung von Kapiteln, die sich 
nicht mehr auf Amulette, heilige Gegenstände und Opfer beziehen, son- 
dern auf Handlungen, die der Verstorbene zu vollbringen, und auf Vor- 
rechte, die er sich zu erwerben hat. 

Kap. 174. 

Dieses Kapitel ist betitelt: „der Ausgang aus der grofsen Pforte 
des Himmels". Es findet sich in zwei Exemplaren, deren eines, Pi, ohne 
Titel ist. Es steht hier zwischen dem Kapitel von den Winden 161 und 
der Einleitung zu den Elysischen Gefilden. In Af folgt es auf die fune- 
räre Scene von 182 und geht 168 vorher. 

Kap. 175. 

Ein langes Kapitel, welches betitelt ist: „das Kapitel nicht aufs 
neue in dem Cherneter zu sterben". Es ist sehr zu bedauern, dafs es 



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uns niclit in einem bessern Zustande überkommen ist. Es beginnt mit 
einem Zwiegespräch. Der Verstorbene fragt zuerst Thoth: (| Q g^ ^ 
^ ^^ <=» [j] P ^ j^ I !__, ^ „wer sind die, welche die Kinder der Nut 
sein müssen?" Darnach redet er Tum an. In weiterm Verlaufe finden 
sich die Überbleibsel einer in Heracleopolis spielenden mythologischen 
Episode. Dieses Kapitel findet sich nur in Lh, wo es seinen Platz zwi- 
schen 99 und 149 hat. 



Kap. 176. 

Ein kleines Kapitel mit gleichem Titel wie das vorige und aus 
sonst vorkommenden Satzstücken zusammengesetzt. Es wird durch Ca 
"•eliefert, der es zwischen 72 und 12.3 stellt. 



Kap. 177 und 178. 

Zwei zusammengehörige Kapitel, die nur in Aa vorkommen. In 
dem ersten handelt es sich mehr um den immatei-iellen Theil der Exi- 
stenz: „das Kapitel den '%* ^ wieder aufzurichten und die Seele wieder 
zu beleben", während im andern davon die Rede ist „den Körper wieder 
aufzurichten, ihm Augen und Ohren zu geben, ihm einen Kopf aufzusetzen 
und ihn auf seine Unterlage zu setzen"'. In diesem Kapitel findet sich 
Z. 32 die Inschrift vom Sarcophage des Mycerinus. Diese beiden Ka- 
pitel folgen unmittelbar auf HO und sind von 180 nur durch 106 ge- 
schieden. 

Kap. 179. 

Ein Kapitel mit einem sehr dunklen Titel, welches sich nur in 
zwei Exemplaren findet. In .1« steht es ziemlich nahe am Endj? zwi- 
schen 41 und loG, in Ah oder vielmehr in dem in Bologna befindlichen 
Theile dieses Papyrus (le) ist es unmöglich seinen Platz zu bestimmen. 



190 

Kap. 180. 

Die folgenden Kapitel weichen in ihrem Character von den vor- 
hergehenden einigermafsen ab. Es sind besonders Hymnen an die Götter 
der Amenthes und an Osiris. Kap. 180 bietet sich uns in vier Versionen 
dar. Zwei einander sehr ähnliche enthält Aa und zwar die eine zwischen 
lOG und 100 und die andere etwas weiterhin zwischen 151a ter und 167. 
Diese beiden Versionen sind in verkehrter Richtung copiert und liefsen 
sich nicht gebrauchen. Der eigentliche Titel findet sich am Ende: ic *^ 

dieses Kapitel ohne Titel beginnen würde, so hat man ihm einen andern 
vorgesetzt: i |' n ^ P J\ I "^^^ Kapitel von den Ziehungen". Die 
zweite dieser Versionen ist nach Deveria von Pierret veröffentlicht 
worden 1). 

Kap. 180 bildet einen Theil des letzten Stückes der Sonnenlitanei^). 
Es ist also ein Text, der nicht dem Todtenbuche allein angehörte. Aufser 
Aa haben wir zwei Versionen davon; die correctere und vollständigere ist 
die in Pa, welche ganz am Anfange des Papyrus hinter der Anbetung des 
Osiris und vor 54 steht; die andere viel kürzere, die nur bis zu Z. 13 
reicht, findet sich in La zwischen 18 und 181, auf welches 15B HI folgt. 

Kap. 181. 

In La folgt 181 unmittelbar auf 180. Nach einem langen Titel, 
wie wir deren in dem Buche viele angetroffen haben, beginnt das Ka- 
jjitel selbst mit einem Gebet zu Osiris. Die grofse Ähnlichkeit zwi- 
schen La und At hat uns ermöglicht ein Kapitel zu identificieren, von 
dem At nur das Ende erhalten hat, mit einem Vignettenfragmente dai*- 
über, in welchem man den Löwen und den Geier und über jedem von 
beiden eine Schlange sieht. Das Bruchstück gehört zu diesem Kapitel. 



^) Etudes Egyptologiques, p. 85. 

2) Litanie du soleil, pl. XV, 45 — XVIII, 76. 



191 

Wir finden dasselbe auch in lu, wo es zwischen unbekannten Zeilenfrag- 
menten und 79 stellt. In la ist das Kapitel, wie man bemerken wird, 
viel länger. Ein ganzes langes Stück findet sich in den andern Papyren 
nicht und ist auf Taf. CGVl als Fortsetzung von 181 vollständig wieder- 
gegeben worden. In At lüfst sich die Stelle dieses Kapitels nicht er- 
kennen. In La folgt es auf 180, mit dem es eine Gruppe bildet. 

Kap. 182. 

Dieses Kapitel ist betitelt „das Buch zu befestigen Osiris, dem 
Leichname die Hauche zu verleihen, während Thoth den Feinden des 
Osiris widersteht". Es ist ein grofser Hymnus, den man sich von Thoth 
gesprochen denkt und der gröfstentheils an Osiris selbst gerichtet ist. 
Es folgt darauf eine funeräre Scene, in welcher man den Todten auf 
seinem Leichenbette unter einem Baldachin ausgestreckt sieht. Neben 
ihm stehen die beiden göttlichen Klageweiber und die Götter der Cardi- 
nalpnncte; darüber und darunter stehen oder sitzen Genien, welche Mes- 
ser halten, Schlangen und Eidechsen. Dieses Kapitel ist dem merkwür- 
digen Papyrus Af entnommen, der uns so viele inedite geliefert hat. Es 
ist das zweite Kapitel dieser Urkunde und steht gleich hinter 151 und 
vor 174. Ohne die funeräre Scene kommt dieses Kapitel auch in Ja 
vor und zwar zwischen zwei Fragmenten, welche beide zu der Sonnen- 
litanei gehören. Der Papyrus ist an dieser Stelle sehr schadhaft. 

Kap. 183. 

Noch ein Hymnus des Thoth an Osiris, dem vorhergehenden nahe 
verwandt; da er indessen ausführlicher ist, so mufste er als besonderes 
Kapitel eingestellt werden. Er ist Ag entnommen, in dem er zwischen 
16 A und der Psychostasie steht. 

Kap. 184. 

Ein sehr kleines Stück eines unedierten Kapitels aus dem Papyrus 
Czartoryski, dessen Stelle sich bei der Verworrenheit dieser Urkunde un- 
möglich angeben läfst. 



102 

Kap. 185. 

Von der Anbetung des Osiris, die sich in sehr vielen Papyren 
findet, durfte ein Beispiel nicht fehlen. Die Abfassung dieses Kapitels 
blieb der Einbildungskraft des Schreibers überlassen, denn die Worte sind 
fast immer verschiedene. Ich habe zu diesem Behufe einen der vollstän- 
digsten Texte ausgesucht, jenen, mit welchem der Papyrus Pd beginnt. 
Ohne Zweifel steht dieses Stück in der grofsen Mehrzahl der Fälle am 
Anfange des Papyrus: aber es kommt auch vor, dafs es am Ende vor 
der Darstellung der Kuh des Westens angehängt ist; in Sonderheit ist 
das der Fall in La, dessen Vignette als Variante gegeben worden ist. 



Kap. 186. 



Wenn die Papyri nicht mit Kap. 150 schliefsen, so enden sie meist 
mit der unter 186 gestellten Darstellung, von der ich vier Beispiele zu- 
sammengestellt habe. Der Verstorbene steht anbetend vor Hathor unter 
der Form eines weiblichen Nilpferdes, hinter welchem die aus dem Berge 
des Westens hervortretende Kuh Mehurt erscheint. Der begleitende Text 
konnte wie der der Anbetung des Osiris nach dem Belieben des Schrei- 
bers verschieden sein. Pierret hat den Text des Papyrus Da pnbli- 
ciert^). AuXser den vier hier abgebildeten Darstellungen finden sich 
einige Fragmente in Ba. Bemerkenswertherweise haben nur Ba und Lb 
die Kapitel 149 und 186, aber in beiden Urkunden ist 149 nicht voll- 
ständig und 150 fehlt. 



1) Etudes Egyptologiques, p. 83. 



10.» 



Hierogiypliisclies Yerzeielmils der Kapitel. 



Die eingeklammerten Titel sind aus dem Turiner Papyrus ergänzt. 



Kap. 1. 



Kap. lA. 
Kap. 2. 
Kap. 3. 
Kap. 4. 
Kap. 5. 
Kap. 6. 
Kap. 7. 
Kap. 8. 
Kap. 9. 
Kap. 10. 
Kap. 11. 
Kap. 12. 



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Kap. 13. 
Kap. 14. 
Kap. 15 A I. 

Kap. 15 A IL 
Kap. 15 A III. 
Kap. 15 A IV. 

Kap. 15 B I. 
Kap. 15ß II. 

Kap. 15BIII. 

Kap. 16 A. 
Kap. 16B. 

Kap. 17. 






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Kap. 19. 
Kap. 20. 
Kap. 21. 
Kap. 22. 
Kap. 2,3. 



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Kap. 24. 
Kap. 25. 
Kap. 26. 
Kap. 27. 
Kap. 28. 
Kap. 29 A. 
Kap. 29 B. 
Kap. 30 A. 
Kap. 30 B. 
Kap. 31. 

Kap. 32. 
Kap. 33. 
Kap. 34. 
Kap. 35. 
Kap. 36. 
Kap. 37. 
Kap. 38 A. 
Kap. 38 B. 
Kap. 39. 
Kap. 40. 
Kap. 41. 



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Kap. 42. 
Kap. 43. 
Kap. 44. 
Kap. Ab. 
Kap. 46. 
Kap. 47. 
Kap. 48. 
Kap. 49. 
Kap. 50. 
Kap. 51. 
Kap. 52. 
Kap. 53. 

Kap. 54. 
Kap. 55. 
Kap. 56. 
Kap. 57. 
Kap. 58. 
Kap. 59. 
Kap. 60. 61. 
Kap. 62. 
Kap. 63 A. 



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Kap. 63B. 

Kap. 64. 

Kap. 65. 

Kap. 66. 

Kap. 67. 

Kap. 68. 
Kap. 69. 
Kap. 70. 

Kap. 71. 

Kap. 72. 
Kap. 73. 
Kap. 74. 

Kap. 75. 

Kap. 76. 

Kap. 77. 

Kap. 78. 

Kaj). 79. 

Kap. 80. 

Kap. SIA. 

Kap. 81 B. 

Kap. S-2. 

Kap. 83. 



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Kap. 84. ^ S ^ I.T^kl ° 



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Kap. 86. 

Kap. 87. TS^^^i^^^^^ 

Kap. 88. ^"^O^tli^f^l^^ 

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Kap. 96 — 7. '^&^^%f^'t%% 
Kap. 99. Einl. ^ A ^ >^ 

Kap. 101. Fehlt. E%2i^^^S!11 



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Kap. 103. I ^^ ^ ä I A ,ww 

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Kap. 105. I „ ^ U I 



Kap. 106. ^S^.^^-Q'^j;. I\°§'-J[] " 



Kap. 107. F.„u. i2i;:s^*^-t:\iik4s^p 

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Kap. 108. "^ ® ;^^ ^^"^ i f^^^ 



Kap. 109. "T" T* ^ -f B -1\ 



Kap. 110. ^ In -^P^OOn '=^^-=P^S|x°-VaS 



Kap. 111. Sk'ho 108. 



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Kap. 112. -^-^.^^ 



Kap. 113. ^ 






Kap. 114. I ® -^^rzo 



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Kap. 115. F...it. [X^-^y^q^I^ 

Kap. 116. S^^rTuEES 



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Kap. 118. I <==><=> ^ (^^ 

Kap. 119. 1 ® ön '^~^^ r -^s^ Jr ^i^ /\ "^^^^ 1^ ""^^^^ ~^ f^^^^ 

Kap. 120. Siehe 12. 

Kap. 121. Sielie lo. 

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Kap. 123. 
Kap. 124. 






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Kap. 125. Einleitung. ,^^ 

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Kap. 125. Confession. 

Kap .125. Schi ufsrede. 
Kap. 126. 
Kap. 127 A. 

Kap. 127 B. 

Kap. 128. 
Kap. 129. 
Kap. 130. 

Kap. 131. 

Kap. 132. 

Kap. 133. 

Kap. 134. 
Kap. 135. 



Ohne Titel (] ^ etc. 

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Kap. 136A. 



Ohne Titel. 



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Kap. 13GB. ■ ZP1of^^^^^^2 — 2|<: 

Kap.l37B. ZPS^lu^kft-^^- 

Kap. 139. Siehe 123. 

Kap. 140. Fehlt. [| 



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Kap. 145A. Ohne Titel. ^J 



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Kap. 149. 150. Ohne Titel. (| 

Kap. 151. Ohne Titel — funeräre Scene. 



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Kap. 152. ^rM'7^4^»=T 

Kap. 1 53 A. ^ ^ ^ I] "^"^ Ö. 
Kap. 1.^3 B. 

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Kap. 1 = 1. .56. 15Ö. Hrfllll^ = l!i=1-^*^ 

Kap.l..7. Fehl,. [^ /S;S ^^H^ — « ^ <§] 

Kap.1-,8. Few,. [?:^PJ~ W. ] 

if |\ o id. 1 

Kap. 1 GO. --^ I _ :::::i:: 1^ N. 

J ci i; CD i_ü_; _HJi^ /w^A^ 



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Kap. 1G2 — 165. Kapitel aus später Zeit, fehlen sämmtlich. 

Kap. 106. '^^'P^ 

Kap. 16.SA. Ohne Titel — Libationen. 

Kap. 168 B. Ohne Titel — Libationen. 

Kap. 169. 'T'Pfvl "" ^U 



Kap. 170. "^ 



Awv\.\ i::^ >;>>>> A A^^^^^ ^^ L J 



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203 



■-...in. x¥^n\T 

Ka,,. 180. ?Sg^ ra tke^-l'^^i = 2»'=» 

Kap- 18'- Z^l-li^^i^illllli:^';'* 



kc^ «"=• 






Kap. 183. ^-^ffiSZ^-^iT^^ftll 

Kap. 184. -f>^.<=>^pp 

Ka,,. 185. ^11,^=1 Hi— J^T^'-'^ä 



204 



Zusätze und Berichti§uugeu. 



Band I. 

^ lies ^\ 

III Lrnl 

Taf. CIV, iintere Vignette, statt Pc lies Pb. 



Taf. LXXV, Z. 17 statt E=d lies 



Taf. CXXXI, Z. 3 nuten statt • lies ^^^-^. 

III III 

Taf. CLIV. Die römischen Ziffern oben sollten über der zweiten horizontalen 

Linie stehen. 

Taf. CLXXIII. Der Buchstabe a sollte in der linken Ecke des Baldachins ste- 

hen, er gehört zu der mit ^ I anfangenden Inschrift. 



Band IL 

Taf. G, Da bis. Hier ist eine gebrochene Linie von derselben Länge wie in Da 
hinzuzufügen. 



Taf. 21, Z. 1, Pb statt ^> lies . „. 

Taf. 39, Z. 13, Aa lies f=G) 

Taf. 102, Kap. 35, zweite Reihe, neben Ph ist Ax hinzuzufügen. 

Taf. 123, Kap. 50, Z. 5, Ae lies /*— jl] H . 

Taf. 133, Z. 17 Aa statt ^ lies %!' . 

I I I I LTiii 

Taf. 139, Pb hinter „Ende" ist hinzuzufügen: ^^ "^^^ ^ | LI "^ ^ 1 Ka- 
pitel 30 B. '^ '" ""^^^ 
Taf. U4 — 147 statt Cc lies Cd. 

Taf. 229, Z. 36 Lb lies J^^ '"^ i ^^^^-^ 

Taf 245, letzte Eeibe, statt Pf lies la und füge Pf rechts hinzu. 

Taf 305, Z. 34 Pe hinzufüseu: M?» '^^~^^ ^^ ^ f) i. 



Buchdruekerei der Königi. Akademie der Wissenschaften (G. Vogt). 
Berlin , Uuiversitätsstr. S. 




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M,.(-A'-(ji":'_T,|,^^';'' 



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